
Die chinesische Zeitung JIEFANG RIBAO unterstellt US-Präsident Trump bei seinen aktuellen Äußerungen zu einem möglicherweise baldigen Kriegsende vor allem wirtschaftliche Interessen. Dort heißt es: "Trumps Äußerung, wonach die kriegerischen Handlungen gegen den Iran bald beendet werden sollen, macht deutlich, dass er in erster Linie als Geschäftsmann agiert, der bei seinen Handlungen auf Gewinnmaximierung beziehungsweise im Falle des Scheiterns auf Schadensbegrenzung aus ist. Trumps Hoffnung, die gesamte Kommandostruktur des Iran mit Präzisionsschlägen zu zerstören, erweist sich immer deutlicher als Illusion, je länger der Krieg andauert. Deshalb versucht der US-Präsident nun, sich aus dieser verfahrenen Lage zu befreien, um bei den Zwischenwahlen keinen Schiffbruch zu erleiden", urteilt JIEFANG RIBAO aus Schanghai.
Nach Trumps Aussage zum möglichen Kriegsende sind die Ölpreise weltweit gesunken. Die Zeitung QATAR TRIBUNE aus Doha wirft in diesem Zusammenhang einen Blick auf die Straße von Hormus, die vom Iran als Druckmittel genutzt wird. Dort heißt es: "Hormus erlaubt keine klare Trennung zwischen militärischen Zielen und den Konsequenzen für die Zivilbevölkerung. Selbst eine kurze Eskalation kann Monate ökonomischen Schmerzes auslösen, und ökonomischer Schmerz ist niemals gleichmäßig verteilt. Der verantwortungsvolle Kurs besteht nicht darin, die Meerenge weiter zu militarisieren und zu hoffen, dass Abschreckung ausreicht. Er besteht darin, die maritime Sicherheit als internationales Interesse zu behandeln. Hormus ist ein Test für verantwortungsvolle Politik und stellt eine einfache Frage, die Anführer nur selten direkt beantworten: Wem ist es erlaubt, die ökonomische Stabilität der Welt aufs Spiel zu setzen, und wer bezahlt, wenn dieses Spiel fehlschlägt?" fragt QATAR TRIBUNE aus Katar.
Mit den Folgen der Abhängigkeit vom Nahost-Öl für Europa beschäftigt sich ein Kommentar in der Zeitung EXPRESSEN aus Stockholm. Er stellt fest: "Gerade jetzt macht sich das Problem dieser Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen wieder einmal schmerzlich bemerkbar. Die Krise zeigt, dass es im Eigeninteresse der EU liegt, aus fossilen Brennstoffen auszusteigen. Auch konservative Politiker sollten den Zusammenhang zwischen Sicherheit, Klima und Wirtschaft erkennen und den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen als Eigenschutz betrachten. Die Entwicklung hin zu erneuerbaren Energien geht in die richtige Richtung, aber noch immer liegt Europas Schicksal viel zu sehr in den Händen von Katar, Russland und den USA", meint die schwedische Zeitung EXPRESSEN.
Die in London ansässige panarabische Zeitung AL ARABI AL-JADEED weitet den Blick auf das andauernde Kriegsgeschehen zwischen dem Iran und dem Rest der Nahostregion. Sie meint: "Die iranischen Angriffe auf Nachbarländer schwächen diese nicht, sondern stärken deren Zusammenhalt. Zudem untergraben sie massiv das diplomatische Gefüge der Region. Denn Beziehungen zwischen Nachbarstaaten basieren letztlich auf einem gewissen Maß an gegenseitigem Vertrauen. Wenn dieses Vertrauen einem derart massiven Schock ausgesetzt ist, wird es schwierig, die diplomatischen Kanäle wiederherzustellen. So schafft der Iran mit seinen Angriffen eine Anspannung, die weit über den derzeitigen Krieg hinaus fortbestehen wird", warnt AL ARABI AL-JADEED aus London.
Auch in der türkische Zeitung HÜRRIYET geht es um die Angriffe des Irans auf die Nachbarländer. Erneut wurde eine iranische Rakete abgefangen, ehe sie in den türkischen Luftraum eindringen konnte. HÜRRIYET fragt jetzt, ob aus dieser Rakete die politische Lage im Iran abgelesen werden kann: „Als die erste Rakete abgefeuert wurde, hatte die Türkei den Iran gewarnt. Das dürfe nicht wieder passieren. Offensichtlich hat diese Botschaft ihr Ziel nicht erreicht. Was bedeutet es, eine zweite Rakete auf die Türkei abzufeuern, obwohl sich der iranische Präsident Peseschkian entschuldigt und versichert hat, dass man die Nachbarn nicht angreifen werde? Gibt es einen Machtkampf im Iran? Oder hat der israelische Geheimdienst Mossad nicht nur den iranischen Geheimdienst, sondern auch die Entscheidungsgremien des Irans infiltriert?" fragt HÜRRIYET aus Istanbul.
