23. September 2025
Die internationale Presseschau

Mit Stimmen zur Trauerfeier für den ermordeten rechten Aktivisten Charlie Kirk in den USA. Zunächst aber geht es um die Anerkennung eines Staates Palästina durch mehrere Länder, darunter Frankreich, Großbritannien, Kanada und Australien.

Eine palästinensische Flagge weht im Wind
Die Anerkennung des Staates Palästina durch zahlreiche Staaten ist Thema in den Zeitungen. (picture alliance / ipa-agency / Matteo Nardone)
Die australische Zeitung SYDNEY MORNING HERALD stellt fest: "Mit der Anerkennung Palästinas haben Macron und Australiens Premierminister Anthony Albanese ein dringend benötigtes Gegenmittel gegen die Apathie geboten. Die deprimierende Lehre aus dem israelisch-palästinensischen Konflikt ist jedoch, dass gute Absichten nicht immer zu guten Ergebnissen führen. Nur weil die Lage schlecht ist, heißt das nicht, dass sie nicht noch schlimmer werden kann", mahnt der SYDNEY MORNING HERALD.
THE TELEGRAPH aus Großbritannien folgert: "Bemerkenswert ist, dass andere große europäische Staaten wie Deutschland und Italien sich Großbritannien und Frankreich nicht angeschlossen haben. Und es bleibt eine Tatsache, dass es keinen palästinensischen Staat gibt, obwohl es ihn hätte geben können, wenn verschiedene Anführer im Laufe der Jahre, insbesondere Jassir Arafat, wirklich eine friedliche Lösung gewollt hätten. Sie wollten zwar einen palästinensischen Staat, jedoch keinen jüdischen Staat. Die Zerstörung Israels war und bleibt das Hauptziel der Hamas und anderer militanter Bewegungen", betont THE TELEGRAPH aus London.
DIE PRESSE aus Österreich findet: "Das ist reine Symbolpolitik und Ausdruck ohnmächtiger Ratlosigkeit, mehr nicht. Wirklich geholfen ist den Palästinensern mit dem inhaltsleeren Trostpreis nicht. Ein palästinensischer Staat lässt sich nicht von außen dekretieren. Israel muss zustimmen, sonst wird das Gebilde kaum lebensfähig sein. Deshalb gilt nach wie vor: Eine Anerkennung sollte am Ende eines israelisch-palästinensischen Verhandlungsprozesses über einer Zweistaatenlösung stehen", kritisiert DIE PRESSE aus Wien.
Die israelische Zeitung HAARETZ meint: "Wenn die Palästinensische Autonomiebehörde wieder auf das Spielfeld der internationalen Politik zurückkehren und an Entscheidungen beteiligt werden will, muss sie schnell beweisen, dass sie regieren kann. Dazu muss sie ihre Glaubwürdigkeit herstellen. Der erste Schritt dafür sind kein Haushalt und keine Rechnungsprüfung. Es sind die Geiseln. Die Autonomiebehörde muss offen und unmissverständlich ihre Freilassung fordern und die Hamas für die Geiselnahme verurteilen", notiert HAARETZ aus Tel Aviv.
Die in Schanghai erscheinende JIEFANG RIBAO veröffentlicht folgende Einschätzung: "Zum einen verschärft sich die humanitäre Lage in Gaza immer weiter, und Israel hat die Toleranz der meisten seiner westlichen Verbündeten inzwischen vollends ausgereizt. Zum anderen verbergen sich hinter dem Stimmungswandel auch handfeste praktische Interessen dieser Länder, wie die Abhängigkeit von den Energielieferungen arabischer Staaten oder das Zusammenleben mit dem muslimischen Bevölkerungsteil in Europa. Die häufigen antiisraelischen Demonstrationen in europäischen Ländern zeigen zudem, dass die Unterstützung für Palästina nun einen beherrschenden Teil der öffentlichen Meinung dort ausmacht", heißt es in der Zeitung JIEFANG RIBAO aus China.
Die russische Zeitung NESAWISSIMAJA GASETA bemerkt zur Initiative aus Frankreich: "Macron hat angesichts der Lage in seinem eigenen Land zwingende Gründe für dieses Vorgehen. Die pro-palästinensische Stimmung in Frankreich ist relativ stark, während die Zustimmungswerte des französischen Präsidenten sinken. Unter diesen Umständen ist es verlockend, die eigene Popularität durch die Anerkennung der palästinensischen Unabhängigkeit zu steigern", hält die NESAWISSIMAJA GASETA aus Moskau fest.
Der GUARDIAN aus London hebt hervor: "Es darf nicht dazu kommen, dass diese Anerkennung als Feigenblatt für westliche Regierungen dient, um zu behaupten, sie hätten bedeutsame Schritte unternommen und sich deshalb zurückzulehnen. Es muss mehr als ein Selbstzweck sein", fordert der britische GUARDIAN.
