28. Februar 2026
Die internationale Presseschau

Die israelischen und amerikanischen Angriffe auf Ziele im Iran finden bereits einen ersten Niederschlag in den Kommentaren. Weitere Themen sind der Militäreinsatz Pakistans gegen das Nachbarland Afghanistan und der Krieg in der Ukraine.

    Über der iranischen Hauptstadt Teheran steigt Rauch auf.
    Über der iranischen Hauptstadt Teheran steigt Rauch auf. (AFP / ATTA KENARE)
    Die polnische Zeitung RZECZPOSPOLITA reagiert auf Berichte von heute morgen, in denen zunächst von israelischen Attacken auf den Iran die Rede war: "Der Angriff Israels könnte bedeuten, dass sich ein in den letzten Tagen erwogenes Wunsch-Szenario der USA erfüllt: Vertreter der US-Regierung hatten deutlich gemacht, sie würden es vorziehen, wenn Israel als erstes einen Angriff auf den Iran durchführt, was wiederum zu Vergeltungsmaßnahmen des Iran führen könnte, unter anderem gegen US-Stützpunkte im Nahen Osten. In einer solchen Situation könnte es dann für die Trump-Regierung möglicherweise einfacher sein, die Unterstützung der amerikanischen Öffentlichkeit für einen Einsatz gegen den Iran zu gewinnen", notiert die RZECZPOSPOLITA aus Warschau.
    In der JERUSALEM POST aus Israel heißt es zu den heutigen Militärschlägen: "Das Ziel ist klar: der Zusammenbruch des iranischen Regimes und die Zerschlagung des Netzwerks, das von diesem Regime finanziert, bewaffnet und gelenkt wird. Der Einsatz ist noch im Gang und genaue Prognosen sind schwierig, doch die Kombination aus israelischer Aufklärung und amerikanischer Feuerkraft schafft eine Schlagkraft, wie sie Teheran selten erlebt hat. Die kommenden Tage mögen schwierige Prüfungen mit sich bringen, doch das strategische Ziel ist sichtbar: ein entscheidender Sieg und ein politischer Wandel, der den Nahen Osten neu gestaltet", lautet die Einschätzung der JERUSALEM POST.
    Die Gast-Kommentatorin der japanischen Zeitung ASAHI SHIMBUN bemerkt: "Donald Trump hatte in seiner jüngsten Rede zur Lage der Nation den Iran als weltgrößten Terrorsponsor bezeichnet und behauptet, er werde eine Entwicklung von Atomwaffen in dem Land nicht erlauben. Im Gegensatz zur übereifrigen Haltung Trumps ist die US-Bevölkerung allerdings zurückhaltend. Nach Umfragen war nicht einmal jeder Dritte für eine militärische Intervention. Das Misstrauen der Menschen gegenüber der Regierung in Washington, die trotz 'America First' immer Israels Forderungen folgt und nun die Militärangriffe startete, weil sich Israel das wünschte, wird wohl weiter steigen. Die Militär-Intervention lässt sich sowohl international als auch national kaum rechtfertigen", urteilt ASAHI SHIMBUN aus Tokio
    In einem Kommentar, der noch vor den Angriffen veröffentlicht wurde, warnt die WASHINGTON POST vor den Risiken eines Militäreinsatzes: "Warum sollte man das Machtgleichgewicht im Nahen Osten mit einem Krieg zu einer Ablösung des Regimes in Teheran aufs Spiel setzen, wenn der Status quo akzeptabel ist? Wenn Trumps geplanter Angriff auf den Iran schiefgeht, wird es wahrscheinlich nicht so laufen wie im Irak, wo in fast neun Jahren Krieg und Besatzung Tausende von US-Soldaten ums Leben kamen. Trump hat aus diesem Fiasko gelernt. Das schlimmste Szenario wäre eher ein Konflikt ohne Ergebnisse, der Teile des Irans zerstört, aber kein freundlicheres Regime hervorbringt – und so viel Munition verbraucht, dass die Interessen Amerikas in anderen Teilen der Welt gefährlich exponiert werden", befürchtet die WASHINGTON POST.
    Die türkische Zeitung BIRGÜN befasst sich mit den gegenseitigen Angriffen von Pakistan und Afghanistan: "Pakistan sah sich gezwungen, Afghanistan den Krieg zu erklären: Weil Kabul die pakistanischen Taliban unterstützt, die Pakistan als terroristische Organisation einstuft, weil Afghanistan militante Gruppen nicht daran hindert, Angriffe auf Pakistan zu verüben und weil die Taliban-Führung das Land in den Einflussbereich Indiens gebracht hat. In einem konventionellen Krieg ist Afghanistan kein ernst zu nehmender Gegner für Pakistan. Aber ein langwieriger Krieg würde nur Zerstörung und Tod über die beiden wirtschaftlich angeschlagenen Länder bringen." Das war BIRGÜN aus Istanbul.
