
"Trump und Putin haben die Wahlen in Ungarn verloren", titelt die polnische GAZETA WYBORCZA zu den Parlamentswahlen und fährt fort: "Aus Budapest geht ein Signal an die Welt: Der Vormarsch der Autokraten kann gestoppt werden. Am Balaton sollte ein ideales Modell eines autoritären Staates entstehen. Heute ist klar: Das System, das als Vorbild für andere dienen sollte, kann mit einer Wahl gestürzt werden. Wahlbetrug, allgegenwärtige Propaganda, Geldgeschenke und sogar die Unterstützung von Atommächten helfen nichts, wenn das Volk allgemein zu der Erkenntnis gelangt, dass es genug von der Regierung hat. Die Welt kann von den Ungarn lernen", notiert die GAZETA WYBORCZA aus Warschau.
Die norwegische Zeitung VERDENS GANG teilt diese positive Sichtweise: "Viktor Orbáns Zeit an der Macht ist vorüber. Weder Trump noch Putin konnten ihn vor dem Willen der Wähler retten. Stattdessen entschieden sie sich mehrheitlich für Péter Magyar, weil er es schaffte, gegen Orbán zu mobilisieren. Aber Péter Magyar hat nicht nur gewonnen, sondern er verfügt künftig über eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Damit kann er das System verändern, das Viktor Orbán während der vergangenen 16 Jahre aufgebaut hat", prognostiziert VERDENS GANG aus Oslo.
Genau das bedeutet allerdings, dass Péter Magyar nun einiges an Arbeit vor sich hat, befürchtet die österreichische Zeitung DER STANDARD: "Nicht nur für Ungarn selbst und für die nächste Regierung wird es jede Menge Baustellen geben – auch, weil Orbán so viele Wahlzuckerln verteilt hat, dass schon im Februar über 40 Prozent des für 2026 geplanten Budgetdefizits erreicht waren. Auch die EU muss sich warm anziehen: Die Gefahr, dass vermeintlich patriotische Populisten den Türöffner für die globalen Machtgelüste Russlands und der USA spielen, wird weiter bestehen. Nicht nur in Ungarn", warnt DER STANDARD aus Wien.
Die japanische Zeitung ASAHI SHIMBUN schließt in einem Gastkommentar nicht aus, dass Magyar auch zu drastischen Mitteln greifen könnte: "Um den fast 20 Jahre lang angehäuften Müll - von der Justiz bis zu den Medien - zu entsorgen, dürfte selbst ein demokratisch gewählter Magyar auch autoritär wirkende Methoden in die Hand nehmen müssen. In Ungarn stehen nicht nur Politiker, sondern auch zahlreiche Richter und Journalisten unter Einfluss von Orbán. Um jeden Keim zu ersticken, wird Magyar manchmal wohl hart vorgehen müssen. Für Europa ist es dabei wichtig, für sein Dilemma Verständnis zu zeigen und seine Re-Demokratisierung zu unterstützen", mahnt ASAHI SHIMBUN aus Tokio.
Die schwedische Zeitung SYDSVENSKAN neigt aus anderen Gründen zu Skepsis: "In seiner Siegesansprache stellte Péter Magyar zwar klar, dass man Ungarn wieder in das Herz Europas zurückführen wolle. Aber er ist ein konservativer Politiker, bezeichnet sich als Nationalist und war ursprünglich selbst Mitglied in Orbáns Fidesz-Partei. Wenn die neue Regierung ihr Programm präsentiert, könnten deshalb so manche liberale Hoffnungen enttäuscht werden", befürchtet die Zeitung SYDSVENSKAN aus Malmö.
Themenwechsel. In Islamabad sind am Wochenende die Verhandlungen zu einer Beendigung des Irankriegs zwischen Vertretern Teherans und der USA ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Die Zeitung XINJING BAO aus Peking bilanziert: "Nun liegt der Ball wieder auf Seite Washingtons. Ob Präsident Trump, wie er behauptet, zu einer 'passenden Zeit' Teheran bezwingen kann, bleibt offen. Weder die Zeit, noch die militärische Lage scheinen auf seiner Seite zu sein. Je länger der heiße Krieg dauert, desto ungünstiger wird es für ihn. Auch dem amerikanischen Kongress geht die Geduld aus. Mit solcher Komplexität hat Präsident Trump zu Beginn des Krieges sicher nicht gerechnet", vermutet das chinesische Blatt XINJING BAO.
