09. März 2026
Die internationale Presseschau

Heute mit Kommentaren zu den Auswirkungen des Krieges in Nahost auf die Weltwirtschaft und zur Ernennung von Modschtaba Chamenei zum neuen geistlichen Führer im Iran. Außerdem kommentiert wird das gescheiterte Referendum in der Schweiz zu einer Senkung des Rundfunkbeitrages.

    Iranische Öl- und Frachtschiffe im Persischen Golf vor der vor der Straße von Hormus
    Eine Blockade der Straße von Hormus ist ein starkes Druckmittel für den Iran. (picture alliance / dpa / Farshid-M. Bina)
    Ein Gastkommentar in der Zeitung LIANHE BAO aus Taipeh schreibt zu den wirtschaftlichen Auswirkungen des Irankriegs: "Der Iran ist vielleicht militärisch der Unterlegene. Aber er ist in der Lage, die Kriegsfolgen auf die Weltmärkte zu übertragen. Teheran kennt die Schwäche seiner Herausforderer und will diese wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich in einen Zermürbungskrieg ziehen. Zum Schluss muss nicht nur Amerika einen hohen Preis dafür zahlen. Dieser Krieg wird das Wirtschaftsleben der ganzen Welt auf eine Zerreißprobe stellen", warnt LIANHE BAO aus Taiwan.
    Mit dem Angriff auf den Iran habe Präsident Trump das wirtschaftliche Gleichgewicht der Welt erschüttert, meint auch die australische Zeitung THE AGE. "Um die Märkte aus diesem Tumult zu befreien, bräuchte es eine sogenannte Taco-Bewegung stehend für – 'Trump Always Chickens Out', also Trump macht immer einen Rückzieher. Dieses präsidiale Manöver, bei dem er zurückrudert, wenn seine Entscheidungen katastrophale Folgen auszulösen drohen, ist ein wiederkehrendes Merkmal der Trump-Präsidentschaft. Doch am Wochenende verschärfte Trump seine Rhetorik noch einmal. Investoren, die sich auf das Schlimmste vorbereiten, fragen sich inzwischen, wo sie noch einen Ausweg finden können", bemerkt THE AGE aus Melbourne.
    Die Zeitung MÜSAVAT aus Baku sieht auch beim Verhalten der Golfstaaten wirtschaftliche Argumente als Handlungsmotivation. Dort heißt es: "Es ist interessant, dass es von den reichen Ländern Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar keine ernsthafte militärische Reaktion gibt. Das liegt nicht daran, dass sie schwach sind. Im Gegenteil: Die Militärarsenale dieser Länder gelten als die modernsten in der Region. Aber an einer Ausweitung des Krieges haben die Golfstaaten kein Interesse, denn sie sind durch Öl- und Gasexporte äußerst reich. Ein Krieg könnte diese Exporte ernsthaft beeinträchtigen. Sie wollen, dass die USA das Iran-Problem selbst lösen und sie nicht darin verwickeln", vermutet die aserbaidschanische Zeitung MÜSAVAT.
    Die in London ansässige panarabische Zeitung AL QUDS AL-ARABI beschäftigt sich mit der Wahl von Modschtaba Chamenei zum neuen geistlichen Führer und vermutet, dass dieser den von seinem Vater eingeschlagenen Kurs fortsetzen wird: "und zwar auf Grundlage einer womöglich noch härteren Linie. Denn der neue Führer gehört dem konservativen Flügel an, der den Konflikt mit den Vereinigten Staaten und Israel als langwierigen Kampf betrachtet, der sich nicht durch traditionelle politische Kompromisse lösen lasse. Sicher ist, dass diese Wahl nicht nur eine inneriranische Entscheidung ist. Vielmehr wird sie das Machtgleichgewicht im gesamten Nahen Osten auf Jahre beeinflussen", meint AL QUDS AL-ARABI.
    Ähnlich äußert sich auch ein Gastkommentator in der japanischen Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN: "Es ist höchst wahrscheinlich, dass der militärisch äußerst unterlegene Iran durch die US-israelischen Angriffe seine wichtigsten Stützpunkte, Luftwaffe und Marine verlieren wird. Das hat Teheran bereits verstanden und Modschtaba Chamenei, Sohn von Ajatollah Chamenei, bewusst zur Nachfolge des geistlichen Führers gewählt. Das kann man als Kampfansage von Teheran betrachten, das das Regime gegen die USA und Israel bis zum bitteren Ende Widerstand leisten will", befürchtet NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
    Die Zeitung DAGENS NYHETER aus Stockholm lenkt den Blick auf den Zusammenhang zwischen dem Krieg in Nahost und dem in der Ukraine: "Die USA scheinen nicht daran gedacht zu haben, welche Schäden der Iran mit seinen einfachen billigen Shahed-Drohnen anrichten kann. Auch Russland verwendet solche Drohnen bei seinen ständigen Angriffen auf die ukrainische Zivilbevölkerung. Die Ukraine hat deshalb sowohl eigene billige Abwehrdrohnen als auch die militärische Kompetenz entwickelt, sie so effektiv wie möglich einzusetzen.Es ist deshalb keine Überraschung, dass sowohl die USA als auch die Golf-Staaten jetzt Kiew um Hilfe bitten. Man fühlt sich allerdings auch zwangsläufig daran erinnert, wie Selenskyj von Trump und seinem Vize JD Vance abgekanzelt wurde. Vielleicht begreift Donald Trump jetzt, dass die Ukraine gar nicht so schwach ist, wie er geglaubt hat? Dass er sich für die Hilfe der Ukraine bedankt, wäre aber wohl zu viel von ihm erwartet", vermutet die schwedische Zeitung DAGENS NYHETER.
