
Die chinesische Zeitung WENHUIBAO bemerkt zu dem vereinbarten Waffenstillstand: "Die Verhandlungen dauerten lediglich drei Stunden, bis sich die beiden Konfliktparteien unter Vermittlung Malaysias auf die Waffenruhe geeinigt haben. Die seit langem bestehenden territorialen Streitigkeiten zwischen den beiden Ländern wird man jedoch nicht so leicht beilegen können, und es wird auch Zeit brauchen, bis die angeheizte feindselige Stimmung zwischen den Menschen auf beiden Seiten der Grenze mit ihrem umstrittenen Verlauf wieder abklingen wird. Da Malaysia derzeit den ASEAN-Vorsitz innehat und sowohl freundschaftliche Beziehungen zu Thailand als auch zu Kambodscha unterhält, war es naheliegend, dass sich der malaysische Premierminister Anwar Ibrahim als Vermittler angeboten hat. Nun gilt es für die ASEAN, die Einhaltung des Waffenstillstands in beiden Ländern zu überwachen und auf konkrete weitere Maßnahmen der Deeskalation zu dringen", mahnt WENHUIBAO aus Schanghai.
Die thailändische Zeitung BANGKOK POST findet: "Es ist eine erfreuliche Nachricht, dass die Friedensverhandlungen in Kuala Lumpur zu einer Einigung zwischen Thailand und Kambodscha über einen sofortigen und bedingungslosen Waffenstillstand führten. Trotz dieser Fortschritte geht der Kampf im Cyberspace jedoch weiter. Die 'Tastaturkrieger' beider Seiten versuchen, mit nationalistischer Rhetorik die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Beispiele dafür gibt es zuhauf."
Die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN geht auf Malaysias Premierminister ein: "Noch im Januar hatte Anwar die Regierungschefs aus Thailand und Kambodscha als inoffizielle Berater für ASEAN gewonnen, um die Krise in Myanmar zu bewältigen. Ausgerechnet diese beiden Männer haben nun eine neue Krise in der Region ausgelöst. Für das Bündnis ASEAN, das in zwei Jahren 60 Jahre alt wird, dürfte der aktuelle Konflikt zwischen Thailand und Kambodscha nicht einfach zu verkraften sein", vermutet NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
Nun geht es um die Hilfslieferungen in den Gazsstreifen. Die norwegische Zeitung AFTENPOSTEN aus Oslo spricht von einem Hoffnungsschummer, dass es nun "humanitäre Korridore für Lastwagen geben soll. Auch hat Israel Lieferungen aus der Luft zugelassen. Am Sonntag warfen Jordanien und die Vereinigten Arabischen Emirate 25 Tonnen Nothilfe mit Fallschirmen über Gaza ab. Das Dilemma ist, dass eine solche Versorgung teuer und uneffektiv ist. Lebensmittel und andere Güter können weniger gut verteilt werden, und das Diebstahlsrisiko ist hoch. Insgesamt betrachtet ist es jedoch positiv, dass Israel nun mehr Hilfe zulässt. Es könnte dies die Reaktion auf die klar formulierten Forderungen von Großbritannien, Frankreich und Deutschland sein. Die Freunde Israels müssen jetzt den Druck aufrechterhalten, damit diese Zugeständnisse keine Luftnummer bleiben", verlangt AFTENPOSTEN.
Die arabischsprachige Zeitung AL QUDS AL-ARABY beobachtet: "Derzeit lässt sich in Europa wie auch den USA ein erheblicher Meinungsumschwung hinsichtlich des Gaza-Krieges beobachten. Die Zeit, in der Kritik am Vorgehen Israels tabu war, scheint vorbei. Dieser Trend entspricht einer Entwicklung in der arabischen Welt, in der die Kritik am Vorgehen der Hamas immer lauter wird. In der arabischen Welt treten zwar weiterhin die allermeisten Menschen für die Rechte der Palästinenser ein. Doch zugleich sehen sie immer deutlicher auch die Verbrechen, die an israelischen Zivilisten verübt werden. Aus dieser neuen Stimmung in beiden Regionen könnte etwas Neues entstehen", vermutet AL QUDS AL-ARABY mit Sitz in London.
Die US-amerikanische Zeitung THE WASHINGTON POST hebt hervor, Israel habe zunächst versucht, "die Hilfslieferungen über die militarisierte Gaza Humanitarian Foundation zu übernehmen - eine US-israelische Organisation, die sich auf amerikanische Auftragnehmer stützte, die von einer Handvoll Verteilungsstellen aus arbeiteten.Dieser Plan war ein vorhersehbares Desaster. Hunderte Palästinenser wurden erschossen, als sie die Standorte belagerten, und das israelische Militär setzte scharfe Munition zur Kontrolle der Menschenmenge ein. Dieses Experiment sollte beendet werden. Die UNO sind für diese Aufgabe am besten geeignet", meint THE WASHINGTON POST.
