20. Januar 2026
Die internationale Presseschau

Thema ist weiterhin der Grönland-Streit zwischen den USA und Europa. Doch zunächst ziehen einige ausländische Zeitungen eine Zwischenbilanz der Amtszeit des US-Präsidenten.

Donald Trump zeigt auf Dinge
US-Präsident Donald Trump ist sei einem Jahr im Amt. Damit beschäftigen sich einige ausländische Zeitungen (Archivbild). (picture alliance/AP Images | Alex Brandon)
"Ein Jahr ist es nun her, dass Donald Trump erneut ins Weiße Haus einzog", schreibt die norwegische Zeitung AFTENPOSTEN: "Die Anfangszeit verwendeten er und seine Leute für einen Frontalangriff auf den amerikanischen Staat und wichtige Akteure der Zivilgesellschaft wie große Medien, Universitäten und private Unternehmen. In den letzten Monaten hat Trump seine destruktive Kraft auf Europa gerichtet. Sein Projekt scheint jetzt zu sein, die regelbasierte Weltordnung zu zerstören, die aufgrund der schrecklichen Erfahrungen zweier Weltkriege errichtet wurde. Mehrere Generationen haben sich seither gemeinsam dafür eingesetzt, dass sich so etwas nicht wiederholt, und die USA nahmen dabei eine führende Rolle ein. Präsident Franklin D. Roosevelt bezeichnete in der letzten Rede vor seinem Tod einen dauerhaften Frieden als das größte Geschenk an die Menschheit. Trump sollte sich lieber von einem der größten Präsidenten der US-Geschichte inspirieren lassen, statt einer der schlechtesten US-Präsidenten aller Zeiten werden zu wollen", empfiehlt AFTENPOSTEN aus Oslo.
Die japanische Zeitung YOMIURI SHIMBUN aus Tokio findet: "Es ist äußerst bedauerlich, dass Trump durch die Methoden, die autoritär geführte Staaten gerne anwenden - wie die Repression der Meinungsfreiheit oder der Justiz - das beschädigt hat, wofür die USA lange Zeit standen: Respekt und Vertrauen. Damit hat er sein Wahlsprechen ‚Make America Great Again‘ gebrochen. Für Japan und Europa ist es wichtig, weiter für die 'Rechtstaatlichkeit' einzutreten und Überzeugungsarbeit zu leisten, dass die USA mit Trumps Methode – Herrschaft mit Gewalt – die Welt nur weiter destabilisieren", betont YOMIURI SHIMBUN.
Die KLEINE ZEITUNG aus Graz in Österreich hebt hervor, Trump habe im Wahlkampf 2024 wirtschaftlichen Aufschwung versprochen und stellt fest: "'America first' ist mittlerweile gespickt von Nebenschauplätzen in der Arktis und Hinterhöfen in der Karibik. Bei seinen imperialen Bestrebungen vergisst Trump die Probleme im eigenen Land oder lenkt bewusst von ihnen ab. Die Preise sind hoch und dürften aufgrund seines Zollkonflikts weiter steigen. Trump, der Wahlkämpfer, hat verstanden, worauf es ankommt - Trump, der Präsident, verliert offenbar das Gespür."
"Bei Trump spielen sein Größenwahn und sein kolossales Ego eine entscheidende Rolle", bemerkt die polnische Zeitung GAZETA WYBORCZA: "Er hält sich für außergewöhnlich und will, dass die Geschichte ihn auch so in Erinnerung behält. Manchmal äußert sich das in weniger bedrohlichen Aktionen, wie etwa der Forderung, seine Untergebenen und Vertrauten sollten ihm den Friedensnobelpreis ‚besorgen‘. Ein weiteres Beispiel ist der Abriss des Ostflügels des Weißen Hauses und der Bau eines gigantischen, 300 Millionen Dollar teuren Ballsaals an dessen Stelle", erläutert GAZETA WYBORCZA aus Warschau.
Die dänische Zeitung JYLLANDS-POSTEN wendet ein: "Es gibt Tage, an denen man es fast nicht schafft, die Nachrichten einzuschalten. Ständig kommt eine neue Trump-Story, und es wird immer schlimmer. Da aber Trump Geschenke so liebt wie sich selbst, könnte man ihm Absagen schicken, nämlich für die Teilnahme an der Fußball-WM. Das würde ihn treffen, wo es am meisten weh tut: bei seiner Eitelkeit. Eine Fußball-WM ohne Deutschland, England und Frankreich wäre keine Fußball-WM. In einer Zeit, in der Sport immer auch politisch ist, wäre das ein starkes Signal", argumentiert JYLLANDS-POSTEN aus Århus.
