
Der SYDNEY MORNING HERALD schreibt zum ersten Thema: "US-Präsident Trump hat einen leichtsinnigen Krieg begonnen - und das ohne Plan für einen Sieg. Einen Monat nach Beginn des Konfliktes hat er keine Strategie, dort wieder herauszukommen. Genau das war die düstere und erfrischend ehrliche Botschaft des deutschen Verteidigungsministers bei seinem Besuch in Canberra. Die Offenheit von Boris Pistorius stand in einem klaren Gegensatz zur zaghaften, schmallippigen Reaktion der Regierung von Premierminister Albanese. Diese glaubt ganz offensichtlich, dass sie nicht einmal den Spielraum für milde Vorbehalte gegenüber Trumps Kriegsführung hat, von Kritik ganz zu schweigen. Deutschland fühlt sich da weniger eingeengt", stellt der SYDNEY MORNING HERALD fest.
THE ECONOMIST zieht ebenfalls eine erste Bilanz nach einem Monat Krieg. "Es ist bemerkenswert, dass das iranische Regime inzwischen einen strategischen Vorteil gegenüber seinen Gegnern hat. Die Islamische Republik mag Rückschläge erlitten haben, doch sie hält stand. Wir haben schon zu Beginn des Krieges gewarnt, dass bereits das bloße Überleben des Regimes eine Art Sieg bedeutet."
"Es sind keine zufriedenstellenden Lösungen in Sicht", urteilt der italienische CORRIERE DELLA SERA aus Mailand. "Washington steht vor einem Paradox: Ohne Bodentruppen und ohne eine echte organisierte iranische Opposition ist ein Regimewechsel nicht erreichbar. Aber ohne Regimewechsel ist das Ziel unrealistisch, den Iran dauerhaft zu entwaffnen und eine entgegenkommendere Regierung zu bekommen."
Die Zeitung MÜSAVAT aus Baku in Aserbaidschan rechnet nicht mit einem schnellen Ende des Krieges. "Die USA und Israel gingen mit einem klaren militärischen Vorteil in diese Konfrontation: mit ihrer Luftüberlegenheit. Doch all ihre Angriffe führten nicht zu einem klassischen militärischen Sieg. Der Iran besitzt weiterhin die Fähigkeit zu reagieren. Dies ist ein Krieg, in dem es um gegenseitige Zermürbung geht."
Die ägyptische Zeitung AL-AHRAM lässt einen Politologen der Universität Kairo als Gastautor zu Wort kommen. "US-Präsident Trump würde gern einen militärischen Erfolg und das Ende des Krieges ausrufen - gerade vor dem Hintergrund steigender Energiepreise in den USA, denn die betreffen die amerikanischen Wähler ganz unmittelbar. Im November stehen die Zwischenwahlen an. Insofern gewinnen die innenpolitischen Folgen eines langwierigen Konfliktes immer mehr an Bedeutung."
Die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN klingt ganz ähnlich und verweist zunächst darauf, dass Trump das Ultimatum an den Iran nochmals um zehn Tage verlängert hat. "Daher sieht es auf den ersten Blick so aus, dass er auf Zeit spielt - womöglich, damit sich das Pentagon auf eine größere Offensive vorbereiten kann. In Wirklichkeit aber dürfte Trump angesichts der Zwischenwahlen im November so früh wie möglich ein Ende des Krieges erreichen wollen."
"Noch ist es sicherlich zu früh, Donald Trump abzuschreiben", merkt die russische Zeitung NESAWISSIMAJA GASETA an. "Aber eines ist klar: Eine Verlängerung des militärischen Konflikts mit dem Iran wird zu einem weiteren Rückgang von Trumps Zustimmungswerten beitragen. In Amerika sagt man: Wenn die USA einen Krieg gewinnen, dann gewinnt ganz Amerika. Wenn der Krieg aber mit einer Niederlage endet, dann ist das Weiße Haus der Verlierer."
Aus Sicht der Zeitung AL-SHARQ aus Doha im Emirat Katar zwingt der Krieg die Staaten in der Region, einige Dinge grundlegend zu überdenken. "Vor allem gilt es, die Verlässlichkeit befreundeter Staaten neu zu bewerten. Wer hat den Golfstaaten aktiv beigestanden, wer blieb passiv? Eines hat dieser Krieg bereits gezeigt: Nationale Sicherheit werden die Golfstaaten nur erlangen, wenn sie sich allen Herausforderungen selbstständig und eigenverantwortlich stellen."
