
"Wird die Karibik-Insel Trumps nächstes Ziel? Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Gefragt, ob er den Krieg im Iran abschließen und sich auf Kuba konzentrieren wolle, gab Trump zu verstehen, dass er auch mehrere Regimes gleichzeitig im Blick haben könne. Außerdem hat Außenminister Marco Rubio kubanische Wurzeln. Für ihn ist Kuba nicht nur eine politische, sondern auch eine persönliche Angelegenheit", ist in VERDENS GANG aus Oslo zu lesen.
Die kolumbianische Zeitung EL TIEMPO betont: "Kuba steckt in einer tiefen Krise: Es herrscht Treibstoffknappheit, es kommt zu regelmäßigen Stromausfällen, und der Druck aus Washington auf das Regime von Miguel Díaz-Canel wächst. Es ist unklar, ob wir gerade Zeugen der Durchführung eines sorgfältig erstellten Plans oder einer Abfolge undurchdachter Entscheidungen ohne Beratung mit Experten erleben", hält EL TIEMPO aus Bogotá fest.
Mit Joseph Kent trat Trumps Terrorismusberater wegen des Irankriegs zurück, was Thema in der Zeitung EL CARIBE aus der Dominikanischen Republik ist: "Der Krieg sei von Israels Premierminister Benjamin Netanjahu und der einflussreichen Lobby Israels in den USA initiiert worden, während es keine unmittelbare Bedrohung für die USA durch den Iran gegeben habe, sagte Kent zur Begründung. Außer Kent haben auch andere hochrangige Beamte eingeräumt, man habe den Iran angegriffen, weil man von einer bevorstehenden Intervention Israels gewusst habe. Im Wahlkampf hatte Donald Trump erklärt, keine weiteren Kriege im Nahen Osten beginnen zu wollen. Nun aber hat er sich selbst in eine Falle manövriert und findet keinen Ausweg", unterstreicht EL CARIBE aus Santo Domingo.
Die Tötung von Irans Sicherheitschef Ali Laridschani ist Thema in der Zeitung ASAHI SHIMBUN aus Japan: "Laridschani galt als Strippenzieher des Regimes, der mit den Revolutionsgarden zusammenarbeiten kann und parallel als Realpolitiker für Verhandlungsbereitschaft stand. Nicht nur für den Iran ist der Verlust einer der einflussreichsten Persönlichkeiten des Landes ein Schlag. Die von Israel durchgeführte Tötung Laridschanis bringt die USA wohl am meisten in Schwierigkeiten, weil Washington noch nach Verhandlungspartnern suchen dürfte", bemerkt ASAHI SHIMBUN aus Tokio.
Die Zeitung THE TIMES aus Großbritannien warnt: "Selbst Israel könnte eines Tages die praktischen Auswirkungen von Laridschanis Tod hinterfragen. Denn in der Vergangenheit wurden Feinde ausgeschaltet, an deren Stelle dann Gegner traten, die noch tatkräftiger und unerbittlicher waren. Netanjahu hofft vielleicht, die Wiederholung einer solchen Entwicklung vermeiden zu können. Es könnte aber auch sein, dass ihm das angesichts seiner Entschlossenheit, die Stärke Israels zu demonstrieren, mittlerweile egal ist", vermerkt THE TIMES aus London.
Die libanesische Zeitung AL NAHAR erläutert: "Laridschanis Präsenz wirkte als ausgleichende Kraft innerhalb des Entscheidungsapparats. Zugleich sorgte sie dafür, dass die diplomatischen Kanäle in kritischen Momenten offen blieben. Das dürfte man auch in den USA und Israel wissen. So lässt sich seine Tötung als Indiz für den Eskalationswillen der USA und Israels deuten - oder als Folge einer Fehleinschätzung", stellt AL NAHAR aus Beirut fest.
Die Zeitung XINMIN WANBAO aus Taiwan wendet dagegen ein: "Bislang hatte Laridschani als Pragmatiker gegolten, der sich zwischen den Hardlinern und den Reformen im Führungskreis des Landes bewegte. Nach der jüngsten militärischen Eskalation hat er jedoch eine harte Haltung eingenommen. Dies könnte der Grund sein, warum er von Israel, das ihn als de-facto-Führer bezeichnet hat, durch das Attentat ausgeschaltet wurde", so die in Taipeh erscheinende XINMIN WANBAO.
Die polnische Zeitung RZECZPOSPOLITA thematisiert das Verhältnis zwischen Trump und der restlichen NATO: "Trump weiß offenbar keinen Ausweg aus der Situation, in die ihn Netanjahu manövriert hat. Dieser Krieg hatte weder einen klaren Grund noch klar definierte Ziele. Der Versuch, NATO-Staaten zu erpressen – deren Meinung Trump vor dem Angriff auf den Iran nicht einholte – ist daher ein Akt der Verzweiflung. Und zugleich eine Eskalation", notiert die RZECZPOSPOLITA aus Warschau.
