
Die WASHINGTON POST schreibt: "Der Krieg hat Dutzende Mitglieder des iranischen Regimes getötet, doch es bleibt intakt. Ziel der iranischen Führung wird es sein, die Verhandlungen so lange wie möglich hinauszuzögern, um sich neu zu formieren. Der Wunsch nach einer Einigung ist verständlich, aber kein Abkommen ist immer noch besser als ein schlechtes", urteilt die WASHINGTON POST.
Die polnische Zeitung GAZETA WYBORCZA führt an: "Die Geschichte kennt Fälle, in denen kurze Kriege, die einen schnellen Sieg bringen und nationale Probleme überdecken sollten, in Katastrophen endeten. So ist es auch hier. Am meisten können einem die Menschen im Iran leidtun, die seit mehr als einem Jahrzehnt regelmäßig gegen das Regime aufbegehren. US-Präsident Trump hatte Unterstützung für die Opposition angekündigt. Doch in Wirklichkeit hat er ihr den Sauerstoff entzogen und die iranischen Hardliner für Jahre gestärkt. Dieser Hydra werden neue Köpfe wachsen", warnt die GAZETA WYBORCZA aus Warschau.
Die pan-arabische Zeitung AL QUDS AL-ARABY, die in London erscheint, betont: "Der Waffenstillstand zeigt vor allem eines: Militärische Überlegenheit reicht nicht aus, um einen Gegner zu bezwingen, der über lange Zeit Schläge nicht nur einzustecken vermochte, sondern auch zurückschlagen kann. Der Iran ist nicht zusammengebrochen, und die Bevölkerung, auf deren Aufstand Israels Ministerpräsident Netanjahu gesetzt hatte, hat sich zu großen Teilen zur Verteidigung ihres Landes hinter den Staat gestellt. Das hat die Widerstandsfähigkeit des Regimes ebenso wie seine Verhandlungsmacht gestärkt", stellt AL QUDS AL-ARABY fest.
Die JERUSALEM POST blickt auf die Situation in der Straße von Hormus: "Der Iran hat erkannt, dass ihm die Blockade eines Fünftels der weltweiten Ölversorgung Einfluss verschafft. Kein Luftangriff kann dies verhindern. Die im Waffenstillstand vereinbarte Regelung für Schifffahrtsgebühren birgt die Gefahr, diesen Einfluss zu festigen. Sollten die Verhandlungen in Islamabad dazu führen, dass der Iran seine Zwangsmaßnahmen in eine dauerhafte Einnahmequelle umwandeln kann, würde ein Großteil dessen, was durch die Militäraktion erreicht wurde, zunichte gemacht", argumentiert die JERUSALEM POST aus Israel.
In einem Gastkommentar in der japanischen Zeitung ASAHI SHIMBUN heißt es: "Bislang war das Interesse der internationalen Gemeinschaft wegen der Blockade der Straße von Hormus zu sehr auf die Lage im Iran gerichtet. Allerdings wird eine nachhaltige Waffenruhe nicht möglich sein, solange die Krise im Libanon vernachlässigt wird. Nicht nur aus humanitären Gründen, sondern für die Stabilität der Region und aus Sicht der Weltwirtschaft müssen die israelischen Angriffe auf den Libanon gestoppt werden", liest man in ASAHI SHIMBUN aus Tokio.
"Der Libanon könnte die Bruchstelle der Waffenruhe werden", befürchtet STAR aus Istanbul. "Netanjahu steht in Israel unter Druck. Er hat keines der strategischen Ziele erreicht, die er im Iran-Krieg ausgegeben hat. Deshalb sieht er in der Aufrechterhaltung der libanesischen Front eines der geeignetsten Mittel, um innenpolitische Konsequenzen hinauszuzögern. Es wäre nicht pessimistisch zu sagen, dass die zweiwöchige Waffenruhe eher eine Atempause für die Parteien darstellt als einen dauerhaften Frieden", bemerkt die türkische Zeitung STAR.
"Am beunruhigendsten für Regierungen von Peking und Delhi bis Berlin und London ist wohl das düstere Schauspiel, das sich derzeit in Washington abspielt", meint THE IRISH TIMES. "Trumps mit Schimpfwörtern gespickte Apokalypse-Drohungen der vergangenen Tage stellen eine Entwürdigung des amerikanischen Präsidentenamtes dar. Es besteht die Befürchtung, dass der Anführer der mächtigsten Nation der Welt psychisch außer Kontrolle geraten ist. Die verfassungsrechtlichen Beschränkungen des amerikanischen Systems und der internationalen Ordnung sind damit einer langwierigen Belastungsprobe ausgesetzt", schreibt THE IRISH TIMES aus Dublin.
