
Die australische Zeitung SYDNEY MORNING HERALD schreibt: "Trump hat einen Rekord aufgestellt – er sprach mehr als eine Stunde und 45 Minuten. Inhaltlich war die Rede aber unspektakulär. Es war im Großen und Ganzen das, was wir schon oft gehört haben: die gewaltige wirtschaftliche 'Wende' des Landes, sichere Grenzen, sinkende Kriminalität, 'Drill, Baby, Drill', niedrigere Benzinpreise, der Dow Jones über 50.000 Punkten. Trump absolvierte seine 'Greatest Hits'-Tour. Doch gab er sich auch als typischer Politiker. Er zügelte seine Neigung zu Abschweifungen und hielt seinen Impuls zurück, verbal auszuteilen. Manche mögen den einstudierten Trump als verlässlicher empfunden haben. Andere wiederum könnten den Eindruck gehabt haben, dass er genau das verliert, was ihn ursprünglich so faszinierend machte. Am Ende hatten viele Demokraten den Saal bereits verlassen, andere zeigten deutliche Anzeichen von Langeweile. Wer weiß, wie viele Amerikaner zu Hause noch zusahen?", überlegt der SYDNEY MORNING HERALD.
Auch der britische GUARDIAN nimmt Trumps Auftreten in den Blick: "Während der gesamten Rede wirkte Trump müde. Er hatte Schwierigkeiten, vom Teleprompter abzulesen, klammerte sich fast verzweifelt an das Rednerpult und gegen Ende der Übertragung wurde seine Stimme hörbar heiser. Sein Alter machte sich bemerkbar. Vor einem Jahrzehnt hatte Trump einen Trend in der amerikanischen Politik zementiert, indem er offen Politik und Entertainment miteinander verschmolz. Aber das langatmige Redespektakel hat gezeigt, dass er die Fähigkeit verloren hat, zu unterhalten", stellt der GUARDIAN fest.
"In seiner Rede verkündete Trump den Beginn eines 'Goldenen Zeitalters' für Amerika. - Aber kaufen die Amerikaner ihm das ab?", fragt die polnische GAZETA WYBORCZA und bemerkt : "Eine jüngst durchgeführte Umfrage zeigt, dass 55 Prozent der Amerikaner glauben, das Land bewege sich unter Trumps Führung in die falsche Richtung. Wenn man dem Präsidenten zuhörte, wie er über die Wirtschaft sprach, hätte man den Eindruck gewinnen können, die USA seien unter seiner Regierung zu einem Schlaraffenland geworden. Die Realität sieht jedoch ganz anders aus. Vergangene Woche wurden Daten veröffentlicht, die zeigen, dass das US-Wirtschaftswachstum im letzten Quartal 2025 im Vergleich zum Vorjahr auf 1,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zurückging. Ökonomen hatten mit drei Prozent gerechnet", unterstreicht die GAZETA WYBORCZA aus Warschau.
Die Zeitung USA TODAY merkt an: "Im vergangenen Jahr hat Trump einige seiner wichtigsten Wahlversprechen erfüllt, darunter vor allem die Sicherung der südlichen Grenze und die Wiederbelebung der Wirtschaft. Doch während sich viele Mainstream-Medien gerne auf die negativen Aspekte von Trump konzentrieren, gibt es Anzeichen dafür, dass das Land seine Politik zunehmend positiv bewertet und auch die Wirtschaftslage besser einschätzt. Trump mag keine herausragenden Zustimmungswerte haben (wer hat das schon in seiner zweiten Amtszeit?), aber die Demokraten im Kongress stehen noch viel schlechter da", betont USA TODAY aus New York.
