
Die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN erklärt: "Die Umfragewerte von US-Präsident Trump befinden sich im Tiefflug. Angesichts der Zwischenwahlen musste er sich nun notgedrungen für die Entlassung seiner treuesten Gefolgsfrau entscheiden. Die 'Make America Great Again'-Bewegung bildet den Kern von Trumps Unterstützern - und bisher hat die Wut gegen die Eliten und Reichen die Menschen der MAGA-Bewegung zusammengehalten. Aber sie hatten diese Wut seit dem vergangenen Jahr auch auf Bondi gerichtet, weil sie mit dem Umgang der Justizministerin mit der Veröffentlichung der Epstein-Akten nicht zufrieden waren. Nach der Entlassung Bondis explodierte Trumps Truth-Social-Kanal geradezu mit unzähligen Dankesbekundungen an den Präsidenten. Laut Umfragen verstehen sich aktuell 15 Prozent der US-Wähler als Teil von MAGA. Im US-Wahlsystem ist diese Zahl nicht zu unterschätzen", betont NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
Die dänische Zeitung POLITIKEN sieht es so: "In der US-Regierung geht es zu, wie bei einem bekannten Kinderspiel: Einer nach dem anderen muss ausscheiden. Erst war es Heimatschutzministerin Noem, nun folgt ihr einen Monat später Justizministerin Bondi. US-Medien fanden schnell heraus, dass Bondi vor allem aus zwei Gründen gefeuert wurde. Erstens war Donald Trump unzufrieden, dass das Justizministerium seine persönliche Vendetta nicht schnell genug durchführte. Zweitens brachte Bondi das Weiße Haus in Erklärungsnöte, was die Epstein-Files betraf. Die ursprüngliche Legende war, dass die Daten nicht existierten und folglich auch nicht veröffentlicht werden könnten. Dann aber sagte Bondi in einem Interview, dass eine Liste mit Epsteins Kunden auf ihrem Schreibtisch liege. Niemand sitzt mehr sicher im Stuhl, und gerade Noem und Bondi waren extrem loyal. Wer also wird der Nächste sein?", fragt POLITIKEN aus Kopenhagen.
Auch DER STANDARD aus Wien überlegt: "War's das? Wohl kaum. Glaubt etwa Pete Hegseth, dass der Präsident die Schuld am Desaster im Iran auf sich nehmen würde? Es würde nur der Trump'schen Logik des unbedingten Selbsterhalts entsprechen, den Kriegsminister kurzerhand zu feuern. Wozu sind bedingungslose Loyalisten denn sonst da – zumindest in Trumps Universum?"
Und die Zeitung USA TODAY merkt an: "Während Bondis Amtszeit wurde die übliche Trennung zwischen dem Präsidenten und dem Justizministerium vollständig aufgehoben. Bondi unternahm keinerlei Versuche, zwischen ihrem Auftrag und Trumps persönlichen Zielen zu unterscheiden. Es lässt sich noch nicht einmal eine Illusion von Unparteilichkeit aufrecht erhalten, wenn Porträts von Trump an der Fassade des Justizministeriums in der Hauptstadt des Landes hängen. Bondis offensichtliche Unterwürfigkeit gegenüber dem Präsidenten wird einen bleibenden Schaden an der Institution hinterlassen." Soweit die Zeitung USA TODAY aus New York - und damit zum nächsten Thema.
Der Krieg im Nahen Osten beschäftigt unter anderem die mexikanische Zeitung LA RAZON, die auf die Rolle des israelischen Premierministers blickt: "Benjamin Netanjahu war in seinen mehr als 20 Jahren an der Macht immer ein Mann, der im Grunde viel Lärm um nichts machte. Aber in Wahrheit hatte er immer Angst vor Kriegen und ihren Folgen. Er vermied Bodenoffensiven, außer gegen seine schwächsten Feinde wie die Palästinenser. Der Krieg im Iran ist nun der erste wirkliche Krieg Netanjahus. Netanjahu muss um die Gunst seiner Wähler fürchten, und verliert er die nächste Wahl, könnte er im Gefängnis landen. Und in fast allen Bereichen fällt das Urteil der Wähler negativ aus - außer in Bezug auf seinen Umgang mit der iranischen Bedrohung. Es war Netanjahu, der nicht nur Israel, sondern auch den USA die Idee verkaufte, dass vom Iran eine existenzielle Bedrohung ausgehe. Es war das größte politische Wagnis in seiner langen Karriere: nicht nur über den Iran zu reden, sondern ihn tatsächlich anzugreifen. Bislang sind die Ergebnisse eher ernüchternd: Das Regime ist nicht gestürzt und steht auch nicht kurz vor einer Kapitulation. Was ist, wenn Netanjahu seinen letzten Trumpf jetzt vergeblich ausgespielt hat?", heißt es in LA RAZON aus Mexiko-Stadt.
