
Dazu heißt es im schweizerischen TAGES-ANZEIGER: "Trump sendet Signale, die verschiedene Interpretationen zulassen. Seine Statements zum Iran-Krieg sind manchmal nach einem Tag bereits überholt. In der Politikwissenschaft wird das als 'strategische Mehrdeutigkeit' bezeichnet: Der US-Präsident stellt Möglichkeiten in den Raum, ohne sich für eine zu entscheiden. Durch die strategische Unschärfe vergrößert er seinen Handlungsspielraum. Ganz neu ist dieses Vorgehen nicht. Schon der Präsident Richard Nixon setzte auf Unberechenbarkeit, bekannt als 'Madman-Theorie' oder die 'Theorie des verrückten Mannes'"; erinnert der TAGES-ANZEIGER aus Zürich.
Die türkische Zeitung STAR aus Istanbul wertet Trumps jüngste Volte als "rhetorische Machtdemonstration". "Jedoch steht dieser Anspruch im Widerspruch zur geopolitischen Realität. Der sich ausweitende Konflikt im Nahen Osten belastet zunehmend die regionale Stabilität. Dennoch vermittelt Trump den Eindruck vollständiger Kontrolle. Während Trump versucht, Zeit zu gewinnen, folgen die wirtschaftlichen und geopolitischen Dynamiken einer eigenen Logik."
US-Außenminister Rubio hat beim gestrigen Treffen der G7-Staaten das Vorgehen der US-Regierung im Iran-Krieg erläutert. Darauf geht der britische GUARDIAN ein: "Rubio bekräftigte, dass die USA nach wie vor davon ausgehen, ihre Ziele auch ohne Bodentruppen erreichen zu können. Doch sobald die Marines nächste Woche in Stellung sind, könnte Präsident Trump einen Angriff anordnen. Allerdings verfügen die USA derzeit nicht über schwere Panzereinheiten und notwendige Logistik, was die Fähigkeit des Weißen Hauses zur Eskalation einschränkt. Möglicherweise könnte dies zu einer Pattsituation führen, mit verheerenden Auswirkungen auf die internationale Wirtschaft", warnt der GUARDIAN aus London.
Die polnische Zeitung GAZETA WYBORCZA macht darauf aufmerksam, dass die USA Tausende weitere Spezialkräfte in die Region verlegen. "Werden die Amerikaner die iranische Insel Charg einnehmen?", fragt das Blatt aus Warschau. "Von dieser winzigen Insel werden 90 Prozent der iranischen Ölexporte verschifft. Ein Angriff auf Charg stellt nicht nur für die amerikanischen Soldaten, sondern für die ganze Welt eine Gefahr dar. Erstens würde der iranische Ölfluss versiegen, was die Preise weiter in die Höhe treiben würde. Hinzu kommt, dass das Regime in Teheran höchstwahrscheinlich Vergeltungsmaßnahmen ergreifen und die Ölinfrastruktur in den arabischen Ländern am Persischen Golf angreifen würde. Die Einnahme von Charg wird weder dazu beitragen, den Krieg zu beenden, noch die Straße von Hormus zu öffnen" zeigt sich die GAZETA WYBORCZA überzeugt.
Ein Gastkommentar in der TAKUNG PAO aus Hongkong konstatiert: "Bei den Militäraktionen im Nahen Osten läuft nichts nach dem Plan von Präsident Trump. Schlimmer ist, dass der Plan selbst voller Widersprüchen ist. Alles deutet auf eine Desaster hin. Der Iran könnte ein Afghanistan 2.0 werden. Nur diesmal sind die Vereinigten Staaten fast allein."
Nach Angaben von Bundesaußenminister Wadephul hat es indirekte Kontakte zwischen den USA und dem Iran gegeben. Derzeit liefen Vorbereitungen für direkte Gespräche. Die ägyptische Zeitung AL SHOURUQ rechnet mit schwierigen Verhandlungen: "Die USA werden aller Voraussicht nach Maximalforderungen stellen. Und auch der Iran dürfte kaum hinnehmbare Bedingungen wie etwa die alleinige Kontrolle der Straße von Hormus formulieren. Das wiederum wird Trump allem Anschein nach in die Karten spielen. Denn mit einem Scheitern der Verhandlungen kann er die Fortsetzung des Krieges mit noch größerer Intensität rechtfertigen. Umgekehrt besitzt der Iran mit seinen Raketen und Drohnen weiterhin enorme Druckmittel, mit denen er die Kriegskosten der USA empfindlich in die Höhe treiben kann." Das war AL SHOURUQ aus Kairo.
