11. April 2026
Die internationale Presseschau

Mit Stimmen zu den Waffenstillstandsverhandlungen im Iran-Krieg und zur morgigen Parlamentswahl in Ungarn.

Ein Plakat in einem Park mit der Aufschrift "Islambad Talks"
In der pakistanischen Hauptstadt Islamabad sollen am Samstag Verhandlungen zwischen den USA und Iran stattfinden. (picture alliance / TASS / Ilya Ryzhov)
Die US-amerikanische Zeitung USA TODAY bezeichnet die Verhandlungen in Pakistan zwischen den USA und dem Iran als "Weg ins Nirgendwo": "Trotz der Behauptung von Präsident Trump, er habe einen Regimewechsel im Iran herbeigeführt, hat sich die Führung des Landes nicht grundlegend verändert. Die Gesichter mögen andere sein, die Ideologie ist jedoch dieselbe geblieben. Vor dem Krieg zeigte der Iran seine Macht auf zwei Arten: durch sein Atomprogramm und durch ein Netzwerk von Stellvertretermilizen, das sich über den Nahen Osten erstreckte. Nun verfügt er über eine dritte Machtquelle: die Fähigkeit, die Straße von Hormus zu blockieren und die globalen Ölmärkte zu verunsichern. Der Nahe Osten braucht einen Weg zu echtem Frieden – keinen Waffenstillstand, der den Iran stärkt und ins Leere führt", verlangt USA TODAY.
Der britische GUARDIAN geht auf die Rolle von US-Vizepräsident Vance ein, der die amerikanische Delegation bei den Friedensgesprächen in Pakistan leitet: "Vance, ein lautstarker Gegner der US-Kriege im Nahen Osten, wird nun auf iranische Unterhändler treffen, die sich durch ihre Kontrolle über die Straße von Hormus gestärkt fühlen. Er wird in Islamabad vor einer schwierigen Entscheidung stehen: Entweder macht er dem Iran erhebliche Zugeständnisse, um den Waffenstillstand aufrechtzuerhalten und die Öffnung der Straße von Hormus auszuhandeln – oder er bricht die Verhandlungen faktisch ab und unterstützt persönlich die Wiederaufnahme eines Krieges, der bei der amerikanischen Öffentlichkeit unbeliebt ist. Die Ergebnisse könnten erhebliche Auswirkungen auf seine erwartete Kandidatur für die Präsidentschaft im Jahr 2028 haben", prophezeit THE GUARDIAN aus London.
Für die pakistanische Zeitung DAILY TIMES ist es kein Zufall, dass die Gespräche zwischen dem Iran und den USA in ihrem Land stattfinden: "Pakistan erkannte die Lage frühzeitig, handelte besonnen und hielt seine Kommunikationskanäle offen, während andere damit beschäftigt waren, Partei zu ergreifen. Es sprach mit beiden Lagern, ohne sich in Szene zu setzen, und bot eine Plattform, die keine der beiden Seiten ignorieren konnte. Dies ist Pakistans Moment - nicht weil das Land kurz davor steht, Gastgeber eines historischen Treffens zu sein, sondern weil es dieses Treffen ermöglicht und ihm Bedeutung verliehen hat. Es erinnert eine unruhige Welt daran, dass es selbst in Zeiten risikoreicher Politik noch Staaten gibt, die bereit und in der Lage sind, den Tisch zu stabilisieren, wenn er zu wackeln beginnt", lobt die DAILY TIMES aus Lahore.
Die Golfstaaten sind bei den Verhandlungen nicht vertreten, wie die libanesische Zeitung AN NAHAR herovorhebt: "Bereits bei den Atomverhandlungen zwischen den USA und dem Iran 2015 wurde den Golfstaaten kein Platz am Verhandlungstisch eingeräumt. Dieses Vorgehen wiederholt sich nun bei den anstehenden Gesprächen im Islamabad. Mit Blick auf die Waffenstillstandsverhandlungen steht Washington darum vor einer klaren Entscheidung: Entweder strebt es eine schnelle Einigung an oder es investiert in den Aufbau eines umfassenden Abkommens, das ein dauerhaftes Engagement der am stärksten betroffenen Parteien, also auch der Golfstaaten, garantiert – zwei Wege, die schwer miteinander vereinbar sind", erläutert AN NAHAR aus Beirut.
