12. März 2026
Die internationale Presseschau

Thematisiert werden die Entwicklungen im Iran-Krieg. Besonders die dadurch ausgelöste weltweite Energiekrise mit hohen Preisen für Kraftstoffe treibt die Kommentatoren um.

Öltanks am Teltowkanal, Lankwitz
Aufgrund der durch den Iran-Krieg ausgelösten weltweiten Energiekrise haben viele Länder ihre nationalen Ölreserven freigegeben. (picture alliance | Schoening (Symbolbild))
Die australische Zeitung SYDNEY MORNING HERALD geht auf die Freigabe von Ölreserven ein: "Die Entscheidung der Internationalen Energieagentur, angesichts der Auswirkungen des Iran-Kriegs auf die weltweiten Treibstoffmärkte die größte Freigabe von Ölreserven ihrer Geschichte zu veranlassen, ist ein Pflaster – keine Heilung. Die Freigabe der Reserven ist weder eine sofortige noch eine dauerhafte Lösung für die durch den Krieg verursachten Störungen auf dem Ölmarkt. Es könnte mehrere Wochen dauern, bis dieses Öl tatsächlich auf dem Markt ankommt. Dieser Konflikt hat gezeigt, dass der Iran keine nuklearen Fähigkeiten braucht, um enormen Einfluss auf den Rest der Welt auszuüben. US-Präsident Trump und seine Berater haben den Iran unterschätzt. Die Weltwirtschaft zahlt nun den Preis dafür", unterstreicht der SYDNEY MORNING HERALD.
Die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio notiert: "Trotz der Entscheidung für die Freigabe der Ölreserven sind die Preise bislang nicht so gesunken wie erhofft. Das hat folgenden Grund: Die Märkte treibt nämlich nicht die Sorge vor einer Ölknappheit um, sondern vielmehr die Befürchtung, dass dieser Krieg noch lange andauern und die Weltwirtschaft schwer belasten wird."
Israel ist von der weltweit herrschenden Ölkrise nur bedingt betroffen. Nach Ansicht der türkischen Onlinezeitung T24 aus Istanbul hat das folgenden Grund: "Israel bezieht sein Öl nach Angaben der Nichtregierungsorganisation 'Oil Change International' nicht aus den Golfstaaten, sondern aus Aserbaidschan, Kasachstan, Gabun, Brasilien, Nigeria, Kongo und Italien. Auch die Ölmultis aus den USA spielen eine große Rolle bei der Ölversorgung Israels. Irans Blockade der Straße von Hormus schadet also vor allem dem Land selbst, weil sie nicht dazu dient, Israels militärische Macht einzuschränken."
Die britische Zeitung THE TIMES führt aus: "Ein Fünftel der weltweiten Ölversorgung wurde bislang über die Straße von Hormus transportiert. Irans Drohung, jedes Schiff zu versenken, hat unmittelbare und potenziell katastrophale Auswirkungen auf die Wirtschaft der meisten Länder, insbesondere in Asien, das 60 Prozent seines Öls aus dem Golf bezieht. Seit Beginn des Krieges sind die Energiepreise erheblich angestiegen. Die Antwort muss ebenso entschlossen wie robust sein. Die Raketenstellungen, von denen aus der Iran seine schwindenden Bestände abschießt, müssen zerstört werden", fordert THE TIMES aus London.
Die österreichische Zeitung DER STANDARD blickt auf die hohen Preise an den Tankstellen und beleuchtet den Sachverhalt aus zwei unterschiedlichen Sichtweisen: "Für die Volkswirtschaft sind explodierende Energiepreise ein Problem. Wenn sich Benzin und Diesel rapide verteuern, erhöhen in der Folge Unternehmen ihre Preise, Gewerkschaften verlangen dann mehr Lohn – und wir sind wieder mitten in einer Teuerungsspirale. Diese zu unterbrechen, ist also geboten. Bei einem starken Anstieg des Ölpreises schießen die Gewinne der Raffinerien nach oben. Nun wird erwogen, diese Margen zu begrenzen. Der Staat greift ordnend ein, um Verwerfungen auszugleichen." Eine gegenteilige Meinung vertritt ein zweiter Kommentator der Zeitung: "Wer dieser Tage sein Auto volltankt, zahlt dafür zehn, fünfzehn Euro mehr als vor Ausbruch des Irankriegs. Nur für sozial Schwächere ist diese Preiserhöhung eine echte Belastung. Keinesfalls aber kann das ein Grund sein, jetzt nach staatlicher Subvention zu rufen. Die Regierung soll sinnvoll Sozialpolitik machen. Und ansonsten abwarten, wie sich die Preise mittelfristig entwickeln." Soweit die Auszüge aus dem Wiener STANDARD.
