
In der polnischen RZECZPOSPOLITA ist zu lesen: "Irans billige Drohnen und Raketen beweisen einmal mehr, dass selbst die einfachsten Waffen die Mächtigsten überraschen können. Die Folgen dieses Krieges sind an den Tankstellen sichtbar. Leider unterschätzten die Amerikaner, geblendet von ihrem Erfolg in Venezuela ihren neuen/alten Gegner. Fakten und Zahlen wurden ignoriert, obwohl schon ein Blick auf die Landkarte Klarheit geschaffen hätte. Es war vorhersehbar, dass die Ölpreise selbst nach einem kurzen Kampf in die Höhe schnellen würden. Weder die Amerikaner noch die Golfstaaten waren darauf vorbereitet und stehen ratlos da. Es gibt keine wirkliche Alternative zur Straße von Hormus. Öltankerkonvois? Das wäre extrem gefährlich und teuer. Außerdem würde es Zeit kosten. Sehr viel Zeit", notiert RZECZPOSPOLITA aus Warschau.
Das iranische Regime hat die für den Seehandel wichtige Straße von Hormus nach eigenen Angaben gesperrt. Die kolumbianische Zeitung EL TIEMPO aus Bogotá vermerkt: "Die blockierten Energietransporte sind nur ein Teil des Problems. Auch rund ein Drittel der auf dem Seeweg transportierten Düngemittel passiert die Straße von Hormus. Bleibt diese Route länger gesperrt, hätte das unmittelbare Folgen für die Landwirtschaft in vielen Ländern. Auch andere Herstellungsprozesse sind auf Rohstoffe oder Vorprodukte angewiesen, die über die Straße von Hormus verschifft werden. Für Washington liegt das Risiko auf der Hand. Der Krieg scheint nicht zum unmittelbaren Kollaps des iranischen Regimes zu führen. Die Machteliten in Teheran mögen geschwächt sein, verfügen aber immer noch über erhebliche Druckmittel - und das bedeutet, dass die Weltwirtschaft vor einer schweren Belastungsprobe steht", meint EL TIEMPO aus Bogotá.
"Auch der Tourismus, die Luftfahrt und der Immobiliensektor reagieren schnell auf solche geopolitischen Schocks", ergänzt die türkische Zeitung EKONOMI: "Denn diese Sektoren sind stark von der Wahrnehmung der Sicherheitslage abhängig. Sollte der Iran-Krieg andauern, wird sich das vor allem beim Tourismus in den arabischen Ländern und in der Türkei bemerkbar machen. Urlauber würden sich dann wohl andere Ziele aussuchen, etwa Spanien, Griechenland, Portugal oder Italien – oder Ziele in Fernost, die als sichere Option gelten. Für die Türkei könnte das aber auch eine Chance sein. Wenn es gelingt, als sicheres Reiseziel wahrgenommen zu werden, könnte die Türkei für Touristen attraktiv werden, die nicht in die Golfstaaten und den Nahen Osten reisen können", überlegt EKONOMI aus Istanbul.
Die dänische Zeitung POLITIKEN gibt zu bedenken, von der Wirtschaftskrise könnte vor allem Russland profitieren: "Donald Trump könnte so sehr mit der Weltwirtschaft und folglich mit seinem eigenen politischen Rückhalt beschäftigt sein, dass er bereit ist, Sanktionen gegen Russland zu lockern. Dann gäbe es mehr Öl auf dem Weltmarkt als Gegenmittel zu steigenden Preisen. Putin sieht auch neue Chancen, Druck auf die EU-Länder auszuüben, die in seinem Krieg auf der Seite der Ukraine stehen. Sie könnten ja Energieknappheit vermeiden, indem sie ihren Kurs gegenüber Russland verändern. Auf diese Weise ist der Krieg im Iran auch ein Stein in einem viel größeren globalen Spiel geworden", notiert POLITIKEN aus Kopenhagen.
"Warum geht Donald Trump so viele Risiken ein?", fragt die norwegische Zeitung AFTENPOSTEN: "Er hat viele unterschiedliche Erklärungen parat, warum die USA den Iran angegriffen haben. Aber eigentlich läuft es stets auf Trumps immer stärkeren Glauben an sich selbst hinaus. 'Nur ich kann das erledigen', war sein Motto im Wahlkampf. Jetzt aber gilt das nicht mehr nur für die USA, sondern für die ganze Welt. So war es nicht immer. In seiner ersten Amtszeit versprach er seinen Anhängern, keine neuen Kriege zu beginnen: Warum setzt er das jetzt aufs Spiel? Eine mögliche Erklärung ist, dass Donald Trump seine eigene Aufgabe inzwischen anders betrachtet als früher. Seit seinem Wiedereinzug ins Weiße Haus geht es überraschend oft um Außenpolitik. Er will nicht mehr nur Amerika wieder groß machen, sondern die Welt von bösen Kräften befreien. Das kann er nur, indem er sich über internationale Regeln und Gesetze hinwegsetzt. Aber wohin soll das noch führen?". Das war AFTENPOSTEN aus Oslo.
