
Die chinesische Zeitung XINJINGBAO sieht im Iran-Krieg Anzeichen dafür, dass die USA einen Einsatz von Bodentruppen in Betracht ziehen: "Dafür spricht, dass eine Reihe von US-Spezialeinheiten in den Nahen Osten verlegt wurden. Für die USA scheint der Konflikt mit dem Iran an einem entscheidenden Punkt angelangt zu sein, denn mit seiner bisherigen Kriegsführung ist Washington inzwischen an seine Grenzen gestoßen. Ungeachtet dessen macht der Iran bislang überhaupt keine Anstalten, sich dem wachsenden Druck zu beugen. Bodeneinsätze bergen für die US-Streitkräfte große Risiken. Selbst die Eroberung der strategisch wichtigen Insel Charg mit ihren Ölterminals könnte sich als schwierig erweisen", vermutet XINJINGBAO aus Peking.
"Der Iran-Krieg tritt in eine entscheidende Woche ein", schreibt die spanische Zeitung LA VANGUARDIA: "Mehr als 50.000 US-Soldaten sind bereits in der Region stationiert, darunter auch Eliteeinheiten, die auf Einsätze tief im feindlichen Gebiet spezialisiert sind. Ein Einsatz dieser Truppen würde den Krieg aller Voraussicht nach um mehrere Monate verlängern - mit entsprechend schweren Folgen: steigende Opferzahlen und erhebliche negative Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Trump droht mit einer solchen Invasion - und verkündet gleichzeitig seinen Vorschlag für einen Friedensplan", notiert LA VANGUARDIA aus Barcelona.
Das polnische Nachrichtenmagazin POLITYKA spekuliert in seiner Online-Ausgabe, US-Präsident Trump könnte nun "einen spektakulären Schachzug machen wollen, der es ihm ermöglichen würde, den Erfolg der aktuellen Kriegsphase zu verkünden, ohne das Gesicht zu verlieren - und vielleicht sogar den Krieg zu beenden, zumindest vorübergehend. Die Insel Charg wäre dafür geeignet, gäbe es da nicht einige 'Aber'. Die Zerstörung der dortigen Anlagen würde den Ölmarkt auf den Kopf stellen und die Preise in die Höhe treiben", befürchtet POLITYKA aus Warschau.
In einem Gastkommentar beleuchtet die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN Aussagen von Trump: "Sein anfängliches Kriegsziel, die atomare Bedrohung durch den Iran zu beseitigen, konnte man in Teilen der internationalen Gemeinschaft, einschließlich der Golfstaaten, noch einigermaßen nachvollziehen - unabhängig davon, ob dafür die militärische Intervention wirklich notwendig ist. Aber jetzt sagt Trump, er wolle das Öl vom Iran – diese Zielsetzung ist völlig inakzeptabel." Das war NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
"Die Trump-Regierung hat die USA in den Treibsand geführt", betont die schwedische Zeitung SVENSKA DAGBLADET: "Je mehr man tritt, desto tiefer sinkt man ein. Für Israel sind die Transportwege für Öl und Gas lediglich ein Problem der USA und der übrigen Welt, und Netanjahu hat sich ohnehin überall unbeliebt gemacht. Aber Donald Trump versteht nicht, wie abhängig die US-Wirtschaft von der übrigen Welt ist. Er begreift nicht, welcher Zusammenhang zwischen den Weltmärkten und den Benzinpreisen in den USA besteht und warum die Landwirte unter teureren Düngemitteln und höheren Dieselpreisen ächzen", argumentiert das SVENSKA DAGBLADET aus Stockholm.
Das LUXEMBURGER WORT stellt fest, bisher seien die Kämpfer des Mullah-Regimes nicht in eine "depressive Handlungsunfähigkeit verfallen, nur weil es den USA und Israel gelungen ist, neben dem obersten Führer Ayatollah Ali Khamenei auch noch wichtige Generäle der Revolutionsgarde zu töten. Dafür ist der Hass auf die USA einfach zu groß. Da kann man als oberste Streitmacht noch so viele Soldaten, Flugzeugträger und moderne Waffensysteme haben, noch so militärisch überlegen sein: Wenn man den Gegner zum einen unterschätzt, und zum anderen auch gar nicht in der Lage ist, all diese Ressourcen einzusetzen, ohne selbst große Verluste in Kauf zu nehmen, dann hilft das wenig", analysiert das LUXEMBURGER WORT.