Der britische INDEPENDENT aus London glaubt: "Der Krieg hat die Macht der Anführer der Islamischen Republik eher noch gefestigt und sie noch militanter gemacht. US-Präsident Trump prahlt zwar damit, dass eine neue iranische Führung seinen Forderungen gegenüber aufgeschlossener sei, doch dafür gibt es kaum Anhaltspunkte. Ein 'Deal' ist nicht in Sicht."
Die panarabische Zeitung AL QUDS AL-ARABY hält jegliche Vermittlungbemühungen im Iran-Krieg für "zum Scheitern verurteilt": "Denn herkömmliche diplomatische Bemühungen scheinen angesichts von Trumps Persönlichkeit aussichtslos. Nicht nur hat er keinerlei Bedenken, Partner persönlich zu attackieren, die sich seinen Vorstellungen und Ideen verweigern. Er ist vor allem bereit, sämtliche Spielregeln der internationalen Diplomatie bewusst zu verletzen. Die Herausforderungen reichen weit über den Krieg hinaus. Sie lassen eine neue Logik der Kriegsführung erkennen, die die bisherigen Spielregeln dauerhaft aushebeln könnte. Das Völkerrecht verliert seine Autorität und wird zu einer Sammlung toter Texte. Dies ist umso gefährlicher, als diese Entwicklung ausgerechnet vom stärksten Land der Welt ausgeht: den USA", bemerkt die panarabische Zeitung AL QUDS AL-ARABY aus London.
Die türkische Zeitung STAR blickt auf den Krieg gegen die Ukraine und schreibt: "Während alle Augen auf den Iran gerichtet sind, eskalieren die Spannungen in einem anderen Teil der Welt. Kürzlich hat die Ukraine russische Energieinfrastruktur in der Ostsee ins Visier genommen. Die Drohnenangriffe auf Häfen wie Ust-Luga und Primorsk haben den Ölfluss und die Logistik direkt beeinträchtigt. Dies war mehr als nur eine militärische Maßnahme - denn die Angriffe waren auch auf die wirtschaftliche Kapazität gerichtet. Ein Kreml-Sprecher kündigte an, dass die Angriffe, die über den Luftraum der Nachbarländer verübt worden seien, nicht unbeantwortet bleiben würden. Somit werden sowohl der Angreifer als auch die geografische Lage, die den Angriff ermöglichte, Teil der Gleichung. Die Ostsee - und das Baltikum - werden immer mehr zu einem zweiten Kriegsschauplatz", mahnt STAR aus Istanbul.
Angesicht zahlreicher Kriege und Krisen in der Welt blickt die philippinische Zeitung MANILA TIMES auf die Bedeutung des eigenen Landes: "Es gibt nur wenige Länder, deren Bevölkerung weltweit so stark vertreten ist wie die der Philippinen. Unsere Landsleute bemannen etwa Handelsschiffe auf der ganzen Welt. Unsere globale Präsenz bringt gute Beziehungen zu jedem Land mit sich - und gleichzeitig bringt aber auch fast jeder Konflikt unser Volk in Gefahr. Der aktuelle Krieg im Nahen Osten mag eines der extremeren Beispiele dafür sein. Das soll nicht heißen, dass sich die Philippinen aus den internationalen Beziehungen zurückziehen sollten - ganz im Gegenteil. Die offenbar erfolgreichen Verhandlungen mit dem Iran über die Durchfahrt von Schiffen mit Ziel oder Flagge der Philippinen durch die gesperrte Straße von Hormus gibt einen Hinweis auf das Potenzial unseres Landes, beträchtlichen geopolitischen Einfluss auszuüben. Wir sind überall präsent und kommen mit allen gut aus, selbst mit jenen, die sich in erbitterten Konflikten feindlich gegenüber stehen. Warum also sollten wir wie ein Bittsteller auftreten? Man kann sich nur vorstellen, welches Chaos die Philippinen auslösen könnten, wenn unsere Regierung beispielsweise all unsere Seeleute anweisen würde, nach Hause zurückzukehren. Oder unsere Krankenschwestern, Lehrer, Bauingenieure oder Pflegekräfte. Unsere Bedeutung darf nicht unterschätzt werden. Die Welt braucht gerade jetzt dringend einen Friedensstifter, und es gibt nur wenige andere Nationen, die diese Rolle so gut ausfüllen können wie die unsere", ist die MANILA TIMES überzeugt.
