07. April 2026
Die internationale Presseschau

Die Kommentare beschäftigen sich mit US-Präsident Trumps beleidigendem Post zum Irankrieg und mit der Rolle, die China im Nahostkonflikt zukommen könnte. Zunächst geht es aber um die in Ungarn anstehende Parlamentswahl. Die Onlinezeitung T24 aus Istanbul bilanziert:

Viktor Orban, Ministerpräsident von Ungarn, trifft zum EU-Gipfel im Gebäude des Europäischen Rates in Brüssel ein.
Orban beim EU-Gipfel (AP / dpa / Geert Vanden Wijngaert)
"Die Wahlen am 12. April ähneln eher einem Machtkampf, dessen Ausgang vorgezeichnet ist, als einem klassischen demokratischen Wettbewerb. Präsident Orbán hat in Ungarn im Laufe der Jahre ein System etabliert, in dem die Wahlurne nur der letzte Schritt ist. Ein Großteil der Medien steht unter dem Einfluss der Regierung. In einem solchen Szenario verlieren Wahlen ihren fairen Charakter. Sie werden zu einem Spielfeld, auf dem die Opposition innerhalb der von der Regierungspartei vorgegebenen Regeln kaum agieren kann." Das war T24 aus Istanbul.
Die polnische Zeitung GAZETA WYBORCZA konzentriert sich auf den heutigen gemeinsamen Wahlkampfauftritt in Ungarn mit Vertretern der USA: „Der Besuch von Vizepräsident J.D. Vance in Budapest könnte der letzte Versuch der Fidesz-Partei sein, von der Lage im Land abzulenken. Und diese ist schlecht, weshalb die Opposition im Wahlkampf an Boden gewinnt. Kandidat Magyar benötigt für eine effektive Regierungsführung zwei Drittel der Stimmen, um eine verfassungsmäßige Mehrheit zu sichern. Diese benötigt er, um entscheidende Reformen durchzuführen. Eine einfache Mehrheit reicht dafür nicht aus. Es wird für Magyars Partei sehr schwierig sein, einen so großen Vorsprung bei der Wahl zu erzielen, aber es ist nicht unmöglich." Zu diesem Schluss kommt die GAZETA WYBORCZA aus Warschau.
Die tschechische Zeitschrift RESPEKT lenkt den Blick auf die EU: „Die gesamte Europäische Union wartet gespannt darauf, ob in einem der Mitgliedstaaten ein offener Saboteur der EU-Solidarität mit der Ukraine an der Macht bleiben wird, der – wie wir kürzlich erfahren haben – vertrauliche Informationen aus gemeinsamen Verhandlungen direkt an den russischen Feind weitergibt. Aus mitteleuropäischer Sicht ist dies noch greifbarer: Sollte Orbán die nächsten Wahlen gewinnen, wird dies die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass der tschechisch-slowakische Raum seinen Weg zu einer antiwestlichen politischen Wende fortsetzt. Deren Folgen können ohne Übertreibung schicksalhaft sein", warnt RESPEKT aus Prag.
Die norwegische Zeitung VERDENS GANG beschäftigt sich mit den möglichen Auswirkungen der ungarischen Wahl auf die EU-Beitrittsforderung der Ukraine: „2022, nur wenige Tage nach Beginn der russischen Vollinvasion, beantragte die Ukraine eine Aufnahme in die EU. Sie erhielt den Status als Kandidatenland, und 2024 wurde der Beitrittsprozess formell eingeleitet. Aber es ist noch viel zu tun, und auch wenn Präsident Wolodymyr Selenskyj bei mehreren Gelegenheiten angedeutet hat, dass die Ukraine schon nächstes Jahr beitreten will, ist2027 kein wahrscheinliches Datum. Ein Grund ist der hartnäckige Widerstand von Ungarns Regierungschef Viktor Orbán. Es könnte schon bald Jubel in Brüssel ausbrechen, da die Meinungsumfragen auf eine Niederlage seiner Partei bei den Parlamentswahlen am 12. April hindeuten. Aber noch fungiert er als unermüdliche Handbremse der Union", kommentiert VERDENS GANG aus Oslo.
Themenwechsel. US-Präsident Donald Trump hat am Osterwochenende in einem Post auf der Online-Plattform Truth Social dem Iran auf beleidigende Weise gedroht. Seine Rhetorik ist unter anderem Thema im Kommentar der CHATTANOOGA TIMES FREE PRESS aus Tennessee: "Am Sonntag, für Christen einer der heiligsten Tage des Jahres, hat Trump ein neues Tief erreicht. Am Tag der Auferstehung als Kind Gottes so über eine andere Gruppe von Gottes Kindern zu sprechen - seien sie noch so fehlgeleitet - verletzt die Gefühle. Wir möchten dem Präsidenten empfehlen, angesichts seiner Worte jetzt mal ein wenig Scham zu empfinden, wir sind uns aber nicht sicher, ob er über diese Fähigkeit verfügt", schreibt die US-amerikanische CHATTANOOGA TIMES FREE PRESS.
