02. April 2026
Die internationale Presseschau

Die ausländischen Zeitungen befassen sich unter anderem mit den jüngsten Äußerungen von US-Präsident Trump zum Iran-Krieg. Dabei geht es zum einen um die Drohung, die USA könnten aus der NATO austreten, und zum anderen um Trumps Rede an die Nation.

US-Präsident Donald Trump spricht an einem Rednerpult im Weißen Haus zur Nation über den Krieg gegen den Iran.
US-Präsident Donald Trump bei seiner Rede an die Nation (dpa / AP / Alex Brandon)
Dazu heißt es in der schwedischen Zeitung DAGENS NYHETER: "Beginnen wir damit, was Trump in seiner 19-minütigen Rede heute Nacht nicht sagte. Anders als von manchen befürchtet, drohte er nicht damit, die NATO zu verlassen. Auch präsentierte er keinen Plan für eine bevorstehende Bodenoffensive im Iran und, anders als von manchen gehofft, gab er nicht bekannt, dass der Iran-Krieg - Verzeihung, die militärische Operation - abgeschlossen sei. Eigentlich wurde überhaupt nichts Neues gesagt", resümiert DAGENS NYHETER aus Stockholm.
Die polnische RZECZPOSPOLITA schreibt: "Trump wiederholte seine These, dass das Regime bereits am Ende sei, die Führer getötet und wichtige militärische Einrichtungen zerstört worden seien. Gleichzeitig erwähnte er die Gespräche mit Vertretern des iranischen Regimes nur am Rande. Die nächtliche Ansprache des US-Präsidenten war nichts Bahnbrechendes. Weder in Bezug auf den Krieg gegen den Iran, noch auf die Ölpreise, noch auf die Zukunft der NATO. Sie war gespickt mit typischen Donald-Trump-Prahlereien. Der Präsident bezeichnete seinen neuen Krieg sogar als den besten der Geschichte", hält die RZECZPOSPOLITA aus Warschau fest.
Der STANDARD aus Wien bezeichnet Trump als "Präsident Planlos" und kritisiert, er habe die Chance verpasst, ... "... all das zu sagen, was er schon vor mehr als einem Monat hätte mitteilen müssen. Er hätte sein eigenes Volk hinter sich versammeln können, um zu erklären, warum die Benzinpreise explodieren. Und er hätte die internationalen Partner hinter sich vereinen können, mit Beweisen für die mutmaßlich so große und drängende Gefahr durch den Iran – eine Bedrohung, die vor Kriegsbeginn kaum ein Beobachter für akut hielt. Trump hätte konkrete strategische Ziele ausrufen, den aktuellen Stand von Friedensverhandlungen beschreiben oder mit dem Einmarsch von Bodentruppen drohen können. Doch die zwanzigminütige Rede lieferte nichts davon. Nach dieser kraftlos heruntergeleierten Ansprache ist niemand schlauer, woher dieser kaum begründete Krieg überhaupt kommt; geschweige denn, wohin er führen soll", bilanziert DER STANDARD aus Österreich.
Ähnlich sieht es die japanische Zeitung ASAHI SHIMBUN: "Vor dem 28. Februar hat Trump weder der US-Bevölkerung noch den Verbündeten die Notwendigkeit des Angriffs auf den Iran erklärt. Die Rede an die Nation wäre eine wertvolle Chance dafür gewesen. Dennoch wiederholte er fast nur seine bisherigen, verantwortungslosen wie einseitigen Behauptungen. Die Angriffe auf den Iran waren nicht die allerletzte Option, vor der alle diplomatischen Mittel ausgeschöpft waren. Vor allem deshalb hat Trump seine Bevölkerung und die internationale Gemeinschaft nicht überzeugen können", glaubt die ASAHI SHIMBUN aus Tokio.
Die in Shanghai erscheinende chinesische Zeitung JIEFANG RIBAO ergänzt: "Der US-Präsident hat die Ziele des Iran-Kriegs für 'beinahe erreicht' erklärt und das Ende der militärischen Operationen in zwei bis drei Wochen in Aussicht gestellt. Trump klingt nicht wie ein Sieger, sondern eher wie jemand, der einem Schlamassel entkommen möchte. Sein Land trägt immens hohe Kosten für diesen Krieg, dessen Ziel von Beginn an ein Rätsel war, vielleicht sogar für ihn selbst."
