24. September 2025
Die internationale Presseschau

In den Kommentaren der ausländischen Zeitungen geht es unter anderem um die Rede von US-Präsident Trump vor der UNO-Vollversammlung. Doch zunächst zu den Drohnensichtungen in weiteren europäischen Ländern.

Fahrzeuge der dänischen Polizei und des dänischen Sicherheits- und Nachrichtendienstes (PET) stehen am Flughafen Kopenhagen, nachdem am Montagabend Drohnen über den Flughafen Kopenhagen geflogen waren und der Luftraum vier Stunden lang gesperrt wurde.
Ein Thema in den ausländischen Zeitungen: Die Drohnensichtung am Flughafen der dänischen Hauptstadt Kopenhagen. (Steven Knap/Ritzau Scanpix Foto/AP/dpa)
Die norwegische Zeitung AFTENPOSTEN führt aus: "Am Montagabend wurden die Flughäfen von Oslo und Kopenhagen wegen illegaler Drohnenaktivitäten geschlossen. Am gleichen Tag wurden in Norwegen zwei ausländische Staatsbürger festgenommen, weil sie mit einer Drohne militärische Anlagen in Oslo filmten. Es steht nicht fest, dass diese Vorfälle miteinander zu tun haben, und es ist auch noch nicht bekannt, wer für die Drohneneinsätze an den beiden Flughäfen verantwortlich ist. Der dänischen Polizei zufolge muss ein versierter Akteur am Werk gewesen sein, aber man weiß nicht, wer es war. Sicher ist dagegen, dass Drohnen Waffen sind, die in Friedenszeiten Angst und in Kriegszeiten Tod verbreiten können - und dass Norwegen nicht vorbereitet war", unterstreicht AFTENPOSTEN aus Oslo.
Die schwedische Zeitung SYDSVENSKAN aus Malmö verweist auf die Reaktion des NATO-Generalsekretärs: "Mark Rutte riet von Spekulationen ab und forderte zuerst mehr Informationen, bevor er zum zentralen Thema der letzten Tage überging: den wiederholten Luftraumverletzungen durch Russland. Dafür trage Moskau die volle Verantwortung, sagte er und betonte, dass solche Eskalationen falsch gedeutet werden und Leben gefährden könnten. Die Ereignisse zeigen, dass die NATO eine wirksame Abschreckung braucht, denn es wird nicht der letzte Test für unsere Bereitschaft gewesen sein", erwartet SYDSVENSKAN.
Die dänische Zeitung JYLLANDS-POSTEN gibt zu bedenken: "Die Bedrohung ist längst nicht mehr nur theoretischer Natur. Für viele Dänen war das - hoffentlich - ein Weckruf. In den letzten Jahren war viel die Rede von der Bedrohung aus dem Osten und den Gefahren hybrider Angriffe, aber das wurde dann rasch wieder aus dem Bewusstsein vieler Dänen verdrängt. Hybridkriege treffen, wo es besonders wehtut, und das sind unsere Infrastruktur und damit unser Vertrauen und unser Alltag. Wenn Drohnen einen Flughafen und Hacker die Wasserversorgung lahmlegen können, verläuft die Frontlinie auf einmal mitten durch unser Leben. Dänemark und seine Verbündeten müssen klare Antworten geben", fordert JYLLANDS-POSTEN aus Århus.
Zu unserem nächsten Thema. Die niederländische Zeitung DE VOLKSKRANT beschäftigt sich mit der Rede des US-Präsidenten vor der UNO-Vollversammlung: "In seiner fast einstündigen Rede formulierte er keine kohärente Vision von der UNO und der Weltordnung, sondern sprang von einem Thema zum nächsten. Er prahlte mit seinen eigenen Leistungen und schweifte regelmäßig zu persönlichen Erlebnissen ab, wobei er manchmal wie ein Stammgast auf einem Barhocker klang", bilanziert DE VOLKSKRANT aus Amsterdam.
Der Gastkommentator der japanischen Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN wertet Trumps Ausführungen als - Zitat: "Kampfansage gegen die Vereinten Nationen und die multilaterale Weltordnung. Trump stellte die 'America-First'-Politik und den transatlantischen Dissens deutlich in den Mittelpunkt. Die Rede des US-Präsidenten ist nicht nur eine Botschaft an die Weltgemeinschaft, sondern auch an seine Kern-Unterstützer im Inland. Trotz aller Kritik an den Ausführungen muss man jedoch festhalten: Trump bringt die Realität der UNO doch auf den Punkt. Denn es ist Tatsache, dass sich die Organisation bei vielen Kriegen oder Menschenrechts-Problemen zu zaghaft verhält. Erforderlich wäre, die UNO zu reformieren", verlangt NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
Die US-amerikanische Zeitung THE WALL STREET JOURNAL ist sich sicher: "Trump lehnt die UNO nicht grundsätzlich ab, vielmehr stellt er fest, dass sie zu einem Hindernis für den Frieden, den Wohlstand und die universellen Menschenrechte geworden ist, die sie vorgibt zu fördern. Im Jahr 2017 lachten die UNO-Delegierten über Trumps Äußerungen vor der Generalversammlung, aber diesmal nicht. Wären sie ehrlich zu sich selbst, würden zumindest einige von ihnen zugeben, dass er den Nagel auf den Kopf getroffen hat", findet THE WALL STREET JOURNAL aus New York.
