
Die polnische Zeitung RZECZPOSPOLITA titelt, dass der Iran-Krieg Europas strategische Blindheit offenbaren würde: "Dieser Krieg betrifft uns alle, und wir sind darin verstrickt – ob wir wollen oder nicht. Ja, es ist ein brutaler Krieg. Und es stimmt, US-Präsident Trump hat in Europa niemanden nach seiner Meinung gefragt. Gleichzeitig hängt die Sicherheit der europäischen Staaten, insbesondere unserer in Mittel- und Osteuropa, weiterhin hauptsächlich von Amerika ab, so wie der Zustand der europäischen Volkswirtschaften in hohem Maße von der Stabilität im Nahen Osten abhängt. Die europäischen Staaten haben dieses Abhängigkeitsmodell auf eigenen Wunsch, um ihrer Ruhe und Bequemlichkeit willen, angenommen und benötigen viele Jahre gemeinsamer Arbeit, um dies zu ändern. Deshalb zeugt der Anblick von Politikern und Experten, die heute selbstgefällig im Chor rufen 'das ist nicht unser Krieg', vor allem von der strategischen Blindheit Europas", notiert die RZECZPOSPOLITA aus Warschau.
In eine ähnliche Richtung argumentiert auch der TAGES-ANZEIGER aus Zürich und warnt vor den Folgen der europäischen Haltung im Iran-Krieg: "Europas Weigerung, den USA am Golf militärisch – oder auf irgendeine andere Art – beizustehen, verstärkt vor allem zwei Vorurteile bei Trump, die ohnehin tief sitzen und die für das transatlantische Verhältnis brandgefährlich sind. Erstens: Wenn der Iran nicht Europas Krieg ist, dann ist die Ukraine auch nicht Amerikas Krieg. Zweitens: Wenn die europäischen Nato-Länder den USA nicht helfen, dann müssen die USA auch den Europäern nicht helfen", schreibt der TAGES-ANZEIGER aus der Schweiz.
In der pakistanischen Hauptstadt Islamabad bemühen sich die Außenminister von Saudi Arabien, Ägypten und der Türkei um eine Lösung im Iran-Krieg. PAKISTAN TODAY hebt die Rolle des Nachbarlandes Pakistan als Vermittler hervor und verweist auf die unterschiedlichen Positionen der Konfliktparteien: "Es geht nicht nur darum, einen Waffenstillstand zu vermitteln, sondern vielmehr darum, eine Brücke zwischen zwei grundlegend unterschiedlichen Weltanschauungen zu schlagen. Die eine ist verwurzelt in herkömmlicher Überlegenheit, die andere in asymmetrischer Widerstandsfähigkeit. Der Erfolg oder Misserfolg von Pakistans Bemühungen wird Auswirkungen weit über den aktuellen Konflikt hinaus haben. Gelingt die Diplomatie, könnte sie den Beginn von einem neuen Ansatz zur Konfliktlösung darstellen. Scheitert die Diplomatie aber, könnten die Folgen schwerwiegend sein und möglicherweise eine Kettenreaktion auslösen, die die gesamte Region erfasst," warnt PAKISTAN TODAY aus Islamabad.
Die aserbaidschanische Zeitung MÜSAVAT beschreibt derweil das Zusammenkommen der Türkei, Pakistans, Saudi-Arabiens und Ägyptens als Bildung einer neuen Allianz, welche über theoretische Überlegungen hinausgehe: "Grund für ihre Entstehung ist die Schwächung des regionalen Einflusses des Iran und die Ausweitung des israelisch-iranischen Konflikts. Durch den Krieg wurde die bestehende Sicherheitsarchitektur im Nahen Osten zerstört. Die USA wollen dieses System jetzt entweder nicht mehr wie bisher allein steuern oder sie verpassen die Chance dazu. Deswegen beginnt die Region, ihre eigene Sicherheitsstruktur aufzubauen. Dieses Bündnis wird zwar nicht offiziell als 'anti-iranisch' bezeichnet, das Ziel ist jedoch eindeutig, den Einflussbereich des Iran einzuschränken", mutmaßt die MÜSAVAT aus Baku.
