17. Januar 2026
Die internationale Presseschau

Heute mit Kommentaren zum Iran, dem Grönland-Konflikt und der Weitergabe der Friedensnobelpreis-Medaille. Zuerst geht es aber um das Mercosur-Freihandelsabkommen, das heute in Paraguay unterzeichnet wird.

Das Logo des Mercosur ist an einer Wand hinter Flaggen der Mercosur-Mietglieder am Rande des Gipfels des Wirtschaftsbündnisses zu sehen
Das Logo des Mercosur ist an einer Wand hinter Flaggen der Mercosur-Mietglieder am Rande des Gipfels des Wirtschaftsbündnisses zu sehen (picture alliance/dpa | Santiago Mazzarovich)
Die paraguayische Zeitung LA NACION zeigt sich erfreut: "Das Abkommen zwischen den EU- und den Mercosur-Staaten ist ein Meilenstein für die Handelsbeziehungen zwischen 27 europäischen Ländern und den vier südamerikanischen Ländern Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay. Das Abkommen beseitigt zahlreiche Handelshindernisse. Die Teilnehmerländer können gemeinsam die Herausforderungen angehen, die durch den wachsenden Protektionismus einiger Staaten entstanden sind und den Welthandel belasten. Experten gehen davon aus, dass das Handelsvolumen zwischen den beiden Blöcken erheblich steigen wird. Für Paraguay bietet sich die Chance, die Handelsbeziehungen mit einer der wohlhabendsten Regionen der Welt auszubauen", erklärt LA NACION aus Asunción.
Die schwedische Zeitung DAGENS NYHETER meint aus europäischer Sicht ebenfalls: "Die EU-Bürger sollten feiern. Es entsteht ein Wirtschaftsraum mit 700 Millionen Konsumenten, die EU erhält besseren Zugang zu wichtigen Mineralien und den europäischen Unternehmen bieten sich neue Exportmöglichkeiten, beispielsweise für Autos und Medikamente. Außerdem stärkt uns mehr Handel nicht nur wirtschaftlich, sondern dient auch als Absicherung. Die erreichen wir nicht, indem wir unsere eigenen Märkte abschotten, sondern indem wir die Risiken streuen. Künftige existenzielle Bedrohungen wie Klimawandel, Pandemien, Terror und Kriege erfordern internationale Zusammenarbeit. Das Einreißen von Handelshindernissen ist nicht alles, wohl aber ein wichtiges Puzzleteilchen. Nun ist es nötig, neue Freunde zu finden, während die USA zunehmend ihre Stacheln ausfahren. Es geht bei dem Mercosur-Abkommen nicht um billiges Rindfleisch, sondern um die künftige Weltordnung", ist DAGENS NYHETER aus Stockholm überzeugt.
Mit den Thema 'Iran' beschäftigt sich MILLIYET aus der Türkei. Nach Angaben von US-Präsident Trump hat die iranische Führung Verhandlungen vorgeschlagen. Dazu vermerkt die Zeitung: "Das Regime hat guten Grund, den Vereinigten Staaten zu misstrauen. Es scheint unwahrscheinlich, dass das Mullah-Regime die Bedingungen Trumps akzeptieren wird. Aber was passiert, wenn keine Lösung am Verhandlungstisch gefunden wird? Die Alternative wäre eine 'schlechte Lösung'. Diese 'schlechte Lösung' könnte ein militärischer Angriff gegen den obersten religiösen Führer, die gesamte Führung sowie das Hauptquartier der Sicherheitsdienste des Regimes sein", so die Zeitung MILLIYET aus Istanbul.
"Die Iraner erheben sich gegen ein repressives klerikales System im Iran, aber das bedeutet nicht, dass sie die Einmischung westlicher Regierungen begrüßen würden", mahnt die Zeitung IRISH INDEPENDENT aus Irland. Und weiter heißt es: "Was auch immer die USA tun, sie müssen sorgfältig überlegen. Die Erfahrungen im Irak, in Syrien, in Libyen und in Afghanistan zeigen, dass Interventionen, die schnell und tödlich beginnen, sich auf unbestimmte Zeit hinziehen können." So weit IRISH INDEPENDENT aus Dublin.
Die panarabische Zeitung AL ARABY AL-JADEED urteilt: "Derzeit zeigt sich in aller Deutlichkeit der enorme Verfall des Iran. War er früher eine regionale Supermacht, die die gesamte Region strategisch dominierte, so droht ihm heute der endgültige Zusammenbruch. Meinungsumfragen zufolge gibt es nur wenige Staaten, die in der Region so verhasst sind wie der Iran. Denn der tritt im Ausland mit der Attitüde einer arroganten, sektiererischen Besatzungsmacht auf. Seine jeweiligen Verbündeten gelten als Inbegriff von Korruption, sie plündern öffentliche Gelder, diskriminieren weite Teile der Bevölkerung und verfolgen andere Religionsgemeinschaften. Die Islamische Republik kann auf Dauer wohl nur bestehen, wenn sie sich mit der eigenen Bevölkerung wie auch mit ihren Nachbarn versöhnt", stellt AL ARABY AL-JADEED mit Sitz in London fest.