Die niederländische Zeitung DE VOLKSKRANT bemerkt: "Trump erklärte am Dienstag, er brauche überhaupt keine Hilfe, um die Straße von Hormus für den Schiffsverkehr freizumachen. Nun stellt sich natürlich die Frage, warum Trump die NATO-Staaten dann überhaupt um Hilfe gebeten hat. Wollte er lediglich ihre Loyalität auf eine Weise testen, die auch gut in das Drehbuch von 'Der Pate' gepasst hätte? Oder erklärte er hastig, niemandes Hilfe zu benötigen, nachdem alle sie verweigert hatten? Wie dem auch sei, die Beziehungen zwischen den Verbündeten haben damit einen neuen Tiefpunkt erreicht", heißt es in DE VOLKSKRANT aus Amsterdam.
Die australische Zeitung SYDNEY MORNING HERALD meint: "Verbündete werden kritisiert, wenn sie keine Hilfe anbieten, und herabgewürdigt, wenn sie es tun. Trump handelt ein bisschen wie ein Kind, das auf dem Schulhof ausgegrenzt wird und, nachdem es von jeder Gruppe ausgeschlossen wurde, behauptet, es habe sowieso nie mitspielen wollen", moniert der SYDNEY MORNING HERALD.
Das WALL STREET JOURNAL aus den USA notiert: "Trump zieht stets die US-Machtdemonstration vor, was zweifellos auf europäische Befindlichkeiten stößt. Aber Trump hat ein gutes Gedächtnis und Europa kann sich ohne amerikanische Militärmacht schlichtweg nicht verteidigen. Das Tragische an dieser Spaltung des Westens ist, dass Iran, Russland und China die wahren Gewinner sind", folgert das WALL STREET JOURNAL aus New York.
Die australische Zeitung THE AGE mahnt zum steigenden Rohölpreis: "Die wirklich wichtigen Auswirkungen betreffen Produkte, die nicht so roh sind. Denn die Endverbraucher von Rohölprodukten konsumieren nicht das Rohöl selbst, sondern die Erzeugnisse, die in den Raffinerien daraus hergestellt werden. Dazu gehören Benzin und Diesel, Kerosin, Rohstoffe für Kunststoffe, Düngemittel, Lösungsmittel und sogar Kosmetika und Seife. Die Folgen wirken sich nicht nur auf die Preise, sondern auch auf die Verfügbarkeit aus", erinnert die Zeitung THE AGE aus Melbourne.
Die türkische Zeitung HÜRRIYET aus Istanbul analysiert mögliche Ausweichrouten für den Transport von Erdöl: "Die Pipeline in Abu Dhabi, die vor rund 20 Jahren zur Reduzierung der Abhängigkeit von der Straße von Hormus gebaut wurde, führt zum Hafen Fudschaira am Golf von Oman. Da dieser jedoch in Reichweite iranischer Drohnenangriffe liegt, gilt die Route derzeit nicht als verlässlich. Die zweite Option ist eine Pipeline in Saudi-Arabien, die das Öl vom Osten ins Rote Meer transportiert. Doch auch hier bestehen Einschränkungen: Große Öltanker können den nur 24 Meter tiefen Suezkanal nicht passieren und müssen daher die Straße von Bab al-Mandab nutzen – ein Gebiet, in dem die Huthi-Milizen Angriffe auf Schiffe angekündigt haben. Insgesamt gibt es derzeit keine vollständig sichere Alternative, die reibungslose Öllieferungen garantiert", erklärt HÜRRIYET aus Istanbul.
Die spanische Zeitung EL PAÍS argumentiert in Bezug auf die Energieversorgung Europas: "Der Weg zur strategischen Unabhängigkeit der EU erfordert eine Beschleunigung der Investitionen in saubere Technologien und einheimische Energiequellen. Die Herausforderungen der Kernenergie sind nach wie vor dieselben: exorbitante Baukosten, lange Bauzeiten, Sicherheitsrisiken und die Lagerung radioaktiver Abfälle auf ewige Zeit. Erneuerbare Energien sind eine viel kostengünstigere Quelle, mit minimalen Risiken und einfach zu installieren. Sie sind unerlässlich, aber nicht jederzeit verfügbar. Das Bekenntnis zu Erneuerbaren als Energie der Zukunft ist aber nicht unvereinbar mit der Nutzung bestehender Kraftwerke."
