
Zu dem von Trump gegründeten "Friedensrat" schreibt die ungarische Zeitung NEPSZAVA: "Die Organisation, deren erklärtes Ziel angeblich der Wiederaufbau des Gazastreifens ist, dient in Wirklichkeit nur Trumps Imperium. Die Absurdität der Bedingungen übertrifft jede Vorstellungskraft: Wer eine Milliarde Dollar zahlt, erhält eine 'ewige Mitgliedschaft' in diesem Club. Trump schart mit den Methoden eines Mafia-Bosses Vasallen um sich, die bereit sind, für seine Gnade zu zahlen. All dies geschieht mit der Unterstützung des ungarischen Ministerpräsidenten Orban, der als einer der Ersten dieses Dokument unterzeichnete und damit eine Organisation legitimiert hat, deren wahrer Nutzen ein Rätsel, deren Funktionsprinzip aber diktatorisch ist", kritisiert NEPSZAVA aus Budapest.
Der NEW YORKER fasst die Gründungszeremonie des Friedensrats in Davos so zusammen: "Ein bizarres Fotoshooting mit dem Präsidenten, ein Logo, das von der UNO kopiert wurde, und eine zufällige Auswahl von Weltpolitikern, die bereit waren, sich für eine coole Milliarde Dollar einen Platz in Trumps Gremium zu kaufen. Diese Show könnte man auch betiteln als 'Donald Trump und seine vorgetäuschte Liga der kleinen Superhelden'. Wie viele höfliche Möglichkeiten gibt es eigentlich, um zu fragen, ob der Präsident der Vereinigten Staaten den Verstand verloren hat?," bemerkt das US-Magazin THE NEW YORKER.
Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG erläutert: "Jene neunzehn Länder, die bei der Unterzeichnungszeremonie teilnahmen, lassen sich grob in zwei Gruppen unterteilen: Die einen kommen aus dem Nahen Osten und können es sich daher nicht leisten, in der Gaza-Frage abseits zu stehen. Die übrigen sind Staaten, die fast schon verzweifelt um die Gunst und Aufmerksamkeit des Zuchtmeisters aus Washington buhlen. Die beste Lösung in dieser skurrilen Situation wäre, das hochfliegende Projekt zu redimensionieren und auf die Friedenssuche im Gaza-Konflikt zurückzubinden. Auf eine Parallel-UNO zur Verherrlichung von 'Chairman Trump' kann die Welt hingegen getrost verzichten", betont die NZZ aus der Schweiz.
Die Zeitung JYLLANDS-POSTEN aus dem dänischen Aarhus führt aus: "Trump hat die Vereinten Nationen wiederholt wegen ihrer Ineffizienz kritisiert. Diese Kritik ist in weiten Teilen berechtigt, und im UNO-System muss sich etwas ändern. Doch die Idee eines universellen Forums, in dem Staaten und nicht zuletzt schwache Akteure eine Stimme haben, ist nach wie vor das Beste, was wir besitzen."
Die polnische Zeitung RZECZPOSPOLITA aus Warschau befürchtet: "Angesichts der Stärke Amerikas und des Größenwahns seines Präsidenten werden die UNO und die NATO in den Hintergrund treten. Das ist vielleicht das wichtigste Argument gegen Trumps Friedensrat. Polen sollte nicht Mitglied werden. Denn unser Land hat wie kaum ein anderes von der bisherigen Weltordnung profitiert. Eine Welt, in der das kleine Dänemark seinen Willen den USA unterwerfen muss, ist eine Welt, in der auch Polen in eine ähnliche Situation geraten kann."
Auch die chinesische Staatszeitung CHINA DAILY äußert sich besorgt: "Indem die USA ihren eigenen Interessen Vorrang einräumen, riskieren sie, die geopolitische Landschaft zu destabilisieren und die vielen Errungenschaften der internationalen Zusammenarbeit, die im UNO-System und im Völkerrecht verankert sind, zu untergraben. Trumps 'Make America Great Again' treibt die Welt zurück in die 'Kanonenbootdiplomatie' des 19. Jahrhunderts."
Die türkische Zeitung KARAR aus Istanbul bemüht folgenden Vergleich: "Es ist, als ob ein Buchmacher, der Hahnenkämpfe austrägt, eine Tierschutzorganisation gründet und deren Leiter wird. Dass Trump einen Friedensrat gründet und dessen Präsidentschaft übernimmt, ist dasselbe. War er es nicht, der uns erklärte, dass er das internationale Recht mit seinen Institutionen und Regeln nicht anerkenne und dass die einzige Macht, die ihn aufhalten könne, seine eigene Vernunft und Moral sei?"