Die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN geht näher auf die Straße von Hormus ein: "Die internationale Gemeinschaft sollte für eine bedingungslose Öffnung der Straße von Hormus ihren Druck auf den Iran erhöhen. Andernfalls wäre zu befürchten, dass dies als schlechtes Beispiel für andere Regionen der Welt wie etwa den Indopazifik dient. So könnte Chinas aggressive Expansion im Südchinesischen Meer beschleunigt werden. Das chinesische Militär könnte gegen ausländische militärische Aktivitäten in der Region wie die Durchfahrt von Militärschiffen härter vorgehen", warnt NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
Bedenken äußert auch die chinesische Zeitung JIEFANG RIBAO: "Der Iran versteht, die Straße von Hormus als einen strategischen Hebel für sich zu nutzen. Die von Teheran angeregten Mautgebühren sollen auch nach dem Kriegsende bleiben. Das könnte dem Land Milliarden einbringen. Es zeigt sich, dass der neue iranische Anführer beabsichtigt, mit der Öffnung der Straße von Hormus die finanziellen Verluste durch den Krieg zu kompensieren und gleichzeitig die eigene Position am Persischen Golf neu zu definieren. Und das könnte funktionieren. Denn das Weiße Haus zeigt sich von Tag zu Tag nervöser."
Die türkische Zeitung BIRGÜN blickt auf die Wahl in Ungarn: "Für manche hat Regierungschef Orban gegen seinen Herausforderer Peter Magyar jetzt schon verloren. Die Umfragen zeigen Magyar deutlich vor Orban. Gleichzeitig deuten sie jedoch auf 30 Prozent 'Unentschlossener' hin. Mit anderen Worten: Auch Orban, der die Bemühungen der EU blockiert hat, der Ukraine militärische und wirtschaftliche Hilfe in Milliardenhöhe zukommen zu lassen, könnte diese Wahl noch gewinnen", glaubt BIRGÜN aus Istanbul.
Die österreichische Zeitung DIE PRESSE rechnet selbst bei einem Wahlsieg Magyars nicht mit einem schnellen Wandel: "Erstens, weil er nicht der linksliberale Anti-Orbán ist, zu dem er von Teilen des politischen Spektrums stilisiert wird. Vor allem aber lässt sich das autoritäre System Orbán nicht an einem Tag beseitigen. Im besten Fall dauert der Rückbau des Systems. Im schlechtesten Fall scheitert er, weil Magyar am Wahltag die Zweidrittelmehrheit verfehlt. Denn das System Orbán ist an vielen Stellen mit Verfassungsmehrheit zementiert. Ohne eine solche Majorität müsste Magyar Orbáns Gefolgsleute an zentralen staatlichen Schlüsselstellen belassen. Noch ist das aber Zukunftsmusik. Zunächst muss Magyar überhaupt erst den Urnengang gewinnen – und das in einem Land, in dem Wahlen laut OSZE zuletzt zwar frei waren, aber nicht mehr fair", betont DIE PRESSE aus Wien.
Die schwedische Zeitung EXPRESSEN blickt auch kritisch auf andere europäische Regierungschefs: "Orban ist kein isolierter Akteur: Der slowakische Premier Robert Fico demontiert den Rechtsstaat, und in Tschechien errichtet Premier Andrej Babiš ein ähnliches System wie Orbán mit einer Vermengung politischer und wirtschaftlicher Macht. Der Fall Ungarn hält Lehren bereit: Die EU hätte früher und deutlicher agieren müssen, und es muss leichter möglich sein, problematische Mitgliedsländer bei Entscheidungen zu umgehen", findet EXPRESSEN aus Stockholm.
Die dänische Zeitung JYLLANDS-POSTEN stellt fest, dass die EU auch durch andere europäische Länder vor Herausforderungen steht: "Es gibt auch Populisten vom Schlage Orbáns in anderen Ländern, und das bremst die Außenpolitik der Europäischen Union. Es ist schwer zu erkennen, wie man mit dem Veto-Recht in seiner jetzigen Variante weiterkommen soll. Dass die EU beschlusskräftigere Organe braucht, wird in Zeiten wie diesen besonders deutlich. Es muss möglich sein, Leute wie Orbán auszubremsen und zu verhindern, dass Europas geostrategische Gegner wie Moskau oder Peking unsere inneren Schwächen ausnutzen können," meint JYLLANDS-POSTEN aus Århus.
Thema in der kolumbianischen Zeitung EL TIEMPO ist die Mond-Mission Artemis II: "Als die Kapsel der Apollo-11-Mission im Juli 1969 landete und Neil Armstrong als erster Mensch den Mond betrat, tobte auf der Erde der Vietnam-Krieg. Während vier Astronauten der Artemis-II-Mission eine Reise antraten, die von der Erde mit Staunen verfolgt wurde, drohte der Präsident des Landes, das die Mission geplant hatte, den Iranern, sie in die Steinzeit zurückzubomben. Dazu kam es zum Glück nicht. Stattdessen sollte uns der Erfolg von Artemis II zur Inspiration dienen. So wie wir die Erdanziehungskraft überwinden können, sollten wir auch den Einfluss der Kräfte zurückdrängen, die uns nach unten ziehen wollen."