23. März 2026
Die internationale Presseschau

Kommentiert werden die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz, die Blockierung der EU-Finanzhilfe für die Ukraine durch den ungarischen Regierungschef Orban sowie der Iran-Krieg.

Das Foto zeigt US-Präsident Trump. Er sitzt am Schreibtisch im Oval Office.
US-Präsident Trump kommt im Iran-Krieg zunehmend in Bedrängnis. (picture alliance / abaca / Pool )
Dazu schreibt die spanische Zeitung EL PERIÓDICO: "Von Israel gedrängt entschied Trump, sich ins Absurde zu stürzen. Wozu nur? Das iranische Regime befand sich vor dem Krieg in einer Phase der Schwäche, die geprägt war von den heftigsten Bürgerprotesten seit Jahren. Vielleicht wäre dies der Beginn eines Wandels gewesen. Auf internationaler Ebene steht Trump mit diesem Krieg allein. Die Verbündeten haben ihm ihre Unterstützung verweigert, unter anderem, weil ihm niemand mehr vertraut. Am Freitag wollte er noch das Geschehen beruhigen, am Samstag jedoch stellte er ein neues Ultimatum. Trump forderte den Iran auf, die Straße von Hormus freizugeben. Andernfalls würden die USA Kraftwerke im Iran angreifen und die Energieversorgung des Landes zerstören. Trumps Ultimatum führt in den Abgrund", ist sich EL PERIÓDICO aus Madrid sicher.
Die niederländische Zeitung DE TELEGRAAF aus Amsterdam ist folgender Meinung: "Der Krieg tritt in eine gefährliche Phase, zumal nun auch klar ist, dass der Iran über ballistische Raketen verfügt, die europäische Hauptstädte erreichen könnten. Das zeigt der iranische Raketenangriff auf den britisch-amerikanischen Stützpunkt Diego Garcia im Indischen Ozean. Die Attacke schlug fehl, aber dass der Iran Raketen mit einer Reichweite von etwa 4.000 Kilometern abfeuern kann, ist erschreckend und lässt zu Recht alle Alarmglocken läuten."
Die britische Zeitung THE TIMES hält fest: "Es wäre unklug von der Trump-Regierung, darauf zu setzen, dass der Iran einlenkt. Und Verbündete der USA täten gut daran, das Weiße Haus zu einer konkreten und realistischen Definition dessen zu drängen, was es zu erreichen versucht. Noch wäre es wohl möglich, die Offensive mit dem Ergebnis abzuschließen, dass die Fähigkeiten des iranischen Regimes geschwächt wurden und der Schaden für die Weltwirtschaft begrenzt bleibt. Selbst dieses Szenario ist ehrgeizig. Ob Donald Trump seine Drohungen wahr macht, ist unklar, doch selbst wenn sie rein rhetorischer Natur sind, werden sie Amerikas Verbündete am Golf beunruhigen. Ein Angriff auf Kraftwerke würde eine erhebliche Eskalation des Konflikts bedeuten", unterstreicht THE TIMES aus London.
In der katarischen Zeitung AL SHARQ aus Doha heißt es: "Moderne Kriege werden nicht mehr an flüchtigen Siegen auf dem Schlachtfeld gemessen, sondern an ihren langfristigen Auswirkungen. Im Zweifel können diese Nationen um Jahrzehnte zurückwerfen. Aus diesem Grund werden alle Versuche scheitern, die Golfstaaten zu einem Kriegseintritt gegen den Iran zu nötigen. Denn deren oberstes Ziel ist es weiterhin, jegliche Eskalation zu vermeiden und stattdessen auf Dialog und Diplomatie zu setzen."
Die japanische Zeitung ASAHI SHIMBUN aus Tokio notiert: "Sollte das US-Militär tatsächlich mit Attacken auf iranische Kraftwerke beginnen, würde der Iran die Blockade der Straße von Hormus noch verstärken. Das wäre ein weiterer herber Schlag für die Weltwirtschaft, der wie ein Bumerang auch die Regierung der Vereinigten Staaten treffen würde."
Ein Gastkommentar in der chinesischen Zeitung HUANQIU SHIBAO führt aus: "Der Iran-Krieg nimmt an Intensität deutlich zu. Die Angriffe durch beide Kriegsparteien treffen vermehrt die Golfstaaten und neben den militärischen und politischen auch zivile Ziele und kritische Infrastruktur. Die regionalen rebellischen Kräfte wie schiitische Milizen im Irak, die libanesische Hisbollah sowie die jemenitischen Huthis sind involviert. Das Konfliktgebiet erreicht teilweise Regionen am indischen Ozean. Die bisherige Taktik von Teheran hat sich als effektiv erwiesen und bringt Washington in ein Dilemma. Es droht die Gefahr, dass die Lage außer Kontrolle gerät", befürchtet HUANQIU SHIBAO aus Peking.