In den vergangenen Tagen haben israelische Streitkräfte verstärkt iranische Marineeinheiten im Kaspischen Meer angegriffen. Dafür gebe es zwei Gründe, meint die saudische Zeitung ARAB NEWS: "Erstens besteht die berechtigte Sorge, dass der Iran militärischen Nachschub aus Russland erhält, wobei das Kaspische Meer als wichtige Transitroute dient. Zweitens wollte Israel Teheran die Botschaft senden, dass keine Region des Iran außerhalb Israels Reichweite liegt. Die Angriffe haben aber auch geopolitische Folgen über den Iran etwa in Fragen der Energiesicherheit hinaus. Seit Jahren wird etwa über den Bau einer trans-kaspischen Pipeline diskutiert. Gasvorkommen Turkmenistans könnten nach Westen transportiert und an die europäischen Märkte weitergeleitetet werden. Die politischen Entscheidungsträger täten gut daran, die jüngste Entwicklung aufmerksam zu verfolgen", empfehlen die ARAB NEWS aus Riad.
Im Schatten der Berichterstattung steht derzeit Russlands Krieg gegen die Ukraine. Kiew wehrt sich nun auch mit Langstrecken-Drohnen und hat russische Energieanlagen im weit entfernten Gebiet Leningrad angegriffen. Die finnische Zeitung ILTA-SANOMAT beschreibt das Geschehen: "Die Brände in den Ölhäfen am Finnischen Meerbusen scheinen immer noch zu wüten. Satellitenbilder zeigen große rote Flächen in den Häfen Primorsk und Ust-Luga. Wie schlecht es für Putin läuft, zeigt seine Entscheidung, den privaten Sicherheitsdiensten russischer Energieunternehmen den Einsatz von Kriegsgerät gegen Kampfdrohnen zu erlauben. Der Inlandsgeheimdienst FSB kontrolliert die Rückgabe der Waffen nach Einsatzende. Bislang war Putin stets darauf bedacht, keine Privatarmeen entstehen zu lassen, die für ihn zu einer Bedrohung werden könnten. Doch wenn es im Krieg schlecht genug läuft, scheint er diese Angst zu überwinden", vermutet ILTA-SANOMAT aus Helsinki.
Ungarn blockiert einen milliardenschweren Hilfskredit der Europäischen Union für die Ukraine. Ministerpräsident Orbán fürchtet um seine Wiederwahl im April. Laut der Washington Post soll der russische Geheimdienst ein fingiertes Attentat vorgeschlagen haben, um Orbán politisch zu stabilisieren. Die schwedische Zeitung DAGENS NYHETER zeichnet ein dunkles Bild von der ungarischen Regierung: "Zuletzt wurde gemeldet, dass Außenminister Péter Szijjártó Informationen direkt von EU-Gipfeln nach Moskau durchstach. Es ist also kein Wunder, dass Russland versucht, die ungarischen Wahlen zu beeinflussen oder dass sich die US-Regierung auf die Seite Orbáns schlägt. Das Trio Putin, Orbán und Trump regiert Länder mit einem unterschiedlichen Grad an Autokratisierung. Putin hat eine Diktatur geschaffen, Orbán kontrolliert den Staatsapparat und Trump hat einen Krieg gegen die US-Justiz begonnen. Aber sie alle teilen ähnliche Feinde wie die liberale Demokratie, die EU, den Rechtsstaat oder freie Medien." Das war die Einschätzung DAGENS NYHETER aus Stockholm.
Zum Schluss nach Nepal. Rund drei Wochen nach seinem Wahlsieg ist der Rapper Balendra Shah als Ministerpräsident vereidigt worden. Dazu schreibt die nepalesische Zeitung KATHMNADU POST: "Endlich haben sich die tektonischen Platten der nepalesischen Politik verschoben. Mit gerade einmal 35 Jahren steht Shah in krassem Gegensatz zu der verknöcherten Führung. Die Ära der alten Garde, geprägt von egoistischen Kämpfen und einer Entfremdung von der modernen Welt, ist hoffentlich vorbei."
Die japanische ASAHI SHIMBUN resümiert: "Mit seinen Liedern und starken Botschaften hat Balendra Shah die Menschen in Nepal erreicht. Die Hoffnung der Menschen auf Veränderung ist groß. Nepal lebt vor allem von dem Geld, dass die im Ausland arbeitenden Nepalesen in die Heimat überweisen. Kann Rapper Balendra Shah als Regierungschef und Politiker neue Arbeitsplätze im Inland schaffen und eine korruptionsfreie Gesellschaft verwirklichen? Er steht vor einer großen Herausforderung."
