
DER STANDARD aus Österreich zeigt sich besorgt: "Wenn die Trump-USA aus dem Irankrieg mit einem Nicht-Sieg aussteigen, triumphieren die zerstörerischen Mächte, vor allem China und Russland. Die USA als Ordnungsfaktor sind endgültig abgemeldet. Israels Autokrat Netanjahu kann endlich seine territorialen Ziele vorantreiben: Besetzung des Südlibanon, Verwandlung von Gaza in ein Protektorat, de facto oder formale Annexion des Westjordanlandes. Wenn die Ölkrise eine Wirtschaftskrise auslöst, gewinnen in Europa die extrem rechten Parteien, die ohnehin die EU zerschlagen und bei Putin unterkriechen wollen, entscheidend an Boden", warnt DER STANDARD aus Wien.
Die in London erscheinende pan-arabische Zeitung AL ARABY AL-JADEED kritisiert die Abhängigkeit einiger Golfstaaten vom US-amerikanischen Militär: "Es zeigt sich immer klarer, dass die Stützpunkte im Golf vor allem errichtet wurden, um die Länder der Region am Aufbau starker Armeen zu hindern – unter dem Vorwand, die Vereinigten Staaten würden sie schützen. So haben diese Staaten es versäumt, Waffen aus anderen Ländern wie China, Russland und anderen europäischen Staaten zu importieren und zu einer eigenständigen militärischen Macht zu werden", meint die pan-arabische AL ARABY AL-JADEED.
Die Zeitung KARAR aus der Türkei beschäftigt sich damit, dass die Herrscher in Dubai Aufnahmen von Explosionen nach iranischem Beschuss verboten haben: "Dubai war mit seiner liberalen Wirtschaft die leuchtende Perle des Golfs und beeindruckte mit seinem einzigartigen Modell des freien Lebens. In Panik haben die Machthaber zu Einschränkungen gegriffen und damit den Zauber mit eigenen Händen gebrochen. Wer Aufnahmen von Explosionen macht – ob Tourist oder Einheimischer –, wird wahllos festgenommen und mit zwei Jahren Haft oder einer hohen Geldbuße bestraft. Diese Verbote sorgen nun weltweit für Schlagzeilen und machen deutlich, dass der Dubai-Traum ausgeträumt ist. Der Glanz Dubais wurde eher durch die Verbote zum Schutz des Images getrübt als durch die iranischen Raketen", urteilt KARAR aus Istanbul.
Die norwegische Zeitung VERDENS GANG kommentiert die Situation im Iran zwei Wochen nach dem Tod des obersten Führers Chamenei: "Für die Bevölkerung in Teheran ist das Freudenfeuerwerk durch Drohnenangriffe ersetzt worden. Die erste Euphorie nach dem Sturz eines autoritären Anführers ist ein bekanntes Phänomen. Nach dem Sturz der Taliban jubelten Afghanen, aber dann zeigte sich, dass der Sturz eines brutalen Regimes selten der Weg in die Freiheit ist. Im Iran hat der Krieg bislang weder das Regime gestürzt, noch hat er zu dem von Trump erhofften Aufstand der Massen geführt - nicht weil es am Willen fehlt, sondern weil der Krieg das Regime noch viel gefährlicher gemacht hat. Noch steht längst nicht fest, wer das letzte Wort zum Krieg gegen den Iran hat. Aber bekannt ist auch: Der Sieg gehört selten dem, der ihn als Erster ausruft", erinnert VERDENS GANG aus Oslo.
Die in Dublin erscheinende Zeitung THE IRISH TIMES blickt auf das Vorgehen der USA im Iran-Krieg: "Das vielleicht Beunruhigendste an Trumps alleiniger Konzentration auf den Luftkrieg ist die gefährliche Illusion, dass das iranische Volk – unbewaffnet und ungeschützt vor den skrupellosen Schlägern der Revolutionsgarde – bereit und in der Lage sein könnte, sich zu erheben und das Regime zu stürzen. Trump riskiert damit weitere Massaker an Zivilisten, ohne den Demonstranten eine realistische Aussicht auf Erfolg zu bieten. Da ihm eine klare Strategie fehlt und er vom Ausmaß des iranischen Widerstands überrascht wurde, wird Trump Mühe haben, einen Ausweg zu finden, ohne ein schreckliches Chaos zu hinterlassen", ist THE IRISH TIMES aus Irland überzeugt.
