
Dazu bemerkt die türkische Zeitung BIRGÜN aus Istanbul: "Die 64-jährige verhehlt nicht, dass sie die 'Eiserne Lady' Margaret Thatcher bewundert. Sie ist auch eine treue Anhängerin des verstorbenen ehemaligen Premierministers Abe. Takaichis Ankündigung, eine Rekordzahl von Frauen in ihr Kabinett aufzunehmen, ist ein bedeutender Schritt für Japan. Inwieweit dieser historische Schritt in einer Gesellschaft mit tief verwurzelten patriarchalischen Strukturen einen Wandel bewirken wird, ist jedoch fraglich. Takaichi hat sich bereits für den Erhalt der traditionellen Familienstruktur ausgesprochen. Sie ist gegen Ehepartner mit unterschiedlichen Nachnamen und distanziert sich von gleichgeschlechtlichen Ehen. Mit anderen Worten: Japan hat seine erste Premierministerin gewählt, doch diese ist keine feministische Führungspersönlichkeit", hält BIRGÜN fest.
Die japanische Zeitung ASAHI SHIMBUN aus Tokio hält die von der neuen Regierungschefin angestrebte Politik für "sehr besorgniserregend. Weil sich Takaichi unbedingt zur Ministerpräsidentin küren lassen wollte, hat sie - nach dem Motto 'koste es, was es wolle' - mit verschiedenen Parteien verhandelt. Durch das Bündnis der Regierungspartei LDP mit der Partei 'Ishin' rückt das Land nun noch stärker nach rechts."
Die lettische Zeitung DIENA beleuchtet Ishin näher: "Diese Partei unterstützt offiziell den pazifistischen Kurs des Landes, befürwortet aber auch die notwendigen Gesetzesänderungen, damit sich Japan unter den aktuellen geopolitischen Bedingungen selbst verteidigen kann. Wie stabil die Zusammenarbeit zwischen LDP und Ishin wird, bleibt abzuwarten, denn es bestehen auch Meinungsverschiedenheiten in zahlreichen Fragen. Unklar bleibt auch, ob der klassisch konservative Kurs von Takaichi den immer weiter schwindenden Rückhalt der LDP zumindest aufhalten kann. An Japans politischem Himmel steigt gerade ein neuer rechter Stern auf: die nationalkonservative Partei Sanseito", konstatiert DIENA aus Riga.
Die in Hongkong erscheinende TAKUNGPAO erwartet: "Die Amtszeit der ersten Frau an der Spitze einer japanischen Regierung wird voraussichtlich nur von kurzer Dauer sein. Die von Takaichi angekündigte Lockerung der Geldpolitik wird Japans Haushaltsdefizit weiter ansteigen lassen und zu einer Abwertung des Yen führen. Zudem wird der immer noch nicht aufgeklärte Schwarzgeldskandal in ihrer Partei ständig als Damoklesschwert über ihr schweben."
Themenwechsel. Die niederländische Zeitung DE VOLKSKRANT geht auf die Ukraine-Politik des US-Präsidenten ein: "Trump hatte Bereitschaft signalisiert, der Ukraine Tomahawk-Raketen zu liefern, die Russland bis weit über Moskau hinaus treffen könnten. Als der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj jedoch nach Washington reiste, um diesbezüglich konkrete Vereinbarungen zu treffen, wurde er erneut enttäuscht. Putin war ihm zuvorgekommen. Der russische Präsident rief Trump an, gratulierte ihm zum Gaza-Deal und wickelte ihn wieder einmal um den Finger. Trump erwies sich einmal mehr als völlig unzuverlässig", kritisiert DE VOLKSKRANT aus Amsterdam.
Dagegen argumentiert die dänische Zeitung POLITIKEN: "Es ist leicht, gegen Trump zu wettern. Doch obwohl Europa immer wieder versichert, dass wir der Ukraine felsenfest beistehen, ist es nicht gelungen, eine Rüstungsindustrie aufzubauen, die in der Lage wäre, Waffen der Art oder des Umfangs zu liefern, die die Ukraine schützen könnten. Das europäische Versagen bei der eigenen Sicherheit geht viele Jahre zurück, und die Nachwelt wird unweigerlich ein hartes Urteil darüber fällen", ist POLITIKEN aus Kopenhagen überzeugt.
Die spanische Zeitung EL MUNDO aus Madrid stellt fest: "Europa arbeitet derzeit an seinem eigenen strategischen Rahmen, um die Ukraine zu schützen und Russland daran zu hindern, die Bedingungen eines unfairen Friedens zu diktieren. Dazu treibt es einen Zwölf-Punkte-Plan voran, der Kiews Souveränität als unveräußerliche Grenze wahrt, aber pragmatische Flexibilität ermöglicht – die einzige Möglichkeit, den fast vier Jahre andauernden blutigen Konflikt zu beenden", schätzt EL MUNDO.