XINJING BAO aus Peking geht auf einen anderen Aspekt ein - auf den Munitionsverbrauch der USA. "Es wird nicht einmal offiziell dementiert, dass das Pentagon erwägt, Waffen in den Nahen Osten umzuleiten, die ursprünglich für die Ukraine bestimmt sind. Offenbar zehrt der Krieg mit dem Iran die Munitionsbestände des US-Militärs auf. Das Opfer dieses Löcherstopfens heißt Ukraine."
Der Gastautor in der NEW YORK TIMES befasst sich mit der Blockade der Straße von Hormus. "Trump hat getan, was er konnte - vom Angebot staatlich garantierter Schiffsversicherungen bis hin zu seinem Appell an die Seeleute, mal etwas Mut zu zeigen. Dennoch ist der Verkehr in der Straße um 90 Prozent zurückgegangen. De facto hat sich Teheran als eine Art Schleusenwärter in Stellung gebracht und verlangt für eine sichere Durchfahrt Mautgebühren in Millionenhöhe."
Die Zeitung DAILY NATION aus Kenia kommentiert die wirtschaftlichen Folgen des Krieges, insbesondere für die Kraftstoffversorgung. "Kenias Energieminister Wandayi hat an die Bevölkerung appelliert, jetzt keine Panikkäufe zu tätigen. Er sagte, das Land besitze genug Reserven aller Ölprodukte. Dem Minister zufolge gibt es auch Krisenpläne für den Fall ernsthafter Engpässe. Allerdings verzeichnen etwa die Tankstellen von Vivo Energy - dem größten Mineralölkonzern - schon Unterbrechungen bei der Kraftstoffversorgung. Die Regierung steht vor einem Balanceakt: Sie muss für angemessenen Nachschub sorgen - und die Kunden vor größeren Preissprüngen schützen. Die Politik muss gewährleisten, dass das Land nicht zum Stillstand kommt", fordert die DAILY NATION aus Nairobi.
"Auch andere Industriezweige sind auf Roh- und Ausgangsstoffe aus der Golfregion angewiesen", ergänzt EL TIEMPO aus Kolumbien. "Besonders alarmierend sind die Folgen für Düngemittel. Ohne Ammoniak und Harnstoff ist es unmöglich, die Nachfrage nach Kunstdünger zu decken, der für die globale Nahrungsmittelproduktion benötigt wird. Tatsächlich leidet die Landwirtschaft vielerorts bereits, und besonders betroffen sind Länder wie Kenia mit geringer Ernährungssicherheit. Steigen dann die Preise für Lebensmittel, kann dies zu einer wachsenden sozialen Instabilität führen", glaubt EL TIEMPO aus Bogotà.
Die Zeitung DIE PRESSE aus Wien geht auf die Niederlage von zwei der größten Tech-Unternehmen der Welt in einem Prozess um das Suchtpotenzial von Online-Diensten ein. "Von der Hoffnung, dass sich Konzerne wie Meta (Facebook) und Alphabet (YouTube) ihrer Verantwortung stellen, darf man sich getrost verabschieden. Denn selbst nach dem Urteil der Geschworenen, das die Plattformen erstmals für die psychischen Folgen der Social-Media-Sucht haftbar macht, wollen sie nichts davon wissen. Sie kündigten Berufung an. Von Einsicht keine Spur."
"Es geht in diesem wegweisenden Urteil nicht etwa um die Inhalte auf Social Media", steht für die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG fest. "Im Fokus steht vielmehr das Produktdesign. Die Algorithmen von Instagram, Youtube und Co. zielen darauf ab, die Verweildauer auf ihren Plattformen zu maximieren: wegen der ständigen Push-Nachrichten zum Beispiel. Interne Dokumente der Firmen, die an die Öffentlichkeit gelangt sind, legen nahe, dass sich diese bewusst für Produkteigenschaften mit Suchtcharakter entschieden haben. Und dass sie um die schädliche Wirkung auf Kinder wissen." Sie hörten die Schweizer NZZ.
Und ILTA-SANOMAT aus Helsinki geht davon aus, dass die Regulierungen ganz allgemein zunehmen werden. "Beispiele sind Verbote sozialer Medien für Jugendliche unter 16 Jahren wie in Australien, die nun auch in Finnland geprüft werden. Meta und Google bestreiten ihre Verantwortung, aber die Probleme wären deutlich geringer, wenn die Konzerne ihre Algorithmen anders gestaltet hätten und sie mehr auf die Inhalte ihrer Plattformen achten würden. Man kann nur hoffen, dass der Schaden für den Ruf der Unternehmen groß genug ist, um sie zu einer Änderung zu bewegen", heißt es in der finnischen Zeitung ILTA-SANOMAT.
