
Die dänische Zeitung KRISTELIGT DAGBLAD kommentiert: "Der Kampf um das Schicksal Grönlands läuft. Für Dänemark ist das eine Krise historischen Ausmaßes. Der Konflikt ist deshalb so kompliziert, weil unser Gegner gleichzeitig unser engster NATO-Verbündeter und die mächtigste Nation der Welt ist. Für Donald Trump ist alles eine Frage der Kalkulation. Wir müssen deutlich machen, dass der Preis für eine feindliche Übernahme Grönlands der Kollaps des Westens und der NATO ist - und dass dieser Preis zu hoch ist", empfiehlt das KRISTELIGT DAGBLAD aus Kopenhagen.
Das WALL STREET JOURNAL aus New York analysiert: "Die Invasionsrhetorik von Präsident Trump ist vermutlich Säbelrasseln, das darauf abzielt, Verhandlungen über den Kauf der Insel anzustoßen oder zumindest eine andere Form einer erweiterten US-Präsenz zu erreichen. Doch selbst die bloße Andeutung von Gewalt schadet den Interessen der Vereinigten Staaten auf beiden Seiten des Atlantiks. Sich wegen Grönland mit befreundeten Staaten zu zerstreiten, liefert Wladimir Putin einen weiteren Keil, mit dem er Amerika und Europa weiter zu seinem Vorteil spalten kann", befindet das WALL STREET JOURNAL aus den USA.
DIE PRESSE aus Österreich fordert: "Jetzt gilt es für die Europäer, Solidarität mit Dänemark zu zeigen. Sie müssen den Provokationen aus Washington mit Geschlossenheit begegnen – und hoffen, dass sie den US-Präsidenten mit vereintem politischen Druck doch noch von seinen Grönland-Annexionsfantasien abbringen können. Das wäre nicht nur ein wichtiges Signal an Trump, sondern auch an Putin", notiert DIE PRESSE aus Wien.
Die Zeitung THE TIMES aus Großbritannien unterstreicht: "Dänemark - ein NATO-Verbündeter, der die USA bei ihren Militäreinsätzen im Irak und in Afghanistan loyal unterstützte - hat deutlich gemacht, dass es offen für Forderungen der USA nach weiteren Militärstützpunkten auf Grönland ist. Das macht wiederum klar, dass es wohl eine weitere Motivation Trumps gibt: territoriale Expansion. Der Präsident erklärte bereits in seiner ersten Amtszeit, er betrachte den Erwerb Grönlands als einen 'großen Immobiliendeal'. Grönland ist nicht Venezuela. Einen korrupten Diktator zu stürzen, der sein Volk dazu gebracht hat, in Scharen aus seiner Heimat zu fliehen, ist etwas ganz anderes als die Eroberung des Territoriums eines demokratischen Verbündeten", mahnt THE TIMES aus London.
Die polnische GAZETA WYBORCZA bemerkt: "Grönland verfügt über riesige Vorkommen an Metallen und Mineralien, darunter Uran und Graphit, die größtenteils unerforscht und ungenutzt sind. Das meiste, was sich Trump von Grönland erhofft – erweiterter Zugang zu Ressourcen, Geheimdienstinformationen und Militärstützpunkte – ließe sich leicht durch direkte Verhandlungen mit Dänemark erreichen. Das Weiße Haus hat jedoch offenbar kein Interesse an dem Vorschlag der dänischen Regierung, die den USA die Möglichkeit bot, ihre Militärpräsenz in Grönland zu verstärken", heißt in der GAZETA WYBORCZA aus Warschau.
Die Zeitung MÜSAVAT aus Aserbaidschan stellt fest: "Präsident Trump hat offen erklärt, dass die Nordhalbkugel der Erde im direkten Interessenbereich der Vereinigten Staaten liegt. Das bedeutet, dass Länder wie Kanada, ein Nachbarland der USA, derzeit großer Gefahr ausgesetzt sind. Es zeigt sich deutlich, dass das Weiße Haus damit begonnen hat, die Welt im Sinne der US-Interessen aufzuteilen", heißt es in MÜSAVAT aus Baku.