Die finnische Zeitung KARJALAINEN ist folgender Meinung: "Auch Finnland spürt die Folgen des Irankriegs in Form eines rapiden Anstiegs der Benzinpreise. Dadurch könnten die zarten Pflänzchen eines erneuten Wirtschaftswachstums wieder zunichte gemacht werden. Dabei hätte die Welt ihre Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen längst durch eine konsequente Energiewende beenden können. Die Welt wäre heute ein besserer Ort. Sie wäre weiter im Kampf gegen den Klimawandel. Öl könnte nicht länger für Kriege sorgen oder die Weltwirtschaft ins Wanken bringen. Aber der Mut für einen solchen Verzicht auf Öl fehlte auch, weil sich die Wähler in vielen Ländern einer Energiewende widersetzten. Jetzt zahlen alle dafür einen hohen Preis", beobachtet KARJALAINEN aus Joensuu.
Die in London erscheinende panarabische Zeitung AL ARABY AL-JADEED hält fest: "Die Sperrung der Straße von Hormus zeigt, wie bedeutend die Situation am Golf für den Rest der Welt weiterhin ist. Die globalen Lieferketten sind bei allem Fortschritt hinsichtlich Diversifizierung und Digitalisierung weiterhin anfällig für Energiekrisen. Zudem zeigt sich, dass die Energiewende langsamer voranschreitet als angenommen. Die Vernetzung der Weltwirtschaft bedeutet, dass jeder geopolitische Schock zwangsläufig auch wirtschaftliche Auswirkungen hat."
"Israel überdenkt seine Kriegsziele im Iran. Teheran soll nur noch schrittweise auf einen Regimewechsel vorbereitet werden", titelt die russische Zeitung NESAWISSIMAJA GASETA und erläutert: "Hauptgrund dafür ist die Widerstandsfähigkeit des Regimes, das nun schon zwölf Tage intensiver Angriffe überstanden hat. Hinzu kommt die wahrgenommene Bereitschaft der US-Regierung unter Präsident Trump, sich aus dem Militäreinsatz zurückzuziehen und formell den Sieg zu verkünden. Das israelische Kabinett scheint bereit zu sein, sich mit vagen Formulierungen zufriedenzugeben, wonach die derzeitige Operation die Voraussetzungen für einen allmählichen Regimewechsel schaffen und Teheran seiner militärischen Macht und seines Unterdrückungsapparats berauben werde. Die israelische Führung hält einen Regimewechsel im Iran weiterhin für möglich – nur eben nicht schnell", bemerkt die Moskauer NESAWISSIMAJA GASETA.
Die dänische Zeitung POLITIKEN widmet sich der Haltung internationaler Regierungschefs zum Irankrieg:  "Es ist bezeichnend, dass Kanadas Premierminister Carney noch kürzlich in Davos als Leuchtturm der regelbasierten Weltordnung gepriesen wurde, nun aber mit vorsichtigem Verständnis auf den Angriff der USA und Israels gegen den Iran reagiert. Das Muster wiederholt sich bei vielen westlichen Staatslenkern. Auch Deutschlands Kanzler Merz äußerte Verständnis für den tollkühnen Angriff, Frankreichs Macron sprach vom Stopp des iranischen Atomprogramms und EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen warnte vor der destabilisierenden Rolle des Iran. Nur wenige wie Spaniens Premier Sánchez haben es gewagt, vor den langfristigen Konsequenzen für das Völkerrecht zu warnen. Es gibt viele Gründe, das iranische Regime zu kritisieren, für sein Atomprogramm, seine Stellvertreterkriege und seine Brutalität gegenüber der eigenen Bevölkerung. Aber das rechtfertigt keine solche Doppelmoral", meint POLITIKEN aus Kopenhagen.
Ein Gastkommentator der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG erwartet kein schnelles Ende des Krieges: "Die interne Struktur Irans ist immer weniger in der Lage, einen Verhandlungspartner hervorzubringen. In der Anfangsphase des Krieges wurden zudem viele der Persönlichkeiten eliminiert, die die Vereinigten Staaten insgeheim als potenzielle Gesprächspartner betrachteten: hochrangige iranische Beamte, die als pragmatisch galten. US-Präsident Trump selbst räumte dies mit ungewöhnlicher Offenheit ein: 'Die meisten der Leute, die wir im Auge hatten, sind tot.' Die Enthauptung war so erfolgreich, dass sie die Voraussetzung für die Strategie der USA selbst zunichtemachte. Womöglich werden die USA Iran weiter militärisch schwächen, aber dabei gleichzeitig das Einzige zerstören, was zur Beendigung des Konflikts unabdingbar ist: einen iranischen Staat, der stark genug ist, ein Friedensabkommen zu schließen – und durchzusetzen."