
Die französische Zeitung LE FIGARO meint, die Libanesen fänden sich einmal mehr als "Geiseln des Wahnsinns der Hisbollah" wieder, und erklärt: "Der Krieg im Iran hat den Libanon erneut in seinen endlosen Albtraum gestürzt. Wie schon 2023, nach Beginn des Krieges im Gazastreifen, ist die Hisbollah einem selbstmörderischen Reflex erlegen, indem sie im Norden Israels eine neue Front eröffnet hat. Einmal mehr handelt sie unter Missachtung der libanesischen Interessen, deren Verteidigung sie vorgaukelt. Genau wie die Hamas in Gaza wird diese Bewegung nicht allein durch militärische Gewalt verschwinden, notwendig ist eine politische Lösung. Eine Lektion, über die man im Iran nachdenken sollte," meint LE FIGARO aus Frankreich.
Die in London ansässige panarabische Zeitung AL QUDS AL-ARABI kommentiert die Lage der Menschen im Libanon: "Wenn die Zahl der Binnenvertriebenen und damit der Druck auf Unterkünfte, Wohnungen und öffentliche Einrichtungen im Libanon steigt, werden zusätzlich zu den sicherheitspolitischen auch noch soziale Spannungen hinzukommen. Dies wird die Lage in dem Land verschärfen, das ohnehin bereits unter einem beispiellosen finanziellen Zusammenbruch leidet. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit einer Konfrontation zwischen der libanesischen Armee und der Hisbollah. Auch die Wahrscheinlichkeit eines Bürgerkriegs wird größer" warnt AL QUDS AL-ARABI.
Die türkische Zeitung NEFES schreibt zum Irankrieg: "US-Präsident Trump hat diesen Krieg bereits jetzt verloren. Er hat eine Katastrophe heraufbeschworen, deren Auswirkungen noch jahrelang zu spüren sein werden. Trump verhält sich wie ein Soziopath, der sein Spielzeug zerstört, wenn es ihm weggenommen wird. Er ist die größte Bedrohung für die Welt, behauptet aber, das Mullah-Regime bedrohe die Welt. Der einzige Unterschied zwischen den Mullahs und den anderen Diktaturen, die Trump unterstützt, ist, dass sie sich den USA widersetzen" meint NEFES aus Istanbul.
Die schwedische Zeitung DAGENS NYHETER stellt die Frage, was die USA und Israel mit einer wochenlangen Fortsetzung des Krieges im Iran erreichen wollen: "Ayatollah Chamenei wurde bereits bei einem der ersten Angriffe getötet. Millionen Iraner und ihre Freunde auf der ganzen Welt hofften auf einen baldigen Sturz des Regimes. Donald Trump hoffte aber stattdessen, dass das Regime nachgeben würde, etwa wie in Venezuela. Inzwischen heißt es, dass Khameneis Sohn das Amt seines Vaters übernehmen soll, und das Regime will sich keineswegs ergeben. Natürlich hoffen wir immer noch, dass sich die Iraner als freie Menschen aus der Asche erheben, die Donald Trump hinterlässt. Aber viel wahrscheinlicher ist, dass wir vor einer humanitären Krise mit enormen Dimensionen stehen", befürchtet DAGENS NYHETER aus Stockholm.
Die IRISH TIMES aus Dublin warnt vor den Auswirkungen dieser Krise auf Europa: "Die größte Gefahr eines langwierigen Krieges besteht darin, dass die USA und Israel, anstatt die Regierung in Teheran durch eine neue zu ersetzen, den Iran in Chaos und Bürgerkrieg stürzen. Ein gescheiterter Staat mit mehr als 90 Millionen Einwohnern würde ein enormes Sicherheitsrisiko für die Region darstellen und mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit eine Migrationswelle nach Europa auslösen", warnt THE IRISH TIMES.
Zwei Zeitungen aus Asien betrachten die Auswirkungen des Irankriegs auf den Krieg in der Ukraine. Die chinesische JIEFANG RIBAO bemerkt: "Ein Teil der militärischen Lieferungen aus dem Westen wird an die neue Kriegsfront im Iran gehen. Das würde insbesondere die Fähigkeit der Ukraine zur Luftabwehr schwächen. Auch die von Washington vermittelten Friedensgespräche zwischen Moskau und Kiew können nun vorerst nicht fortgesetzt werden. Wirtschaftlich werden die weltweit gestiegenen Erdöl- und Gaspreise Russland mehr Einnahmen als erwartet einbringen. So kann der Kreml den Ukraine-Angriff in die Länge ziehen", vermutet JIEFANG RIBAO aus Shanghai.
