
Die schwedische Zeitung DAGENS NYHETER aus Stockholm führt aus: "Vor 80 Jahren beendete Japans Kapitulation den Zweiten Weltkrieg, und Chinas starker Mann Xi Jinping lädt zur Feier. Wladimir Putin bleibt gleich eine ganze Woche, und morgen kommt Nordkoreas Diktator Kim Jong-Un. Aber auch die Wege von Indiens Premier Narendra Modi oder dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan führten nach China. Manchmal heißt es, Donald Trump verfolge mit seinen Attacken auf Europa eine schlaue Strategie. Oder es heißt, er habe die von China ausgehende Bedrohung erkannt und wolle den Fokus der USA auf die Pazifik-Region verschieben und am liebsten Peking isolieren. Aber das ist reines Wunschdenken. Stattdessen teilt Trump gegen alle aus und hat damit lediglich seine Verbündeten gespalten - und die Diktatoren Xi und Putin geeint", konstatiert DAGENS NYHETER.
Die türkische Wirtschaftszeitung DÜNYA beobachtet: "Der indische Premierminister Narendra Modi nahm den russischen Präsidenten Wladimir Putin bei der Hand und führte ihn zum chinesischen Staatschef Xi Jinping. Die drei mächtigen Staatsführer hielten sich an den Händen, hoben diese in die Luft und demonstrierten so ihre Zusammenarbeit. Die neue Weltordnung wird umgestaltet und in dieser neuen Ordnung werden die Linien klarer, fester und rigider gezogen als je zuvor. Chinas Vision geht über die Rolle als wirtschaftlicher Riese hinaus: China spielt jetzt in jeder Hinsicht eine führende Rolle in der Welt, auch in den Bereichen Sicherheit und Zusammenarbeit", unterstreicht DÜNYA aus Istanbul.
Die britische Zeitung THE GUARDIAN analysiert: "Peking betrachtet die SOZ als eine Möglichkeit, sich auf der Bühne zu präsentieren. Die Auswirkungen reichen weit über Südasien hinaus. Für Moskau unterstreicht jeder Handschlag in Tianjin, dass es trotz Sanktionen nicht zum Paria geworden ist. Die Türkei kann durch die Teilnahme ihre Zweideutigkeit als NATO-Mitglied aufrechterhalten. Dem Iran ist wichtig, dass die SOZ amerikanisch-israelische Angriffe verurteilt, denen es im Juni ausgesetzt war. Je mehr dieses Theater China und Russland als normale Anführer eines nicht-westlichen Blocks erscheinen lässt, desto schwieriger wird es für Washington, in Krisen einen globalen Konsens zu erzielen – insbesondere in Bezug auf die Ukraine", schätzt THE GUARDIAN aus London.
Die taiwanesische Zeitung ZHONGGUO SHIBAO ist sicher: "Anders als noch in der Vergangenheit geht es Peking nicht mehr darum, seine kommunistische Ideologie zu exportieren. Im Vordergrund steht nun ein pragmatischer Schulterschluss mit einstigen Rivalen wie Russland und Indien gegen gemeinsame Feinde. Dass Chinas Staats- und Parteichef dabei das Heft in der Hand hat, ist nicht zu übersehen. Trumps antagonistische Politik hat Xi Jinping geschickt ausnutzen können, um zu erreichen, dass der indische Premier seine bisherige Politik des Lavierens zwischen den Blöcken nun endgültig aufgegeben hat", schreibt ZHONGGUO SHIBAO aus Taipeh.
Der Schweizer TAGES-ANZEIGER beleuchtet die Strategie des indischen Premierministers Modi. Er habe das Forum der SOZ auch genutzt, um "seine Agenda gegen Terrorismus zu verbreiten, vor allem den staatlich gestützten aus Pakistan. Dass Peking eigentlich Islamabad unterstützt, ist ein weiterer Punkt, an dem man sich entzweien könnte. Doch Modi hat sich, angesichts einer sich rasant verändernden Weltordnung, dazu entschieden, lieber auf der Seite derer zu stehen, die am Ende das Lachen haben könnten. Als Premierminister des bevölkerungsreichsten Landes der Welt trägt er dazu bei, dass die Welt nicht mehr nur um Washington kreist. Allein damit verkörpert er mehr Macht, als ihm sein US-Kollege dort zusprechen würde. Also hat Modi das einzig Kluge getan, in dieser Situation", urteilt der TAGES-ANZEIGER aus Zürich.
