08. April 2026
Die internationale Presseschau

Neben den anstehenden Wahlen in Ungarn geht es vor allem um die jüngsten Entwicklungen im Iran-Krieg. In der Nacht haben die USA, der Iran und Israel einem Vorschlag Pakistans für eine zweiwöchige Waffenruhe zugestimmt. In diesem Zuge will der Iran auch die Straße von Hormus wieder öffnen.

    Ein iranischer Freiwilliger räumt Schutt in einem zerstörten Gebäude in der Stadt Karaj weg.
    Zentrales Kommentarthema ist die vereinbarte Waffenruhe im Iran-Krieg. (picture alliance / NurPhoto / Morteza Nikoubazl)
    Die australische Zeitung THE AGE gibt sich verhalten optimistisch: "Alles, was sich im Moment dazu sagen lässt, ist, dass die Chancen auf Frieden heute größer erscheinen als gestern. Nur ist jede Analyse dessen, was diese angebliche Waffenruhe bedeutet, weitgehend müßig – weil wir nicht wissen, ob sie Bestand haben wird. Und weil alle drei Parteien – die USA, der Iran und Israel – so sehr zu Meinungsmache, Hysterie, leeren Drohungen und patriotischem Getöse neigen, dass es schwerfällt zu unterscheiden, was der Realität entspricht und was nicht", hält THE AGE aus Sydney fest.
    "Zweifellos war es ein taktischer Sieg in letzter Minute, der zumindest vorübergehend den Transport durch die Straße von Hormus wieder in Gang bringen dürfte", heißt es in der NEW YORK TIMES. "Doch keine der grundlegenden Fragen, die zum Krieg geführt haben, wird dadurch gelöst. Die theokratische Regierung im Iran herrscht nun über eine eingeschüchterte Bevölkerung, die von Raketen und Bomben schwer getroffen wurde. Das iranische Atomwaffenarsenal bleibt bestehen. Zudem hat der Iran gezeigt, dass er 13.000 gezielte Angriffe verkraften und zugleich einen beeindruckenden asymmetrischen Krieg führen kann. Präsident Trump steht vor der Herausforderung, nicht nur eine dauerhafte Lösung zu erzielen, sondern auch den USA und der Welt zu beweisen, dass dieser Konflikt es überhaupt wert war, ausgetragen zu werden", meint die NEW YORK TIMES aus den USA.
    Die niederländische Zeitung DE VOLKSKRANT geht davon aus, dass US-Präsident Trump und die Führung in Teheran die Waffenruhe jeweils als Erfolg für sich verbuchen. "Trump kann seinen Landsleuten versichern, dass er auf ein Ende seines unpopulären Krieges hinarbeitet. Und die wiedereröffnete Schifffahrtsroute durch den Nahen Osten wird die Kraftstoffpreise nach wochenlangem Anstieg wohl wieder drücken. Der Iran bekommt derweil die Gelegenheit, sich von Tausenden von Bombenangriffen zu erholen. Zudem stellt diese Waffenruhe eine gewisse Anerkennung des derzeitigen Regimes durch die USA dar, zumindest als legitimer Verhandlungspartner. Und obwohl der Iran seinen wichtigsten Trumpf vorübergehend aus der Hand gibt, geschieht dies doch zu seinen Bedingungen. Das Regime kündigte an, ab jetzt von Schiffen in der Straße von Hormus eine Abgabe zu verlangen, die für den Wiederaufbau verwendet werden soll", vermerkt DE VOLKSKRANT aus Amsterdam.
    Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG aus der Schweiz ergänzt: "Mit seinem Rückzieher gesteht Trump im Grunde ein, dass eine Öffnung der Meerenge mit militärischen Mitteln kaum zu erreichen ist. Auch wenn es den USA gelingen sollte, iranische Küstengebiete mit Bodentruppen zu besetzen, wäre das Regime womöglich immer noch in der Lage, den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus aus größerer Entfernung zu torpedieren. Es dürfte schwierig werden für Trump, am Verhandlungstisch zu erreichen, was er nun im Krieg nicht erreichen konnte. Irans Rüstungsindustrie und sein Raketenarsenal wurden zwar dezimiert. Aber die amerikanischen Geheimdienste schätzen, dass immer noch die Hälfte der iranischen Raketensysteme intakt sind", erinnert die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG.
    Die chinesische Zeitung XINMIN WANBAO mit Sitz in Schanghai verweist auf einen weiteren Faktor, der die vereinbarte Waffenruhe belasten könnte: "Israel hat angekündigt, weiterhin gegen Verbündete des Iran vorzugehen. Daher ist zu befürchten, dass Israels Premier Netanjahu eine Friedenslösung ein weiteres Mal sabotieren und somit die Grundlage für weitere Verhandlungen vollständig zerstören könnte. Es hängt nun also davon ab, wie viel Einfluss der US-Präsident auf Israel ausüben kann."
