
Die panarabische Zeitung SHARQ AL-AWSAT kritisiert die Angriffe des Irans auf US-Einrichtungen in den Golfstaaten: "Nun bedroht der Iran die Stabilität der gesamten Region. Doch dies schwächt weder Israels militärische Fähigkeiten, noch zwingt es Washington dazu, von seinen Plänen abzurücken. Stattdessen provoziert das Regime Gegenmaßnahmen, verschärft den wirtschaftlichen Druck und mobilisiert eine Koalition von Ländern gegen sich, die ansonsten eine Deeskalation angestrebt hätten. Die Golfstaaten hätten sich als Vermittler für einen Waffenstillstand positionieren können. Denn diese Staaten unterhalten enge Beziehungen zu Washington und pflegen offene Kommunikationswege zu Teheran", argumentiert die in London erscheinende Zeitung SHARQ AL-AWSAT.
Die türkische Zeitung CUMHURIYET geht ein auf den Abschuss einer Rakete aus dem Iran in der türkischen Grenzregion: "Es ist eine Behauptung der USA und der NATO, die Rakete habe direkt auf die Türkei gezielt. Tatsächlich sind die USA mit dem bisherigen Verhalten der Türkei nicht zufrieden. Sie wollen, dass ihr 'Verbündeter' Türkei Position gegen den Iran bezieht. Daher muss Ankara jede Entwicklung, die eine Änderung der Position erzwingen könnte, mit äußerster Sorgfalt analysieren. Fakt ist, dass der Iran keine US-Stützpunkte in der Türkei ins Visier nimmt, da es keinen Angriff auf den Iran von dort aus gegeben hat. Wenn die USA den Iran von den Stützpunkten in der Türkei aus angreifen würden, wären die Kosten sehr hoch", warnt CUMHURIYET aus Istanbul.
Die israelische Zeitung JERUSALEM POST befasst sich mit dem Sohn des getöteten geistlichen Oberhaupts Ayatollah Ali Chamenei, der als dessen Nachfolger im Iran gehandelt wird: "Modschtaba Chamenei sollte nicht unterschätzt werden. Er gilt als Hardliner unter den Geistlichen, tritt selten öffentlich in Erscheinung und agiert weitgehend hinter den Kulissen. Verschiedenen Berichten zufolge hat ihm seine enge Verbindung zum iranischen Sicherheitsapparat Einfluss verschafft und ihn zu einer Autoritätsperson gemacht, die in Krisenzeiten die Kontrolle über das Land übernehmen kann. Ein Regime, das weiterhin Stellvertreter-Organisationen bewaffnet, die Hauptstädte am Golf destabilisiert und israelische und westliche Streitkräfte bedroht, wird sich unter einem jüngeren Chamenei nicht plötzlich mäßigen", befürchtet die JERUSALEM POST.
Blicken wir nun auf die Rolle der europäischen Staaten im Iran-Krieg. Die schwedische Zeitung DAGENS NYHETER erinnert: "Als Teheran bombardiert wurde, herrschte zuerst ohrenbetäubendes Schweigen. Was folgte, war eine Kakophonie ängstlicher Stimmen. Dann fand man sich zu Gruppen zusammen, aber die Erklärungen waren so vorsichtig ausbalanciert, dass sie den Eindruck der Zersplitterung eher verstärkten. Europa ist sich nur in dem einig, was ohnehin selbstverständlich ist: Das Regime in Teheran unterdrückt seine Bevölkerung, eine Eskalation des Konflikts birgt Gefahren in sich, und der Iran muss aufhören, seine Nachbarn anzugreifen", beklagt DAGENS NYHETER aus Stockholm.
Die finnische Zeitung HELSINGIN SANOMAT schreibt: "Es fällt den Europäern schwer, diesen Krieg zu unterstützen, aber es liegt auch in ihrem Interesse, den Iran zu bekämpfen: Schließlich finanziert Teheran Terroristen, steht an der Seite Russlands und entwickelt Atomwaffen. Das letzte Jahr mit Trump hat den Europäern eine Lektion in Realpolitik erteilt. Der US-Präsident holt keinen Rat bei seinen europäischen Partnern ein. Es bleibt die Frage, ob Europa in dieser neuen Welt ein Spielball der Mächtigen oder ein unabhängiger Akteur sein will." Soweit HELSINGIN SANOMAT aus Helsinki .
Die österreichische Zeitung DIE PRESSE aus Wien kommentiert die offene Kritik von Spaniens Ministerpräsident Sánchez an dem Krieg: "Sánchez tanzt aus der Reihe – wieder einmal wagt er ein Solo. Das Resultat ist fatal: Durch sein Solo verstärkt er die Kakophonie und schwächt in dieser Krise die EU. Aber Sánchez‘ Einwand, dieser Krieg sei illegal, müssen Europäer sehr wohl ernst nehmen."
Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG ordnet ein: "Ein großer Teil der spanischen Bevölkerung – ebenso wie viele Menschen im übrigen Europa – möchte nicht in diesen ohne internationales Mandat begonnenen Krieg hineingezogen werden. Hinzu kommt, dass Antiamerikanismus und Misstrauen gegenüber Israel in Spanien, besonders in Teilen der politischen Linken, traditionell verbreitet sind. Für den Sozialisten Sánchez ist die Konfrontation mit Trump deshalb eine willkommene Bühne. Mit seiner Bevölkerung im Rücken kann er sich Trump entgegenstellen und als Verteidiger des Völkerrechts präsentieren", analysiert die NZZ.
Die Zeitung LA VANGUARDIA aus Barcelona beobachtet: "Spaniens souveräne Entscheidung wurde von Trump öffentlich gerügt, und der deutsche Bundeskanzler Merz zögerte nicht, sich bei seinem Besuch im Weißen Haus auf die Seite des US-Präsidenten zu stellen, obwohl er später versuchte, seine Äußerungen abzuschwächen. Die Reaktion auf die Attacken im Iran bestätigt, dass eine gemeinsame europäische Verteidigung eine Utopie ist. Heute herrscht in der EU in dieser Frage das Prinzip der Einstimmigkeit. Und letztlich stellt jedes Land seine eigenen Interessen und Vorteile über eine gemeinsame Haltung", hält die spanische LA VANGUARDIA fest.
Die tschechische Zeitung PRÁVO führt aus: "Bundeskanzler Merz stellte sich aus drei Gründen voll und ganz hinter Israel und die USA. Erstens: Die Unterstützung Israels, das sich präventiv gegen äußere Bedrohungen verteidigt, ist ein Grundpfeiler des modernen deutschen Staates. Zweitens will der Bundeskanzler die Verbindung zu den Vereinigten Staaten um jeden Preis aufrechterhalten. Und drittens: In Deutschland leben über 300.000 Menschen iranischer Herkunft. Merz würde gerne dabei sein, wenn diesen Menschen geholfen wird, in ihre Heimat zurückzukehren", meint PRÁVO aus Prag.
Auch der britische Premier Starmer hat die Nutzung von US-Stützpunkten in Großbritannien für Angriffe auf den Iran eingeschränkt. Der britische GUARDIAN vertritt dazu folgende Ansicht: "Es gibt wichtige Unterschiede zwischen der Situation Spaniens und der Großbritanniens. Als EU-Mitglied handelt Spanien mit den USA im Rahmen des gemeinsamen europäischen Marktes. Differenzen hinsichtlich des Irans werden die Beziehungen zwischen Washington und Brüssel zwar weiter erschweren, aber Trump wird kaum die wirtschaftlichen Beziehungen zur EU abbrechen, nur um Sánchez eins auszuwischen. Großbritannien hingegen ist seit dem Brexit viel eher rachsüchtigen einseitigen Maßnahmen der USA ausgesetzt", betont der GUARDIAN aus London.
Nun zum letzten Aspekt dieser Presseschau - der Sorge um die Energieversorgung. Die polnische Zeitung RZECZPOSPOLITA schätzt die Lage wie folgt ein: "Europas Abhängigkeit von Gas und Öl, die durch die Straße von Hormus transportiert werden, ist relativ gering. Das bedeutet jedoch nicht, dass Europa von der Verringerung der globalen Öl- und Gasversorgung nicht schmerzhaft betroffen sein wird. Bereits nach wenigen Dutzend Stunden Krieg verdoppelten sich die europäischen Gaspreise fast, während die Ölpreise um 15 Prozent stiegen. Das Risiko eines erneuten Inflationsanstiegs ist daher ernst zu nehmen, ebenso wie das Risiko, dass Deutschland und die gesamte Eurozone in eine Rezession abrutschen", befindet RZECZPOSPOLITA aus Warschau.
In einem Gastkommentar der SOUTH CHINA MORNING POST ist zu lesen: "Eine Energiekrise wie in den 1970er Jahren ist unwahrscheinlich. Die Welt ist weniger abhängig vom Öl aus dem Nahen Osten, unter anderem weil die Schieferrevolution die USA zum weltweit größten Ölproduzenten gemacht hat. Dies wirkt wie ein starker geopolitischer Stoßdämpfer. Darüber hinaus ist der Iran militärisch vollkommen unterlegen. Die Chancen für eine schnelle Deeskalation sind zwar gering, aber ein Krieg, der sich über mehrere Monate hinzieht, ist noch unwahrscheinlicher", heißt es in der SOUTH CHINA MORNING POST aus Hongkong. Und damit endet die internationale Presseschau.