Auch die chinesische Zeitung JIEFANG RIBAO blickt auf die diplomatischen Bemühungen Pakistans und analysiert: "Egal was behauptet wird: Sowohl Washington als auch Teheran haben immerhin Verhandlungsbereitschaft signalisiert. Doch die Vorstellungen von beiden Seiten zur Beendigung des Kriegs liegen weit auseinander. Auch unter psychologischem Aspekt brauchen die Amerikaner eine Einigung dringender als der Iran. Denn die US-Regierung von Präsident Trump steht wegen wuchernder Benzinpreise immer mehr unter Druck. Es ist aber nicht sicher, ob Pakistan ein geeigneter Vermittler in diesem Krieg sein kann. Eigentlich verfügt das Land über keinen ausreichenden Einfluss und die Beziehungen zu Teheran sind auch nicht sonderlich eng. Der Krieg wird also wohl noch einige Zeit dauern," resümiert die JIEFANG RIBAO aus Shanghai.
Der Iran-Krieg wirkt sich aus Sicht des britischen DAILY TELEGRAPH auch auf den Ukraine-Krieg und das Verhältnis der USA zu Russland aus. Dort heißt es: die USA führten inzwischen einen Stellvertreterkrieg gegen Russland: "Anstatt zu versuchen, den erfolglosen Dialog fortzusetzen, den Trump im vergangenen Jahr mit Putin geführt hat und der nichts gebracht hat, sollte der US-Präsident begreifen, dass der russische Staatschef kein Interesse an einer Annäherung an Washington hat. Angesichts dessen sollten die USA einen härteren Kurs gegenüber Moskau einschlagen: Washington könnte etwa die Ukraine militärisch stärker unterstützen. Zudem sollten die USA Russlands Hilfen für den Iran unterbinden. Ansonsten könnten Amerikas Pläne scheitern." kommentiert THE DAILY TELEGRAPH aus London.
Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine und die unmittelbaren Folgen sind heute auch Thema in Finnland. Nach dem Absturz von zwei ukrainischen Drohnen über finnischem Luftraum urteilt die Zeitung KARJALAINEN aus Joensuu: "Das stellt für Finnland einen entscheidenden Wendepunkt in dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine dar. Finnland war in der Vergangenheit bereits Ziel der hybriden Kriegsführung Russlands mit Sabotageakten wie der Zerstörung von Unterseekabeln. Drohnen auf unserem Staatsgebiet sind jedoch etwas ganz anderes. Immerhin waren wir darauf vorbereitet. Aber es ist besorgniserregend, dass die Drohnen so weit kamen, und es ist nun die Pflicht der Armee und der Regierung, ähnliche Vorfälle in Zukunft zu verhindern. Die Ukraine trägt dagegen keine Schuld", meint die finnische Zeitung KARJALAINEN.
Die finnische Zeitung ILTA-SANOMAT merkt jedoch an: "Je öfter die Ukraine russische Ziele nahe der Grenze von NATO-Staaten angreift, desto wahrscheinlicher ist, dass die Drohnen die Grenzen überfliegen, ob nun wegen technischer Defekte oder der russischen Manipulation von Satellitendaten. Wir werden uns also darauf einstellen müssen, dass es zu weiteren Vorfällen kommt - und dass Russland sogar darauf hofft: Wenn mehr Drohnen in den Luftraum von NATO-Staaten eindringen, könnten die betroffenen Länder Druck auf die Ukraine ausüben, ihre Angriffe auf Russland einzustellen. Aus ukrainischer Sicht waren die Angriffe auf die Ölhäfen im Gebiet Leningrad ein großer Erfolg. Russland hat die Drohnen nicht alle abwehren können, und das ist eine schwere Demütigung für Putin. Aber das könnte auch seinen Rachedurst befeuern - und seine Risikobereitschaft erhöhen," äußert ILTA-SANOMAT aus Helsinki.
Zum Schluss der Presseschau der Blick nach Berlin: Dort wurde der syrische Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa von Bundespräsident Steinmeier in Schloss Bellevue empfangen. Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG sieht gute Gründe für das Treffen - auch mit Blick auf die mögliche Rückführung syrischer Geflüchteter: "Die Zweifel an Sharaas Inszenierung als geläuterter Dschihadist sind angebracht. Es ist fraglich, ob er sein Versprechen einlösen wird, mehr Föderalismus in Syrien zuzulassen. Trotzdem wäre ein moralisches Kontaktverbot falsch. Syrien liegt wirtschaftlich und militärisch am Boden, selbst die Aufhebung der Sanktionen des UNO-Sicherheitsrats hat daran wenig geändert. Für einen effektiven Wiederaufbau fehlt es Syrien schlicht an Menschen und an Material. Deutschland hat hier machtpolitische Hebel, die nicht zu nutzen töricht wäre." findet die NZZ.
