
Zum Iran-Krieg bemerkt die estnische Zeitung POSTIMEES: "Die USA und Israel haben in den letzten Tagen überraschend erfolgreich Schläge gegen das iranische Regime durchgeführt. Rund 50 Führungspersönlichkeiten sollen getötet worden sein, und mit Ali Khamenei hat der Iran seinen mächtigsten Mann verloren. Es fällt auf, dass Staatspräsident Peseschkian offensichtlich verschont wurde: Er gilt als Vertreter des gemäßigteren Lagers, und es ist denkbar, dass dahinter die Strategie steckt, das Regime von innen reformieren zu lassen. Die Erfahrung lehrt, dass Regimewechsel stattfinden, wenn ein Land besetzt wird oder wenn es einen allgemeinen Aufstand gibt, dem sich genug Teile der Machtstrukturen anschließen. Es ist wenig wahrscheinlich, dass die USA oder Israel eine Bodenoffensive planen", vermutet POSTIMEES aus Tallinn.
Für die norwegische Zeitung DAGSAVISEN kommt der Militärschlag gegen den Iran nicht überraschend, denn es gab "Berichte über Truppenverlagerungen, und es war auch bekannt, dass die USA und Israel Pläne für einen gemeinsamen Angriff auf den Iran schmieden. Aber wer auch noch den Zeitpunkt eines Angriffs erfahren will, sollte die Internetseite 'Pentagon Pizza Index' verfolgen. Die Theorie besagt, dass ein rasanter Anstieg der Pizza-Verkäufe in der Nähe des US-Kriegsministeriums, wie es jetzt heißt, auf eine massive Zunahme der Überstunden hindeutet. Und tatsächlich: Am 27. Februar schoss der Pizza-Verkauf auf Alarmstufe 4, was üblicherweise bedeutet, dass etwas bevorsteht - und ein paar Stunden später wurde der Iran angegriffen", konstatiert DAGSAVISEN aus Oslo.
Die chinesische Zeitung MINGPAO kritisiert: "Mit ihren Militärschlägen verstoßen die USA und Israel in eklatanter Weise gegen das Völkerrecht, was von Ländern wie China und Brasilien scharf verurteilt wurde. Viele westliche Länder weichen hingegen der Frage entweder aus oder beugen sich dem Machtstreben der USA, wodurch sich einmal mehr die Heuchelei ihrer angeblichen Unterstützung für eine regelbasierte internationale Ordnung offenbart. Die internationale Staatengemeinschaft muss aber den Mut aufbringen, zu Imperialismus und Hegemonie Nein zu sagen", betont MINGPAO aus Schanghai.
Die russische Zeitung KOMMERSANT aus Moskau analysiert: "Gegen den Iran wird seit vielen Jahren eine Taktik der schrittweisen Zermürbung angewendet. Während diese früher von wirtschaftlichen Sanktionen dominiert wurde, hat sich der Fokus im letzten Jahr auf zermürbende Militärschläge verlagert. Diese beinhalten keine großangelegten Bodenoperationen mit anschließender Besetzung des Landes. Wir sprechen von Raketen- und Bombenangriffen, die das militärisch-industrielle Potenzial des Zielstaates zunehmend schwächen", folgert KOMMERSANT.
Die japanische Zeitung YOMIURI SHIMBUN aus Tokio stellt fest, Premierministerin Tackaichi habe bisher "das Vorgehen Washingtons weder unterstützt noch kritisiert. Das zeigt, in was für einer schwierigen Position sich das Land derzeit befindet. Japan importiert einen Großteil seiner Energie aus dem Nahen Osten, die Abhängigkeit ist sehr groß. Die Regierung in Tokio muss sowohl von den USA als auch vom Iran eine Deeskalation der Lage fordern und alle diplomatischen Anstrengungen unternehmen", mahnt YOMIURI SHIMBUN.
"Für den Iran bricht eine neue Ära an", schreibt die panarabische Zeitung AL ARABY AL-JADEED: "Amerika und Israel werden daran arbeiten, die Überreste des Atomprogramms und des angereicherten Materials zu beseitigen und einen Übergang für Irans politische Zukunft einzuleiten. Diese dürfte mit einer Umstrukturierung des Regimes beginnen. Dabei wird man vermutlich auf das iranische Militär setzen. Die Revolutionsgarden hingegen werden aus dem Prozess massiv geschwächt hervorgehen. Dieser Übergang wird auch eine Abrechnung mit dem alten Regime und seinen Symbolfiguren sein", prognostiziert ARABY AL-JADEED mit Sitz in London.
