08. Januar 2026
Die internationale Presseschau

Heute mit Kommentaren zum Vorgehen der USA in Venezuela und dem Gipfeltreffen von Unterstützerländern der Ukraine. Zunächst aber geht es um US-Präsident Trump, der die Kontrolle über Grönland anstrebt. Die weitgehend autonome Insel gehört zu Dänemark.

Flugzeug mit Aufschrift "Trump" auf Rollfeld (Nuuk, Grönland, 7.1.2025)
Flugzeug mit Aufschrift "Trump" auf Rollfeld (Nuuk, Grönland, 7.1.2025) (IMAGO / Ritzau Scanpix)
Die dänische Zeitung JYLLANDS POSTEN stellt fest: "Die langweilige Wahrheit lautet, dass unsere beste Waffe ist, auf Fakten und auf die Einhaltung von Spielregeln zu pochen. Trump will Kolonialherr über Grönland werden. Er erwähnt mit keinem Wort, dass die USA laut einen Abkommen von 1951 jederzeit so viel Militärgerät nach Grönland schaffen können, wie sie nur wollen. Aber das reicht ihm nicht. Stattdessen versucht er, einen Keil zwischen Grönländer und Dänen zu treiben. Das Verhältnis zwischen den beiden Bevölkerungen war nicht immer das beste, aber die meisten Bewohner der Insel glauben nicht, dass es ihnen als Wurmfortsatz der USA besser geht. Wer glaubt, Grönland könne für eine Flasche Feuerwasser und einen Sack Glasperlen den Besitzer wechseln, steht auf der falschen Seite der Geschichte. Wann und ob der Verbund zwischen Dänemark und Grönland endet, bestimmen wir selber - und nicht die Staatsführer anderer Länder mit bizarren Großmachtfantasien", so der Kommentar der JYLLANDS POSTEN aus Arhus.
Ebenfalls aus Dänemark vermerkt die Zeitung POLITIKEN: "Das geopolitische Drama um Grönland ist in eine neue Phase getreten, nachdem sich die sechs großen europäischen NATO-Staaten mit einer aussagekräftigen Stellungnahme hinter Dänemark und Grönland gestellt haben. Die Essenz ist unmissverständlich: Wenn Donald Trump mit seiner Drohung einer Übernahme Grönlands Ernst macht, stürzt er die USA in einen Konflikt mit ihren wichtigsten europäischen Verbündeten. Gleichzeitig erklärten Grönland und Dänemark aber auch, dass sie mit US-Außenminister Marco Rubio in einen konstruktiven Dialog über die Sicherheit in der Arktis-Region treten wollen. Europa hat also verstanden, dass es sehr viel mehr Verantwortung für seine Verteidigung übernehmen muss", unterstreicht POLITIKEN aus Kopenhagen.
Die polnische Zeitung RZECZPOSPOLITA glaubt nicht an eine Annexion Grönlands durch die USA, ist aber vorsichtig mit dieser Einschätzung: "Eine wahrscheinlichere Taktik der US-Regierung ist es, die grönländische Unabhängigkeitsbewegung zu stärken und direkte Verhandlungen mit den Behörden in Nuuk aufzunehmen. Die separatistischen Bestrebungen sind in Grönland tatsächlich stark. Doch 85 Prozent der Grönländer lehnen eine Annexion der Insel durch die Vereinigten Staaten ab. Die Logik hinter dem Vorgehen des US-Präsidenten scheint jedoch jeglicher Vernunft zu entbehren. Viele glauben, dass die Annexion Grönlands in erster Linie sein enormes Ego befriedigen würde. Dieser Schritt würde ihn zum ersten Präsidenten seit dem Kauf Alaskas von Russland im Jahr 1867 machen, der das US-Territorium signifikant erweitert", so sieht es die RZECZPOSPOLITA aus Warschau.
Die Zeitung WASHINGTON POST aus den USA mahnt: "Es ist ein besonders seltsamer Zeitpunkt, um die Verbündeten der USA zu verspotten, denn wie US-Präsident Trump selbst einräumt, haben die Mitglieder der NATO eine größere finanzielle Last bei der Verteidigung der Ukraine übernommen und sich bereit erklärt, deutlich mehr für ihre eigenen Streitkräfte auszugeben. Letztes Jahr ließ Trump die Drohungen gegenüber Grönland fallen, als die Nachteile für die USA deutlicher wurden, und er wird wahrscheinlich bald dasselbe tun. Die Frage ist, wie viel Schaden der NATO bis dahin zugefügt wird", erklärt die WASHINGTON POST.