Die italienische Zeitung CORRIERE DELLA SERA aus Mailand ist sich sicher, US-Präsident Trump "muss etwas falsch gemacht haben. Er will den Einfluss Chinas in der Welt einschränken, er will Moskau von Peking trennen und er will, dass Indien kein russisches Öl mehr zu vergünstigten Preisen kauft. Auf dem Gipfeltreffen im chinesischen Tianjin wurde ihm jedoch eine klare Botschaft übermittelt: Keiner seiner Wünsche wird in Erfüllung gehen."
Die tschechische Zeitung MLADÁ FRONTA DNES ist überzeugt: "China schafft es allmählich, das globale Kräfteverhältnis zu verändern und seinen wachsenden wirtschaftlichen und politischen Einfluss in der Welt zu demonstrieren. Trump treibt mit seiner Mobbing-Politik andere Länder in die Arme Chinas. Jüngstes Beispiel ist das Schwergewicht Indien, dessen Premierminister sicherlich kein großer Bewunderer Chinas war und ist. Dass Modi nach Jahren ein rivalisierendes Land besucht hat, kann nur als ein weiterer diplomatischer Erfolg Chinas gewertet werden", betont MLADÁ FRONTA DNES aus Prag.
Die spanische Zeitung EL PAIS aus Madrid findet: "Der Gipfel von Tianjin stellt das Treffen zwischen Trump und Putin in Alaska in den Schatten, ebenso das anschließende Treffen im Weißen Haus mit sieben europäischen Spitzenpolitikern. Trump erleichtert China die Sache enorm. Er hat die Soft Power und die Kooperationsinstrumente der USA zerstört, seine Verbündeten mit Zöllen bestraft und Nachbarn mit Annexionswünschen bedroht. Er demontiert die multilateralen Institutionen, die bislang der Hegemonie der USA dienten, und damit hat er ein geopolitisches Vakuum hinterlassen, in das nun Peking vorstößt. Das erste Opfer dieser 'Strategie' sind die USA selbst", glaubt EL PAIS.
Die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN warnt vor einer zentralen Rolle Chinas bei der Zusammenarbeit mit den Staaten des Globalen Südens, denn: "Es ist zu bezweifeln, dass unter der Führung der Volksrepublik eine wirklich gerechte Weltordnung hergestellt werden kann. Die Werte wie Demokratie, Menschenrechte und Rechtstaatlichkeit müssen bewahrt werden. Der einzige G7-Mitgliedsstaat aus Asien, Japan, könnte als Bindeglied zwischen den amerikanisch-europäischen Staaten und dem Globalen Süden fungieren. Japan sollte sich für den Aufbau einer neuen Ordnung aktiv einsetzen." Das war NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
Die indische Zeitung THE INDIAN EXPRESS bilanziert das Treffen so: "Insgesamt hat der Gipfel von Tianjin die Voraussetzungen für eine Stabilisierung der Beziehungen zwischen Indien und China geschaffen. Beide Staatschefs haben von einer Partnerschaft gesprochen. Das ist zu begrüßen. Es gibt keine idealen Beziehungen. Großmächte sind per Definition darauf ausgerichtet, in erster Linie ihre Interessen zu wahren und ihren Status zu sichern", hält THE INDIAN EXPRESS aus Mumbai fest.
Die SALZBURGER NACHRICHTEN aus Österreich fragen: "Und Europa? Der alte Kontinent wirkt in der neuen Weltlage nicht wie ein Gestalter, sondern wie ein Getriebener. Vor zwei Wochen reisten Staats- und Regierungschefs wie Friedrich Merz und Emmanuel Macron nach Washington, um bei Trump Gehör zu finden – in der Hoffnung, im Ringen um ein Ende des Ukraine-Krieges mitreden zu dürfen. Der Auftritt war kein Zeichen der Stärke, sondern zeugte von der Abhängigkeit Europas. Was in Tianjin passiert, macht deutlich: Europa läuft Gefahr, in die geopolitische Bedeutungslosigkeit zu rutschen. Zwischen einem machthungrigen China, einem unzuverlässigen Partner in Washington und den eigenen Streitigkeiten innerhalb der EU. Der Kontinent muss selbst an Stärke gewinnen – politisch, militärisch und wirtschaftlich", verlangen die SALZBURGER NACHRICHTEN.
Die französische Zeitung LE FIGARO empfiehlt, die Europäer sollten... "...sorgfältig überlegen, welchen Weg sie einschlagen. Vor allem dürfen sie den asiatischen Mächten keine Belehrungen erteilen, da sie sonst Gefahr laufen, dass diese sich noch stärker auf die Seite Russlands stellen." Das war LE FIGARO aus Paris zum Ende der internationalen Presseschau.
