26. März 2026
Die internationale Presseschau

Kommentiert werden die Parlamentswahl in Dänemark und der Prozess um Social-Media-Sucht in den USA. Im Mittelpunkt aber steht der andauernde Krieg im Iran und seine wirtschaftlichen Folgen weltweit.

Rauch und Qualm steigen in der iranischen Hauptstadt nach einem israelischen Angriff in den Himmel auf.
Nach einem israelischen Angriff auf Teheran (picture alliance / dpa )
Im NEW YORKER lautet die Analyse: "Die Trump-Regierung unterschätzte die Fähigkeit des Iran, sich zu wehren und weltweit wirtschaftliche Schäden zu verursachen. Nun hat sich der Krieg zu einem Wettlauf um die Stabilisierung der globalen Wirtschaftsordnung entwickelt, in dessen Mittelpunkt die Wiederöffnung der Straße von Hormus steht. Der Iran hat diese effektiv lahmgelegt. Das kam nicht überraschend: US-Militärstrategen planen das seit Jahrzehnten als wahrscheinliches Szenario im Falle eines Krieges mit dem Iran ein. Der Nachweis, dass der Iran die Meerenge sperren kann, ist für das Land nun eine entscheidende Strategie, um künftigen Angriffen vorzubeugen, und ein starkes Druckmittel in allen Verhandlungen über den Krieg und das iranische Atomprogramm. Trump wollte vielleicht keinen langen Krieg, aber jetzt hat er einen." Das war der NEW YORKER aus den USA.
Auch der australische SYDNEY MORNING HERALD zielt auf das Vorgehen des US-Präsidenten ab: "Der Hauptschuldige an der Energiekrise ist Australiens größter Verbündeter und Militärpartner, die Vereinigten Staaten, deren Präsident sich während des gesamten Konflikts an dem von ihm verursachten Chaos ergötzt hat. Jeder, der mit der Geografie des Irans und der Expertise seines Regimes vertraut ist, hätte gewusst, dass man sich auf die Verteidigung der Meerenge vorbereiten muss."
"Sollte der Konflikt am Golf weiter eskalieren, wäre die Weltwirtschaft einem tiefgreifenden Schock ausgesetzt, durch den sie sich grundlegend verändern könnte", befürchtet die katarische Zeitung AL SHARQ: "Die dann weiter steigenden Öl- und Gaspreise dürften zu einer grundlegenden Diversifizierung der Energiequellen führen. Man kann davon ausgehen, dass viele Länder ihre Abhängigkeit von nur wenigen Lieferanten und einer beschränkten Zahl von Energieträgern überwinden wollen."
"Die immensen Kosten des Krieges und die drohende globale Energiekrise setzen Trump unter Druck", analysiert JIEFANG RIBAO aus Shanghai: "Und der Iran wiederum kann sich einen langen Krieg nicht leisten. Seine Bürger leiden seit Langem enorm unter den US-Sanktionen. Warum verneint die iranische Führung offiziell dennoch die Absicht zu verhandeln? Teheran hat zum einen schlicht kein Vertrauen mehr in die Trump-Regierung. Zum anderen schätzt das Regime seine militärische Fähigkeit so ein, dass der Widerstand gegen die israelischen und amerikanischen Angriffe für eine gewisse Zeit gewährleistet werden kann. Es scheint äußerst schwierig, diesen Krieg durch Verhandlungen zu beenden. Wie ist sonst zu erklären, dass Trump ausgerechnet zum angeblichen Beginn des Gesprächs zusätzlich 3.000 Fallschirmjäger in die Region schickt?", fragt die chinesische Zeitung JIEFANG RIBAO.
Die türkische Zeitung EKONOMI aus Istanbul befasst sich mit der Frage, wen die USA für mögliche Verhandlungen mit dem Iran einsetzen könnten: "Pakistan, die Türkei und Ägypten wollen den Iran und die USA in Pakistan an den Verhandlungstisch bringen. Allerdings haben sowohl die amerikanische als auch die iranische Seite ernsthafte Probleme mit der Frage, wer am Verhandlungstisch sitzen wird. Das iranische Regime lehnt angeblich Trumps Schwiegersohn Kushner und den US-Verhandlungsführer Witkoff ab, da sie als 'pro-israelisch' gelten. Teheran soll US-Vizepräsident Vance als Gesprächspartner bevorzugen. Denn Vance hatte sich von Anfang an gegen eine US-Intervention im Iran ausgesprochen."
Die polnische RZECZPOSPOLITA aus Warschau wirft ein: "Die Aussicht auf ein Kriegsende beunruhigt einige arabische Golfmonarchien. Mohammed bin Salman, der faktische Herrscher der wichtigsten von ihnen, Saudi-Arabien, scheint Trump zur Fortsetzung des Krieges zu drängen. Er sieht darin eine Chance, den Nahen Osten neu zu gestalten."
