24. Februar 2026
Die internationale Presseschau

Ein Thema in den Kommentaren ist die Gewaltwelle im WM-Ko-Gastgeberland Mexiko. Viele ausländische Zeitungen bechäftigen sich jedoch mit dem Jahrestag der russischen Invasion in der Ukraine.

Eine Frau legt Blumen am Denkmal für die gefallenen ukrainischen Soldaten auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew ab.
Zentrales Thema in den Kommentaren ist der vierte Jahrestag des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. (Efrem Lukatsky/AP/dpa)
Die norwegische Zeitung DAGSAVISEN stellt fest: "Heute ist es vier Jahre her, dass russische Truppen zum offenen Angriff auf die Ukraine übergingen. Putins Blutbad dauert damit bereits länger als der Einsatz der Sowjets im Zweiten Weltkrieg. Damals kämpften sie gegen den Faschismus, heute versuchen Putin und seine Sycophanten, ihren Krieg als Abbild darzustellen. Noch immer gibt es diejenigen - auch hier in Norwegen -, die nicht einsehen wollen, was uns das angeht. Die den brutalen Krieg mit der Osterweiterung der NATO und mit allen Übeln in der Ukraine von Korruption bis zu Nazismus rechtfertigen. Aber nach vier Jahren voller Leid in der Ukraine bedeutet eine solche Deutung der Geschichte nur, dass man die Fakten nicht sehen will", findet DAGSAVISEN aus Oslo.
Die tschechische Zeitung HOSPODARSKE NOVINY lobt den Mut der Menschen in der Ukraine: "Niemand ist zu klein, um für seine eigene Freiheit zu kämpfen - selbst gegen eine um ein Vielfaches größere Übermacht. Ein solcher Kampf um das körperliche und mentale Überleben kann lange dauern. Und der Ausgang ist nicht sicher. Die Ukrainer haben Europa eine Lektion darin erteilt, was Mut ist. Die Europäer selbst haben es verlernt, Risiken einzugehen - sei es im Leben, im Geschäft oder im Kampf", urteilt HOSPODARSKE NOVINY aus Prag.
Die SALZBURGER NACHRICHTEN aus Österreich bilanzieren mit Blick auf die Europäer: "An verbalem Beistand hat es der Ukraine seit dem Einmarsch russischer Truppen nie gemangelt. Europa stehe unverbrüchlich an der Seite der Ukraine, betonen Politikerinnen und Politiker aus der EU nach wie vor. Zwischen den großen Worten und den Taten klafft seit Beginn des Krieges im Februar 2022 oft eine Lücke. Zu oft. Nicht nur bei Waffenlieferungen kamen die Europäerinnen und Europäer mitunter nur schleppend dem nach, was sie zugesagt hatten. Das gilt auch für die Sanktionen gegen Russland", kritisieren die SALZBURGER NACHRICHTEN.
Die polnische Zeitung RZECZPOSPOLITA aus Warschau glaubt: "Der vierte Jahrestag des umfassenden Angriffs Russlands auf die Ukraine zwingt uns, eine schmerzliche Wahrheit anzuerkennen: Der Krieg im Osten ist eine Prüfung, die wir jeden Tag bestehen müssen. Nicht nur einmal, sondern jeden Tag. Denn der Krieg stellt uns täglich vor neue Herausforderungen und verändert unsere Welt stetig. Die letzten vier Jahre waren auch eine außergewöhnliche Zeit an der Schnittstelle von Technologie und Militär. Es genügt jedoch festzuhalten, dass wir am vierten Jahrestag des groß angelegten Angriffs auf die Ukraine dem Frieden kein Stück näher gekommen sind, und dass die Welt auch nicht zu einem besseren, sichereren oder freundlicheren Ort geworden ist", resümiert RZECZPOSPOLITA.
Die chinesische Zeitung HUANQIU SHIBAO betont mit Blick auf die Bemühungen um eine Lösung des Konflikts: "Es reicht nicht aus, sich ausschließlich auf bilaterale Verhandlungen zwischen den USA und Russland zu verlassen. Nur durch die Förderung der multilateralen Zusammenarbeit zwischen den Ländern Europas und des Globalen Südens und die Einbindung entsprechender multilateraler Mechanismen kann die Krise bewältigt werden. Das Patt im Krieg zwischen Russland und der Ukraine könnte dann überwunden werden, wenn beide Seiten von ihren Maximalforderungen abrücken", vermutet HUANQIU SHIBAO aus Peking.
"Russlands Krieg in der Ukraine hat die strategische Position Europas grundlegend verändert", schreibt die panarabische Zeitung AL QUDS AL-ARABY: "Bislang sind die Europäer überwiegend dem amerikanischen Kurs gefolgt aus Furcht vor jedem Schritt, der in Washington als politische Dissidenz gedeutet werden könnte. Wenn die Europäische Union sich damit aber nicht begnügen will, sondern eine unabhängigere Rolle im internationalen System anstrebt, muss sie lernen, sich in großen Krisen zu bewähren. Noch aber scheint es, als arbeite sich die EU eher an den Folgen geopolitischer Großereignisse ab als dass sie diese aktiv gestaltet. Diese Politik bleibt nicht ohne globale Auswirkungen", ist AL QUDS AL-ARABY mit Sitz in London überzeugt.
