27. Februar 2026
Die internationale Presseschau

Themen sind unter anderem die weiteren Gespräche zwischen den USA und dem Iran, der China-Besuch von Bundeskanzler Merz und der aufgeflammte Konflikt zwischen Pakistan und Afghanistan.

Vertreter einer iranischen Delegation gehen zum Verhandlungsort in in Genf.
Die Verhandlungen in Genf werden international kommentiert. (IMAGO / Iranian Foreign Ministry)
Nach den Atomverhandlungen zwischen den USA und dem Iran in Genf sprachen die Vermittler von "Fortschritten". Eine Einschätzung in der italienischen LA STAMPA lautet: "Die Amerikaner gaben sich wortkarger, widersprachen jedoch nicht. Es soll eine im diplomatischen Jargon 'Sondierung' geben, eine elegante Umschreibung für 'Fortsetzung folgt'. Das ist die gute Nachricht. Ohne allzu große Illusionen jedoch, solange Teheran taub bleibt gegenüber dem 'Take it or leave it' aus Washington. 'Take it' heißt: Verzicht auf das Atomprogramm und die Entwicklung des Raketenprogramms. 'Leave it' heißt Krieg", wird in LA STAMPA aus Turin gefolgert.
In der japanischen Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN wird analysiert: "Dass die Verhandlungen zu solch einer langen Geduldsprobe werden, damit hatte Trump selbst nicht gerechnet. Sollten sie scheitern, wird Trump wohl mit der militärischen Intervention starten. Was dahinter wartet, ist eine chaotische Abwärtsspirale. Das Szenario, das die Weltwirtschaft fürchtet, ist ein Flächenbrand, der sich auf Saudi-Arabien und die anderen erdöl-produzierenden arabischen Staaten ausweitet", so ein mahnender Kommentar in NIHON KEIZAI SHMBUN aus Tokio.
In der JERUSALEM POST bezweifelt ein Gastautor, dass der Iran eine nukleare Abrüstung akzeptieren wird: "Ausdrücklich sagen wird es das Regime nicht, sondern lieber endlose Verhandlungen führen. Nur wenn die militärische Option real wird, die die USA in den letzten Wochen in Abstimmung mit Israel vorbereitet haben, besteht eine gute Chance, das iranische Regime zu schwächen. Dadurch können auch die Proteste wiederbelebt werden. Nur das iranische Volk hat das Recht und die Fähigkeit, das korrupte und grausame Regime abzulösen", heißt es in der JERUSALEM POST.
Ein Autor des Nachrichtenportals MIDDLE EAST EYE mit Sitz in London warnt die USA vor einer militärischen Intervention: "Die USA sind unter Trump noch weniger auf die Folgen eines langwierigen Kriegs vorbereitet, als es unter dem früheren Präsidenten Bush beim Irak war. Wird Trump im letzten Moment zurückrudern? Wer weiß. Wenn er noch einen Funken gesunden Menschenverstand hat, sollte er das tun."
In der panarabischen Zeitung AL ARABY AL-JADEED mit Sitz in London glaubt ein Kommentator, dass der Iran auf sich allein gestellt ist: "Bereits während des Krieges im vergangenen Sommer hat sich gezeigt, dass die Islamische Republik keine wirklichen Partner hat. Auch die militärischen Stellvertreter im Libanon, Irak und Jemen dürften als Verbündete ausfallen. Sie sind durch die Gefechte mit Israel geschwächt. Stünden sie dem Iran im Falle eines Krieges doch bei, stießen sie auch intern auf erheblichen Widerstand, was im schlimmsten Fall in Bürgerkriege münden könnte."
Dazu noch eine Stimme aus der polnischen GAZETA WYBORCZA: "Ein Sturz des Regimes könnte zu Chaos in dem religiös und ethnisch vielfältigen Land führen. Das Szenario könnte lauten: Die Angriffe bringen das Regime zu Fall, doch statt zu Demokratie führt dies zu einem Militärputsch. Die iranischen Streitkräfte und Sicherheitsdienste, insbesondere die Revolutionsgarden, sind mächtig, kontrollieren weitgehend die Wirtschaft und lehnen ab, sich zu verändern. Es ist schwer zu sagen, was für die Iraner schlimmer ist: die Herrschaft ehrwürdiger schiitischer Ajatollahs oder die brutalen Garden", lautet ein Urteil aus der Warschauer GAZETA WYBORCZA.
