02. März 2026
Die internationale Presseschau

Das beherrschende Thema in den Kommentarspalten ist der Krieg Israels und der USA gegen den Iran.

Rauch steigt an mehreren Stellen in Teheran auf.
Der Angriff der USA und Israel auf den Iran beschäftigt die Kommentatoren. (AFP / ATTA KENARE)
Die spanische Zeitung EL PAÍS aus Madrid übt Kritik an dem Vorgehen: "Der US-amerikanische und israelische Militärangriff auf den Iran ohne jegliches Mandat ist wegen Verstoßes gegen das Völkerrecht ebenso zu kritisieren wie der Tod des iranischen Führers Ali Chamenei. Der Ajatollah stand zwar an der Spitze eines Regimes, das jahrzehntelang die Menschenrechte seiner Bevölkerung verletzte. Seine Person wird, wie seine Regierung, einen prominenten Platz in den Annalen der Schande einnehmen. Doch sein Schicksal hätte nicht darin bestehen dürfen, unter den Trümmern seines Hauptquartiers begraben, sondern vor Gericht gestellt zu werden", meint EL PAÍS aus Madrid
Die kolumbianische Zeitung EL ESPECTADOR führt an: "Es gibt keinen Mechanismus für einen Regimewechsel, und die Angriffe verursachen auch Leid und schüren Wut. Noch steht die Zahl der Toten bei dem Angriff auf eine Mädchenschule nicht fest. So etwas passiert im Krieg, sagt US-Präsident Trump. Ja, Krieg bedeutet Zerstörung und Tod. Doch wohin soll das alles führen?", fragt EL ESPECTADOR aus Bogotá.
"Die Frage lautet heute nicht mehr, ob sich der Iran verändern wird, sondern wie, wann sowie zu welchen Bedingungen und mit welchen Folgen", ist in der panarabische Zeitung SHARQ AL-AWSAT zu lesen: "Der Iran könnte diese Veränderung sowohl auf Grundlage äußeren Drucks als auch auf Grundlage inneren Drucks durchlaufen. Ebenso könnte das Regime seine Politik von sich aus ändern oder neue, pragmatisch ausgerichtete Politiker an seiner Spitze zulassen. In jedem Fall aber ist das ideologische Modell der letzten Jahrzehnte nach den jüngsten Kriegen an seine Grenzen gekommen", stellt die in London erscheinende Zeitung SHARQ AL-AWSAT fest.
Die tschechische Zeitung LIDOVE NOVINY zeichnet eine Parallele zum Irak: "Nach dem Beginn der Invasion in den Irak hatte eine Menschenmenge in Bagdad eine monumentale Statue Saddam Husseins gestürzt. Für alle Optimisten war dies ein Symbol des neuen Iraks. Doch aus der Geschichte wissen wir, dass das Ergebnis letztlich ein anderes war. Der Irak wurde jahrelang von einem Bürgerkrieg erschüttert, der Zehntausende Menschenleben kostete, enorme Sachwerte zerstörte und die Tore für den Islamischen Staat öffnete", warnt LIDOVE NOVINY aus Prag.
Nach Ansicht der israelischen Zeitung HAARETZ bot die Beseitigung von Ayatollah Ali Chamenei für Trump einen bequemen Ausweg aus dem Szenario eines langwierigen Krieges: "Wir haben das Regime geschwächt, den Diktator gestürzt und schlagen vor, dass sein Nachfolger von Delcy Rodríguez, der Vizepräsidentin von Nicolás Maduro in Venezuela, lernen sollte. Sie war Teil dieses Regimes, hat aber ihre Lektion gelernt und kooperiert seit seiner Entführung mit den Vereinigten Staaten. In einer solchen Situation wird Israel keine andere Wahl haben, als einem Waffenstillstand zuzustimmen, auch wenn dieser nicht mit einer formellen Kapitulation einhergeht. Die Wahrheit ist, dass auch Israel kein Interesse an einem Zermürbungskrieg hat", unterstreicht HAARETZ aus Tel Aviv.
Die südafrikanische Zeitung THE HERALD wirbt für eine Rückkehr an den Verhandlungstisch: "Die Erfahrungen vergangener Interventionen durch die USA mit dem Ziel eines Regimewechsels zeigen, dass diese häufig zu einer Katastrophe führen. Deshalb meinen viele, dass die iranische Bevölkerung zwar eine Veränderung verdient, diese jedoch nicht über einen amerikanisch-israelischen Angriff erfolgen sollte. Letztendlich bestünde die wahre Lösung des Konflikts darin, dass die Konfliktparteien an den Verhandlungstisch zurückkehren und das iranische Volk einen eigenen Dialog über die Art von Reformen aufnimmt." Soweit THE HERALD aus Port Elizabeth.