Ähnlich sieht das die chilenische Zeitung LA TERCERA: "Sowohl für den Iran als auch für Trump würde eine Fortsetzung des Konflikts mehr Kosten als Nutzen bringen. Die iranische Wirtschaft ist ohnehin bereits geschwächt, und für Trump steigt das Risiko, seine Wählerbasis zu verprellen und bei den Zwischenwahlen im November eine Niederlage zu erleiden. Es mag sein, dass es zu erneuten Gesprächen kommt, aber die Signale stehen nicht auf Einigung, denn sowohl Teheran als auch Washington und Israels Premier Netanjahu setzen weiter auf Konfrontation." Das war LA TERCERA aus Santiago de Chile.
Die panarabische Zeitung AL-ARABY AL-JADEED dagegen versucht sich an Optimismus: "Es wäre ein Fehler, die Verhandlungen als endgültig gescheitert zu betrachten. Sie gerieten zwar ins Stocken und kamen schließlich ganz zum Erliegen. Doch US-Vizepräsident Vance hat bekräftigt, dass Washington ein 'finales Angebot' vorgelegt habe. Der Iran hat dieses zwar nicht angenommen, allerdings auch nicht kategorisch abgelehnt. So dürfte innerhalb des iranischen Regimes ebenso wie in Washington über weitere Verständigung diskutiert werden. Es gibt also mehrere Optionen, und Krieg ist nicht die einzige. Werden die Verhandlungen wieder aufgenommen? Höchstwahrscheinlich ja", zeigt sich AL-ARABY AL-JADEED aus Beirut überzeugt.
Auch die indische Zeitung THE HINDUSTAN TIMES spricht nicht direkt von einem "Scheitern" der Gespräche, sondern konstatiert: "Es wäre unrealistisch gewesen, nach nur einer Verhandlungsrunde direkt eine Vereinbarung zu erwarten. Man muss der iranischen Seite zugute halten, dass sie zu Verhandlungen zurückgekehrt ist, obwohl das Land seit vergangenem Jahr zweimal von Israel und den USA attackiert worden ist - sogar noch während die Gespräche im Gange waren. Die amerikanische Entscheidung, Vizepräsident Vance nach Islamabad zu schicken, war ebenfalls ein Signal, dass die USA den Prozess ernstnehmen. Die Verhandlungen haben ein Fenster für den Weg nach vorne offengelassen, weil beide Seiten ihre Forderungen präsentieren konnten", heißt es in der HINDUSTAN TIMES aus Delhi.
Nach den gescheiterten Verhandlungen will US-Präsident Donald Trump nun die Straße von Hormus blockieren. Darauf geht die Zeitung SABAH aus Istanbul ein. "Dem Iran soll es untersagt werden, wirtschaftlich von der Meerenge zu profitieren. Die Staaten, die Trump für diesen Schritt gegen die Straße von Hormus – Irans einziges Druckmittel – überzeugen muss, beschränken sich jedoch nicht auf die Europäer. Ein Eingreifen der US-Marine gegen Schiffe von Ländern, die Zugang zum Persischen Golf vom Iran erhalten, vor allem China, könnte den Konflikt auf den Pazifik ausweiten. Wie wollen die USA mit ihren Flugzeugträgern die Minen in diesen flachen Gewässern räumen? Welche militärische Reaktion wird der Iran zeigen? Auf all diese Fragen gibt es keine Antworten", gibt die türkische Zeitung SABAH zu bedenken.
Die Zeitung THE MANILA TIMES von den Philippinen fürchtet die Auswirkungen für den Inselstaat: "Der globale Süden ist zum Kollateralschaden im US-israelischen Krieg gegen den Iran geworden. Dünger aus dem Mittleren Osten - von dem die philippinische Landwirtschaft abhängig ist - ist vom Krieg genauso betroffen wie Öl. Da die Pflanzsaison vor der Tür steht und die Düngervorräte zur Neige gehen, könnten die Erträge deutlich geringer ausfallen als sonst. All die harterkämpften Gewinne der letzten Jahre könnten verloren sein, wenn die Situation sich nicht normalisiert. Armut kann man nicht einfach auslöschen wie ein militärisches Ziel. Man muss kontinuierlich daran arbeiten. Nicht zuletzt in Staaten wie den Philippinen, die in jedem Jahr harte Schläge hinnehmen müssen, weil sich durch den Klimawandel Extremwetterereignisse häufen", klagt THE MANILA TIMES an. Mit dieser Stimme endet die internationale Presseschau.