Bundeskanzler Merz hat seine China-Reise beendet. In der türkischen Zeitung EVRENSEL wird notiert: "In einer Zeit, in der die USA für die Exporte und China für die Importe der deutschen Wirtschaft von großer Bedeutung sind, muss Merz einen Balanceakt vollführen, um in den Beziehungen das Gleichgewicht zu wahren und die Rezession zu überwinden. Sowohl Merz als auch sein Gastgeber, der chinesische Staatschef Xi Jinping, sind sich dessen bewusst. Unter dem wirtschaftlichen Druck der Vereinigten Staaten sind die beiden Länder fast gezwungen, eine 'umfassende Zwangspartnerschaft' einzugehen, um diesem Druck zu begegnen." Das war eine Meinung aus der Istanbuler Zeitung EVRENSEL.
In der SOUTH CHINA MORNING POST wird vermerkt: "Der Besuch von Merz zeigt, dass Deutschland trotz der Spannungen erkannt hat, dass es eng mit Peking zusammenarbeiten muss. China hat sich für viele deutsche Unternehmen zu einem Innovationslabor entwickelt. Ein Indiz dafür ist, dass Merz auch das Technologiezentrum Hangzhou besucht hat. Gleichzeitig benötigt China deutsche Erfahrung, Technologie und Fähigkeiten für den Fortschritt. Wirtschaftlich gesehen können beide Länder durch eine Zusammenarbeit mehr gewinnen", steht in der SOUTH CHINA MORNING POST aus Hongkong.
In der portugiesischen Zeitung DIARIO DE NOTICIAS wird geschrieben: "Der deutsche Bundeskanzler Merz war der letzte in einer ganzen Reihe westlicher Staats- und Regierungschefs, die von Chinas Staatschef Xi in Peking empfangen wurden. Europa muss - wie die übrige Welt auch - erst einmal den Schock verarbeiten, den die USA unter Donald Trump mit ihrer Zollpolitik ausgelöst haben. Es ist nicht weiter erstaunlich, dass die führenden Köpfe der anderen großen Volkswirtschaften nun den Blick nach China richten." Das war ein Kommentar in DIARIO DE NOTICIAS aus Lissabon.
Der militärische Konflikt zwischen Pakistan und Afghanistan ist weiter eskaliert. Die Regierung in Islamabad sprach von einem offenen Krieg. "Pakistan verteidigt seine Bürger", lautet eine Einschätzung in der Zeitung PAKISTAN TODAY. "Pakistans Haltung hinsichtlich der Bedrohung aus Afghanistan wird international immer häufiger gestützt. Die seit 2021 zunehmenden Spannungen haben gezeigt, dass das Wiederaufleben des grenzüberschreitenden Terrorismus keine politisch motivierte Spekulation ist. Es ist dokumentiert und nachweisbar. Pakistan ist entschlossen, seine territoriale Integrität zu schützen und einen Beitrag zu einem sicheren Süd- und Zentralasien zu leisten", ist in der PAKISTAN TODAY aus Lahore zu lesen.
Auch in der chinesischen Zeitung JIEFANG RIBAO aus Shanghai wird auf den Konflikt zwischen den beiden Nachbarländern geblickt: "Die pakistanischen Taliban, die von der afghanischen Regierung unterstützt werden, sind jedes Jahr für zahlreiche Gewalttaten verantwortlich. Die pakistanische Regierung zieht nun den Schlussstrich. Eine Eskalation scheint unvermeidlich. Ohne internationale Vermittlung besteht durchaus die Gefahr, dass daraus ein umfassender Krieg entstehen könnte."
Der Präsident des Weltwirtschaftsforums, Brende, ist nach einer Untersuchung zu seinen Kontakten zum Sexualstraftäter Epstein zurückgetreten. Im TAGES-ANZEIGER aus Zürich wird kommentiert: "Brendes Ruf war ramponiert. Damit schadete er nicht nur sich selbst, sondern auch dem Weltwirtschaftsforum. Dazu kommt: Wer sich so herablassend über Prominente äußert wie Brende in seinen Nachrichten an Epstein, wirkt schlicht nicht mehr glaubwürdig, wenn er in Davos Wirtschaftsleader und Politgrößen aus aller Welt auf die Bühne bitten will. Sein Abgang war daher unvermeidlich. Damit stürzt der Norweger das WEF in die nächste Krise", so ein Fazit im TAGES-ANZEIGER aus der Schweiz.
Dazu noch eine Meinung aus dem norwegischen DAGBLADET: "Der Kontakt als solcher ist gar nicht das Schlimmste daran - der Hauptgrund für den Rücktritt sind Brendes Versuche, die Sache erst zu leugnen und dann zu bagatellisieren. Der 60-Jährige ist schlicht und ergreifend in die berüchtigte Vertuschungsfalle getappt und ging dabei so amateurhaft vor, dass die Sache in einer Katastrophe für ihn endete. Brende war in dem Job nicht der offizielle Repräsentant Norwegens. Aber die ganze Angelegenheit ist peinlich, für das Weltwirtschaftsforum, für Brende - und auch für Norwegen".