Die US-amerikanische Zeitung THE WASHINGTON POST das wohl abgesagte Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Kremlchef Wladimir Putin in Budapest: "Es heißt, dass die Russen keine Gelegenheit auslassen, eine Gelegenheit zu verpassen. Zum Glück für die Ukraine tut die chaotische Autokratie des russischen Präsidenten Wladimir Putin ihr Bestes, um diesem Sprichwort gerecht zu werden. Nachdem Putin Präsident Trump zu einem persönlichen Gipfeltreffen in Budapest überredet hatte, dauerte es weniger als eine Woche, bis dieses scheiterte."
"Vorerst haben sich jedoch frühere Vorhersagen bestätigt", findet die russische Zeitung NESAWISSIMAJA GASETA aus Moskau: "Die Aussicht auf einen Besuch Putins in einem EU-Land hat die Widersprüche zwischen den USA und ihren europäischen Verbündeten offengelegt. In Europa wächst die Unzufriedenheit über Trumps Strategie zur Beilegung des Russland-Ukraine-Konflikts. Doch die Europäer sind nicht bereit, sich mit dem US-Präsidenten anzulegen."
Die finnische Zeitung HUFVUDSTADSBLADET ist sich sicher, Trump gehe es bei einem Friedensschluss mehr um "eine Normalisierung der Beziehungen zwischen der USA und Russland als um Gerechtigkeit für die Ukraine geht. Er schreckt nicht vor überhasteten Entscheidungen zurück, auch wenn diese keine langfristige Lösung garantieren. Der brüchige Waffenstillstand in Gaza ist ein frisches Beispiel dafür. Und das ist das Dilemma der Ukraine, der EU und der NATO: Ein Friede kann nur unter Beteiligung der USA erreicht werden, aber der von Trump gewünschte Friede nützt nicht zwangsläufig der Ukraine und anderen durch Russland bedrohten Ländern. Irgendjemand muss das Trump erklären - und dafür könnte Finnlands Präsident Alexander Stubb der geeignete Kandidat sein", folgert HUFVUDSTADSBLADET aus Helsinki.
Nun Stimmen zur Präsidentschaftswahl in der nur von der Türkei anerkannten Republik Nordzypern, die der Oppositionspolitiker und Sozialdemokrat Tufan Erhürman gewonnen hat. Der Schweizer TAGES-ANZEIGER führt aus: "Recep Tayyip Erdogan hat im Frühling 2023 knapp die Wiederwahl geschafft, seither hat er zwei Wahlen verloren: die türkischen Kommunalwahlen im vergangenen Jahr und jetzt, am Sonntag, die Präsidentschaftswahl in Nordzypern. Gewählt wurde sein moderater Herausforderer Tufan Erhürman. Ersin Tatar, Erdogans zyprischer Statthalter, hat vor fünf Jahren noch mit 52 Prozent gewonnen, nun ist er auf 35 Prozent abgestürzt. Der Opposition in der Türkei macht die Zypernwahl Mut. Aus Erdogans Sicht ist das Ergebnis etwas, das er im eigenen Land verhindern will", folgert der TAGES-ANZEIGER aus Zürich.
Die nordzyprische Zeitung KIBRIS POSTASI aus Nikosia mahnt: "Es ist ein großer Fehler, dieses Wahlergebnis auf das Zypernproblem zu reduzieren. Der abgewählte Präsident Ersin Tatar sagte, die Suche nach einer föderalen Lösung sei vorbei, da es keine gemeinsame Basis mit den Griechen gebe. Die neue Politik sei eine Zwei-Staaten-Lösung. Der Wahlgewinner Tufan Erhürman sagt, dass eine föderale Lösung aufgrund der Haltung der griechisch-zypriotischen Seite schwierig sei. Er verspricht nichts, aber er werde an den Verhandlungstisch zurückkehren, um der ganzen Welt, der UNO und der EU zu zeigen, zu beweisen und zu erklären, dass die griechische Politik der Grund für die Nichtlösung der Zypernfrage ist. Mit anderen Worten: Es ist allgemein bekannt, dass die griechisch-zypriotische Seite keine politische Gleichberechtigung in der staatlichen Verwaltung akzeptieren will und kann. Mit der Zeit wird sich zeigen, wie sich die jetzt zu verfolgende Politik auf das Zypern-Problem auswirkt", kommentiert KIBRIS POSTASI, mit der die internationale Presseschau endet.
