13. Januar 2026
Die internationale Presseschau

Themen sind der Streit zwischen US-Präsident Donald Trump und US-Notenbankchef Jerome Powell sowie die Lage rund um die regierungskritischen Proteste im Iran.

Barrikaden brennen am 9. Januar in Teheran
BarrikaDie Proteste im Iran sind Thema in den Zeitungen (picture alliance / SIPA | MAHSA/MEI)
Die Zeitung PRAVO aus Tschechien schreibt zum Iran: "Europa hat nun die einzigartige Chance, einen Wandel zu unterstützen, der nicht nur Millionen Menschen Freiheit bringen könnte, sondern auch uns Europäern nützt. Denn Veränderungen im Iran würden diejenigen schwächen, die über uns als Feinde sprechen, allen voran Russland und die islamistischen Terroristen. Zwar erwartet niemand, der bei Verstand ist, dass Europa im Iran einen Militäreinsatz durchführt. Doch es ist wirklich eine Schande, dass trotz der vielen Toten in den Straßen iranischer Städte überhaupt nicht gehandelt wird", meint die Zeitung PRAVO aus Prag.
Das WALL STREET JOURNAL aus den USA findet: "Eine wirksame US-Politik würde Irans Volk so lange unterstützen, bis es das Regime überwältigt hat, jenes bewegungsunfähig ist, Risse in seiner Führung zeigt und die Massen nicht länger in Schach halten kann. Präsident Trump versprach einzugreifen, sollte das Regime zu Massenmord übergehen. Die Protestierenden haben ihn gehört und nun sterben sie auf den Straßen. Nacht für Nacht stellen sie sich einem Regime entgegen, von dem sie wissen, dass es ihnen mit Kugeln begegnen wird. Das iranische Volk muss sich seine Freiheit selbst erkämpfen, aber dies ist ein historischer Moment, in dem Amerika ihm helfen kann, eine gefährliche Tyrannei zu stürzen", betont das WALL STREET JOURNAL aus New York.
Die spanische Zeitung EL PERIÓDICO erklärt: "Möglicherweise erleben wir die bislang größte soziale Protestbewegung seit der Gründung der Islamischen Republik im Jahr 1979 - und das in einer Phase besonderer Schwäche des Regimes der Ajatollahs. Hinzu kommt das aktuelle internationale Umfeld, das von einer wachsenden Interventionsbereitschaft der Vereinigten Staaten - in diesem Fall an der Seite Israels - geprägt ist. Vor diesem Hintergrund ist es kaum verwunderlich, dass die Lage im Iran an die Spitze der internationalen Agenda gerückt ist. Die internationale Gemeinschaft muss zu diesem Wandel beitragen - insbesondere die Europäische Union, deren Außenpolitik weiterhin gelähmt ist", fordert EL PERIÓDICO aus Madrid.
Die in London erscheinende palästinensische Tageszeitung AL QUDS hebt hervor: "Das Regime in Teheran ist aus gutem Grund nervös. Denn die Entführung des venezolanischen Staatschefs Nicolas Maduro gilt als deutliche Warnung Trumps an seine Gegner, insbesondere an den Obersten Führer in Teheran. Dies gilt umso mehr, seit Teheran keine Verbündeten mehr hat, die zu seinem Schutz intervenieren würden. So scheint es nur eine Frage der Zeit, bis das Regime stürzt - sei es durch Druck von innen, sei es durch einen Angriff der USA", vermutet AL QUDS aus London.
Die österreichische Tageszeitung DIE PRESSE fragt: "Die Ereignisse in Venezuela haben gezeigt, dass Trump keine Grenzen kennt, die Angst in Teheran ist durchaus begründet. Trumps Absichten bleiben jedoch im Dunkeln. Geht es um einen Regimewechsel? Um einen neuen Atomdeal? Von den USA herbeigeführte Umwälzungen können die Region jedenfalls ins Chaos stürzen, ohne den Iranern geholfen zu haben", mahnt DIE PRESSE aus Wien.
Die tschechische Zeitung MLADÁ FRONTA DNES stellt fest: "Amerika hat im Iran nur begrenzte Möglichkeiten. Der Iran ist nicht Venezuela und kann trotz seiner unbestreitbaren Schwächung immer noch viel Schaden anrichten. Zudem scheint es, dass die iranische Armee und die Sicherheitskräfte den Ayatollahs weiterhin überwiegend loyal gegenüberstehen. Ein paar Warnschüsse mit Raketen würden keine Lösung bringen, und einen langwierigen Krieg auf iranischem Gebiet zu beginnen, könnte für Donald Trump politischer Selbstmord sein. Die Proteste gehen in die dritte, wahrscheinlich entscheidende Woche, und der Chef des Weißen Hauses steht unter zunehmendem Druck, seinen Worten Taten folgen zu lassen", unterstreicht MLADÁ FRONTA DNES aus Prag.