EL PAIS aus Spanien erklärt: "Die Anerkennung Palästinas ist kein nutzloser Akt. Sie entspringt außerdem dem gesellschaftlichen Aufschrei gegen das Massaker und gegen die ethnische Säuberung. Es ist allgemein bekannt - und leider ganz besonders den Juden Europas und ihren Nachkommen -, dass vor einer Vernichtung stets die Entmenschlichung der späteren Opfer steht. Niemand, der auch nur einen Funken Menschlichkeit noch in sich trägt, sollte das tolerieren", warnt die Zeitung EL PAIS aus Madrid.
Die palästinensische Zeitung AL AYYAM aus Ramallah argumentiert: "Die Anerkennung Palästinas durch bedeutende westliche Länder ist auch ein Hinweis darauf, dass Israels durch den Holocaust bewirkte Sonderrolle an ihr Ende kommt. Die gegen unendlich viele Juden begangenen Verbrechen sind für viele Staaten kein Motiv mehr, die derzeitige gewaltsame Politik Israels weiterhin zu unterstützen. Der Westen kann nicht länger zusehen, wie die von ihm gepriesenen demokratischen und liberalen Werte, allen voran die Menschenrechte, im Gazastreifen offen missachtet werden", moniert AL AYYAM aus Ramallah.
Die brasilianische Zeitung O GLOBO : "Die von Frankreich und Saudi-Arabien angeführte Initiative zur Anerkennung von Palästina richtet sich auch gegen die Hamas, die keinen Platz in einem solchen künftigen Staat haben soll. Wer wollte dem nicht zustimmen? Aber es fehlt ein gangbarer Weg, um diese Terror-Gruppe loszuwerden. Selbst gemäßigte Stimmen in Israel kritisieren, dass diese Initiative der Hamas in die Hände spielt, während Netanjahu seine Besatzungs- und Annexionspläne vorantreibt. Das Leid der Palästinenser, vor allem in Gaza, wird durch die Anerkennung Palästinas leider nicht geringer. Der Konflikt ist zu komplex für simple oder symbolische Lösungen", analysiert O GLOBO aus Rio de Janeiro.
Die Trauerfeier für den ermordeten rechten Aktivisten Charlie Kirk in den USA beschäftigt die Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Japan: "US-Präsident Trump hat Kirk als Märtyrer bezeichnet. Die Spaltung der Vereinigten Staaten wird verschärft, die politische Instrumentalisierung dieses Mordfalls durch die Trump-Regierung überschreitet langsam eine rote Linie. Während Trumps Anhänger immer radikaler werden, verliert ein politischer Kompromiss, der bitter nötig ist, seine Unterstützung", heißt es in der Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
Die dänische Zeitung POLITIKEN stellt heraus: "Wo die meisten Redner Bibelzitate verwendeten und von Glauben und Meinungsfreiheit sprachen, klang Trump wie auf einer seiner Wahlkampfveranstaltungen und erklärte sogar, er hasse seine Gegner. Außerdem wurde deutlich, dass er Kirk immer wieder für sein politisches Projekt nutzen will. Kirk war für Trump wichtig als Influencer bei jungen Wählern. Doch nach seinem Tod könnte er für Trump noch wichtiger werden - nämlich für seinen Kampf gegen alle, die er hasst", unterstreicht POLITIKEN aus Kopenhagen.
Die norwegische Zeitung BERGENS TIDENDE stellt klar: "Immer wieder wird Kirk in Medien als 'konservativ' bezeichnet, aber das ist eine Beleidigung für alle moderaten Rechten. In Wahrheit spielte Kirk eine zentrale Rolle für die MAGA-Bewegung von Trump und finanzierte unter anderem die Kampagne gegen den Wahlsieg von Biden, die in den Putschversuch 2021 mündete. Abtreibungen bezeichnete er als schlimmer als Judenverfolgung. Die Rechte in den USA kämpft seit Jahren gegen die sogenannte Cancel-Kultur und bezeichnet sich selbst als Vorkämpferin für Meinungsfreiheit. Aber liberale Menschen sollten sich nicht so leicht täuschen lassen: Es sind dies dieselben Leute, die Bücher aus Bibliotheken verbannen oder Showmaster und Kommentatoren feuern lassen, die nicht ihre Meinung teilen. Kirk war für Meinungsfreiheit für sich und seine Leute - und das ist kein Kampf für Meinungsfreiheit, sondern um Dominanz. Trumps Demontage der Demokratie in den USA schreitet rasch voran, und der Mord an Kirk scheint das Tempo nur weiter zu erhöhen." Und mit dieser Stimme aus BERGENS TIDENDE aus Bergen in Norwegen endet die internationale Presseschau.