Erneut Thema in vielen Zeitungen ist auch die Wahl des neuen Oberhaupts Modschtaba Chamenei im Iran. Die Zeitung MAINICHI SHIMBUN aus Tokio empfiehlt ihm: "Modschtaba sollte sich mit der Unzufriedenheit der Menschen seines Landes auseinandersetzen und für die internationale Zusammenarbeit einen neuen Kurs einschlagen. Was man nicht übersehen darf, ist, dass sich die USA und Israel in innere Angelegenheiten des Irans einmischen wollen. Netanjahu und seine Regierung sollten endlich erkennen, dass gerade solch eine Haltung die iranische Gesellschaft spaltet und die Gefahr für eine Destabilisierung der Lage erhöht", meint die japanische Zeitung MAINICHI SHIMBUN.
Die russische Zeitung NESAWISSIMAJA GASETA warnt vor Modschtaba Chameneis politischer Ausrichtung: "Westliche Orientalisten betrachten Modschtaba Chamenei traditionell als 'Falken' in der iranischen Führung, als Hardliner gegenüber Israel und den USA und gegenüber innenpolitischen Gegnern des Systems. Sein Name ist mit der brutalen Niederschlagung von Protesten im Land verbunden. Daher wird vom neuen Religionsführer nicht erwartet, dass er eine Versöhnung mit den Amerikanern anstrebt. Modschtaba Chameneis Haltung gegenüber den USA wird sicherlich durch die Tatsache beeinflusst sein, dass amerikanische Angriffe seinen engsten Angehörigen das Leben kosteten: nicht nur seinem Vater, sondern auch seiner Frau Zuhra und möglicherweise einem seiner drei Söhne - im Alter von 18 Jahren." Das war die NESAWISSIMAJA GASETA aus Moskau.
Durch den Krieg im Iran ist der Konflikt zwischen Pakistan und den Taliban öffentlich in den Hintergrund geraten, findet die lettische Zeitung DIENA. Sie schreibt dazu: "Es ist schon fast eine Ironie der Geschichte, dass Pakistan nun in diese Lage geraten ist. Jahrzehntelang hat man die Taliban unterstützt - zuerst als Gegner der sowjetischen Besatzer - und nun sind es eben diese Taliban, die sich gegen Pakistan wenden. Die Frage ist, welches Ausmaß dieser Konflikt annimmt. Ein vollumfänglicher Krieg ist wenig wahrscheinlich, denn sowohl das Regime in Kabul als auch Pakistan haben mit schweren wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen. Vorerst werden wohl Schusswechsel an der Grenze und pakistanische Luftangriffe auf Taliban-Basen in Afghanistan die neue Realität darstellen, und viel wird auch vom Ausgang des Kriegs im Iran abhängen", befürchtet die Zeitung DIENA aus Riga.
Zum Schluss noch ein Blick nach Österreich. Dort ist der Indendant des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wegen Vorwürfen der sexuellen Belästigung zurückgetreten. Die österreichischen SALZBURGER NACHRICHTEN befürchten: "Das Aus von Roland Weißmann wirft viele Fragen auf. Nur das Wichtigste wird wohl neuerlich nicht hinterfragt werden. Dem nun ehemaligen ORF-Generaldirektor wird grobes Fehlverhalten im Umgang mit einer Mitarbeiterin vorgeworfen. Was aber zudem hinterfragt werden sollte, ist der Zeitpunkt der Bekanntgabe. Die Vorwürfe beziehen sich auf Vorfälle aus dem Jahr 2022. Wieso wird das Ganze erst jetzt öffentlich – fünf Monate vor der Generaldirektorwahl? Hat jemand jahrelang verhindert, dass alles ans Tageslicht kam? Oder wollte jemand, dass das Ganze genau jetzt an die Öffentlichkeit gelangt? So und anders liegt nahe, dass wieder einmal politische Interessen im Spiel sind", vermuten die SALZBURGER NACHRICHTEN zum Ende dieser internationalen Presseschau.