Nun zur Reise von Bundeskanzler Merz nach China. Die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN merkt an: "Merz sprach im Vorfeld von einer ausgewogenen Partnerschaft. Aber die Realität sieht anderes aus. Die deutschen Automobilhersteller geraten auf dem chinesischen Markt stark unter Druck. Die Rivalität zu China wird immer deutlicher. Die Regierung in Berlin weiß zwar, dass vor dem Hegemonialstreben Chinas Vorsicht geboten ist, hofft aber zugleich auf die Führung in Peking, in der Ukraine-Frage Einfluss auf Russland ausüben zu können. Vor der Reise war von Merz kaum noch Kritik an Peking zu hören. Seine Chinapolitik ist eine Gratwanderung. Merz passt je nach Situation seine Äußerungen geschickt an. Das ist einerseits weitsichtig, andererseits so charakterlos wie ein Chamäleon", meint NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
In der chinesischen Zeitung HUANQIU SHIBAO heißt es: "Die Taten der deutschen Wirtschaft sprechen eine deutlichere Sprache als jede politische Parole. China hat die USA inzwischen als größter Handelspartner Deutschlands überholt, was ein Beleg für die ungebrochene Dynamik der deutsch-chinesischen Wirtschafts- und Handelsbeziehungen ist. Zudem hat der Leiter der Außenhandelskammer die deutsche Regierung daran erinnert, dass Peking ein berechenbarer Handelspartner als Washington unter US-Präsident Trump ist. Nur durch vertiefte Zusammenarbeit kann man dessen unilateralistischen und protektionistischen Kurs Paroli bieten. China setzt sich aber nicht nur für Freihandel, sondern auch für ein multilaterales System im Rahmen der Vereinten Nationen ein, mit dem Konfrontationen und Blockbildung überwunden werden können", stellt HUANQIU SHIBAO aus Peking in Aussicht.
Die US-Zeitung NEW YORK TIMES sieht es so: "Mit dem deutschen Kanzler reist seit Dezember bereits der fünfte Staatschef eines mit den USA verbündeten Landes nach China. Chinesische Beamte bemühen sich, den Merz-Besuch so darzustellen, dass sich ein weiteres wichtiges Land angesichts der durch US-Präsident Trump ausgelösten Unsicherheit nach Peking wendet. Mit Chinas Streben nach engeren Beziehungen zu Deutschland - immerhin der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt und dem industriellen Herzen Europas - versucht Staatschef Xi, die Vereinigten Staaten weiter von ihren historischen Verbündeten zu trennen. Doch Merz hält bereits Ausschau nach alternativen Absatzmärkten für deutsche Produkte. Bemerkenswert ist, dass er vor seinem Besuch in China als Kanzler Indien besucht hat", beobachtet die NEW YORK TIMES.
Im Ausland wird auch auf die AfD geblickt. Die österreichische Zeitung DER STANDARD kommentiert die Vorwürfe gegen die Partei im Zusammenhang mit Vetternwirtschaft. "Immer mehr Fälle tauchen auf, die zwar formal korrekt sein mögen, aber schwer nach Filz und Amigo-Bevorzugung auf Kosten der Steuerzahler riechen – erst recht bei diesem Ausmaß. Vergessen hat die AfD, dass sie ja eigentlich die (vermeintlich) bessere Alternative zu den anderen Parteien sein will. Kein gutes Bild gibt die Bundesparteiführung ab – obwohl es an der Basis gärt. Wo bleibt die empörte Klarstellung an der Parteispitze, dass derlei Umtriebe nicht geduldet werden? Dass nicht alles, was rechtlich möglich ist, auch ausgereizt werden muss? Bei Asylwerbern, die die ihnen zustehenden Leistungen in Anspruch nehmen, ist die AfD nicht so großzügig wie nun bei sich selbst. Da ist schnell von jenen, die sich 'die Taschen auf unsere Kosten vollstopfen', die Rede. An all das – die vielen Familienfälle und den Umgang damit – mögen jene in den anderen Parteien denken, die meinen, man könnte vielleicht doch mal eine Zusammenarbeit mit der AfD erwägen", fordert DER STANDARD aus Wien.
Die norwegische Zeitung AFTENPOSTEN beschäftigt sich mit der Debatte um ein mögliches Parteiverbot: "Die AfD würde alle Mandate verlieren, und ihr gesamtes Vermögen würde konfisziert. Damit würde sie verschwinden, nicht aber ihre Mitglieder und Wähler. Schon bald könnte eine neue Partei mit einem anderen Namen gegründet werden, und sie würde durch die Wut über ein AfD-Verbot womöglich noch stärker. Ein weiteres Dilemma ist, dass ein Verbotsverfahren Jahre beanspruchen würde. Und was ist, wenn die Richter sich gegen ein Verbot entscheiden? Die Möglichkeit besteht, und ein solches Ergebnis würde der AfD nützen. Gibt es ein Szenario, bei dem ein Verfahren gegen die AfD etwas Positives bewirkt? Das wäre der Fall, wenn ihre Anhänger das einsehen, was sie längst hätten einsehen müssen: dass es sich hier nicht nur um einwanderungskritische Rechtspopulisten handelt, sondern um eine Bedrohung der gesamten liberalen Demokratie. Aber das erzählen ihnen die liberalen Demokraten seit Jahren," resümiert AFTENPOSTEN aus Oslo.
