
"Donald Trumps Planlosigkeit ist schockierend. Dabei hat er selbst die grundlegendste Vorsichtsmaßnahme vernachlässigt: Er begann den Krieg, als die strategischen US-Ölreserven nur zur Hälfte gefüllt waren – obwohl er in seiner Antrittsrede versprochen hatte, die Reserven wieder vollständig aufzufüllen. Und was ist überhaupt der Sinn des ganzen Unterfangens? Die Welt wartet auf eine schlüssige Erklärung", stellt der SYDNEY MORNING HERALD fest.
Die NEW YORK TIMES moniert: "Der Krieg ist zu einem Paradebeispiel geworden für Trumps chaotische, von seinem Ego getriebene Art, das Präsidentenamt auszuüben. Für den Einsatzbefehl zum Angriff auf den Iran vertraute er ausschließlich einem ausgewählten, kleinen Beraterkreis. Trump umging damit im Gegensatz zu früheren Präsidenten den sorgfältigen Abstimmungsprozess, der dazu dient, Einwände und potenzielle Probleme aufzudecken. Er hat lächerliche und widersprüchliche Erklärungen abgegeben, darunter die Behauptung, der Krieg habe seine Ziele fast erreicht. Er hat versucht, die Welt über den tragischen Tod Dutzender iranischer Schulkinder zu täuschen, der durch eine fehlgeleitete amerikanische Rakete verursacht wurde. Fast täglich zeigt Trump, warum man ihm die wichtigsten Regierungsangelegenheiten nicht anvertrauen kann", heißt es in der NEW YORK TIMES aus den USA.
Die in London erscheinende panarabische Zeitung AL ARABY AL-JADEED bemerkt: "Die globale Ölpreiskrise wird Auswirkungen auf die wirtschaftlichen, finanziellen und Lebensbedingungen in Amerika und anderswo haben, was Trump erheblich unter Druck setzt. Dies gilt umso mehr, als der Iran noch erhebliche Druckmittel auf die Verbündeten der USA am Golf hat. Er könnte die Stromnetze attackieren und die Region in Dunkelheit hüllen. Er könnte die Entsalzungsanlagen attackieren und die Trinkwasserversorgung außer Kraft setzen. Und ein Angriff auf Ölanlagen könnte einen gewaltigen Flächenbrand provozieren", mahnt AL ARABY AL-JADEED aus London.
Die türkische Zeitung STAR stellt fest: "Trump glaubte, dass die Tötung des Obersten Führers Khamenei das Regime zu Fall bringen würde. Doch Khamenei wurde nur durch eine jüngere und wütendere Version ersetzt. Es waren Anhänger des Regimes und nicht Mitglieder der Opposition, die aus ihren Häusern kamen. Die Pläne der USA sind gescheitert. Und niemand will die Last der USA übernehmen", notiert die Zeitung STAR aus Istanbul.
Der britische GUARDIAN befürchtet eine Ausweitung des Kriegs: "Erschwerend kommt Israels Versuch hinzu, Irans Stellvertreterorganisation Hisbollah im Libanon mit einer Invasion vollständig zu vernichten, wodurch fast eine Million Menschen vertrieben wurden. Wenn Kriege sich auf mehrere Fronten ausweiten, hat niemand mehr die Eskalation unter Kontrolle. Und da sind ja auch noch die Huthis. Sollten sich Teherans jemenitische Verbündete dem Kampf anschließen, würde der Konflikt vom Libanon über den Golf bis zum Roten Meer wüten", warnt der GUARDIAN aus London.
Die polnische Zeitung RZECZPOSPOLITA mahnt: "Trump hat bereits angekündigt, sich nach dem Iran auf Kuba zu konzentrieren, mit dem er ein Abkommen schließen oder - wie er sagte - 'das Notwendige tun' wolle. Da der Versuch, ein Abkommen mit dem Iran zu erzielen, mit Luftangriffen auf Teheran endete, bestehen Bedenken hinsichtlich des Ausgangs der Verhandlungen mit den kommunistischen Machthabern in Havanna. Wird Trump auch dann die NATO um Hilfe bitten?", fragt RZECZPOSPOLITA aus Warschau.
Mit Blick auf Trumps Forderung nach Hilfe der NATO-Verbündeten und die folgende Ablehnung stellt die spanische Zeitung EL PAÍS heraus: "Glücklicherweise stieß Trump sowohl bei NATO-Staaten als auch bei Ländern außerhalb dieses Bündnisses wie Japan oder Australien auf entschiedenen Widerstand. Nun muss Trump die Konsequenzen tragen. Anstatt seinen Einsatz zu verdoppeln und seine Verbündeten zu bedrohen, muss er unverzüglich nach einem Ausweg aus einem Konflikt suchen, der zunehmend außer Kontrolle gerät", verlangt EL PAÍS aus Madrid.
