10. April 2026
Die internationale Presseschau

Themen sind die bevorstehenden Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran in Pakistan und der Besuch der taiwanischen Oppositionsführerin in Peking. Auftakt machen die Spannungen innerhalb der NATO und das Treffen von Generalsekretär Rutte mit US-Präsident Trump.

Der Sitz des pakistanischen Ministerpräsidenten, ein großes Gebäude mit heller Fassade, davor stehen Barrikaden.
Die anstehenden Verhandlungen in Islamabad sind Thema vieler Kommentare. (picture alliance / ZUMAPRESS.com / Ilya Ryzhov)
"Europa hat genug davon, Trump nachzugeben", notiert ein Autor der NEW YORK TIMES: "Mehr als ein Jahr nach Trumps Rückkehr ins Weiße Haus sind die Europäer - und ein Großteil der Welt - zu dem Schluss gekommen, dass man mit Unterwürfigkeit höchstens flüchtig Anerkennung von ihm erhalten kann. NATO-Generalsekretär Rutte, der als eine Art Trump-Flüsterer gesehen wird, könnte einer der letzten, wenn nicht der letzte Europäer sein, der noch an Schmeichelei festhält und versucht, freundschaftliche Beziehungen aufrechtzuerhalten", wird in der NEW YORK TIMES analysiert.
Ein Kommentator der dänischen Zeitung JYLLANDS-POSTEN zeigt Verständnis für das Auftreten Ruttes: "Im Gegensatz zu Donald Trump, der seinen Emotionen freien Lauf lässt, beherrscht der NATO-Generalsekretär die Kunst, die Maske aufzubehalten. Er scheint jetzt der rechte Mann am rechten Ort zu sein. Aber es wird für ihn immer schwieriger zu liefern. Trump will nicht nur, dass die europäischen NATO-Partner mehr bezahlen, sondern er will ein gefügiges Europa, das auf derselben ideologischen Linie liegt wie er selbst", wird in der JYLLANDS-POSTEN aus Arhus geschrieben.
Ein Urteil in der Zeitung LE MONDE aus Paris lautet: "Trumps Anti-NATO-Ausbrüche haben das Bündnis unbestreitbar geschwächt. Seine Rhetorik stellt die automatischen Verpflichtung infrage. Über den Atlantik hinweg ist die NATO auf ein gewisses Maß an Vertrauen angewiesen. Dieses Vertrauen ist verschwunden."
In Pakistan finden am Wochenende Gespräche über eine dauerhafte Friedenslösung zwischen dem Iran und den USA statt. "Pakistan hat große Verantwortung übernommen", vermerkt ein Kommentator der PAKISTAN TODAY aus Lahore: "Die Wahrung des Friedens wird sich als gewaltige Aufgabe erweisen, vor allem, weil die zugrunde liegenden Probleme zwischen dem Iran und den USA nicht gelöst wurden."
Ein Autor der indischen Zeitung THE TRIBUNE aus Chandigarh lobt das Vorgehen des Nachbarlandes: "Pakistan hat seine diplomatische Präsenz gestärkt. Das Land scheint nun, zumindest vorübergehend, seine strategische Bedeutung für die USA zurückgewonnen zu haben, während es gleichzeitig die Kanäle zum Iran, Saudi-Arabien und China aufrechterhält. In der Geopolitik ist Bedeutung eine Währung für sich."
"Alle Augen sind auf Islamabad gerichtet", wird in den ARAB NEWS aus Saudi-Arabien getitelt: "Die USA würden keine so hochrangige Delegation schicken, wenn sie nicht daran glauben würden, dass ein ernsthafter Fortschritt erreicht werden könnte. Es bleibt im Interesse des unschuldigen iranischen Volkes und der gesamten Region zu hoffen, dass die iranischen Verhandlungsführer Vernunft zeigen und nicht auf Kernpunkten wie dem Recht auf Urananreicherung beharren. Hätte Teheran bereits darauf verzichtet, hätte dies die letzten fünf Wochen der Zerstörung verhindern können", meint ein Autor der ARAB NEWS aus Riad.
In der arabischsprachigen Zeitung ASHARQ AL-AWSAT wird eine dauerhafte Lösung für unwahrscheinlich gehalten: "Vieles deutet darauf hin, dass der Iran im laufenden Konflikt nicht auf direkte konventionelle Konfrontation, sondern auf asymmetrische Kriegsführung setzt. Dieser Ansatz ermöglicht es Teheran, den Konflikt nach Belieben in die Länge zu ziehen. Washington hingegen scheint zwar bestrebt, die Eskalation in einem beherrschbaren Rahmen zu halten. Doch birgt jeder Angriff das Risiko einer Fehlkalkulation, und jede Reaktion könnte unausgesprochene Grenzen überschreiten." Das war eine Stimme aus der Zeitung ASHARQ AL-AWSAT mit Sitz in London.
