15. September 2025
Die internationale Presseschau

Themen in den Kommentaren ausländischer Zeitungen sind heute unter anderem die Lage in Nahost und der Sieg der deutschen Basketballer bei der Europameisterschaft. Doch zunächst geht es um die jüngsten Zwischenfälle mit russischen Drohnen im NATO-Luftraum.

Dennis Schröder (Deutschland) hält die Trophäe und jubelt nach dem Basketball-EM-Sieg mit den Teamgefährten.
Basketball-EM: Jubel bei den Deutschen nach dem Titelgewinn. (dpa / Matthias Stickel)
"Wird der Westen endlich aufwachen?", fragt die tschechische Zeitung LIDOVÉ NOVINY und fährt fort: "Wenn etwa zwanzig Drohnen mehr als sieben Stunden lang über Polen flogen und nur drei bis vier abgeschossen werden konnten, dann ist das eine Schande. Was passiert ist, deutet auf ein systemisches Problem hin. Wenn die Luftabwehr der NATO in diesem Teil Europas so schlecht funktioniert, hat der östliche Flügel der Organisation ein ernstes Problem. Was würde passieren, wenn Russland statt etwa zwei Dutzend kleiner, billiger und vielleicht sogar verirrter Drohnen plötzlich mit tausend Kampfdrohnen und zweihundert ballistischen Raketen angreifen würde?" gibt LIDOVÉ NOVINY aus Prag zu bedenken.
In einem Gastkommentar in der chinesischen Zeitung HUANQIU SHIBAO heißt es: "Dass sich die Europäer zusehends in Sicherheitsfragen bedroht fühlen, ist einerseits durch den Ukraine-Krieg und die Verunsicherung durch US-Präsident Trump begründet. Doch es fehlt andererseits in Europa eine eigene Russlandstrategie. Geopolitisch schlüpft man gerne in die Denkweise aus der Zeit des Kalten Krieges und schiebt Länder wie China, Nordkorea und den Iran in die Ecke Moskaus, obwohl sie nicht direkt im Konflikt mit Europa stehen. Die Sicherheitssorgen sind eher eine selbst gemachte Angstblase. Die europäischen Mächte wie Frankreich und Deutschland nutzen diese Ängste der mit Russland benachbarten osteuropäischen Länder wiederum, um offenbar eine Front gegen Moskau zu bilden und um eigene Aufrüstungspläne zu rechtfertigen. Von einem selbständigen Verteidigungssystem ist Europa jedoch noch weit entfernt", meint HUANQUI SHIBAO aus China.
DER STANDARD aus Wien beschäftigt sich mit der Rolle Österreichs in dem Konflikt. "In den politisch verantwortlichen Stellen hat man durchaus verstanden, dass Russland auch über die Ukraine hinaus eine Bedrohung darstellt und hat darauf konkret reagiert: Im über Jahrzehnte hinweg vernachlässigten Bundesheer wird aufgestockt, die Sicherheitsstrategie soll zum zweiten Mal adaptiert werden, der Schutz der kritischen Infrastruktur hat heute eine hohe Priorität. Die Wehrsprecher aller fünf im Parlament vertretenen Parteien befanden kürzlich, dass es höchste Zeit für eine 'ehrliche Debatte über die Neutralität' sei. Es ist ein heikler Drahtseilakt zwischen Bewusstseinsschärfung und dem Verhindern eines Panikgefühls. Aber es ist gefährlich, einen Krieg zu negieren, in den man längst selbst verwickelt ist", warnt DER STANDARD aus Österreich.
Themenwechsel. Am vergangenen Freitag hat die UNO-Generalversammlung mit großer Mehrheit dafür gestimmt, dass für Israel und Palästina eine Zweistaatenlösung angestrebt werden soll. Die in Turin erscheinende LA STAMPA sieht das kritisch: "Die 'Zwei-Staaten-Lösung' ist zu einer leeren Formel geworden. Davon reden diejenigen, die nicht mehr an ihre Verwirklichung glauben. Die Unterstützung für das, was einmal ein Vorschlag für Gerechtigkeit war, läuft heute Gefahr, zu einem Alibi für Trägheit zu werden. Wenn Europa immer noch an dieses Modell glauben will, hat es die Pflicht, nicht nur davon zu reden, sondern auch zu handeln: indem es die Verantwortung jener benennt, die es behindern, indem es Verstöße gegen das Völkerrecht bestraft und indem es aufhört, Diplomatie von Moral zu trennen", fordert die in Turin erscheinende LA STAMPA.