LIANHE BAO aus Taipeh notiert: "Trumps Vorstellung eines 'präzisen Schlags' gegen den Iran hat zu einer geopolitischen Krise geführt. Der grundlegende Fehler liegt in der massiven Unterschätzung der iranischen Resilienz. Mit der asymmetrischen Kriegsführung macht Teheran deutlich, dass es der politischen Führung in Washington an strategischer Klugheit mangelt. Die Entscheidung der Trump-Regierung, fachliche Expertise durch dramatische Rhetorik zu ersetzen, führt zu einem strukturellen Risiko und verspielt die Glaubwürdigkeit der Vereinigten Staaten. Der Wendepunkt der amerikanischen Hegemonie ist erreicht", ist LIANHE BAO aus Taiwan überzeugt.
"Donald Trump ist wie besessen von dem Gedanken, Geschichte zu schreiben", kommentiert die kolumbianische Zeitung EL ESPECTADOR. "Und das wird er mit Sicherheit auch, wenngleich nicht so, wie erhofft. Die Erzählung wird nicht mit bombastischer Pracht daherkommen, sondern es wird um Vetternwirtschaft, erratische Impulse, die Verfolgung Andersdenkender und Drohungen wie die gehen, eine ganze Zivilisation zu vernichten. Es kann keine Rechtfertigung dafür geben, dass der Präsident der stärksten Demokratie der Welt so mit Menschenleben spielt", mahnt EL ESPECTADOR aus Bogotá.
Die estnische Zeitung POSTIMEES bringt eine weitere Folge des Iran-Kriegs ins Spiel: "Eindeutig profitiert hat in jedem Fall die Ukraine, denn Präsident Selenskyj konnte mit mehreren Golfstaaten Rüstungsverträge schließen. Niemand auf der Welt verfügt im Augenblick über so viel Erfahrung in der Kriegsführung mit Drohnen wie die Ukraine, und Kiew ist bereit, die Golfanrainer daran teilhaben zu lassen. Außerdem führt die Waffenruhe dazu, dass sich die Aufmerksamkeit der Welt wieder verstärkt der Ukraine zuwenden kann - und ein sinkender Ölpreis schwächt Russland. Selenskyj hat also durchaus Trümpfe auf der Hand", beobachtet POSTIMEES aus Tallinn.
Themenwechsel. Die NEW TIMES aus Kigali blickt auf die Geschichte Ruandas und kritisiert den Umstand, dass die US-Regierung in offiziellen Mitteilungen nicht wie die Vereinten Nationen von einem "Völkermord an den Tutsi", sondern lediglich von einem "Völkermord in Ruanda" spricht: "In einer Welt voller Geschichtsrevisionismus und extremistischer Narrative ist Klarheit umso wichtiger. Die USA haben sich oft als Verteidiger von Menschenrechten und historischer Verantwortung positioniert. Ihre offizielle Sprache an international anerkannte Formulierungen anzupassen, würde diese Position stärken. Außerdem würde damit eine Lücke geschlossen, die seit Jahren stillschweigend von Leugnern ausgenutzt wird. Geschichte wird nicht nur durch Archive und Gedenkstätten bewahrt, sondern auch durch die Worte, die Regierungen wählen oder vermeiden. Im Falle Ruandas sind diese Worte nach wie vor von Bedeutung. Sie prägen die Zukunft von Wahrheit und Gerechtigkeit", kommentiert THE NEW TIMES.
Ein Gastkommentator in der nigerianischen Zeitung THE GUARDIAN geht auf die europäisch-afrikanischen Beziehungen ein und übt deutliche Kritik: "Man kann mit Fug und Recht sagen, dass Europa Afrika trotz seiner geografischen Nähe selten ein guter Nachbar war. Obwohl die EU von einer 'Partnerschaft' spricht, sind die Beziehungen weiterhin von fünf Jahrhunderten Sklaverei und Kolonialismus geprägt. Um zu verstehen, wie sehr der Imperialismus noch nachwirkt, reicht ein Blick auf den Gipfel zwischen der Afrikanischen und der Europäischen Union im vergangenen Herbst. Die Politiker trugen die abgedroschenen Plattitüden über 'gemeinsame Werte' und 'gegenseitige Interessen' vor. Doch das Treffen folgte dem gleichen Muster wie die vorherigen Gipfel: Die EU-Spitzenpolitiker taten so, als würden sie die afrikanischen und europäischen zivilgesellschaftlichen Gruppen und Unternehmen konsultieren, ignorierten deren Beiträge jedoch weitgehend. Die Ausarbeitung der 'gemeinsamen' Dokumente wurde den Eurokraten überlassen", schreibt THE GUARDIAN aus Lagos. Und damit endet die Presseschau.