Auch in der lettischen DIENA werden Zweifel geäußert: "Grund dafür ist, dass beide Seiten jeweils der Ansicht sind, die treibende Kraft hinter der Waffenruhe gewesen zu sein. Aber ihre Betrachtungsweisen gehen nicht zusammen, und beide Seiten stellen ultimative Forderungen, die für die Gegenseite unannehmbar sind. Da wirkt eine Einigung eher unwahrscheinlich, während die Wahrscheinlichkeit steigt, dass die Waffenruhe nur kurzzeitig anhält", heißt es in der Zeitung DIENA aus Riga.
Ein Kommentator der türkischen Zeitung SABAH aus Istanbul rechnet damit, dass die Golfstaaten unabhängig von möglichen Vereinbarungen in Pakistan Alternativen für die Straße von Hormus suchen werden: "Die Ankündigung Saudi-Arabiens, eine neue Pipeline zu bauen, die die Straße von Hormus für Ölimporte und -exporte aus den Ländern des Nahen Ostens ersetzen soll, ist ein erster Schritt. Auch andere Staaten streben ähnliche Projekte an. Diese Situation birgt große Chancen für die Türkei, die sich in einer einzigartigen Position für solche Leitungen befindet."
Eine Gastkommentatorin appelliert in der südafrikanischen Zeitung MAIL AND GUARDIAN an die Länder Afrikas, sich diplomatisch einzubringen: "Die Zeit nach dem Kalten Krieg, die durch die Dominanz einer einzigen Weltmacht geprägt war, weicht zunehmend einer komplexen Machtverteilung. Diese sich wandelnde geopolitische Landschaft schafft neuen Spielraum für afrikanische Diplomatie. Da die Weltmächte um Märkte, Ressourcen und Allianzen konkurrieren, könnten afrikanische Staaten eine stärkere Position in Verhandlungen über Handelsabkommen oder Entwicklungshilfen erlangen. Der diplomatische Wettbewerb kann die Möglichkeiten der afrikanischen Regierungen erweitern", lautet eine Analyse in der MAIL AND GUARDIAN aus Johannesburg.
Die taiwanische Oppositionsführerin Cheng Li-wun ist nach China gereist und hat dort Staatschef Xi Jinping getroffen. Eine Gastkommentatorin der japanischen NIHON KEIZAI SHIMBUN wertet den Besuch wie folgt: "Für China ist es in verschiedener Hinsicht von großer Bedeutung. Vor allem ist der Zeitpunkt mit Bedacht gewählt. Kurz vor seinem Gipfeltreffen mit US-Präsident Trump hat Chinas Staatschef Xi in Peking die Chefin der taiwanischen Oppositionspartei empfangen, um eine Botschaft Richtung Washington zu senden: Amerika sollte sich in die Taiwan-Frage nicht einmischen. Auch was den Iran-Krieg betrifft, konnte Xi sein Treffen mit Frau Cheng als eine starke Botschaft verkaufen: Im Gegensatz zu Washington, das einen Krieg begann, bemühe sich Peking um den Frieden", wird in NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio erläutert.
In der taiwanischen Zeitung LIANHE BAO wird der Besuch vorsichtig optimistisch gesehen: "Sicher stehen dahinter strategische Überlegungen. Dennoch kann die Wiederaufnahme des Dialogs zur Stärkung des Vertrauens in den Frieden in der taiwanischen Gesellschaft beitragen. Chengs Reise kann die Lage nicht sofort verändern, aber sie kann Impulse geben: In einer neuen Situation, in der Wettbewerb und Koexistenz zwischen den USA und China nebeneinander bestehen, sollte Taiwan eine neue Position suchen und als Ausgleichsfaktor zwischen beiden Seiten wirken. Nur so kann Taiwan verhindern, zum Spielball oder gar zum Schlachtfeld zu werden", wird in einem Kommentar in LIANHE BAO aus Taipeh vermutet.
In der australischen Zeitung THE AGE gibt es eine kritischere Stimme: "Chengs Reise birgt jedoch auch Risiken für ihre eigenen politischen Ambitionen. Ihre Botschaften und ihr Tonfall werden in Taiwan, wo die Polarisierung zwischen Anhängern der Regierung von Präsident Lai und der Opposition immer stärker wird, genauestens analysiert und diskutiert. Doch Pekings Wiedervereinigungsagenda nachzuplappern, bleibt politische Selbstschädigung. Im Rahmen dieses Balanceakts argumentiert Cheng, dass sie Taiwans Beziehung zu den USA schätzt und dass diese durch engere Beziehungen zu China nicht beeinträchtigt wird. Washington, das Chengs selbsternannte 'Friedensreise' zweifellos genau beobachtet, dürfte davon erst noch überzeugt werden müssen." Mit diesem Kommentar in THE AGE aus Sydney endet die Presseschau.