Die panarabische Zeitung AL QUDS AL-ARABY spekuliert, eine Bodenoffensive der US-Armee im Iran könnte unmittelbar bevorstehen: "Die Hunderte von Militärflügen, die rund 50.000 amerikanische Soldaten an den Persischen Golf gebracht haben, legen die Vermutung nahe, dass die USA sich tatsächlich auf eine Bodeninvasion vorbereiten. Dazu würde auch der Umstand passen, dass die amerikanischen und europäischen Märkte drei Tage lang geschlossen sind, so dass eine Invasion keine unmittelbaren Turbulenzen auslösen würde. Dabei könnte der erwartete Bodenangriff auf die Insel Charg und die Öffnung der Straße von Hormus mit militärischen Mitteln zu einer massiven Eskalation führen, die sich zu einem langen Abnutzungskrieg ausweiten könnte. Zudem ist nicht auszuschließen, dass das US-Militär, sollte es auch auf das iranische Festland vordringen, in dessen komplexer Geografie untergeht", notiert AL QUDS AL-ARABY mit Sitz in London.
Auch wenn ein möglicher Rückzug der USA aus der NATO in Trumps Rede kein Thema war, steht seine Drohung mit einem Austritt weiterhin im Raum. Die estnische Zeitung POSTIMEES bemerkt: "Ausgerechnet am 1. April verkündete US-Präsident Donald Trump, er erwäge einen NATO-Austritt. Er habe immer gewusst, dass die Allianz nur ein Papiertiger sei, erklärte er in einem Interview mit der britischen Zeitung 'Daily Telegraph'. Ganz offensichtlich war das nicht als Aprilscherz gedacht, und selbst wenn, dann wäre er angesichts der Stimmungslage unter den westlichen Verbündeten alles andere als gelungen. Trump hat die NATO schon früher kritisiert, aber im Augenblick ist er besonders frustriert, weil seine Verbündeten nicht dem Aufruf gefolgt sind, die Straße von Hormus gegen den Iran zu verteidigen", vermutet die Zeitung POSTIMEES aus Tallinn.
Auch die Zeitung CUMHURIYET aus Istanbul glaubt an einen Zusammenhang: "Aus Sicht des Weißen Hauses ist die derzeitige Debatte weniger ein Versuch, aus der NATO auszutreten, als vielmehr einer, die NATO in die US-Strategie gegen den Iran zu integrieren. Insofern handelt es sich um eine Erpressung, weil die NATO-Mitglieder die Aufforderungen des Präsidenten ablehnen, die USA zu unterstützen. Einige Länder sperren sogar den Luftraum und weigern sich, Amerika die Nutzung ihrer Stützpunkte zu gestatten. Mit der Erpressung 'Ich werde die NATO verlassen' will Trump die Mitgliedstaaten dazu zwingen, den USA und Israel zu helfen. Es war der entschlossene und wirksame Widerstand des Iran, der Trump zu dieser Erpressung zwang. Inzwischen ist offensichtlich, dass die USA und Israel den Iran nicht allein besiegen können", führt die türkische Zeitung CUMHURIYET aus.
"Die jüngsten Äußerungen von Präsident Trump sind schockierend, aber sie sollten niemanden überraschen", meint die britische Zeitung THE INDEPENDENT und erläutert: "Rein formal wäre ein Rückzug aus der NATO für den Präsidenten nahezu unmöglich. Weil der US-Kongress die Gefahr im Jahr 2023 erkannte, verabschiedete er den 'National Defense Authorisation Act', der in diesem Fall eine ausdrückliche Zustimmung durch eine Zweidrittelmehrheit im Senat vorschreibt. Dies würde die US-Regierung jedoch nicht an einem 'stillen Rückzug' hindern – etwa durch eine Verlegung der Atomsprengköpfe, den Abzug der US-Truppen aus Deutschland oder einfach durch die Missachtung der Verpflichtung aus Artikel 5 des NATO-Vertrags, beispielsweise Estland gegen Angriffe zu verteidigen", gibt THE INDEPENDENT aus London zu bedenken.
Das portugiesische JORNAL DE NEGOCIOS analysiert mit Blick auf Trumps Drohung die zunehmende Entfremdung zwischen den USA und Europa: "Der Ölpreisschock ist zurzeit die wohl größte negative Auswirkung der israelisch-amerikanischen Offensive gegen den Iran. Die Europäer werden diese Krise mittelfristig sicherlich überwinden, aber die Kluft zu den USA wird dadurch weiter vertieft. Es herrscht Misstrauen, und die Interessen divergieren zunehmend. Sollten die USA die NATO verlassen, wird sich die Welt neu sortieren müssen. Währenddessen profitiert China davon, dass es im Gegensatz zu den USA unter ihrem chaotischen und irrationalen Präsidenten als vernünftiger Gesprächspartner wahrgenommen wird. Donald Trump hat ein Ablaufdatum, aber sein politisches Vermächtnis wird noch lange zu spüren sein", befürchtet das JORNAL DE NEGOCIOS aus Lissabon, und damit endet die internationale Presseschau.