Die US-amerikanische Zeitung NEW YORK TIMES warnt: "Die Risiken eines Bürgerkriegs, innerer Gewalt und regionaler Instabilität sind enorm. Letztlich können die Vereinigten Staaten diese Unsicherheit nicht allein bewältigen. Die Trump-Regierung, die ihre Verbündeten oft mit Verachtung behandelt hat, sollte auch internationale Partner einbeziehen. Die Konfrontation mit einem Iran nach Chamenei erfordert strategische Klarheit und eine globale Koalition, nicht isolierte Entscheidungen", verlangt die NEW YORK TIMES.
Die chinesische Zeitung XINJING BAO überlegt, wie die künftige Führung des Irans aussehen könnte: "Ob Chameneis Erbe weitergeführt werden wird oder nicht, darüber entscheidet wohl der Sekretär der nationalen Sicherheitsrates, Laridschani. Auf wen die iranische Revolutionsgarde hören wird, bleibt aber eine offene Frage. Dieses zersplitterte Machtverhältnis im Iran ist auch für das Vorhaben der USA ungünstig. Durch weitere Militäranschläge erhält Washington eher ein noch feindlicheres und nationalistisches Regime als vorher. Der Tod von Chamenei bedeutet bei weitem kein Ende." Sie hörten einen Kommentar aus XINJING BAO aus Peking.
Auch die türkische Zeitung EKONOMI hält Ali Laridschani für den neuen "starken Mann” des Irans: "Nachdem Chamenei ihn zum Leiter des Obersten Nationalen Sicherheitsrates ernannt hat, ist Laridschani zu einer der einflussreichsten Figuren des Mullah-Regimes bei kritischen Entscheidungen geworden. Laridschani, der die Verteidigungsstrategie Irans festlegt und die Verhandlungen über das Atomdossier leitet, gilt als "Stratege des Regimes" im Iran. Dass Laridschani nicht aus einer Mullah-Familie stammt, stellt allerdings ein Hindernis für seine mögliche Ernennung zum religiösen Führer des iranischen Regimes dar", schränkt EKONOMI aus Istanbul ein.
Die schwedische Zeitung DAGENS INDUSTRI argumentiert: "Der Iran gehört zu der sogenannten Achse des Bösen, zusammen mit Russland oder Nordkorea. Es sind dies Länder, die ihre Nachbarn bedrohen und sich gegenseitig militärisch unterstützen. Nach Syriens Diktator Assad und Maduro in Venezuela ist ein weiterer Bündnispartner in Moskaus destruktiver Kette gefallen. Das wird der Ukraine und indirekt dem ganzen Westen zugute kommen, und allein dafür hat Donald Trump Lob verdient", vermerkt DAGENS INDUSTRI aus Stockholm.
Die russische Tageszeitung NESAWISSIMAJA GASETA sieht indes fatale Folgen für die Ukraine: "Die Angriffe des Iran auf Einrichtungen der USA, Israels und ihrer Verbündeten werden sich negativ auf die Militärhilfe auswirken, die westliche Länder der Ukraine gewähren können. Je länger der Krieg im Nahen Osten andauert, desto mehr Waffen werden benötigt, insbesondere Mittel zur Luftverteidigung. Ein Defizit an Flugabwehrwaffen für die Streitkräfte der Ukraine könnte sich als fatal erweisen", prognostiziert NESAWISSIMAJA GASETA aus Moskau.
Die polnische GAZETA WYBORCZA schreibt: "Die US-Regierung tötete Chamenei mit einem offenen Schlag. Selbst Russland hat bisher keinen ähnlichen Schritt unternommen. Denn Moskau agiert gegenüber Staatsoberhäuptern anderer Länder viel verdeckter. Obwohl ukrainische und westliche Geheimdienste behaupten, Russland habe wiederholt versucht, den ukrainischen Präsidenten Selenskyj zu ermorden, hat der Kreml diese Aktionen nie offiziell bestätigt. Indem Trump jedoch die nach dem Zweiten Weltkrieg etablierte internationale Ordnung vollständig zerstört und die amerikanische Doktrin verändert hat, hat er Moskau eine Rechtfertigung geliefert, falls es offen versuchen sollte, Selenskyj zu töten“, befürchtet die GAZETA WYBORCZA aus Warschau.
Die australische Zeitung THE AGE befürchtet negative Folgen für die Ölindustrie: "Der Angriff der USA und Israel auf den Iran lässt Analysten der Ölindustrie ihre schlimmsten Szenarien durchspielen – alle konzentriert auf einen schmalen Meeresstreifen im Nahen Osten - die Straße von Hormus. Rund 20 Prozent des weltweit geförderten Öls und etwa ein Drittel des Flüssigerdgases passieren sie täglich. Sollte sie für einen Zeitraum jeglicher Länge für die Schifffahrt gesperrt werden, würde dies eine Krise der globalen Ölindustrie auslösen – in einem Ausmaß, wie es seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt wurde." Das war THE AGE aus Melbourne. Und damit endet die internationale Presseschau.