    "Angesichts einer Welle des Terrorismus und der Angriffe aus Afghanistan hatte Pakistan kaum eine andere Wahl, als militärisch zu reagieren", stellt die pakistanische Zeitung THE DAWN aus Karachi fest. "Nachdem Pakistan nun seine Fähigkeit unter Beweis gestellt hat, sich zu verteidigen und seine Feinde zu verfolgen, sollten beide Seiten deeskalieren. Das größte Hindernis für den Frieden ist jedoch die mangelnde Bereitschaft der Taliban, sich dem eigentlichen Problem zu stellen: den terroristischen Gruppen auf ihrem Territorium, die die Nachbarländer Afghanistans bedrohen."
    Die Zeitung THE NATION, ebenfalls aus Pakistan, ruft andere Länder in der Region zum Handeln auf: "Ein fragmentierter regionaler Ansatz bestärkt lediglich die derzeitige Regierung in Kabul. Koordinierter diplomatischer Druck, gezielter wirtschaftlicher Einfluss und ein Beharren auf der Eindämmung grenzüberschreitender Militanz sind keine Akte der Feindseligkeit, sondern Instrumente der kollektiven Sicherheit. Wenn das Problem keine Beachtung findet, wird es sich von sporadischen Grenzscharmützeln zu einer umfassenderen regionalen Krise entwickeln. Die Last kann daher nicht allein von Pakistan getragen werden. Die Stabilität in Afghanistan ist eine gemeinsame Verantwortung", hebt THE NATION aus Lahore hervor.
    Die schwedische Zeitung EXPRESSEN blickt auf die Ukraine: "Am vierten Jahrestag des Kriegsbeginns standen die EU-Anführer in Kiew in einer langen Reihe an der Seite von Wolodymyr Selenskyj. Es sollte Solidarität demonstriert werden. Aber zufrieden ist Selenskyj nicht: Er will mehr, und zwar eine EU-Mitgliedschaft für sein Land, und zwar bereits im nächsten Jahr. Aber viele EU-Regierungen sind weniger begeistert von einer Aufnahme der Ukraine, als sie zugeben wollen. An dem Tag, an dem die Ukraine beitritt, wird die EU eine andere werden. Sie wird nach Osten rücken, mental, politisch und militärisch. Die EU-Regierungen wissen und wollen, dass Europa die Zukunft der Ukraine ist. Aber die Vorstellung von der Ukraine als EU-Land ist eine bittere Pille, und viele wollen lieber noch ein bisschen warten, bevor sie sie schlucken", glaubt EXPRESSEN aus Stockholm.
    Die brasilianische Zeitung ESTADO DE SÃO PAULO nimmt den Jahrestag des russischen Überfalls zum Anlass für eine Zwischenbilanz: "Vier Jahre nach Beginn der russischen Vollinvasion ist der Krieg in der Ukraine ein Sinnbild dafür geworden, an welche Grenzen rohe Gewalt stößt. Weit mehr als eine Million russischer Soldaten sind Schätzungen zufolge getötet oder verwundet worden.Trotzdem hält der Kreml an seiner Strategie fest - und er setzt auf die Erschöpfung der anderen. Aber faktisch hat Russland international an Einfluss verloren. Putin hat zudem die ukrainische Gesellschaft unterschätzt. Der Ausgang des Kriegs wird weniger von militärischen Fähigkeiten oder von eroberten Gebieten abhängen, sondern von der Bereitschaft durchzuhalten und die dafür nötigen Kosten zu tragen - oder sie zu ignorieren", erläutert ESTADO DE SÃO PAULO.
    Hören Sie zum Abschluss ein Zitat aus der norwegischen Zeitung AFTENPOSTEN. Sie erinnert an die Ermordung des schwedischen Regierungschefs Olof Palme: "Heute vor 40 Jahren wurde der schwedische Premierminister auf dem Heimweg von einem Kinobesuch mitten im Zentrum von Stockholm erschossen. Der Täter wurde nie gefasst. Man könnte überlegen, was ein Akteur vom Typ Palme in der Welt von heute tun würde, besonders was die Position Europas zwischen Russland und den USA betrifft. Mit Sicherheit hätte er Putins Krieg gehasst und wenig für Trump übrig gehabt. Wenn jemand Zugang zu Putin finden soll, muss es jemand Neutrales oder Außenstehendes sein, der außerdem bewirkt, dass Putin sein Gesicht wahrt. Der türkische Präsident Erdogan, Indiens Premier Modi oder Xi Jinping aus China wurden genannt, haben aber enttäuscht. Vielleicht findet sich ja in Finnland oder Schweden noch eine bündnisfreie Stimme wie damals, ein Olof Palme von heute."