05. Januar 2026
Die internationale Presseschau

Heute mit Reaktionen zum US-Militärschlag gegen Venezuela und zur Festnahme von Präsident Maduro.

Anstehen für Lebensmittel: Menschen in Caracas stehen vor einem Supermarkt und warten auf Einlass
Menschen in Caracas stehen vor einem Supermarkt und warten auf Einlass (AFP / JACINTO OLIVEROS)
Dazu schreibt der französische FIGARO: "Dies ist auch eine Botschaft an Kuba und Kolumbien. Und an den Iran, der Trumps Drohungen nun ernst nehmen muss. Der russische Präsident Putin und der chinesische Staatschef Xi Jinping könnten das Vorgehen der USA jetzt zum Anlass nehmen, ihre Herrschaft weiter auszudehnen, etwa in der Ukraine und in Taiwan. In Venezuela hat Trump gerade die Tür für eine große geopolitische Umwälzung geöffnet", zeigt sich LE FIGARO aus Paris überzeugt.
Die polnische GAZETA WYBORCZA sieht Russland geschwächt: "Vor drei Monaten hat Putin das Abkommen über eine russisch-venezolanische strategische Partnerschaft ratifiziert. Lieferungen russischer Waffen und Ausrüstung landeten auf Flughäfen in Venezuela. 'In der Stunde der Bewährung' stehe man Seite an Seite mit Caracas, hatte der russische Vizeaußenminister Rjabkow versichert und Washington vor einem Angriff auf Russlands südamerikanischen Verbündeten gewarnt. Das Bündnis zwischen Putin und Maduro hat sich als wertlos erwiesen. Russland war nicht in der Lage, es zu verteidigen", kommentiert die GAZETA WYBORCZA aus Warschau.
Die Zeitung TAKUNGPAO aus Hongkong wirft den USA Raubrittertum vor: "Diesen Tag hat die chinesische Regierung schon lange kommen sehen. Das beste Mittel, sich vor solchen Aktionen zu schützen, ist Stärke - egal ob das Weiße Haus in Washington einen Handels- , Finanz- oder HighTech-Krieg gegen uns anzetteln will."
IRAN DAILY aus Teheran schreibt: "Die amerikanische Außenpolitik neigt dazu, weniger vorhersehbar und zunehmend von kurzfristigen innenpolitischen Erwägungen bestimmt zu sein. Für den Nahen Osten – eine Region, die seit langem an das strategische Gewicht der Entscheidungen der USA gewöhnt ist – bedeutet diese Volatilität eine erhöhte Unsicherheit."
Die indische Zeitung THE HINDU aus Delhi attestiert den USA unter Präsident Trump eine Fortschreibung des Imperialismus und warnt vor geostrategischen Verwerfungen: "Wenn die internationale Gemeinschaft schweigt, bestätigt sie damit eine Weltordnung, in der Souveränität und die Landeshoheit der Staaten nach Belieben von der US-Regierung in Washington festgelegt werden."
Die in London erscheinende, panarabische Zeitung AL ARABY AL-JADEED nennt Maduros Festnahme eine Entführung: "Zunehmend zeigt sich, dass die US-Regierung sich um keinerlei Legitimation für ihre Entscheidungen und Handlungen bemüht. Sie vertritt eine simple, binäre Weltsicht, basierend auf den Prinzipien von Gut und Böse, Stark und Schwach, für oder gegen uns. So läutet sie eine Ära ein, in der Regeln und Verbindlichkeiten keine Rolle mehr spielen."
Das Nachrichtenportal EURACTIV aus Brüssel kritisiert: "Während Donald Trump Lateinamerika mit Gewalt umgestaltet, kämpft die EU weiterhin darum, ihren alten Modus Operandi des Friedens durch Handel aufrechtzuerhalten. Die Reaktion Europas seit dem schockierenden Angriff auf Caracas, insbesondere unter französischen Politikern, bestand darin, sich wie die Katzen im Sack über die Rechtmäßigkeit der Intervention zu streiten."
Die britische TIMES aus London argumentiert anders: "All jene, die den Sturz von Maduro kritisieren und auf das Prinzip der nationalen Souveränität verweisen, sollten den Venezolanern zuhören. Ihre Meinung zum Maduro-Regime haben sie bei den Präsidentschaftswahlen im vergangenen Jahr zum Ausdruck gebracht. Sie haben für den Oppositionskandidaten Edmundo González gestimmt. Das Regime reagierte, indem es die Zahlen fälschte und somit Wahlbetrug beging."
Auch die französische Zeitung OUEST-FRANCE aus dem bretonischen Rennes moniert die zurückhaltenden Reaktionen Europas, insbesondere des Élysée-Palasts. "Das Schweigen ist peinlich und verlegen, und unser Einfluss auf den Lauf der Dinge ist in Wirklichkeit ziemlich gleich null."