Das ukrainische Nachrichtenportal KYIV INDEPENDENT empfiehlt: "Wenn die Europäer mehr Vertrauen in sich selbst und in die Zukunft brauchen, sollten sie auf die Ukraine schauen. Unser Land zeigt, dass man selbst in einer zynischen und turbulenten modernen Welt seine Prinzipien nicht aufgeben muss, um zu überleben. So markiert der 24. Februar 2026 nicht nur den vierten Jahrestag des Beginns des massiven Kriegsverbrechens Russlands. Er ist auch ein Beweis dafür, dass sich das Gesetz der rohen Gewalt nicht durchgesetzt hat." Das war KYIV INDEPENDENT.
Themenwechsel. Die mexikanische Zeitung EL SOL DE SINALOA beschäftigt sich mit der Gewaltwelle im Land: "Der überraschende Tod von Kartellchef Nemesio Oseguera Cervantes, genannt 'El Mencho', hat dem Drogenhandel einen harten Schlag versetzt. Der Einsatz des Militärs war nicht zuletzt eine Folge des Drucks der US-Regierung, und die mexikanischen Behörden bezeichnen ihn als Sieg. Tatsächlich haben sie demonstriert, dass Befehle erteilt und umgesetzt werden können - wenn nur der Wille dafür vorhanden ist. Aber Mexiko hat sich damit zum Werkzeug von Donald Trump machen lassen, und die Folge waren Vergeltungsaktionen, die 14 Bundesstaaten ins Chaos gestürzt haben. Es gab Diebstähle, Blockaden, Brandstiftungen und Schießereien, auch bei uns in Sinaloa. Außerdem wird es nun einen Krieg um die Nachfolge von El Mencho geben", befürchtet EL SOL DE SINALOA.
Die spanische Zeitung LA VANGUARDIA spricht von einem sicherheitspolitischen Erfolg für Mexikos Präsidentin Sheinbaum: "Dadurch erhält sie größeren Handlungsspielraum in den Verhandlungen mit US-Präsident Donald Trump, da der Erfolg einer mit Geheimdienstmitteln beider Länder durchgeführten Operation in Washington Vertrauen schafft. Zugleich kann Mexiko international das Signal senden, dass es nun, wo die Fußball-Weltmeisterschaft näher rückt, seine Sicherheitslage unter Kontrolle hat. Die Regierung steht jedoch vor der keineswegs einfachen Aufgabe, die Erpressungs- und Mordnetzwerke einer kriminellen Organisation zu zerschlagen, die nahezu alle wirtschaftlichen Aktivitäten durchdrangen und tausende Bürger in Angst versetzten", gibt LA VANGUARDIA aus Barcelona zu bedenken.
Die mexikanische Zeitung EL DIARIO DE CHIHUAHUA ist überzeugt: "Die Zerschlagung eines Kartells dient letztlich immer nur der politischen Propaganda, denn die Kriminalität ist so gut organisiert, dass die entstandene Lücke bald wieder gefüllt wird. Das Monster wird sich wieder erheben, nur mit einem anderen Kopf. Aber vielleicht werden wir tatsächlich Fortschritte bei der Bekämpfung des organisierten Verbrechens sehen. Und ob nun durch Druck aus Washington oder nicht - Claudia Sheinbaum macht Anstalten, gegen das sicherheitspolitische Chaos vorzugehen, das sie von ihrem Vorgänger geerbt hat", so die Einschätzung von EL DIARIO DE CHIHUAHUA.
Die türkische Zeitung HÜRRIYET betont, Mexiko habe zwei unterschiedliche Gesichter: "Auf der einen Seite dominieren die Industriekorridore, die über Autobahnen mit den USA verbunden sind. Auf der anderen Seite gibt es die Kartellordnung, die sich in Regionen mit schwacher staatlicher Präsenz etabliert hat. In Mexiko sind die Kartelle längst nicht mehr nur Organisationen, die mit Drogen handeln. Heute haben sie eine multisektorale informelle Wirtschaft aufgebaut, die von Treibstoffdiebstahl bis hin zu Bergbau, Landwirtschaft und Logistik reicht. Auch die Erpressung von Schutzgeld ist weit verbreitet. In Gebieten, in denen der Staat schwach ist, erheben Kartelle Steuern, legen Preise fest und bestimmen, wer produzieren darf. Kartelle sind auch Arbeitgeber in Mexiko. Es ist sinnvoll, die jüngsten Konflikte im Land in einem größeren Zusammenhang zu betrachten", vermerkt HÜRRIYET aus Istanbul zum Ende der internationalen Presseschau.