    Die Rolle der Presse im Nahostkonflikt ist Thema in der israelischen Tageszeitung HAARETZ. Diese kritisiert: "Im aktuellen Krieg mit dem Iran sind die Medien einmal mehr kampflos gefallen. Beinahe alle wiederholen papageienähnlich auf jedem Fernsehkanal dieselben Punkte: Wir müssen uns auf einen langen Krieg vorbereiten. Dieser Krieg ist notwendig. Wir dürfen ihn jetzt nicht beenden. Und lasst uns gar nicht erst von den Statistiken anfangen, die auf die Öffentlichkeit niederregnen: Israel hat über 7.000 Waffen über dem Iran abgeworfen. Aber was sind denn 'Waffen'? Bomben? Drohnen? Warum benutzen die Medien Militärjargon, anstatt zu erklären, was dieser beinhaltet? Die Macht der Presse liegt darin, Fragen zu stellen. Eine Presse, die das nicht tut, ist keine 'patriotische' Presse, sondern eine schwache und unterwürfige." Das war HAARETZ aus Tel Aviv.
    Themenwechsel: In der Schweiz ist das Referendum über eine deutliche Absenkung des Rundfunkbeitrages gescheitert. Die schweizerische NEUE ZÜRCHER ZEITUNG begrüßt das prinzipiell, denn sie meint: "die Initiative ging zu weit. Allerdings ist das Resultat für die SRG kein Grund zu überschwänglicher Freude. Ein Weiter-wie-bisher ist ausgeschlossen, denn sparen muss sie trotzdem. Vielleicht noch wichtiger ist aber: Das größte Medienhaus der Schweiz sollte Kritik endlich als Ansporn zur Optimierung verstehen und nicht als Majestätsbeleidigung. Die SRG und ihre Unterstützer bauten in den vergangenen Wochen den größtmöglichen Kontrast zwischen privaten und gebührenfinanzierten Medien auf. Es klang, als gäbe es außerhalb der gebührenfinanzierten Medien keine verlässlichen Informationskanäle mehr. Das war nicht nur überheblich, sondern deplatziert", urteilt die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG.
    Die APPENZELLER ZEITUNG aus St. Gallen wirft noch einen genaueren Blick auf mögliche nächste Schritte für den Schweizer Rundfunk SRG und fragt: "Wie grenzt sich die SRG auf ihren Online-Portalen vom Angebot privater Anbieter ab, die nicht auf Gebühren zurückgreifen? Wie lässt sich beim Rundfunk der Schwerpunkt stärker auf Information und Kultur legen, ohne Unterhaltung und Sport ganz auszuklammern? Diese Punkte sind zu klären. Nach dem klaren Votum vom Sonntag kann die Debatte über das duale Schweizer Mediensystem unaufgeregt geführt werden", meint die APPENZELLER ZEITUNG.
    Zuletzt der Blick auf ein anderes Medienthema. Beim britischen Rundfunk BBC steht im April ein Führungswechsel an. Der bisherige Generaldirektor Tim Davie hatte unter anderem nach Vorwürfen der Fehlinformation seinen Rücktritt bekannt gegeben. THE DAILY TELEGRAPH aus London schreibt dazu: "Es gibt eine einfache Frage, die man stellen kann, um den Erfolg eines jeden BBC-Generaldirektors zu messen: Ist die BBC am Ende von dessen Amtszeit stärker oder schwächer? Im Falle von Tim Davie tut es mir Leid, zu verkünden, dass die Antwort klar ist: Die BBC ist in Schwierigkeiten. Geschwächt durch globalen Wettkampf, die digitale Revolution und steigende Produktionskosten ließ sie den Mut zu strategischen Veränderungen vermissen. Das Vertrauen in die BBC hat einen historischen Tiefstand erreich. All das stellt den neuen Generaldirektor vor riesige Herausforderungen. Wird diese Person imstande sein, den BBC-Nachrichten klar zu machen, wie viel Schaden sie gerade anrichten?" fragt sich der britische DAILY TELEGRAPH.