Die katarische Zeitung ALARABY AL-JADEED betont: "Wenn die führende Supermacht der Welt zu ungerechtfertigter Gewalt greift, schafft sie einen gefährlichen Präzedenzfall. Was hindert Wladimir Putin daran, dieselbe Logik in der Ukraine anzuwenden? Oder Xi Jinping daran, diesen Präzedenzfall eines Tages in Taiwan zu bemühen? In einer solchen Welt haben Diplomatie und internationale Legitimität keinen Platz mehr. Stattdessen herrscht die Logik eines Bandenchefs. Trump, der den Friedensnobelpreis anstrebt, hat seinem politischen Stil das letzte Feigenblatt abgerissen", urteilt die Zeitung ALARABY AL-JADEED, die in London erscheint.
Die chinesische Zeitung WENHUIBAO folgert: "Sollte sich Trump tatsächlich Grönland mit militärischen Mitteln einverleiben, würde dies das Ende der NATO bedeuten. Darauf hat auch die dänische Regierungschefin mit unmissverständlichen Worten hingewiesen. Dann würde die vor 70 Jahren geschaffene Sicherheitsarchitektur, auf die Europa angewiesen ist, wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen. Offenbar lässt sich Trump selbst durch jüngste Umfragen, wonach die grönländische Bevölkerung einen Anschluss ihrer Insel an die USA ablehnt, nicht von seinen grob völkerrechtswidrigen Ambitionen abbringen", bemerkt WENHUIBAO aus Schanghai.
Die spanische Zeitung LA VANGUARDIA schreibt: "Nach dem, was man in Venezuela gesehen hat, ist alles möglich. Es ist deshalb gut zu sehen, dass die europäischen Führungspersönlichkeiten - trotz ihrer unterschiedlichen politischen Ideologien - geeint auftreten, um die Ukraine oder Dänemark zu unterstützen. Möge Trumps Aggressivität das Wunder eines viel geeinteren und effizienteren Europas bei der Verteidigung seiner Interessen bewirken", wünscht die LA VANGUARDIA aus Barcelona.
Die norwegische Zeitung VERDENS GANG warnt: "Niemand wagt sich ernsthaft auszumalen, welche Folgen die Annexion von Territorium eines Landes hätte, das lange zu den engsten Verbündeten der USA gehörte. Kollabiert die NATO, ist Europa sich selbst überlassen, und es ist unklar, ob es für diesen Fall einen Plan B oder einen Plan C gibt. Sicher ist dagegen, dass sich einer darüber freuen dürfte: Wladimir Putin. Sein Ziel war lange, Europa und die USA zu spalten, um seine Position für weitere Ambitionen zu stärken - nicht nur in der Ukraine, sondern auch in anderen Regionen", unterstreicht VERDENS GANG aus Oslo.
Die Entwicklung in den USA mit den möglichen Konsequenzen für die Menschen in der Ukraine nimmt die Zeitung KYIV POST in den Blick: "Die Vorzeichen sind für Kiew im Hinblick auf ein mögliches Friedensabkommen, das Trump der Ukraine aufzwingen will, nicht gut. Ein Amerika, das in eine Militärintervention in Lateinamerika verwickelt ist, wird unweigerlich Ressourcen aus Europa abziehen. Diese geschwächte US-Präsenz kann Moskau nur bestärken. Europa befindet sich in einem strategischen Umfeld, in dem die USA unzuverlässig und möglicherweise sogar bedrohlich sind. Ein unberechenbarer Verbündeter ist kein Verbündeter. Genauso wenig wie man sich bei einer Schlägerei auf einen betrunkenen Freund verlassen kann", argumentiert die KYIV POST.
Zur Ukraine schreibt die spanische Zeitung EL MUNDO: "Der Gipfel in Paris war ein Signal westlicher Geschlossenheit gegenüber Putin, und vereinbart wurde unter anderem die Stationierung einer multinationalen Truppe in der Ukraine für den Fall eines Waffenstillstands. Neu daran ist vor allem auch, dass die USA sich einbringen und den Waffenstillstand üebrwachen wollen. Das alles mag als historischer Fortschritt bezeichnet werden, doch ist es unwahrscheinlich, dass es zu einer raschen Umsetzung kommt, solange Putin nicht von seinen ultimativen Forderungen abrückt. Auch sind nicht alle Details ausgearbeitet, und der Gipfel erfolgte aufgrund der US-Militärintervention in Venezuela und Trumps Drohungen gegen Grönland zu einem heiklen Zeitpunkt. Europa braucht glaubwürdige militärische Kapazitäten, eine eigene Verteidigungsindustrie und nachhaltigen politischen Willen, um der aktuellen Bedrohung zu begegnen. Die Lösung ist mehr europäische Integration und eine Stärkung der regelbasierten Weltordnung."