    Ohne Einigung wäre in der Nacht das Ultimatum ausgelaufen, in dem Trump mit einer kompletten Zerstörung der kritischen Infrastruktur des Iran gedroht hatte. Die japanische Zeitung ASAHI SHIMBUN aus Tokio findet, dass der US-Präsident die von ihm gesetzte Frist mehrfach verlängert habe, zeige: "wie stark Trump – trotz der Überlegenheit des US-Militärs – unter politischem Druck steht. Mit seiner irrwitzigen Drohung, er wolle im Iran eine ganze Zivilisation auslöschen, hat er das Ansehen der Vereinigten Staaten stark beschädigt."
    Die vom saudi-arabischen Königshaus in London herausgegebene Zeitung SHARQ AL-AWSAT erklärt sich Trumps Wortwahl folgendermaßen: "Der US-Präsident setzt seit Langem auf eine ebenso deutliche wie verletzende Sprache. Sie zielt darauf ab, Zeit zu sparen und den Iran von Verzögerungstaktiken abzuhalten. Zweifellos ist Trumps Ansatz, das iranische Revolutionsregime zu stürzen, gefährlich und komplex. Doch der Sturz der Führung in Teheran darf nicht länger aufgeschoben werden. Mit den üblichen politischen Aushandlungsprozessen ist der iranische Machtapparat nicht zu erreichen."
    Der SYDNEY MORNING HERALD befasst sich mit der wirtschaftlichen Seite der Waffenruhe: "Mit der der geplanten Öffnung der Straße von Hormus dürfte ein Teil des Öls wieder fließen. Doch es wird sicher Monate dauern, bis der Markt wieder normal funktioniert. Es ist natürlich denkbar, dass die Waffenruhe nicht hält und der Iran die Straße von Hormus erneut schließt. In jedem Fall aber wird die Welt des Öls nie wieder dieselbe sein, denn der Iran hat seine lang propagierte Fähigkeit demonstriert, einen erheblichen Teil der weltweiten Ölversorgung lahmzulegen. Donald Trump könnte mit dem von ihm begonnenen Krieg nicht nur die globalen Ölpreise, sondern auch die Energiepreise in den USA dauerhaft erhöht haben - mit weltweit steigenden Inflationsraten und geringerem Wachstum als Folge", notiert der SYDNEY MORNING HERALD aus Australien.
    Nun nach Ungarn, wo am Sonntag Parlamentswahlen anstehen. Die norwegische Zeitung DAGSAVISEN blickt auf dem Wahlkampf: "Die Kampagne der regierenden Fidesz-Partei von Präsident Orban war voll von wilden Behauptungen, Schmutz und Angstpropaganda. Fidesz behauptete etwa, die Oppositionspartei Tisza von Péter Magyar wolle Ungarn zusammen mit der EU in den Ukraine-Krieg hineinziehen. Aber die ungarische Bevölkerung sieht auch, wie sehr sich das Umfeld von Orbán bereichert hat, während sie selbst immer ärmer werden. EU-Zahlungen bleiben aus wegen Korruption und fehlender Rechtsstaatlichkeit, während sich Péter Magyar und Tisza als Alternative präsentieren", schreibt DAGSAVISEN aus Oslo.
    Die türkische KARAR aus Istanbul ist überzeugt: "Der Ausgang der Wahl in Ungarn wird auch Auswirkungen auf die Weltpolitik haben. Gewinnt Orbán, wird der ukrainische Regierungschef Selenskyj traurig sein, während sich Putin freuen wird. Im Januar hatte Orban sein Veto gegen den 90-Milliarden-Euro-Kredit der EU an die Ukraine eingelegt. Freuen dürfte sich dann auch der israelische Premierminister: Orbán hat den Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs gegen Netanjahu abgelehnt und unterstützt ihn in der Gaza-Frage. Auch US-Präsident Trump wird hocherfreut sein, sollte Orbán die Wahl gewinnen. Damit hätte er der Europäischen Union einen schweren Schlag versetzt und seinen 'treuen Vasallen' in Europa an der Macht gehalten", konstatiert KARAR aus Istanbul.
    Die spanische Zeitung EL MUNDO kritisiert den Besuch von US-Vizeminister Vance bei Orbán: "Das ist nichts anderes als eine Einmischung in einen Wahlkampf. Die Stimmung ist besonders angespannt, weil die Opposition zum ersten Mal seit 16 Jahren eine echte Chance auf einen Wahlsieg hat. Es ist unklar, inwieweit die Unterstützung von JD Vance Orbán nützen wird. Die MAGA-Bewegung hat unter den antieuropäischen Populisten in Ungarn wie auch in anderen Ländern an Strahlkraft verloren. Gewinnt Orbán die Wahlen, wäre das ein Sieg für die Trump-Regierung. Aber die Einmischung in den Wahlkampf eines EU-Mitglieds ist eines verbündeten Landes unwürdig", befindet EL MUNDO aus Madrid, und damit endet die Internationale Presseschau.