18. September 2025
Die internationale Presseschau

Die ausländischen Zeitungen beschäftigen sich mit den Vorschlägen der EU-Kommission für Sanktionen gegen Israel. Auch die Bodenoffensive der israelischen Armee im Gazastreifen wird weiterhin kommentiert. Doch zunächst geht es um den Staatsbesuch von US-Präsident Trump in Großbritannien.

US-Präsident Donald Trump und der britische König Charles schauen aus einer goldenen Kutsche heraus in die Kamera.
Einige ausländische Zeitungen beschäftigen sich mit dem Staatsbesuch von US-Präsident Donald Trump in Großbritannien. (IMAGO / Avalon.red / IMAGO / Toby Melville / Avalon)
Die italienische Zeitung CORRIERE DELLA SERA beleuchtet die Rolle der Monarchie: "König Charles III. hat seine Aufgaben als 'oberster Diplomat' voll und ganz erfüllt. Eine heikle Aufgabe, da es darum ging, eine so unberechenbare Persönlichkeit wie Trump zu besänftigen: Aber der Monarch hat dies voll und ganz geschafft, gemessen an dem Lachen und den Witzen, die er mit dem Präsidenten austauschte, der nicht müde wurde, 'thank you, thank you' zu wiederholen. Es heißt immer, dass sich die britischen Royals aus der Politik heraushalten, aber Premier Starmer hat beschlossen, diese Karte auszuspielen. Und König Charles hat sich nach anfänglichem Murren voll und ganz auf das Spiel eingelassen", bilanziert CORRIERE DELLA SERA aus Mailand.
Die schwedische Zeitung SYDSVENSKAN verweist auf einen Zwischenfall beim Empfang von Trump und dessen Frau Melania auf Schloss Windsor. "Auf das Gebäude wurden gigantische Bilder von Trump und dem verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein projiziert - ein geschickter PR-Coup und ein Nadelstich gegen Trump, der alles tut, um die Aufmerksamkeit von seinen Verbindungen zu Epstein abzulenken. Vier Personen wurden deshalb festgenommen, da sie Trumps persönliche Integrität verletzt haben sollen. Freilich wirkt es seltsam, wenn Menschen angeklagt werden, weil sie Bilder gezeigt haben, die auf der ganzen Welt publiziert wurden. Es braucht Gesetze zum Persönlichkeitsschutz. Aber dagegen stehen die Meinungsfreiheit und das Recht, gegen Machthaber wie Trump zu demonstrieren", vermerkt SYDSVENSKAN aus Malmö.
Die britische Zeitung THE INDEPENDENT ist überzeugt, Trumps Bewunderung für die Königsfamile gebe Regierungschef Starmer eine einzigartige Trumpfkarte in die Hand, die er ohne falsche Bescheidenheit konsequent ausspiele. "Seitdem der Premierminister im Oval Office die Einladung von König Charles III. für den US-Präsidenten aus der Tasche zog, läuft die Operation 'Trump schmeicheln' auf Hochtouren. Bislang war sie erfolgreich, da Sir Keir eine gewisse Lockerung der ursprünglich vom US-Präsidenten vorgesehenen Zölle sowie ein Abkommen für das Vereinigte Königreich erzielen konnte", hebt THE INDEPENDENT aus London hervor.
Die irische Zeitung THE IRISH TIMES stellt fest: "In wichtigen außenpolitischen Fragen gibt es zwischen Großbritannien und den USA erhebliche Differenzen, insbesondere hinsichtlich des Krieges in der Ukraine und der humanitären Katastrophe im Gazastreifen. Es gibt jedoch auch Grund zum Optimismus. Die Trump-Regierung sieht nach wie vor einen Wert in der 'besonderen Beziehung' zwischen den USA und Großbritannien sowohl in Bezug auf die Sicherheit als auch beim Handel. Die Herausforderung für Starmer und seine Regierung besteht darin, aus einem sorgfältig inszenierten Ereignis eine dauerhafte Partnerschaft zu machen", unterstreicht THE IRISH TIMES aus Dublin.
Die brasilianische Zeitung FOLHA DE SÃO PAULO geht auf die von Israels Premierminister Netanjahu angeordnete Bodenoffensive in Gaza-Stadt ein: "Ohne effektive Opposition im eigenen Land und dank der uneingeschränkten Hilfe der USA kann er damit den Krieg weiter eskalieren. Gleichzeitig wirft ein UNO-Bericht Israel Völkermord vor. Netanjahu ist der militärische Erfolg zu Kopf gestiegen, und so gibt er seinen expansionistischen Impulsen nach. Auch muss er seine radikalen Regierungspartner zufriedenstellen, um an der Macht zu bleiben und auf diese Weise einem Korruptionsverfahren zu entgehen. Was die UNO betrifft: Da zuckt Netanjahu wieder einmal mit den Achseln und spricht von Einseitigkeit und Antisemitismus. Wie immer man Israels Vorgehen auch bewertet: Klar ist, dass Netanjahu Israel zunehmend in die internationale Isolation treibt", schreibt FOLHA DE SÃO PAULO.
