
Die polnische Zeitung RZECZPOSPOLITA geht davon aus, dass die bisherige Weltordnung zerbrechen wird - weil die USA unter Trump sie nicht weiter stützen werden: "Das gesamte fragile Gleichgewicht im Nahen Osten wurde von den Vereinigten Staaten aufrechterhalten, die Militärstützpunkte an strategisch wichtigen Orten unterhielten. Wir haben eine Illusion erschaffen, die teils auf Täuschungen, teils auf amerikanischer Macht beruht. Und genau das hören wir jetzt von Trump: Es reicht, Schluss damit! Er ist es, der uns die Illusionen nimmt. Unsere Welt zerfällt, und Trump spricht nur aus, was wir bisher nicht wahrhaben wollten", notiert die RZECZPOSPOLITA aus Warschau.
Ein Ende der bestehenden Weltordnung könnte vor allem China zugute kommen, glaubt die in Ramallah erscheinende, palästinensische Zeitung AL HAYAT AL-JADEEDA: "Der Regierung in Peking kommt es äußerst gelegen, dass sich Israel und die USA in diesem Krieg bis auf das Äußerste erschöpfen. Denn dies dürfte nicht nur die israelischen Ambitionen in der Region zum Scheitern bringen, sondern auch zu einem gewissen Rückgang des globalen Einflusses der USA führen. Damit stünde die Tür für eine neue multipolare Weltordnung weit offen", vermutet AL HAYAT AL-JADEEDA.
DER STANDARD aus Wien sieht schon jetzt die USA als klaren Verlierer: "Für Trump ist die Kriegsbilanz katastrophal; sie gefährdet das Image der US-Militärmacht und untergräbt seine innenpolitische Autorität. Der Iran muss dafür neben den vielen Toten in der Führung und der Zivilgesellschaft auch schlimme Schäden an seiner Infrastruktur und seiner Wirtschaft in Kauf nehmen. Aber nicht kapitulieren zu müssen, ist für Teheran schon ein Erfolg", glaubt die österreichische Tageszeitung DER STANDARD.
Die italienische Zeitung LA STAMPA sieht große Unterschiede zwischen Israel und den USA, was die Ziele im Krieg gegen den Iran angeht. Wendepunkt sei der Angriff auf das South-Pars-Gasfeld im Iran gewesen: "Trump bestritt eine direkte Beteiligung und betonte, nicht im Voraus informiert worden zu sein. Das ist nicht nur eine Klarstellung. Es ist ein politisches Signal. Denn hinter dieser Stellungnahme verbirgt sich eine komplexere Dynamik: Während Washington versucht, die Eskalation einzudämmen, deuten verschiedene Berichte darauf hin, dass die Abstimmung mit Israel schwächer war als öffentlich zugegeben wurde. Der Punkt ist, dass die USA und Israel nicht mehr denselben Krieg führen", mutmaßt LA STAMPA aus Turin.
"Trump scheint dem Takt Israels blind zu folgen", analysiert die chinesische Zeitung JIEFANG RIBAO. Die Vereinigen Staaten hätten sich schon teilweise davon verbschiedet, die Richtung in diesem Konflikt vorzugeben: "Dem US-Präsidenten fehlt es an Zielsetzung und Strategie. Dabei gerät seine Regierung innenpolitisch stark unter Druck. Die signifikant gestiegenen Preise gefährden seine Popularität und einen gesichtswahrenden Ausstieg findet er nicht. Bereits jetzt steht fest, dass Amerika nicht auf der Gewinner-Seite steht", lautet die Konklusion von JIEFANG RIBAO aus Schanghai.
Die australische Zeitung THE AGE glaubt, dass das Verhalten Israels im Krieg gegen den Iran mit persönlichen Interessen des israelischen Regierungschefs Netanjahu zu erklären ist: "Für ihn steht enorm viel auf dem Spiel. Das Amt des Ministerpräsidenten hat es ihm ermöglicht, seinen Korruptionsprozess in die Länge zu ziehen. Darin wird ihm vorgeworfen, politische Gefälligkeiten gegen Luxusgeschenke und wohlwollende Medienberichterstattung eingetauscht zu haben. Ein Machtverlust würde ihn rechtlich angreifbarer machen. Ein entscheidender Sieg über den Iran wäre für Netanjahu die Leistung seines Lebens", ist THE AGE aus Melbourne überzeugt.