Die pan-arabische Zeitung SHARQ AL-AWSAT mit Sitz in London blickt auf das neue Oberhaupt des Iran: "Mit der Wahl von Mudschtaba Chamenei, dem Sohn des getöteten Revolutionsführers, steht das Land nun sozusagen unter der Herrschaft von Chamenei dem Zweiten. Damit hat der Iran quasi eine konfessionelle Erbmonarchie, ohne jegliche Legitimität. Diese Art nicht-monarchischer Erbfolge ist weltweit nicht einzigartig; Nordkorea etwa wird seit sieben Jahrzehnten von drei Mitgliedern der Kim-Familie regiert."
Die chinesische Zeitung HUANQIU SHIBAO findet, die Europäer müssten sich in der Weltpolitik neu positionieren: "Europas Rolle im Irankrieg besteht immer mehr nur darin, die Scherben zusammenzukehren, die Trump im Nahen Osten hinterlässt. Dabei wurden die europäischen Verbündeten vom US-Präsidenten vorab überhaupt nicht über die Militärschläge gegen den Iran informiert. Dies ist ein weiterer Beleg für die schleichende Auflösung des transatlantischen Bündnisses. Europa kann es sich aber nicht leisten, lediglich eine Zuschauerrolle einzunehmen. Schließlich liegt der Nahe Osten in unmittelbarer Nachbarschaft zur EU. Europa sollte gemeinsam mit der internationalen Staatengemeinschaft - zu der auch China gehört - daran arbeiten, dass multilaterale Regeln aufrechterhalten werden und einen nachhaltigen Frieden und Wohlstand anstreben. Nur so kann Europa zu einem angesehenen Partner in einer multipolaren Weltordnung werden", konstatiert HUANQIU SHIBAO aus Peking.
In Frankreich wurde gestern bei einer internationalen Konferenz über die Zukunft der Atomkraft gesprochen. Auch Ruanda war vertreten, das afrikanische Land plant den Einstieg in die Kernenergie. THE NEW TIMES aus Ruandas Hauptstadt Kigali erläutert: "Jahrzehntelang war die Kernenergie weitgehend den fortgeschrittenen Volkswirtschaften vorbehalten. Doch für Länder, die sich wie Ruanda um Industrialisierung bemühen, ist eine zuverlässige Stromversorgung kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Das Interesse Ruandas an Kernenergie ist daher nicht überraschend. Allerdings muss hierbei Ehrgeiz mit Vorsicht einhergehen. Kernenergieprojekte erfordern eine langfristige Finanzierung, strenge Aufsicht und nachhaltiges politisches Engagement. Sicherheitsstandards, wie sie beispielsweise von der Internationalen Atomenergie-Organisation festgelegt wurden, dürfen ebenfalls nicht verhandelbar sein. Aber am Ende kann es sich Afrika nicht leisten, bei den neuen Energietechnologien nur Zuschauer zu sein", stellt THE NEW TIMES aus Ruanda klar.
Auch die japanische Zeitung ASAHI SHIMBUN befasst sich mit dem Thema Kernenergie, allerdings aus einer anderen Perspektive. Das Blatt erinnert an den Unfall im Kernkraftwerk Fukushima, der sich heute jährt: "Vor fünfzehn Jahren haben wir spüren müssen, welche verheerenden Folgen eine Nuklearkatastrophe für das Leben von Menschen hat. Damals kam ganz Japan plötzlich zu der Einsicht, dass der Glaube an eine sichere Kernkraft mitverantwortlich für den Unfall in Fukushima war. Allerdings: Inzwischen sehen die Umfrage-Ergebnisse anders aus, und die Mehrheit der Bevölkerung ist für Wiederhochfahren der Atomkraftwerke. Dabei darf nicht vergessen werden, dass der Wiederaufbau der Region und der Lebensgrundlage vieler Menschen ebenso wie der AKW-Rückbau unvorstellbar schwierig und langwierig sind. Ohne Auseinandersetzung mit dieser Realität darf es keine Entscheidung über eine verstärkte Abhängigkeit Japans von der Kernenergie und über das Wiederhochfahren der stillgelegten Meiler geben", verlangt ASAHI SHIMBUN aus Tokio, und damit endet die Internationale Presseschau.