Das LUXEMBURGER WORT verweist auf Libyen: "Auch dort wurde ein blutrünstiger Diktator mithilfe von westlichen Luftangriffen gestürzt. Das Resultat war ein jahrelanger brutaler Bürgerkrieg. Das Land ist bis heute nicht wirklich befriedet. Im Iran haben die Revolutionsgarden zu viel zu verlieren, um einfach die Waffen zu strecken und den Weg für einen neuen Iran freizumachen."
Die türkische Zeitung SABAH aus Istanbul gibt zu bedenken: "Der Iran setzt sich aus vielen verschiedenen ethnischen Gruppen zusammen, demokratische Kanäle für eine freiwillige Einheit sind aber nicht vorhanden. Die größte Gefahr für den Iran geht nicht von Angriffen von außen aus, sondern vom Aufbrechen interner Bruchlinien. Ein solches heimtückisches Kalkül steckt hinter den Angriffen der USA."
Die US-amerikanische Zeitung USA TODAY vertritt diese Ansicht: "Präsident Donald Trump hat Amerika in einen Krieg seiner Wahl hineingezogen, indem er den Iran ohne Zustimmung des Kongresses und praktisch ohne öffentliche Rechtfertigung angegriffen hat. Unsere Geheimdienste haben keine unmittelbare Bedrohung durch den Iran festgestellt. Es gab keine Anzeichen dafür, dass das Land kurz vor der Entwicklung einer Atomwaffe stand. Sollen wir den Aussagen einer Regierung vertrauen, die so schlampig lügt?", fragt USA TODAY aus New York.
Die libanesische Zeitung L'ORIENT LE JOUR beschäftigt sich mit der Hisbollah. Die Regierung habe die militärischen Aktivitäten der vom Iran unterstützten Miliz für illegal erklärt: "Sie waren es schon immer - nur, dass ein Großteil der politischen und führenden Klasse – aus Unwissenheit oder Boshaftigkeit – eine grobe Lüge wiederholte, an die sie schließlich selbst glaubte. Im kollektiven Bewusstsein der Libanesen gilt die Konfrontation mit der Hisbollah seit langem als gefährliches Spiel, das den inneren Frieden gefährdet. Nichts gegen die seit Jahrzehnten andauernde Geiselnahme zu unternehmen, ist heute noch gefährlicher." Wir zitierten L'ORIENT LE JOUR aus Beirut.
Die israelische Zeitung HAARETZ aus Tel Aviv findet: "Der Krieg im Iran ist gerechtfertigt. Nicht so die Ermordung von Chamenei. Das war ein schwerwiegender Fehler, der auf einer falschen Argumentation beruhte. Ein Land beseitigt nicht den religiösen Führer der Schiiten, die 15 Prozent der Muslime weltweit ausmachen. Ein jüdischer Staat, der klug handelt, bringt nicht die muslimische Welt gegen sich auf."
Themenwechsel. Frankreich will nach den Worten von Präsident Macron die Zahl seiner Atomsprengköpfe erstmals seit mehr als 30 Jahren vergrößern. Die dänische Zeitung JYLLANDS-POSTEN hebt hervor, Macron zeige sich offen "für die Stationierung von Atomwaffen unter französischer Kontrolle in anderen europäischen Ländern. Manche von ihnen, darunter Dänemark, haben laut Macron bereits signalisiert, sich an einem solchen avancierten Abschreckungsprogramm beteiligen zu wollen. Die Diskussion hat mittlerweile praktisch alle unsere Nachbarländer erreicht - darunter Schweden, Deutschland und Polen. Wir stehen einem immer aggressiveren Russland gegenüber, und nur die USA verfügen über ein Atomarsenal, mit dem man Russland parieren kann. Würden wir versuchen gleichzuziehen, könnte das viele Jahre dauern", so die Einschätzung von JYLLANDS-POSTEN aus Århus.
Die französische Zeitung L'OPINION aus Paris erwartet: "Frankreich wird allein beurteilen, was es schützen muss und allein eine mögliche Vergeltungsmaßnahme planen. Es ist notwendig, ein Stück Europa in die komplexe Abschreckungsstrategie zu integrieren. Dies wird es sein, was Präsident Emmanuel Macron als 'fortschrittliche Abschreckung' bezeichnet. Für Frankreich, das so oft auf den Status einer hochverschuldeten Mittelmacht reduziert wurde,ist es beruhigend, diese Macht des Atomwaffeneinsatzes zu haben und zu behalten", kommentiert L'OPINION zum Ende der internationalen Presseschau.