Das in Stockholm erscheinende SVENSKA DAGBLADET hält noch die Hoffnung auf einen Regimewechsel im Iran aufrecht - und sieht diesen auch vom Völkerrecht gedeckt: "Nachdem der Krieg nun einmal begonnen wurde, muss er auch mit einem Regimewechsel enden. Das iranische Volk muss letztlich seine Befreiung selbst herbeiführen. Dafür hat es um ausländische Hilfe gebeten, und dann ist es auch vertretbar, sie zu gewähren", argumentiert die schwedische Zeitung SVENSKA DAGBLADET.
Die slowakische Tageszeitung PRAVDA glaubt dagegen nicht, dass sich die Machtverhältnisse im Iran ändern werden: "Israel und die USA wurden von Teheran total überrascht. Die massiven Bombardements strategischer Punkte im Iran und das Töten führender Vertreter des Staates haben das Regime nicht zu Fall gebracht. Eine Opposition ohne Waffen hat keine Chance, das stark bewaffnete Regime zu stürzen. Und ohne die ethnischen Minderheiten wie Kurden, Aserbaidschaner, Belutschen und Araber in den Konflikt zu ziehen oder Bodenoperationen zu beginnen, gibt es keine Aussicht auf Erfolg. Das aber wäre schon ein offener Krieg. Tel Aviv und Washington warten deshalb noch ab, ob es nicht doch eine Umgruppierung der Kräfte innerhalb des Regimes gibt. Warten können sie aber nicht wochenlang", gibt PRAVDA aus Bratislava zu bedenken.
Und die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN beschäftigt sich in einem Gastkommentar mit der Frage, welche Rolle Japan in dem Konflikt spielen könnte: "Solange sich die Straße von Hormus unter dem iranischen Einfluss befindet, erreichen die USA und Israel ihren strategischen Sieg nicht. Donald Trump kritisiert die NATO-Staaten scharf, weil sie sich bezüglich der Hilfe zur Sicherung der Straße von Hormus bisher eher zurückhaltend zeigen. In Wirklichkeit dürfte Trump eine Spaltung des transatlantischen Bündnisses gerade in dieser Kriegssituation aber vermeiden wollen. Die japanische Regierung könnte einen Beitrag leisten, indem sie eine politische Vermittlerrolle übernimmt", regt der Gastkommentator der in Tokio erscheinenden NIHON KEIZAI SHIMBUN an.
Mit dem EU-Gipfel und dem Veto des ungarischen Ministerpräsidenten Orbán gegen einen Kredit für die Ukraine beschäftigt sich POLITIKEN aus Kopenhagen: "Die übrigen Staatslenker sind sich darin einig, dass Viktor Orbán dieses Mal endgültig zu weit gegangen ist, aber was können sie tun? Orbán blockiert den Kredit, den alle - einschließlich er selbst - im Dezember versprochen hatten. Diese Blockade bedroht die Glaubwürdigkeit der EU. Am 12. April sind in Ungarn Wahlen, bei denen Orbán tatsächlich verlieren könnte. Deshalb führt er eine Hass-Kampagne gegen die 'Brüsseler Elite' und gegen den ukrainischen Präsidenten Selenskyj, die als Feinde Ungarns angeprangert werden. Werden sich die anderen dieser Erpressung beugen? Vermutlich wird es wie so oft weitere Verhandlungen über die Ukraine geben - aber ohne Ungarn und die Slowakei", folgert die dänische Zeitung POLITIKEN.
Der Schweizer TAGES-ANZEIGER sieht vor allem die steigenden Energiepreise als Problem für die EU: "Eigentlich sollte dieses Treffen der 27 Staats- und Regierungschefs die Frage beantworten, wie die Europäische Union wieder wettbewerbsfähiger werden könnte. Aber wie so oft wurde eine langfristige Aufgabe von einer akuten Krise überlagert. Die Energiepreise in Europa waren schon besorgniserregend hoch, bevor Israel und die USA den Iran angriffen. Seither haben sich die Preise für Öl und Gas etwa verdoppelt. Nun geht in Europa das Gespenst des Schocks von 2022 um: Nach dem Überfall auf die Ukraine stieg die zuvor schon von der Pandemie angetriebene Inflation auf zehn Prozent, Populisten von links und rechts profitierten von der Not. So schlimm wie damals ist die aktuelle Krise nach Ansicht der Staats- und Regierungschefs zwar noch nicht. Aber steigende Energiekosten sind in jedem Fall politisches Gift - so viel weiß man zwischen Lissabon und Tallinn, Dublin und Athen aus leidvoller Erfahrung", betont der TAGES-ANZEIGER aus Zürich.