"Der Krieg im Iran war politisch unvorbereitet, hatte keinen Plan und wird ohne klar festgelegte Ziele geführt", analysiert die schwedische Zeitung SVENSKA DAGBLADET: "Dieser völkerrechtswidrige Krieg illustriert die institutionelle Krise der USA. Er ist selbst gewählt und damit ein Problem der USA, aber die ganze Welt muss jetzt ausbaden, dass ein Tyrann an der Spitze der Machtpyramide sein Land in einen Krieg geführt hat, der gegen die eigene Verfassung verstößt. Inzwischen verlangt Donald Trump sogar, dass die NATO und die EU eingreifen. Selbst wenn diese über 15 Monate Kränkungen und Verachtung aus dem Weißen Haus hinwegsehen, ist die Forderung unrealistisch. Trump ist an seine Grenzen gestoßen. Laut einem Bericht des Demokratie-Instituts 'Varieties of Democracy' der Universität Göteborg können die USA nicht mehr als liberale Demokratie gelten. Ihre Auflösung hat sich in rasantem und erschreckendem Tempo vollzogen", stellt SVENSKA DAGBLADET aus Stockholm fest.
"Der Iran-Krieg schwächt die USA im wichtigen Indopazifikraum", ist in der österreichischen Zeitung DER STANDARD zu lesen: "US-Präsident Trump hat sich im Nahen Osten massiv verkalkuliert. Er hat gegenüber China die Schwächen seiner Streitkräfte offengelegt. Dass Trump tatsächlich Abwehrwaffen aus Südkorea und Japan abzog, um sie im Nahen Osten einzusetzen, ist ein fatales Zeichen, vor allem in der Taiwan-Frage: Auf die Vereinigten Staaten ist kein Verlass, ihre Streitkräfte sind überdehnt. Und das noch dazu im Indopazifik, der im 21. Jahrhundert als geopolitisch wichtigste Region gilt. Dort wird nämlich entschieden, wer sich in der Rivalität zwischen Washington und Peking durchsetzt", hält DER STANDARD aus Wien fest.
Nun zu Ungarns Blockadehaltung in der Europäischen Union. Die norwegische Zeitung DAGBLADET aus Oslo wirft ein: "Die wichtigste europäische Wahl findet am 12. April in Ungarn statt. Verliert Ministerpräsident Orbán, können die EU und die Ukraine erleichtert aufatmen. Aber es ist keineswegs sicher, dass er seine Macht freiwillig abgibt, nachdem er Ungarn in den letzten 16 Jahren immer mehr in den Autoritarismus geführt hat."
Die schwedische Zeitung DAGENS NYHETER erläutert: "Die EU werde Belgien immer ähnlicher, sagte Premier De Wever vor dem jüngsten EU-Gipfel und traf damit den Nagel auf den Kopf. Das Land, das er regiert, ist gespalten, die Zentralmacht bröckelt, und die Bürger betrachten Gesetze eher als Empfehlungen. Im schlimmsten Fall entwickelt sich die EU in die gleiche Richtung. Die Unfähigkeit der Union, Ungarn für die Unterstützung der Ukraine in die Pflicht zu nehmen, führt zu belgischen Zuständen. Die bittere Wahrheit ist, dass das Regelwerk der Europäischen Union nicht für eine Welt gemacht ist, in der Russland seine Nachbarn angreift, die eigenen Mitglieder auf gemeinsame Beschlüsse pfeifen und der Präsident der USA die regelbasierte Weltordnung demontiert." So weit DAGENS NYHETER aus Stockholm.
Hören Sie nun noch Kommentare zur Landtagswahl in Rheinland-Pfalz. Die AfD konnte ihren Stimmenanteil auf 19,5 Prozent mehr als verdoppeln. Dazu merkt der Schweizer TAGES-ANZEIGER an: "Im südwestlichen Bundesland findet die Partei ein großes Wählerpotenzial. Das liegt daran, dass Rheinland-Pfalz in weiten Teilen strukturschwach und stark ländlich geprägt ist. Hinzu kommen Industriestädte wie Kaiserslautern oder Ludwigshafen, deren wirtschaftliche Basis wegbricht. Wo Abstiegsängste wachsen, ist die in Teilen rechtsextreme Partei oft stark. Das Ergebnis reiht sich in eine Serie von Wahlerfolgen ein. Im Osten ist die AfD längst etabliert, doch ihr Einfluss nimmt auch im Westen zu", mahnt der TAGES-ANZEIGER aus Zürich.
Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG merkt an: "Politisch wirksam wird der wachsende Zuspruch in Westdeutschland aufgrund der sogenannten Brandmauer zur AfD freilich nicht werden. Gut für die Demokratie ist das nicht. Denn eine Mehrheit der Wähler hat mit dem Votum für CDU und AfD für Mitte-rechts-Politik gestimmt, wird nach Lage der Dinge aber wie bei der Bundestagswahl auch ein Bündnis von CDU und SPD erhalten."