Die chinesische Tageszeitung JIEFANG RIBAO beobachtet: "Vor allem Israel drängt die USA, die Gunst der Stunde zu nutzen. Sollten die Vereinigten Staaten jedoch zu weit gehen, könnte sich dies als kontraproduktiv erweisen und eine Reihe unvorhersehbarer Kettenreaktionen auslösen. So könnte der Iran dadurch in eine Abwärtsspirale der Instabilität geraten, in deren Folge sogar noch radikalere Fraktionen an die Macht kommen. Bombenangriffe könnten die iranische Bevölkerung wieder hinter ihrer Regierung vereinen", mahnt die in Schanghai erscheinende JIEFANG RIBAO.
Die israelische Zeitung JERUSALEM POST stellt heraus: "In solchen Momenten ist das Zeitfenster für Prävention kurz. Die Vereinigten Staaten und Israel müssen konkrete Maßnahmen ergreifen, um ein Massaker zu verhindern. Drohungen und Pressemitteilungen reichen in dieser Phase nicht aus, um Abschreckung zu erzeugen. Sie müssen unverzüglich und unmissverständlich klarstellen, dass die Islamische Republik für Massenrepressionen einen persönlichen und politischen Preis zahlen wird", fordert die JERUSALEM POST.
Die französische Zeitung LE MONDE analysiert: "Von außen mag die systematische Unterdrückung dieser Bewegungen den Eindruck erwecken, als scheiterten sie immer wieder ohne eine nachhaltige Wirkung zu haben. Diese Interpretation ist jedoch zu einfach. Jeder Protestzyklus hat tiefe Spuren in der iranischen Gesellschaft hinterlassen, wie die Bewegung 'Frauen, Leben, Freiheit' beispielhaft zeigt, und hat das Regime unbestreitbar geschwächt. Der Oberste Führer, Ayatollah Khamenei, vergleicht die Islamische Republik in seinen Reden gern mit einem kräftigen, fest verwurzelten Baum. Doch dieser Baum ist in Wirklichkeit so von innerer Fäulnis durchdrungen, dass es nicht viel brauchte, um ihn zum Umstürzen zu bringen", folgert LE MONDE aus Paris.
In den USA geht die Justiz gegen Notenbankchef Powell vor und wirft ihm Falschaussagen vor dem Kongress vor. Dieser wies die Vorwürfe zurück und warf der Regierung von Präsident Trump vor, einen Vorwand zur Untergrabung der Unabhängigkeit der Notenbank zu suchen. Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG aus der Schweiz urteilt: "Die klaren Worte des Fed-Chefs sind zu begrüßen. Sie werden die Trump-Regierung hoffentlich dazu bringen, einen Schritt zurück zu machen, bevor die amerikanische Wirtschaft Schaden nimmt. Dass Powell Trumps Motiv direkt anspricht, ist ungewöhnlich, aber der Situation angemessen. Notenbanker äußern sich in der Regel nicht zur Arbeit der Regierung, weil sie dieser keinen Vorwand geben möchten, sich ihrerseits in geldpolitische Fragen einzumischen. Indem er Trumps Vorgehen nun in aller Öffentlichkeit anprangert, ruft Powell das Parlament und die Wall Street auf den Plan – die mächtigsten Verbündeten im Streit um die Unabhängigkeit der Notenbank", erläutert die NZZ aus Zürich.
Die Zeitung THE IRISH TIMES aus Irland kommentiert: "Der Druck auf die Fed steht im Einklang mit Trumps Bestreben, alle Staatsgewalt zu kontrollieren und dabei die normalerweise durch den Kongress, die Gerichte und – im Falle der Geldpolitik – die Fed gewährleisteten Kontrollmechanismen zu ignorieren. Die Aushöhlung der Unabhängigkeit der Fed wird die Anleger beunruhigen, da eine mangelnde Kontrolle der Inflation schwerwiegende Folgen hat", warnt THE IRISH TIMES aus Dublin.
Der SYDNEY MORNING HERALD aus Australien notiert: "Wie ein ständig gemobbtes Kind hat Powell nun genug. Der ehemalige Pazifist ist zum Kämpfer geworden. Powell wehrt sich, und die Zeit der biblischen Devise 'Die andere Wange hinhalten' ist vorbei. Powells Amtszeit als Vorsitzender der US-Notenbank (Fed) endet im Mai. Üblicherweise tritt der Fed-Vorsitzende gleichzeitig auch als Gouverneur des Zentralbankrats zurück. Powells Amtszeit als Fed-Gouverneur endet jedoch erst 2028, und Trumps juristische Eskalation könnte ihm den nötigen Einfallsreichtum eröffnen, um im Amt zu bleiben und weiterzukämpfen", heißt es im SYDNEY MORNING HERALD.