Auch der Konflikt um Grönland beschäftigt die Kommentatoren weiter. Die niederländische Zeitung DE VOLKSKRANT glaubt: "Es ist sehr gut, dass Frankreich, Deutschland, Norwegen und Schweden Truppen nach Grönland entsenden. Die Europäer müssen US-Präsident Trump in einer diplomatischen Offensive klarmachen, dass ein amerikanischer Angriff auf Grönland auch schwerwiegende wirtschaftliche Folgen haben würde. Europa ist der wichtigste Handelspartner der USA, und die Europäer haben viele Möglichkeiten, den USA zu schaden. Natürlich würden sie damit ein Risiko eingehen, vor allem weil sie in technologischer Hinsicht von den USA abhängig sind. Aber wenn Europa Einigkeit und Entschlossenheit demonstriert, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Trump nachgeben wird", ist in DE VOLKSKRANT aus Amsterdam zu lesen.
Die britische Zeitung THE GUARDIAN sieht es so : "Offensichtlich befinden sich die Ost-West-Beziehungen – oder vielmehr die Emotionen – in einem alarmierend empfindlichen Stadium. Aber es so darzustellen, dass russische Panzer kurz davor sind, quer durch Europa zu rasen, wird die Spannung kaum verringern. Ein Streit um Grönland könnte die NATO spalten und sie schwächen. Wenn jemals eine Krise langsame diplomatische Verhandlungen rechtfertigte, dann ist es diese. Wenn Generäle und Politiker Diplomaten und Friedensstiftern das Mirkofon entreißen, verschwindet jegliche Vernunft", fürchtet THE GUARDIAN aus London.
Die Zeitung PRÁVO aus Tschechien warnt: "Würden die Vereinigten Staaten versuchen, Grönland mit Gewalt zu erobern, würden sie damit im Grunde genommen die NATO zerstören und das Ende der Welt, wie wir sie kennen, einläuten. Das Machtgleichgewicht gegenüber diktatorischen Regimes würde zerfallen, Europa würde sich inmitten einer feindlichen Umzingelung wiederfinden. Ein de facto gelähmtes Europa und eine handlungsunfähige NATO sind der Wunschtraum des russischen Präsidenten Putin", betont PRÁVO aus Prag.
Schauen wir noch auf die Weitergabe der Friedensnobelpreismedaille durch die aktuelle Preisträgerin María Machado an US-Präsident Trump. Der österreichische STANDARD fragt: "Was bleibt jetzt? Ein US-Präsident, der weiter auf einen regulären Friedensnobelpreis hofft. Und eine Friedensnobelpreisträgerin, die ihren Ruf zerstört hat. Und das schadet nicht nur ihr selbst: Die venezolanische Opposition, der wohl weitere düstere Zeiten bevorstehen, hat ihre Galionsfigur verloren", beklagt DER STANDARD aus Wien.
"Machado übergibt ihre Auszeichnung dem Kaiser eines neuen absolutistischen Regimes im Tausch gegen nichts", schreibt die spanische Zeitung EL PAIS. "Wir erleben hier nicht, wie eine Preisträgerin großzügig ihre Trophäe abgibt, um sie den Opfern zu widmen, für die sie kämpft – nein, wir sehen hier vielmehr Unterwerfung, Kapitulation vor dem Autokraten, der Venezuelas Zukunft diktieren wird. Das ist Schmeichelei, Bestechung und Unanständigkeit. Das Recht des Stärkeren ist zurück, und wer am besten besticht, gewinnt", hält EL PAIS aus Madrid fest.
Mit der Politik von US-Präsident Trump setzt sich auch die türkische Zeitung TIGRIS auseinander. "Die Vereinigten Staaten treiben die Welt in den Abgrund. Das Völkerrecht ist praktisch zusammengebrochen. An dessen Stelle ist eine Politik der Macht, der Gewalt und des nackten Eigeninteresses getreten. Wir sind in eine Zeit eingetreten, in der die Mächtigen das Recht für sich beanspruchen und das Gesetz nur insoweit beachten, als es ihnen passt. Trump regiert die Welt nach seinen eigenen Interessen mit einer kaufmännischen Logik. Solange das toleriert wird, werden Chinas Vorgehen gegen Taiwan und Russlands Ziele gegenüber der Ukraine mit der gleichen Logik legitimiert werden. Denn wenn es kein Gesetz gibt, schreibt jeder sein eigenes. Dieses Verständnis, das man als 'Trump-Doktrin' bezeichnen kann, bereitet das Ende der Welt vor. Wenn die Mächtigen nicht begrenzt werden, bleibt nur noch die Angst", warnt TIGRIS aus Diyarbakir zum Ende der Presseschau.