Über das Vorgehen der USA in Venezuela zeigt sich die in London erscheinende, panarabischen Zeitung ALARABY AL-JADEED besorgt: "Der amerikanische Angriff auf Venezuela, die Entführung von Präsident Maduro und sein Prozess auf amerikanischem Boden sind ein weiterer Sargnagel für die sogenannte 'internationale Ordnung'. Wenn die Souveränität eines UN-Mitgliedstaates verletzt, sein Präsident im Schutze der Dunkelheit entführt und er und seine Frau in Ketten in ein anderes Land gebracht werden, um sich dort aufgrund erfundener Anschuldigungen vor Gericht zu verantworten, bedeutet dies nicht weniger, als dass die internationale Ordnung zusammenbricht und die internationale Legitimität, die die Vereinten Nationen eigentlich repräsentieren sollen, der Vergangenheit angehört", mahnt ALARABY AL-JADEED aus London.
Auch die Zeitung THE STRAITS TIMES aus Singapur kritisiert: "Die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, vor dem Morgengrauen eine geheime Militäroperation in Venezuela zu starten, um Präsident Nicolas Maduro zu ergreifen, ist ein eklatanter Angriff auf die internationale Rechtsordnung. Die Aktion droht, eine Ära des historischen Friedens zu beenden und uns in eine Welt zurückzuversetzen, in der Macht Recht bricht. Selbst wenn Maduro illegal die Macht ergriffen hat und sich eines kriminellen Verhaltens schuldig gemacht hat, ist das keine rechtmäßige Rechtfertigung für den Einsatz militärischer Gewalt gegen Venezuela. Bisher waren jedoch nur eine Handvoll Staaten bereit, sich US-Präsident Trump mit Nachdruck entgegenzustellen. Wenn Staaten nicht gemeinsam handeln, um das Gewaltverbot – das Fundament der Rechtsordnung der Nachkriegszeit - aufrechtzuerhalten, wird das viele weitere Menschenleben kosten", ist THE STRAITS TIMES aus Singapur überzeugt.
In der ungarischen Zeitung NEPSZAVA heißt es: "Egal, wie man es dreht und wendet, egal, wie bitter es auch klingen mag: Es gibt keinen Unterschied zwischen der Politik der Vereinigten Staaten und Russlands. Das Beispiel Venezuela beweist es. Die einzige Frage ist, was jene Hälfte der Welt tun kann, die die Politik von US-Präsident Trump und Kremlchef Putin ablehnt. Ist Europa entschlossen und stark genug, um tatsächlich eine eigenständige Außenpolitik zu verfolgen? Sind die Europäer damit nicht schon zu spät dran, ebenso wie sie viel zu spät aufgewacht sind was den ungarischen Ministerpräsidenten Orban und seine destruktiven Spießgesellen angeht?", befürchtet die Zeitung NEPSZAVA aus Budapest.
Um das Ukraine-Treffen in Frankreich geht es in der finnischen Zeitung ILTA-SANOMAT: "Die Unterstützerländer der Ukraine, die USA und die Ukraine selbst haben sich in Paris auf die richtigen Schritte geeinigt, indem sie Sicherheitsgarantien für einen Waffenstillstand vereinbarten. Dieser soll unter Führung der USA und durch multinationale Streitkräfte überwacht werden. Natürlich lobten die Vertragspartner ihre Vereinbarungen und sprachen von der Aussicht auf einen nachhaltigen Frieden in der Ukraine. Aber die Sache hat einen Haken: Alle diese Versprechen nützen wenig, solange die Grundvoraussetzung fehlt, nämlich ein Waffenstillstand. Russland führt nach wie vor seinen brutalen Angriffskrieg und hat bislang weder den Wunsch noch die Bereitschaft geäußert, die Waffen ruhen zu lassen. Will man einen Waffenstillstand garantieren, muss dieser vorher erreicht worden sein", konstatiert ILTA-SANOMAT aus Helsinki.
Die chinesische Zeitung JIEFANG RIBAO betont: "Großbritannien und Frankreich haben beim Gipfeltreffen der 'Koalition der Willigen' in Paris ihre Absicht erklärt, den Frieden in der Ukraine nach einem Waffenstillstand auch mit eigenen Soldaten zu sichern. Wird Russland dies akzeptieren? In der Vergangenheit hat der Kreml strikt abgelehnt, dass die NATO Soldaten in der Ukraine stationiert. Moskau sieht dies als Bedrohung der eigenen Sicherheit an. Wenn nun die Truppen der NATO-Staaten vor der russischen Haustür stehen, ist es schwer vorstellbar, dass Putin dies billigt. Im Gegenteil wird Russland diesen Schritt als Provokation betrachten. Das wäre keine gute Voraussetzung für die Verhandlungen über einen Waffenstillstand und könnte den Friedensprozess gefährden. Letztendlich hängt die Entwicklung ohnehin von der Haltung des Weißen Hauses ab. Bisher ist es dort auffallend still bei dieser Frage", macht JIEFANG RIBAO aus Shanghai aufmerksam. Und damit endet die internationale Presseschau.