
Nach einem Krisengespräch in Washington sieht die in Dublin erscheinende IRISH TIMES nur begrenzte Möglichkeiten für Europa, dem von Trump erhobenen Anspruch auf eine Übernahme Grönlands etwas entgegenzusetzen: "Das Treffen im Weißen Haus zwischen Außenminister Rubio und Vizepräsident JD Vance auf US-Seite und den Außenministern Dänemarks und Grönlands, Lars Løkke Rasmussen und Vivian Motzfeldt, unterstreicht die Dilemmata, denen Europa gegenübersteht. Trump besteht darauf, dass die Eigentumsrechte der USA im Rahmen seines Raketenabwehrplans 'Golden Dome' unerlässlich sind. Darüber könnte wahrscheinlich verhandelt werden. Bei seiner Reaktion steht Europa allerdings vor dem gleichen Dilemma wie im April vergangenen Jahres, als Trump mit umfassenden Zöllen drohte. Es ist auf die USA angewiesen, um die Ukraine in ihrem Kampf gegen die russische Invasion unterstützen zu können und darüber hinaus ganz allgemein für das Funktionieren der NATO. Das schränkt Europas Handlungsspielraum erheblich ein", stellt die IRISH TIMES fest.
Aus Sicht der slowakischen Zeitung PRAVDA rächt sich nun, dass sich die Europäer zu lange von Amerika abhängig gemacht haben: "Die europäischen Politiker beginnen offenbar erst jetzt zu erkennen, was für ein Pyrrhussieg die praktisch unkritische Allianz mit den USA war. Nach dem Zweiten Weltkrieg, vor allem aber nach dem Fall der Berliner Mauer, verwandelte sich dieses Bündnis für Europa allmählich in die Beziehung eines unmündigen Vasallen zu einem imperialen Koloss, der selbst aus der Vision der Überlegenheit der europäischen Welt hervorgegangen war und der jederzeit bereit war und ist, diesen Status in weltweit geltende Wirtschaftsgesetze und damit verbundene Kriege umzusetzen", ist in der PRAVDA aus Bratislava zu lesen.
"Wir einigen uns darauf, uneinig zu sein", zitiert die Zeitung JYLLANDS-POSTEN aus Aarhus den dänischen Außenminister Rasmussen nach der Besprechung in Washington. "Das einstündige Treffen wird in den kommenden Tagen genau analysiert werden - während gleichzeitig eine Reihe von NATO-Ländern schon dabei ist, militärisches Personal nach Grönland zu schicken. Nicht nur Dänemark, sondern auch andere - und größere - Mitgliedsstaaten haben ein vitales Interesse daran, Trump zu zeigen, dass seine Erwartung, NATO-Hilfe dabei zu bekommen, Dänemark zum Verzicht auf Grönland zu bewegen, ein Fantasiegebilde ist, das es nicht verdient, Wirklichkeit zu werden", unterstreicht die dänische Zeitung JYLLANDS-POSTEN.
Die chinesische Zeitung HUANQIU SHIBAO beobachtet: "Auf Trumps Appetit auf Grönland reagiert Europa nervös und hektisch. Die bisherige Erfahrung, Pläne der US-Regierung immer wieder durch Nachgeben und Zugeständnisse abwenden zu können, hilft den Europäern nicht mehr. Der US-Präsident macht keinen Hehl daraus, Grönland zur Not mit militärischen Mitteln erobern zu wollen. Deutschland und Frankreich schicken nun Erkundungstruppen zur Insel. Werden sie Trump von der Übernahmeforderung abhalten? Wie der Konflikt endet, ist noch ungewiss. Die Europäer sollten wissen, dass sie nicht allein sind. Als Befürworter des Multilateralismus hat China die gleichen Interessen und könnte ein Partner sein." Das war die Zeitung HUANQIU SHIBAO aus Peking.
Themenwechsel. Die polnische Zeitung GAZETA WYBORCZA überlegt, wie ein amerikanisches Eingreifen im Iran aussehen könnte, und zieht einen Vergleich: "Betrachten wir zunächst das venezolanische Szenario: den Einsatz von Spezialeinheiten zur Gefangennahme oder Tötung des Obersten Führers Ali Chamenei. Es ist wahrscheinlich, dass die USA Chameneis Aufenthaltsort kennen. Ihn gefangen zu nehmen, wäre jedoch nicht so einfach wie im Fall von Nicolás Maduro, der von kubanischen Söldnern unzureichend verteidigt wurde. Es wäre einfacher, Chamenei zu töten. Diese Option birgt jedoch einige Herausforderungen. US-Gesetze verbieten die Ermordung von Staatsoberhäuptern ohne formellen Kriegszustand. Kurz gesagt: Chameneis Sturz gestaltet sich aus mehreren Gründen schwierig. Ein Regimewechsel ohne vorbereiteten Übergangsplan könnte den Iran in einen Bürgerkrieg und den Nahen Osten ins Chaos stürzen", warnt die GAZETA WYBORCZA aus Warschau.