Thema in der russischen Zeitung NESAWISSIMAJA GASETA sind die jüngsten Drohungen des US-Präsidenten gegen Russland: "Donald Trump hat sich, nach einer Pause von der Bewertung der dritten Runde der russisch-ukrainischen Verhandlungen, nun klar und deutlich geäußert. Es zeigt sich, dass Trump mit dem Vorgehen Russlands äußerst unzufrieden ist und daher nun darauf besteht, den russisch-ukrainischen Konflikt nicht bis Anfang September, sondern in zehn bis zwölf Tagen zu beenden. Andernfalls würden die Waren jener Länder, die russische Energieressourcen kaufen, mit 100-prozentigen Zöllen belegt. Trumps veränderter Ton dürfte von seinen jüngsten diplomatischen Erfolgen, vor allem in den Verhandlungen mit der EU, beeinflusst worden sein", schätzt NESAWISSIMAJA GASETA aus Moskau.
Die aserbaidschanische Zeitung MÜSAVAT spekuliert über ein mögliches Treffen zwischen Donald Trump und Wladimir Putin: "Tatsächlich ist Trump als politischer Führer bekannt, der neben harscher Rhetorik auch diplomatische Möglichkeiten nutzt. In dieser Hinsicht scheint die von Trump gesetzte Frist nicht nur eine Warnung zu sein, sondern auch ein Mittel, um die Tür für Verhandlungen zu öffnen."
Nun noch Stimmen zur Einigung zwischen der EU und den USA im Zollstreit. Die estnische Zeitung POSTIMEES aus Tallinn erläutert: "Das von US-Präsident Donald Trump und EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen in Schottland präsentierte Abkommen wird von beiden Seiten nach Kräften als Erfolg dargestellt. Den Amerikanern gelingt das allerdings besser. Trump brüstet sich wieder einmal damit, was für ein großes Handelsabkommen er abgeschlossen hat. Die Europäer reden eher davon, dass das Ergebnis schlechter hätte ausfallen können und nun wenigstens Klarheit herrscht. Für einen Großteil ihrer Exporte in die USA gilt nun ein Zollsatz von 15 statt der von Trump angedrohten 30 Prozent. Trotzdem ist das ein Schlag für die europäische Wirtschaft", urteilt POSTIMEES.
Die fanzösische Zeitung LES DERNIÈRES NOUVELLES D'ALSACE aus Straßburg spricht von einem unausgewogenen Kompromiss: "Es handelt sich um eine unter Zwang durchgesetzte Erhöhung, die Zölle festlegt, die dreimal so hoch sind wie vor der Wiederwahl von Donald Trump. Für europäische Produkte kommen sie zusätzlich zur Verteuerung des Euro gegenüber dem Dollar hinzu. Europa ist ein wirtschaftlicher Riese, der durch seine komplexe Struktur mit 27 Mitgliedern, seine internen Spaltungen und die unterschiedlichen wirtschaftlichen Interessen seiner Mitgliedstaaten gehemmt wird. Das Zollabkommen wurde unter Drohungen geschlossen und die Kommissionspräsidentin musste mit dieser Realität umgehen, um den Schock abzufedern", resümiert DNA.
Die mexikanische Zeitung EL FINANCIERO aus Mexiko-Stadt fragt: "Warum hat Europa nachgegeben? Weil es kaum Optionen hatte. Also beschränkte man sich auf Schadensbegrenzung, aber damit wurde ein gefährlicher Präzedenzfall geschaffen. Mit Mexiko könnte sich dieses Muster nun wiederholen: Wenn bis nächsten Freitag keine Einigung mit den USA erzielt wird, steigen die Zölle für unsere Exporte von 25 auf 30 Prozent. Präsidentin Claudia Sheinbaum zeigt sich zuversichtlich, dass es zu einer Einigung kommt, und hoffentlich bekommt sie recht. Aber die jüngere Geschichte zeigt, dass es meistens anders kommt. Trump hat erkannt, dass es mit Zwang funktioniert - also setzt er ihn ein. Und wenn sogar die EU mit all ihrem wirtschaftlichen und politischen Einfluss einknickt, wird es Mexiko kaum besser ergehen", prophezeit EL FINANCIERO zum Ende der internationalen Presseschau.