Nach dem US-Militäreinsatz in Venezuela hat Präsident Trump mit neuen Äußerungen Befürchtungen vor einer Annexion Grönlands geweckt. Die dänische Zeitung KRISTELIGT DAGBLAD zeigt sich alarmiert: "Trump ist offensichtlich wie berauscht von den spektakulären geschäftlichen Aussichten des Coups in Venezuela. Das könnte die Zugehörigkeit Grönlands zu Dänemark gefährden. Was bislang nur wie ein unrealistisches Horrorszenario wirkte, ist plötzlich nicht mehr ganz so unvorstellbar. Für unsere Regierung und das diplomatische Korps gilt es nun, gemeinsam mit EU und NATO das Schlimmste abzuwenden. Eine militärische Konfrontation Dänemarks mit den USA ist und bleibt natürlich undenkbar", unterstreicht das KRISTELIGT DAGBLAD aus Kopenhagen.
Die spanische Zeitung LA VANGUARDIA aus Barcelona spottet: "Wenn US-Präsident Donald Trump Grönland irgendwann besetzt, ohne auch nur einen einzigen Schuss abzugeben, wird die Reaktion der Mitgliedstaaten der Europäischen Union vielleicht darin bestehen, Dänemark Entschädigungen anzubieten, damit es sich mit der neuen Realität abfindet und nicht mehr Ärger als nötig macht. Schließlich gibt es dort nur Eis."
Die US-Zeitung NATIONAL REVIEW geht auf die innenpolitische Debatte in den USA ein: "Kritiker von Präsident Trump haben in einem Punkt recht. Der Angriff hat deutlich gemacht, was die Regierung nicht wahrhaben will: Die Vereinigten Staaten befinden sich im Krieg mit Venezuela. Das bedeutet aber nicht, dass der Kongress zustimmen muss. Die Vereinigten Staaten haben mehr als hundert Mal im Ausland Gewalt angewendet, aber der Kongress hat nur fünf Mal Kriegserklärungen abgegeben: 1812, 1848, 1898, 1917 und 1941. In anderen Konflikten hat der Kongress die Anwendung militärischer Gewalt genehmigt. In wieder anderen Fällen handelten die Präsidenten ohne formelle Zustimmung des Kongresses", erinnert NATIONAL REVIEW aus New York.
Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG überlegt, wie es nun in Venezuela weitergeht: "Vom mächtigen Führungstrio sind der Verteidigungsminister und Armeechef sowie der Innen- und Justizminister weiterhin auf freiem Fuß. Kopflos ist die Diktatur ohne Präsident Maduro noch nicht. Es muss sich nun zeigen, was Trump tatsächlich beabsichtigt. Gibt er sich mit der Verhaftung von Maduro zufrieden, oder strebt er einen wirklichen Regimewechsel an?", fragt die NZZ aus der Schweiz.
Die venezolanische Zeitung EL NACIONAL schreibt zu einem möglichen Führungswechsel in Caracas: "Es ist beunruhigend, dass sich US-Präsident Trump verächtlich über die Opposition und allen voran María Corina Machado geäußert hat, indem er ihr die Fähigkeit abgesprochen hat, die Macht in Venezuela zu übernehmen. Stattdessen gehört offenbar zu den Optionen, dass Maduro durch seine Vizepräsidentin Rodríguez ersetzt wird, wenn damit Garantien für US-amerikanische Ölkonzerne einhergehen und chinesische und russische Interessen zurückgedrängt werden." Das war EL NACIONAL aus Caracas.
Die WASHINGTON POST warnt vor einem Stimmungswechsel, ".... wenn der Eindruck entsteht, dass die USA die Überreste des autoritären Maduro-Regimes an der Macht halten und gleichzeitig den Ölreichtum des Landes zum eigenen Vorteil ausschöpfen. Der beste Weg für die Trump-Regierung ist, wenn sie konsequent Partei für das venezolanische Volk ergreift und deutlich macht, dass das Endziel wirtschaftliche Freiheit und Demokratie ist."
"Die Nachricht von der Festnahme des Diktators hat in vielen Ländern nun die Hoffnung auf einen Aufbruch geweckt, darunter auch bei uns in der Dominikanischen Republik", lesen wir in der Zeitung EL CARIBE: "Präsident Luis Abinader hat sich für eine Zusammenarbeit mit Venezuela bei der Rückkehr zu Frieden und Demokratie ausgesprochen. Das war ebenso mutig wie konsequent und notwendig, denn die dominikanische Regierung hat Maduros Legitimität nach den Wahlen 2024 nie anerkannt."