Mit Blick auf mögliche Verhandlungen sieht die palästinensische Zeitung AL AYYAM aus Ramallah eine große Vertrauenslücke zwischen den Kriegsparteien: "Denn die Trump-Regierung hat die Gespräche über das iranische Atomprogramm trotz angeblicher bedeutender Fortschritte gleich zweimal torpediert. Dies wie auch die kaum miteinander zu vereinbarenden Maximalforderungen beider Parteien stellen eine enorme Herausforderung dar, die für die Vermittler nicht leicht zu überwinden sein wird."
Themenwechsel. In Israel wird nach einem Parlamentsbeschluss die Todesstrafe für Palästinenser eingeführt, die wegen Terror verurteilt wurden. Die norwegische Zeitung ADRESSEAVISEN erläutert: "Der Menschenrechtsorganisation B'Tselem zufolge haben die Gefängnisse bereits begonnen, Hinrichtungsstätten einzurichten. Die Todesstrafe soll binnen 90 Tagen nach Urteilsverkündung durch Erhängen vollstreckt werden. Gemäß dem neuen Gesetz soll die Todesstrafe sogar verpflichtend sein, sie muss nicht einstimmig beschlossen werden und es gibt kaum Berufungsmöglichkeiten. Außerhalb Israels schrillen die Alarmglocken. Die UNO und Amnesty International verurteilen das Gesetz, ebenso der Europarat. Aber leider ist es lange her, dass Israels Behörden Rücksicht auf demokratische Prinzipien genommen haben, wenn es um Palästinenser geht", moniert ADRESSEAVISEN aus Trondheim.
Die österreichische Zeitung DER STANDARD findet: "Ungewöhnlich ist, dass das Gesetz den Gerichten in ihrer Entscheidungsfindung enge Grenzen setzt: Es soll nicht mehr im Ermessen des Gerichts liegen, beim Tatbestand eines rassistisch motivierten Mords an Israelis die Todesstrafe zu verhängen oder ein milderes Urteil zu wählen. Das Gesetz schreibt Richtern vor, die Todesstrafe auf diese Fälle anzuwenden. Sie müssen 'besondere Gründe' anführen, wenn sie davon abweichen wollen", unterstreicht DER STANDARD aus Wien.
Nach Einschätzung der italienischen Zeitung LA REPUBBLICA zielt das Gesetz darauf ab, nur Palästinenser "in allen Gebieten zu bestrafen, über die Israel die Kontrolle ausübt. Der Wortlaut ist nämlich so formuliert, dass die auferlegte ideologische Beweislast eine Anwendung auf jüdisch-nationalistischen Terrorismus unmöglich macht. Dabei hatte Israel die Todesstrafe 1954 weitgehend abgeschafft und sie nur für Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und bestimmte im Militärrecht vorgesehene Straftaten beibehalten. Sie wurde übrigens nur zweimal vollstreckt, und das ist schon sehr lange her. Das letzte Mal war 1962, als der Nazi Adolf Eichmann auf dem Schafott endete", vermerkt LA REPUBBLICA aus Rom.
In der US-Hauptstadt Washington ist erneut eine Kunst-Installation aufgetaucht, die Präsident Trump und seinen Regierungsstil kritisiert: Ein goldener Thron in Marmoroptik wurde auf der Promenade zwischen Kapitol und Lincoln Memorial installiert. Aus diesem Anlass beschäftigt sich die türkische Zeitung KARAR mit den "No Kings"-Protesten am vergangenen Wochenende: "Millionen Menschen demonstrieren in fast allen größeren Städten an der Ost- und Westküste der USA. Sie tragen Transparente mit der Aufschrift 'Keine Könige' und protestieren gegen den Krieg. Natürlich gibt es auch Millionen Menschen, die von Trumps Charisma fasziniert sind und ihn weiterhin unterstützen. Umfragen zeigen jedoch, dass seine Zustimmungswerte auf etwa 30 Prozent gesunken sind. Selbst wenn Trump den Iran militärisch unterwirft, werden ihn die wirtschaftlichen Folgen noch lange belasten. Vizepräsident JD Vance hat sich nun offen gegen den Krieg ausgesprochen. Auch im Senat regt sich Kritik. Doch Trumps präsidiale Befugnisse und sein eigenmächtiger Umgang mit diesen verleihen ihm große Macht. Kann der rücksichtslose und größenwahnsinnige Trump auf seinem Weg zum Autokraten noch weitergehen?", fragt KARAR aus Istanbul zum Ende dieser internationalen Presseschau.