Bundesverteidigungsminister Pistorius hat zum Iran erklärt, dass sei "nicht unser Krieg". In der japanischen Zeitung ASAHI SHIMBUN heißt es in einem Gastkommentar: "Das sollte sich die japanische Regierung, die bislang auf Trumps Forderung noch keine Antwort gegeben hat, unbedingt zum Vorbild nehmen. Aus historischen Gründen ist Deutschland zwar zu tolerant, was Israels Aktionen anbelangt. Diesmal hat die Bundesregierung aber ihre Standhaftigkeit bewiesen – was auch ein Beweis dafür ist, dass dieser Krieg weder ein richtiges Ziel noch eine Rechtfertigung besitzt", kommentiert ASAHI SHIMBUN aus Tokio.
Die tschechische Zeitung LIDOVE NOVINY schreibt: "Die NATO ist aus Trumps Sicht kein Bündnis mit klar definierten Regeln und einer gemeinsamen Strategie, sondern seine persönliche Dienstleistungsorganisation - etwas zwischen einer Sicherheitsagentur und einem Reinigungsdienst. Doch die demokratischen Staaten dürfen sich darauf nicht einlassen, denn sie würden sich damit zu Handlangern von Kräften machen, über die sie keine Kontrolle ausüben. Der Zerfall der NATO hat bereits begonnen. Er wird nicht dadurch aufgehalten, dass man für Trump die Kastanien aus dem Feuer holt", folgert LIDOVE NOVINY aus Prag.
Die belgische Zeitung DE TIJD analysiert: "Ein Kontinent, der so energieabhängig ist wie Europa, kann zwar behaupten, militärisch nicht im Krieg zu stehen, aber wirtschaftlich muss er doch Schläge einstecken, vor allem, wenn sich das noch eine Weile hinzieht. Europa muss hoffen, dass Trump zu seinen von ihm selbst deklarierten Qualitäten als Dealmaker zurückfindet und die Iraner dann auch mitziehen. Sonst sieht es verdammt düster aus", warnt DE TIJD aus Brüssel.
Die schwedische Zeitung DAGENS INDUSTRI meint: "Deutschland hat bereits mitgeteilt, keine Schiffe zu schicken, und Schweden hat auch keine solchen Pläne. Anders Frankreich, und auch aus Brüssel kommen Signale von der EU-Kommission, man könne sich eine Ausweitung des Marine-Einsatzes im Roten Meer vorstellen. Gut so. Wer sich dazu berufen fühlt, kann das tun und bekommt dafür von Trump ein Sternchen ins Heft. Aber nur weil der US-Präsident nach der NATO ruft, heißt das nicht, dass alle ihrer Mitglieder ausrücken müssen. Die europäischen Länder haben einen eigenen Willen, und es ist nur gut, wenn sich Trump daran gewöhnt", unterstreicht DAGENS INDUSTRI aus Stockholm.
Das britische Blatt THE TELEGRAPH argumentiert: "Gefährdet ist das Öl und Gas, das für NATO-Staaten bestimmt ist. Deshalb müssen diese Staaten ihre Verantwortung wahrnehmen, ganz gleich, was sie von den Motiven für den Krieg halten. Es geht hier nicht darum, einfach nur Trumps Befehle auszuführen, sondern die Realitäten unserer aktuellen Lage anzuerkennen, heißt es der Zeitung THE TELEGRAPH aus London.
Die Zeitung JINGJI RIBAO aus Taiwan befindet: "Sollten die hohen Ölpreise anhalten, könnten der Inflationsdruck, die Turbulenzen an den Finanzmärkten und die Rezessionsgefahr weltweit im Gleichschritt zunehmen. Für die Notenbanken wird dann der Balanceakt zwischen der Aufrechterhaltung des Wirtschaftswachstums und der Preisstabilisierung immer schwieriger. Industrieländern ohne fossile Energieträger wie Taiwan bleibt nur die Strategie, den Umstieg auf erneuerbare Energiequellen voranzutreiben und sich damit von der Abhängigkeit vom Erdöl zu befreien", emfpiehlt die in Taipeh erscheinende JINGJI RIBAO.
Die mexikanische Zeitung LA RAZON resumiert: "Mit Kriegen lassen sich Wahlen gewinnen, aber auch verlieren. Es ist beunruhigend, dass Donald Trump nicht einmal formell den Krieg erklärt und auch keine Genehmigung eingeholt hat: Er hat ganz einfach gehandelt. Nun wird der Iran bombardiert, der Konflikt eskaliert weiter, und im Weißen Haus schwankt man zwischen der Ausrufung des Sieges und dem Eingeständnis, dass niemand weiß, wann der Krieg enden wird - und wie."