Ähnlich entsetzt zeigt sich auch die libanesische Zeitung AN NAHAR: "Das Problem ist nicht, dass Trump dem Iran droht. Das Problem ist, dass er Drohungen generell zu einem festen Bestandteil seiner Sprache gemacht hat. Er äußert sie in einem Stil, den nichts mit einem ernsthaften politischen Diskurs verbindet. Denn Trumps Drohungen passen sich den Anlässen nicht an. Trump droht allen gleichermaßen - er droht selbst engen Verbündeten. Inzwischen unterscheiden sich Trumps Beiträge auf seinem privaten Netzwerk Truth Social kaum mehr von offiziellen Äußerungen des Weißen Hauses. Eben dadurch wird Trumps Vulgarität zu einem Herrschaftsinstrument", befürchtet AN NAHAR aus Beirut.
Die Zeitung THE AUSTRALIAN aus Sydney ist der Ansicht, dass die Aufmerksamkeit auf Trumps verbalen Ausbruch zu sehr von dessen Handeln ablenkt: "Donald Trump ist ein bodenständiger Sprecher. Er sagt, was immer ihm gerade in den Kopf kommt. Er könnte der erste Politiker in der Geschichte sein, dessen Worten man absolut vertrauen kann, selbst wenn man das von seinen Motiven nicht behaupten kann. Unhöfliche Worte verletzen niemanden. Die eigentliche Gefahr ist Donald Trumps Geist. Wir sollten wohl dankbar sein, dass das Fenster zu diesem Geist weit offen steht. Wer sich jetzt auf Trumps Kraftausdrücke konzentriert, verliert sich im Kleinklein", warnt THE AUSTRALIAN.
Die portugiesische Zeitung CORREIO DA MANHÃ beschäftigt sich ebenfalls mit Trumps Rhetorik, allerdings bei der Pressekonferenz zur Rettung eines abgeschossenen Piloten im Iran: „Donald Trump machte daraus eine bizarre Veranstaltung, indem er versuchte, mit seinen üblichen plumpen Argumenten die Niederlage in einen Sieg zu verwandeln. Auf der Pressekonferenz ist wieder einmal deutlich geworden, vor welchem Dilemma Trump steht. Er hat gedroht, ein ganzes Land - gemeint ist der Iran - in nur einer Nacht zu zerstören, und diese Nacht könnte schon heute anbrechen. Dann wiederum ließ Trump wissen, er brauche die NATO eigentlich nicht, obwohl er sie erst kurz zuvor um Hilfe gebeten hatte. Das alles zeigt, wie orientierungslos Trump in diesem Konflikt agiert", kommentiert CORREIO DA MANHÃ aus Lissabon.
Vor dem Hintergrund des Irankriegs beschäftigen sich viele Zeitungskommentare auch mit der Rolle Chinas, vor allem mit Blick auf die durch den Konflikt verteuerten Rohstoffe. THE STRAITS TIMES aus Singapur bemerkt: "Seit mindestens einer Dekade haben sich Entwicklungsländer in Asien und Afrika Sorgen gemacht, von China abhängig zu werden. Nach sechs Wochen des Krieges sind es nun die Länder, die auf chinesische Versorgungsketten gesetzt haben, denen es jetzt deutlich besser ergeht als denen, die auf die Pax Americana vertraut haben. Das wird nur schlimmer werden, wenn US-Präsident Donald Trump sich aus dem Golf zurückzieht, ohne die Straße von Hormus wieder zu öffnen. Dann wird die Lektion, die die Welt lernt, noch härter: Amerika trifft Entscheidungen über eure Energieversorgung, übernimmt keine Verantwortung für die Konsequenzen und verschwindet dann wieder. China wird euch die Technologie verkaufen, die euch Freiheit von den USA erlaubt. Das wäre ein sehr viel größerer geopolitischer Rückschlag für die USA als jeglicher Gesichtsverlust im Irankrieg", urteilt THE STRAITS TIMES aus Singapur.
Im Irankrieg spielt China nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht eine Rolle. Das Land legte auch eine Fünf-Punkte-Initiative mit Pakistan zur Wiederherstellung des Friedens im Nahen Osten vor. Die chinesische Tageszeitung HUANQIU SHIBAO [Aussprache: Chuantsjöu Schöbau] ist davon sehr angetan: "Der pragmatische und konstruktive Friedensplan verdeutlicht Pekings Rolle als verantwortungsbewusste Großmacht. Der Plan sieht die sofortige Einstellung der Feindseligkeiten, die schnellstmögliche Aufnahme von Friedensgesprächen sowie die Gewährleistung der Sicherheit ziviler Ziele und der Seewege gemäß der Charta der Vereinten Nationen vor. Da sowohl Washington als auch Teheran Gesprächsbereitschaft bekundet haben, kam diese Initiative genau zur rechten Zeit", lobt HUANQIU SHIBAO aus Peking, mit der diese Presseschau endet.