Das luxemburgische TAGEBLATT widmet sich der Frage, ob die Regierung des Landes unter Premierminister Luc Frieden einen Palästinenserstaat anerkennen wird. "Warum sollte er zögern? In seiner europäischen Parteienfamilie, der EVP, in der die deutschen Unionsparteien mit dem EVP-Vorsitzenden Weber und der EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen den Ton angeben, scheint sich ebenfalls ein Sinneswandel Bahn zu brechen. Luxemburg sollte jedoch kohärent sein: Für die Zwei-Staaten-Lösung einzutreten, ist richtig. Dann jedoch den zweiten Staat nicht anzuerkennen, entbehrt jeglicher Konsequenz. Vor allem auch hinsichtlich der Friedensaussichten, die eine Anerkennung eines Palästinenserstaates potenziell beinhaltet", hebt das TAGEBLATT aus Luxemburg hervor.
Die Zeitung ASAHI SHIMBUN aus Japan stellt einen anderen Aspekt in den Mittelpunkt: "Was jetzt dringender notwendig wäre, ist ein sofortiges Ende der historisch schlimmen humanitären Katastrophe im Gazastreifen, wo bislang 65.000 Menschen, davon 20.000 Kinder, getötet wurden. Das wäre die dringendste Aufgabe für die diesjährige UNO-Generalversammlung: Sie sollte ihre Zeit nicht mit solchen angeblichen 'diplomatischen Bemühungen' verschwenden, sondern vielmehr den Transport von Nahrungsmitteln übers Land ermöglichen, um die Ausweitung der Hungersnot zu stoppen", mahnt ASAHI SHIMBUN.
Die Klima-Aktivistin Greta Thunberg reist mit der sogenannten Global Sumud Flotilla nach Gaza. Ein Gastkommentar in der Zeitung SVENSKA DAGBLADET aus ihrem Heimatland Schweden blickt kritisch auf die Organisatoren: "Vor weniger als drei Monaten nahmen Vertreter der GSF an einem Treffen im algerischen Hauptquartier der Hamas teil, die hunderte israelische Zivilisten am 7. Oktober ermordeten, folterten und vergewaltigten. Obwohl die schwedische Presse immer noch von der Flotte als Friedensprojekt unter humanitärem Vorzeichen spricht, gibt es Belege, dass die GSF-Führung konkrete Verbindungen zu den berüchtigtsten Terror-Organisationen der Welt unterhält. Greta Thunberg mag das Image einer Vorkämpferin für Gerechtigkeit und Solidarität sein, aber sie unterstützt und legitimiert gleichzeitig antisemitische, religiös fanatische und ultranationalistische Akteure", kritisiert der Gastkommentar im SVENSKA DAGBLADET aus Stockholm.
In Spanien musste die Vuelta-Radrundfahrt auf der Schlussetappe nach Protesten von pro-palästinensischen Aktivisten abgebrochen werden. Dazu schreibt LA RAZON aus Madrid: "Gleichzeitig wurde dieses großes Sportereignis von Spaniens linken Parteien als Plattform missbraucht, um antisemitische Rhetorik zu verbreiten und den Schmerz des palästinensischen Volks für sich zu nutzen. Das ist billige Demagogie, die nur auf Stimmenfang abzielt. Die Rechte und die Sicherheit der Radfahrer werden dabei ebenso wenig berücksichtigt wie der Wunsch der Fans, die Veranstaltung zu genießen. Am wenigsten geht es dabei jedoch um die Tragödie des palästinensischen Volks und den Terror der Hamas gegen Israel", betont die spanische LA RAZON.
Zum letzten Thema: Die deutsche Basketball-Nationalmannschaft hat nach dem WM-Titel auch die Europameisterschaft durch einen 88:83-Sieg in Riga gegen die Türkei gewonnen. LEQUIPE aus Frankreich lobt besonders die Leistung von Spielmacher Dennis Schröder: "Der zum wertvollsten Spieler des Turniers gewählte deutsche Kapitän wachte im bestmöglichen Moment auf, nachdem er lange gelitten hatte."
Die italienische GAZZETTA DELLO SPORT meint, der Erfolg des deutschen Teams unter Bundestrainer Mumbru habe viele Seiten... "...aber der unangefochtene Star war Dennis Schröder. In der ersten Halbzeit schien er völlig neben der Spur, doch in der zweiten Halbzeit zündete er."
Auch SPORTS ILLUSTRATED aus den USA würdigt die Leistung des NBA-Profis: "Als MVP, All Star der EM und mit dem Titel hat Schröder nun eine Bilanz, die ihn in die Basketball-Ruhmeshalle bringen könnte. Diese ist nicht exklusiv für NBA-Spieler und Erfolge in der Liga. Der weltweite Basketball ist auch ein Teil davon, und Schröder dürfte Argumente auf seiner Seite haben."
Die türkische Zeitung SABAH zieht folgende Bilanz ihrer unterlegenen Mannschaft: "Wir haben bis zum letzten Ballbesitz gespielt und gekämpft. Die Jungs haben uns große Freude bereitet. Wir haben bis zum Schluss sehr gut gespielt, aber die Erfahrung hat den Ausschlag gegeben." Mit dieser Einschätzung der türkischen Zeitung SABAH endet die internationale Presseschau.