Die lettische Zeitung NEATKARĪGĀ RĪTA AVĪZE betont, im eigenen Land sei der Nahostkonflikt nicht besonders populär - allerdings: "Wenn ein Staat jahrzehntelang UNO-Resolutionen ignoriert und sich damit ebenso verhält wie Russland, bleibt auch das bei uns nicht unbemerkt. Europas wahre Demokratien sind diejenigen, die sich am überzeugendsten für die internationalen Rechtsnormen und die Bewahrung der bestehenden Rechtsordnung einsetzen. Wenn sich auf der Welt eine andere Ordnung durchsetzen kann, die auf dem Recht des Stärkeren beruht, ist das ein schlimmer Schritt zurück", mahnt NEATKARĪGĀ RĪTA AVĪZE aus Riga.
Die russische Zeitung NESAWISSIMAJA GASETA bemerkt zu den Brüsseler Vorschlägen für Sanktionen gegen Israel: "Die Europäische Kommission plädiert unter anderem für die Aussetzung bestimmter Bestimmungen des Assoziierungsabkommens mit Israel. Dies würde den Freihandel zwischen dem Land und der EU effektiv einschränken. Die Verhängung von Sanktionen erfordert die Zustimmung aller EU-Länder. Brüssel hat dies bisher nur im Hinblick auf Russland gelernt. Es wird sich wiederholen, was schon oft zuvor geschehen ist: Ungarn wird sich dem Paket widersetzen, aber dann, nachdem es einige Zugeständnisse von der EU erhalten hat, seine Meinung ändern und die Maßnahmen annehmen“, vermutet NESAWISSIMAJA GASETA aus Moskau.
Die österreichische Zeitung DIE PRESSE ist sich sicher: "Letztlich hängt alles von Deutschland, Italien und bis zu einem gewissen Grad auch von Österreich ab. Wenn sich diese Länder querlegen, kommt wohl keine Mehrheit zustande. Die EU-Kommission hätte dann mit ihrem symbolpolitischen Vorstoß lediglich dokumentiert, wie gespalten Europa ist. Israel aber sollte langsam die Botschaft verstehen: Wenn es weiter auf diese Weise Krieg ohne plausible Exitstrategie führt, verliert es seine letzten Freunde", hebt DIE PRESSE aus Wien hervor.
Die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN moniert mit Blick auf den israelischen Premierminister: "Netanjahu hört Kritikern einfach nicht zu und setzt dank der Unterstützung von Washington seinen kriegerischen Kurs fort. Das sollte die internationale Gemeinschaft nicht übersehen. Es ist erforderlich, dass die Staaten, die die Sorgen um Gaza teilen - eingeschlossen Japan - gemeinsam mit der EU Netanjahu zu einem Kurswechsel drängen." Das war NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
Die palästinensische Zeitung AL AYYAM analysiert mit Blick auf Israels Nachbarland Ägypten: "Der Umstand, dass der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi Israel vor wenigen Tagen als 'Feind' bezeichnete, verdeutlicht, wie tief die Kluft zwischen den beiden Ländern ist, die seit fast einem halben Jahrhundert ein friedliches Verhältnis zueinander pflegen. Das Zerwürfnis begann mit der erklärten Absicht Israels, die Bürger des Gazastreifens auf den Sinai umsiedeln zu wollen - ein Ansinnen, das Ägypten entschieden zurückwies. Der Streit um die Grenzkontrollen am südlichen Ende des Gazastreifens heizte die Spannungen zusätzlich an. Hinzu kommt das Vorgehen Israels im Gazastreifen, das die Regierung in Kairo als ethnische Vertreibung und Verbrechen gegen die Menschlichkeit wertet", fasst AL AYYAM aus Ramallah zusammen.
Die tschechische Zeitung MLADÁ FRONTA DNES aus Prag beobachtet: "Fast zwei Jahre nach dem Angriff der Hamas auf Israel haben sich die Rollen deutlich gewendet. Dabei ist der Kern im Grunde derselbe wie beim Krieg in der Ukraine. Israel und die Ukraine sind keine Angreifer, sondern Angegriffene. Es ist wahr, dass es sich um brutale Kriege handelt, die Zehntausende Tote fordern. Dennoch sollte man mit dem Begriff 'Genozid' vorsichtig umgehen. Schon allein deshalb, weil dafür Vorsatz und Plan nachgewiesen werden müssen. Wenn der Emir von Katar, westliche Progressive und der globale Süden sich so sehr über die katastrophale Lage von zwei Millionen Menschen in Gaza aufregen, warum zwingen sie dann die Hamas nicht dazu, einen Schritt zu unternehmen, der diesem Schrecken ein Ende bereitet?", fragt MLADÁ FRONTA DNES zum Ende der internationalen Presseschau.