Zu den wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs schreibt die spanische Zeitung DIARIO DE NOTICIAS: "Die iranische Bevölkerung verarmt, während die US-amerikanischen Öl- und Rüstungsunternehmen enorme Gewinne machen. US-Konzerne wie ExxonMobil und Chevron profitieren von steigenden LNG-Verkäufen, Rüstungskonzerne wie Lockheed Martin und Northrop Grumman erhalten zusätzliche Aufträge. Die Arbeitslosigkeit in den USA ist dagegen gestiegen, ebenso die Benzinpreise. Die Märkte sind in Aufruhr und Lieferketten geraten durcheinander. Immer erfolgt allenfalls eine überstürzte Reaktion, die wiederum unabsehbare Folgen nach sich zieht und nur dazu führt, dass bestimmte Unternehmen von diesem Chaos profitieren. Washington hat keinen Plan für die Zeit nach dem Krieg, sondern verfolgt lediglich bestimmte Wirtschaftsinteressen", beklagt DIARIO DE NOTICIAS aus Pamplona.
"Russland ist der einzige Gewinner des Iran-Krieges", titelt die polnische RZECZPOSPOLITA und fährt fort: "Im Februar schienen sich die Russen in einer verzweifelten Lage zu befinden. Ihre Devisenreserven schmolzen rapide dahin und der Ölpreis auf den internationalen Märkten stürzte ab. In Moskau befürchtete man, dass die finanziellen Mittel für die Fortsetzung des Krieges bald erschöpft sein würden. Nun kann der Kreml optimistischer in die Zukunft blicken. Nach Medienberechnungen verdient Russland 150 Millionen Dollar pro Tag durch den von Donald Trump ausgelösten Krieg gegen den Iran. Mindestens ebenso wichtig für Moskau ist jedoch die Tatsache, dass den USA im Nahen Osten zunehmend die Hände gebunden sind. Sie verbrauchen dort Munition in einem solchen Tempo, dass sie diese bald nicht mehr an die Europäer verkaufen können, die sie bislang an die Ukrainer weitergaben", analysiert die RZECZPOSPOLITA aus Warschau.
Ähnlich sieht es die italienische Zeitung CORRIERE DELLA SERA: "Putin ist ein Tyrann im Glück. Trumps falsche Annahme, im Iran einen Regimewechsel auf dieselbe Weise wie in Venezuela herbeiführen zu können, erweist sich als Glücksfall für Putin: Je länger der Krieg im Iran dauert, desto mehr steigt der Ölpreis, desto mehr füllen sich die russischen Kassen im Hinblick auf neue Runden gegen den armen ukrainischen Präsidenten Selenskyj. In Moskau, dem nominellen Verbündeten Teherans, lächelt jemand insgeheim", beobachtet der CORRIERE DELLA SERA aus Mailand.
Zur Haltung Europas angesichts des Iran-Kriegs bemerkt der Schweizer TAGES-ANZEIGER: "Die Europäer wollten den Krieg nicht, den die USA und Israel seit zwei Wochen gegen den Iran führen. Mit dessen Folgen müssen sie dennoch leben. Auf die Regierungen in Washington, Jerusalem und Teheran haben Berlin, Paris oder Brüssel so wenig Einfluss wie vielleicht noch nie. Sie können die Einhaltung des Völkerrechts anmahnen, sie können ein baldiges Kriegsende wünschen. Durchsetzen können sie ihre Forderungen nicht", stellt der TAGES-ANZEIGER aus Zürich fest.
Zum Schluss noch ein Blick nach Grönland: Dort ist die sozialdemokratische Partei Siumut um Außenministerin Motzfeldt aus der Koalitionsregierung ausgetreten. Dazu heißt es in der dänischen Zeitung POLITIKEN: "Bei den Wahlen vor einem Jahr hatte Siumut eine heftige Niederlage erlitten, aber trotzdem beschlossen, sich an der Koalitionsregierung aus vier der fünf im Parlament vertretenen Parteien zu beteiligen. Das sollte ein klares Signal an US-Präsident Trump sein: Grönland stand geeint angesichts der Drohungen einer Übernahme der Insel durch die USA. Grönlands Regierungschef Nielsen zeigte sich nun enttäuscht über den Rückzug von Siumut und auch für Dänemarks Regierungschefin Frederiksen ist das ein schwerer Schlag. Eine große Überraschung war der Austritt aus der Regierung dagegen nicht. Die Wahlniederlage im letzten Jahr wurde parteiintern so gedeutet, dass der Abstand zu den Kernwählern zu groß geworden sei. Außerdem passte der Partei die Rolle als Juniorpartnerin nicht. Aber die Entscheidung macht es Grönland und Dänemark schwerer, eine Front gegen die USA zu bilden - und Donald Trump kann sich freuen", resümiert die in Kopenhagen erscheinende Zeitung POLITIKEN.