Die panarabische Zeitung AL QUDS AL-ARABI stellt fest: "Es liegt auf der Hand, dass Trump mit seinem Rat nicht nur darauf abzielt, Frieden in den Gazastreifen zu bringen. Der amerikanische Präsident ist sich bewusst, dass der Traum von Grönland, venezolanischem Öl und Gas und vielleicht der Expansion in Kanada oder sogar Lateinamerika und einem generellen Zugriff auf einen Großteil der weltweiten Edelmetalle bedeutet, dass er die Struktur und die Normen des bestehenden internationalen Systems untergräbt. Der größte Verlierer dieser Entwicklung könnte am Ende Europa sein. Der Friedensrat stellt die Sicherheit des Kontinents infrage, ebenso wie die Stabilität der NATO", notiert AL QUDS AL-ARABI mit Sitz in London.
Die WASHINGTON POST analysiert: "Trumps Übernahmeversuch in Grönland versetzte Europa in einen Schockzustand. Am Ende nahm er seine Forderung, die Insel zu kaufen, zurück, nachdem er mit dem gemeinsamen Widerstand der europäischen Staats- und Regierungschefs und einem Ausverkauf von US-Aktien und -Anleihen konfrontiert war. Aber für Europa war es ein Weckruf. Der Putsch in Grönland könnte die Europäer endlich dazu gebracht haben, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen – und die Wirtschaftsreformen zu beginnen, die sie brauchen, um als prosperierende Länder zu überleben", hofft die WASHINGTON POST.
Die Zeitung LIANHE BAO aus Taiwan befindet: "Europa hat in der Grönland-Frage Haltung gezeigt und sich Trump widersetzt. Zurecht kann Brüssel Trumps Rückzieher, Gewalt gegen Grönland einzusetzen und zusätzliche Zölle gegen Europa zu erheben, als Sieg betrachten. Die europäischen Staaten haben die Warnschüsse gehört und wissen, dass die Krise noch lange nicht beendet und auf das Bündnis mit Amerika kein Verlass mehr ist. Sie haben sich nun mehr Zeit verschafft, sich unabhängiger von den USA zu machen und die eigene Sicherheits- und Verteidigungsfähigkeit aufzubauen." argumentiert LIANHE BAO mit Sitz in Taipeh.
Die schwedische Zeitung EXPRESSEN sieht es ähnlich: "Die akute Krise ist erst einmal abgewendet. Aber das ist kein Grund, sich zurückzulehnen. Die Grönland-Krise illustriert gut, wie sprunghaft Trumps Außenpolitik ist. Die Europäer müssen ihre militärische und wirtschaftliche Unabhängigkeit ausbauen. Auch die europäische Abhängigkeit von einer Handvoll US-Unternehmen wie Google, Amazon und Microsoft ist nicht nachhaltig und stellt ein Sicherheitsrisiko dar. Der Zollkrieg ist abgeblasen. Aber Donald Trump ist nach wie vor Präsident der USA - und seine Amtszeit hat erst begonnen“, erinnert EXPRESSEN aus Stockholm.
Die Zeitung EL FINANCIERO aus Mexiko-Stadt untersteicht: "Das grundlegende Problem bleibt bestehen: Trumps Haltung in Bezug auf die internationale Ordnung. Für ihn sind Bündnisse keine Wertegemeinschaften, und Abkommen sind für ihn lediglich Verhandlungsmasse und können als Druckmittel eingesetzt werden."
"Vielleicht schuldet die Welt Russlands Präsident Putin eine Entschuldigung", kommentiert die Zeitung VANGUARD aus Nigeria. "Putins Forderungen im Bezug auf die Ukraine, so unvernünftig und ungerechtfertigt sie auch sein mögen, sind seit der skandalösen Forderung von Präsident Trump, dass die USA um jeden Preis Grönland haben müssen, in den Hintergrund getreten. Warum wird Russland von der internationalen Gemeinschaft verurteilt, geächtet und bestraft, während Trump sein Ego gestreichelt bekommt?", fragt die Zeitung VANGUARD aus Lagos.
Die SALZBURGER NACHRICHTEN urteilen: "Es ist beschämend zu sehen, wie die globale Elite in Davos diesem rhetorischen Trümmerhaufen mit höflichem Applaus begegnet. Ein Präsident, der nicht einmal fähig ist, die territoriale Integrität seiner engsten Partner zu respektieren, ohne in konfuse Machtfantasien abzugleiten, ist kein 'Dealmaker'. Trump ist ein diplomatisches Sicherheitsrisiko."