Die italienische Zeitung LA STAMPA ist überzeugt: "Die Auswirkungen würden sich nicht auf den Nahen Osten beschränken. Ein Angriff auf den Iran würde die chinesische Energiesicherheit, die russische Militärarchitektur, die Wirtschaftsbeziehungen zu Venezuela sowie die strategische Stabilität des Golfs berühren. Er wäre ein Schock auf mehreren Ebenen, der eine begrenzte Operation in ein globales geopolitisches Erdbeben verwandeln könnte." Sie hörten einen Kommentar der Zeitung LA STAMPA aus Turin.
Die panarabische Zeitung AL QUDS AL-ARABY fügt hinzu: "Die Drohungen der USA angesichts der Eskalation der Proteste und bewaffneten Auseinandersetzungen im Iran stellen eine ernsthafte Gefahr für die arabischen Golfstaaten dar. Denn ein Angriff auf den Iran würde die Energiesicherheit, die regionale Stabilität und den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus gefährden, durch die ein Großteil der weltweiten Öllieferungen läuft. Aus dieser Perspektive birgt Trumps wachsende Neigung zu riskanten Abenteuern erhebliche Risiken. Auch am Golf sieht man, dass Trump zunehmend auf die Logik überwältigender Gewalt setzt, ohne Rücksicht auf die politischen Kosten. In letzter Konsequenz lässt diese Politik auch Konfrontationen mit China, Russland, Nordkorea und sogar Europa wahrscheinlicher werden", glaubt AL QUDS AL-ARABY mit Sitz in London.
Die Zeitung HÜRRIYET aus der Türkei vermutet, dass die USA derzeit keinen Regimewechsel in Teheran anstreben, sondern vorrangig das Ziel verfolgen, dass ... "... der Iran seine nuklearen Aktivitäten einstellt. Sollte der Iran nach dem 12-Tage-Krieg noch über angereichertes Uran verfügen, sollten die Mullahs es aushändigen. Natürlich muss auch das harte Vorgehen gegen Demonstranten auf der Straße beendet werden. Doch wird der Iran in der Lage sein, das Problem im Dialog zu lösen, ohne dass die USA eingreifen müssen? Die Türkei unternimmt große Anstrengungen, um einen Krieg zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten zu verhindern. Werden die Vermittlungsbemühungen zu Ergebnissen führen? Die Zeit wird es zeigen", schreibt die Zeitung HÜRRIYET aus Istanbul.
"Die Lage im Iran ist explosiv und ungewiss", analysiert die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG aus der Schweiz. "Die Proteste könnten zu einem Sturz des Regimes führen, sie könnten in sich zusammenfallen oder sich lange hinziehen, unter massiver staatlicher Repression. Potenziell könnte die Situation migrationspolitisch massive Auswirkungen auf Europa haben. Angesichts dieser Tragweite sollte die EU immerhin die ihr zur Verfügung stehenden Mittel ausreizen, um die protestierende Bevölkerung in ihrem Kampf für mehr Freiheit und Demokratie zu unterstützen. Nötig wäre etwa, die iranischen Revolutionswächter auf die Liste der verbotenen Terrororganisationen zu setzen. Schließlich sind auch weitere Wirtschaftssanktionen nötig, solange sich die Regierung an die Macht klammert", argumentiert die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG.
Die NEW YORK TIMES meint: "Die angemessene Reaktion der übrigen Welt beginnt mit einer geschlossenen Solidaritätsbekundung für die Demonstranten. Das Regime von Chamenei ist zu verdorben, um reformiert werden zu können. Es gab zahlreiche Gelegenheiten, einen anderen Weg einzuschlagen. Die Ayatollahs haben sich stattdessen für Extremismus und Unterdrückung entschieden. Sie haben gezeigt, dass sie nicht mehr zu rehabilitieren sind." Und mit dieser Einschätzung aus der NEW YORK TIMES endet die internationale Presseschau.