Die französische Zeitung LIBÉRATION kritisiert: "Trump hat schamlos alle Konzepte niedergemacht, die bisher als Fortschritt der Menschheit galten: Das Recht auf Asyl, den Kampf gegen den Klimawandel, den Multilateralismus. Wenn man Donald Trump ist, traut man sich alles. Der amerikanische Präsident nahm die Vollversammlung mit auf eine rasante Fahrt in eine neue Realität, deren Regeln er seit Beginn seiner Präsidentschaft neu schreibt." Soweit LIBÉRATION aus Paris.
Die polnische GAZETA WYBORCZA hebt hervor, nach seiner Rede habe Trump noch mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj geprochen: "Auf die Frage einer Journalistin, ob er glaube, dass NATO-Mitgliedsstaaten auf russische Flugzeuge schießen sollten, die ihren Luftraum verletzen, antwortete Trump: 'Ja, ich denke schon'. Nach dem Treffen mit Selenskyj veröffentlichte Trump einen langen Social-Media-Beitrag, in dem er erklärte, er sei nach einem besseren Verständnis der wirtschaftlichen und militärischen Lage in der Ukraine und Russland zu der Überzeugung gelangt, dass die Ukraine mit europäischer Unterstützung alle von Russland besetzten Gebiete zurückerobern könne. Dies ist ein deutlicher Wechsel des Tonfalls im Vergleich zu Trumps früheren pessimistischen Äußerungen. Es ist unklar, was konkret dazu beigetragen hat oder wie lange dieser Zustand anhalten wird. In der Vergangenheit hat Trump seine Narrative oft geändert und abwechselnd versucht, Putin unter Druck zu setzen und sich bei ihm einzuschmeicheln, Selenskyj in die Enge zu treiben und ihm dann trotzdem die Unterstützung der USA zuzusichern", hält die GAZETA WYBORCZA aus Warschau fest.
Die taiwanesische Zeitung LIANHE RIBAO greift Trumps Haltung zum russischen Angriffskrieg auf die Ukraine auf: "Während der US-Präsident bislang immer wieder zu verstehen gegeben hatte, dass die östlichen Gebiete der Ukraine unwiederbringlich verloren seien, erklärte er nun auf einmal vor der UNO-Vollversammlung, dass Kiew mit Unterstützung der EU und der NATO in der Lage sein könnte, die von Russland besetzten Territorien zurückzugewinnen. Oberflächlich betrachtet scheint dies eine grundlegende außenpolitische Kehrtwende zu signalisieren. In Wirklichkeit hat Trump aber keinerlei Zusagen gemacht, zusätzliche Militärhilfe zu leisten oder neue Sanktionen gegen Russland zu verhängen. Es handelt sich lediglich um eine neue Kommunikationsstrategie von Trump. Mit dieser pragmatischen und imagefördernden Herangehensweise kann der gewiefte Taktiker im Weißen Haus seine Unterstützung für die Ukraine beteuern, ohne dabei konkrete Risiken eingehen oder Verantwortung übernehmen zu müssen" vermutet LIANHE RIBAO aus Taipeh.
Abschließend geht es um die vorübergehend abgesetzte Sendung des bekannten US-Moderators Jimmy Kimmel, die nun wieder ausgestrahlt wird. Die österreichische Zeitung DER STANDARD findet: "Eine einzelne Late-Night-Talkshow mag fürs Erste gerettet sein, weil dem Disney-Konzern angesichts des öffentlichen Protests doch etwas mulmig wurde. Aber Donald Trumps autoritäre Kampagne zur Niederschlagung unbequemer Meinungen nach der Ermordung des Rechtsnationalisten Charlie Kirk ist keineswegs gestoppt. Seit Tagen nutzt der US-Präsident das Attentat als Anlass, um eine ominöse 'radikale Linke' zum Volksfeind Nummer eins aufzubauen. Bei seinem Feldzug gegen diesen Popanz droht er kritischen TV-Kanälen mit dem Entzug der Sendelizenzen, will unabhängigen Stiftungen die Steuerbefreiung streichen und erklärt die dezentrale Antifa-Bewegung zur terroristischen Vereinigung. Kimmels Rückkehr ist also allenfalls ein Etappensieg im Kampf um die 'Free Speech'. Aber der Vorgang hält eine wichtige Lehre bereit: Ganz machtlos ist die Zivilgesellschaft dem Möchtegerndiktator im Weißen Haus bei der Verteidigung ihrer demokratischen Rechte nicht ausgeliefert", argumentiert DER STANDARD aus Wien.