"Es stellt sich die Frage, ob die Welt einen Zusammenbruch des iranischen Regimes überhaupt verkraften kann", heißt es in der libanesischen Zeitung ELAPH: "Der Iran ist kein Randstaat in der Geopolitik des Nahen Ostens, sondern ein zentraler Dreh- und Angelpunkt im Machtgefüge, das sich vom Golf bis nach Zentralasien und vom Kaukasus bis zum östlichen Mittelmeer erstreckt. Es handelt sich um ein Land, in dem über achtzig Millionen Menschen leben, und das über eine riesige Armee und ein fortgeschrittenes Atomprogramm verfügt. Daher wird jede radikale Veränderung im Land nicht bloß interne, sondern auch umfassende geopolitische Folgen haben, die die Landkarte der gesamten Region neu zeichnen könnte. Ein Sturz des Regimes könnte unabsehbare Folgen haben", mahnt ELAPH aus Beirut.
Nun zur Parlamentswahl in Dänemark. Die Zeitung JYLLANDS-POSTEN aus Århus urteilt: "Die Regierung über die Blockgrenze hinweg war eine Sensation, aber die Note steht fest: setzen, sechs! Die beiden großen Parteien, die Sozialdemokraten auf der linken und die konservative Venstre auf der rechten Seite, haben Federn lassen müssen. Das neue Parlament ist ein Flickenteppich aus kleinen Parteien. Schlimmstenfalls bekommt Dänemark eine Regierung, die sich in einer Flut an Kleinigkeiten verzettelt. Dabei sollte Dänemark jetzt die Zusammenarbeit mit seinen Verbündeten stärken, um Donald Trump gegenüberzutreten und den Bedrohungen durch Russland und China zu begegnen. Hinzu kommt der Krieg im Nahen Osten. Was im Wahlkampf verschwiegen wurde, muss jetzt in aller Deutlichkeit gesagt werden: Die Welt ist im Wandel, und Dänemark steht unter Druck gleich von mehreren Seiten. Das wird auch am Lebensstandard zehren, an den wir uns gewöhnt haben." So weit die dänische Zeitung JYLLANDS-POSTEN.
Die Moskauer NESAWISSIMAJA GASETA verweist auf Folgendes: "Die dänische Regierungschefin erlebte einen Popularitätsschub aufgrund ihrer Abwehrhaltung gegenüber Donald Trump, der Anspruch auf Grönland erhob. Doch es gelang Frederiksen nicht, das in einen Sieg zu verwandeln. Die Wirtschaftsprobleme sind den Dänen jetzt wichtiger als die Außenpolitik."
Zu diesem Schluss kommt auch das norwegische DAGBLADET aus Oslo: "Internationale Politik trat plötzlich in den Hintergrund, denn auch den Dänen geht es vor allem um den eigenen Geldbeutel. Die Sozialdemokraten erzielten ihr schlechtestes Ergebnis seit mehr als 120 Jahren, auch wenn sie noch stärkste Kraft sind. Dank der niedrigen Sperrklausel von nur zwei Prozent sitzen 12 Parteien im Parlament in Kopenhagen, und die Ränder wurden gestärkt."
Meta und YouTube haben in einem US-Prozess um das Suchtpotenzial von Online-Diensten eine Niederlage erlitten. Das WALL STREET JOURNAL aus New York kommentiert:  "Es besteht kein Zweifel daran, dass die zunehmende Nutzung von sozialen Medien und Smartphones durch Jugendliche mit einem Anstieg von Depressionen und Angstzuständen einherging. Aber es ist schwer, wenn nicht gar unmöglich, zu beweisen, dass soziale Medien die Probleme eines bestimmten Einzelnen verursacht haben, geschweige denn, die Haftung unter den Plattformen aufzuteilen. Unternehmen sind nicht verpflichtet, Produkte so zu gestalten, dass Missbrauch verhindert wird. Das Vorgehen gegen die sozialen Medien ist ein Sieg für die Klägeranwälte, aber nicht für Kinder oder die Gesellschaft", meint das WALL STREET JOURNAL aus den USA.
Die spanische Zeitung LA VANGUARDIA aus Barcelona meint hingegen: "Nun ist ein Präzedenzfall geschaffen, der sich für viele weitere Verfahren als entscheidend erweisen könnte. Tausende Familien in den USA haben Klagen eingereicht, und Eltern wie Lehrer hoffen, dass der juristische Druck auf die großen Konzerne zu einem wirksameren Schutz gegen die Risiken sozialer Medien führt. Soziale Medien sind nützliche Kommunikationsmittel. Aber sie müssen so funktionieren, dass ihre Verwendung weder süchtig macht noch gefährlich ist."