Die schwedische Zeitung DAGENS INDUSTRI geht auf den Grönland-Streit zwischen den USA und Europa ein. Das Blatt ist überzeugt: "Donald Trump meint es ernst, wenn er sagt, er wolle Grönland übernehmen. Aber gleichzeitig steht der US-Präsident dabei vor mehreren Problemen. Im US-Kongress regt sich zunehmend Widerstand, auch unter Republikanern. Hinzu kommt, dass laut jüngsten Umfragen die Bevölkerung ebenso gegen Trumps Grönland-Pläne ist. Es wäre nicht einmal sicher, dass entsprechende Befehle befolgt würden, denn die Annexion von Territorium eines anderen NATO-Mitglieds ist illegal, und die US-Streitkräfte wären nicht auf ein solches Szenario vorbereitet. Trumps Strategie ist gescheitert, einen Keil zwischen Kopenhagen und Nuuk zu treiben: Vielmehr haben seine Drohungen Dänemark und Grönland zusammengeschweißt", lautet die Einschätzung von DAGENS INDUSTRI aus Stockholm.
Die chinesische Zeitung WENHUIBAO beobachtet: "Bislang zeigen sich die Europäer von Trumps Erpressungsversuch mit neuen Zöllen unbeeindruckt und stellen gar die bislang erreichte Einigung im transatlantischen Handelsstreit komplett in Frage. Wegen des Widerstands seiner europäischen Verbündeten hat der US-Präsident nun nach einem neuen Vorwand gesucht, um sich Grönland unter den Nagel reißen zu können, und hat eine angebliche Bedrohung durch Russland aus dem Hut gezaubert. Dies wird aber selbst von Republikanern im US-Senat in Abrede gestellt und als absurde Begründung bezeichnet", notiert WENHUIBAO auch Schanghai.
"Wenn eine Deeskalation nicht möglich ist, muss die EU klar Stellung beziehen", mahnt die niederländische Zeitung DE VOLKSKRANT aus Amsterdam: "Die US-Zölle vom letzten Jahr wurden noch mit wirtschaftlichen Argumenten gerechtfertigt, so zweifelhaft diese auch waren. Jetzt nutzt US-Präsident Donald Trump die Zölle, um seine geopolitischen Wünsche durchzusetzen. Dieser Erpressung kann die EU nicht nachgeben. Europa – und damit nicht nur die EU, sondern auch Länder wie Großbritannien und Norwegen – muss Donald Trump klarmachen, dass sein diplomatischer Vandalismus einen Preis hat. Der amerikanische Präsident wird nur einlenken, wenn Europa glaubwürdig mit Handelsmaßnahmen droht, die amerikanische Bürger und Unternehmen viel Geld kosten würden", ist DE VOLKSKRANT überzeugt.
Das WALL STREET JOURNAL gibt mit Blick auf Trumps Androhung von Extra-Zöllen gegen europäische Länder zu bedenken: "Die Besteuerungs-Hoheit liegt laut Verfassung beim Kongress, sofern sie nicht ausdrücklich dem Präsidenten übertragen wurde. Ähnlich wie Joe Bidens Missbrauch der Macht über die Haushaltsausgaben beim Erlass von Studienkrediten ohne Zustimmung des Kongresses, schreit auch Trumps Missbrauch der Steuermacht nach einer Korrektur durch den Obersten Gerichtshof." Das was das WALL STREET JOURNAL aus New York.
Die türkische Zeitung NEFES beschäftigt sich mit dem Konflikt zwischen kurdischen Kämpfern und der Zentralregierung in Syrien: "Inzwischen hat der syrische Präsident ein Dekret zu den Kurden erlassen. Darin heißt es, dass die kurdischen Bürger Syriens ein grundlegender und wesentlicher Teil des syrischen Volkes sind. Der Staat setze sich für den Schutz der kulturellen und sprachlichen Vielfalt ein und garantiere das Recht der kurdischen Bürger, ihr Erbe und ihre Kunst zu bewahren sowie ihre Muttersprache im Rahmen der nationalen Souveränität weiterzuentwickeln. Kurdisch ist demnach eine Landessprache und darf dort in staatlichen und privaten Schulen unterrichtet werden, wo Kurden einen erheblichen Teil der Bevölkerung ausmachen. Sind das ernst gemeinte Worte oder nur leere Worthülsen?", fragt NEFES aus Istanbul.
Die arabischsprachige Zeitung AL QUDS AL-ARABY rät: "In einem so ethnisch, religiös und konfessionell vielfältigen Syrien braucht es unbedingt einen nationalen Konsens: Der lässt sich nur durch eine entsprechende Konferenz erreichen, die die Rechte und Pflichten sämtlicher Individuen und Gruppen respektiert. Mit Blick auf die Anliegen der Kurden besteht das Problem zudem weiterhin darin, dass ihre Streitkräfte individuell und eben nicht als militärische Einheiten in die nationale Armee integriert werden sollen. Das lehnen die Kurden mehrheitlich ab. Insofern dürfte es weiterhin zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kommen", befürchtet AL QUDS AL-ARABY mit Sitz in London.