Auch ein Gastkommentar in der taiwanesischen LIANHE BAO meint, sowohl der Krieg im Iran als auch der in der Ukraine beschränkten sich nicht länger auf bestimmte Regionen: "Die beiden Kriege haben die globale Sicherheit in Mitleidenschaft gezogen. Die strategische Weltordnung überhaupt ist herausgefordert. All diese Konflikte sind wiederum Ausdruck der schon ewig existierenden Spannungen zwischen den verschiedenen Zivilisationen", heißt es in der Zeitung LIANHE BAO aus Taipeh.
Themenwechsel. In der kenianischen Zeitung THE STAR beschäftigt sich ein Gastkommentar mit dem morgigen Internationalen Weltfrauentag. Der Autor nutzt die Gelegenheit, die mangelnde Gesundheitsvorsorge und Selbstbestimmung der Frauen im Land anzuprangern: "Eine Gesellschaft, die Frauen zutraut, zu wählen, zu arbeiten und Unternehmen zu führen, sollte ihnen auch zutrauen, fundierte Entscheidungen beim Thema Schwangerschaft treffen zu können. Man kann Frauen nicht in Chefetagen unterstützen, während man gleichzeitig ihre Gebärmutter unter staatlicher Kontrolle hält. Es braucht jetzt Mut, um unbequeme Realitäten anzugehen. Kennt eure Rechte. Und lasst uns als Nation sicherstellen, dass diese Rechte nicht nur Worte auf Papier sind, sondern gelebte Wirklichkeit in Kliniken, in Klassenzimmern, im Gerichtssaal. Nur dann wird der Frauenmonat März mehr als nur eine Feierlichkeit sein." Das war THE STAR aus Nairobi.
Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG erinnert in diesem Zusammenhang an den Ursprung des Tages in Russland. Dort erinnert man sich an den Streik der Arbeiterfrauen im heutigen St. Petersburg und die Internationale Konferenz kommunistischer Frauen 1921. Heute schenken Männer Frauen zu diesem Tag Blumen, und die NZZ merkt an: "Damit hat sich ihr Einsatz für Frauenrechte aber auch erledigt. Heute sagt Russlands Präsident Wladimir Putin, die Rolle der Frau sei es, mindestens drei Kinder zur Welt zu bringen, und lässt Schülerinnen lernen, dass sie Mütter zu sein hätten, sonst seien sie eben keine Frauen. Forderungen, Frauen besser vor häuslicher Gewalt zu schützen, sieht Russlands Justizministerium stets als 'Diskriminierung von Männern' an", notiert die NZZ aus der Schweiz.
THE STRAITS TIMES aus Singapur attestiert dem eigenen Land einen "Meilenstein" beim Thema Gleichberechtigung. Sie fragt nun: "Wenn Gleichberechtigung nun zum Normalzustand wird, was sollte dann der Weltfrauentag für uns bedeuten? Heute, wo viele Hindernisse nicht mehr bestehen, läuft der Tag Gefahr, in etwas anderes abzudriften: In eine Vermarktungsmöglichkeit. Wenn Unternehmen Frauen ehrlich unterstützen wollen, warum sollte man dieses Bestreben dann auf einen einzigen Tag im Kalender beschränken? Und noch schlimmer - wenn der Weltfrauentag nur eine Möglichkeit wird, um Yogakurse, Kosmetik oder Gesundheitsprodukte zu verbreiten - feiert er die Frauen dann tatsächlich, oder geht es nur darum, ihre Unsicherheiten auszunutzen und ihnen immer mehr anzudrehen?", fragt THE STRAITS TIMES aus Singapur.
Zum Schluss noch ein Blick auf Island. Dort plant die Regierung ein Referendum zu neuen Beitrittsverhandlungen mit der EU. Die lettische Zeitung DIENA vermutet dahinter vor allem die Hoffnung auf mehr Sicherheitsgarantien: "Zwar hat US-Präsident Trump in der Öffentlichkeit noch kein Interesse an einer Übernahme Islands bekundet, aber der Verdacht besteht, dass das nur eine Frage der Zeit ist. Umfragen weisen aktuell auf eine Mehrheit für einen EU-Beitritt hin, darunter vor allem unter Städtern, jüngeren Menschen und Geschäftsleuten. Widerstand kommt dagegen vor allem von Landbewohnern und aus der Fischerei. Sie alle müssen schon bald entscheiden, was ihnen wichtiger ist: ihr Nationalstolz und ihre traditionelle Wirtschaft oder europäisches Geld und mehr Sicherheit", erklärt DIENA aus Riga.
