
Dazu heißt es in der spanischen Zeitung EL PAIS: "Positive Nachrichten aus dem Nahen Osten sind eine Seltenheit. Da ist es bereits ein Fortschritt, dass Israel und der Libanon zum ersten Mal seit 1948 unter Schirmherrschaft des US-Außenministeriums direkte Gespräche miteinander geführt haben. Aber gleichzeitig hält die israelische Militäroffensive mit Bombenangriffen auf weite Teile des Libanon an. Israel plant, den Süden des Landes zu besetzen und die Bevölkerung zu vertreiben. Die Verhandlungen sind deshalb kein wirklicher Meilenstein, sondern eher eine Art Propaganda-Veranstaltung der USA", betont EL PAIS aus Madrid.
Die libanesische Zeitung AN NAHAR gibt zu bedenken: "Bei den möglichen Verhandlungen kommt es vor allem darauf an, den Iran davon abzuhalten, weiterhin seine Verbündeten zu unterstützen. Allerdings scheint das iranische Regime wenig geneigt, sich darauf einzulassen. Das ist angesichts der zentralen Rolle dieser Gruppen beim Export der Revolution und der Ausweitung des iranischen Einflusses in der Region auch nicht verwunderlich. Umso wichtiger ist es, die einzelnen Punkte eines solchen Abkommens exakt zu formulieren und dann auch durchzusetzen. Die bisherigen Erfahrungen lassen jedoch vermuten, dass der Iran nicht alle Verpflichtungen erfüllen wird. Daher wird die Überwachung, Aufdeckung und Unterbindung von Verstößen von entscheidender Bedeutung sein", unterstreicht AN NAHAR aus Beirut.
Die türkische Zeitung EVRENSEL schreibt: "Durch die Intervention der USA scheinen direkte Verhandlungen zwischen dem Libanon und Israel in greifbare Nähe gerückt zu sein. Angesichts der unterschiedlichen Herangehensweisen und Rahmenbedingungen der beteiligten Parteien dürfte es jedoch alles andere als einfach sein, diesen Prozess rasch in konkrete Verhandlungen umzuwandeln. Selbst wenn dies gelingen sollte, ist es fraglich, ob am Ende konkrete Ergebnisse stehen werden. Der Libanon erkennt Israel weiterhin nicht offiziell an. Vor einem Beginn der Verhandlungen fordert der Libanon einen umfassenden Waffenstillstand, den Rückzug Israels aus den besetzten Gebieten und die Stationierung der libanesischen Armee in diesen Gebieten", erläutert EVRENSEL aus Istanbul.
Die französische Zeitung LIBERATION analysiert: "Beide Länder lehnen die Hisbollah ab. Auch der Libanon träumt davon, von der dem Iran nahestehenden Miliz befreit zu sein. Doch die als 'konstruktiv' bezeichneten Gespräche haben die Bombenangriffe nicht beendet. Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben innerhalb von 24 Stunden 200 Ziele im Süden des Landes angegriffen. Was ist das Ziel dieser blutigen Machtdemonstration? Den Libanon unter dem Vorwand der Auslöschung der Hisbollah zu zerstören? So hat es Israel schon im Gazastreifen gemacht, weil sie die Hamas zerstören wollte. Um der diplomatischen und nachhaltigen Lösung eine Chance zu geben, müssen die israelischen Angriffe gegen die libanesische Bevölkerung aufhören", fordert die Pariser LIBERATION.
Nach den jüngsten Spannungen zwischen den USA und der EU geht der italienische CORRIERE DELLA SERA der Frage nach, ob der Iran seine Politik gegenüber Europa verändert: "Bisher hatte Teheran Europa ignoriert und als zu nachgiebig gegenüber den USA betrachtet. Doch jetzt, da der Krieg Europa bereits sehr viel Geld gekostet hat, da sogar die italienische Ministerpräsidentin Meloni und die französischen oder deutschen Konservativen versuchen, sich der erdrückenden Umarmung von US-Präsident Trump zu entziehen, hat man in Teheran verstanden, dass die EU-Strategie überdacht werden muss. Für Teheran eröffnen sich damit einige Chancen, mit einem so unberechenbaren Trump und mit den EU-Mitgliedstaaten, die lieber mit den Saudis oder den Emiraten sprechen. Der Iran hat entdeckt, dass die Schließung der Meerenge eine noch wirksamere Waffe sein kann als die nukleare Drohung", analysiert der Mailänder CORRIERE DELLA SERA.
Zur Kritik europäischer Politiker an US-Präsident Trump meint die niederländische Zeitung DE VOLKSKRANT: "Trump hat in Europa eine schwere politische Niederlage erlitten. Sein Vizepräsident JD Vance, der Europa letztes Jahr auf der Münchner Sicherheitskonferenz für tot erklärt hatte, war persönlich nach Ungarn gereist, um den autoritären Viktor Orban auf dem Thron zu halten. Vergeblich. Das Wahlergebnis zeigt, dass der alte Kontinent widerstandsfähiger ist, als die Trump-Anhänger glauben machen wollen. Man kann zwar nicht behaupten, dass Trumps Macht schwindet, aber etwas bröckelt tatsächlich: der unangebrachte Respekt vor ihm", glaubt DE VOLKSKRANT aus Amsterdam.
China hat an den Iran appelliert, die Straße von Hormus zu öffnen. Dazu schreibt ein Gastkommentator der japanischen Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN: "Die chinesische Außenpolitik setzt ihre höchste Priorität generell auf die Beziehungen zu den USA. So hält China an einem Gipfeltreffen zwischen Chinas Staatschef Xi Jinping und US-Präsident Donald Trump fest. Und deshalb verlangt Peking von Teheran, der Iran solle auf die Friedensvorschläge von Washington eingehen. Peking will damit demonstrieren, dass die USA und China gemeinsam die weltweiten Krisen bewältigen wollen. Darüber hinaus ist 2027 für Xi Jinping ein wichtiges Jahr, denn er strebt seine vierte Amtszeit an. Vor diesem Hintergrund will er sowohl im In- als auch im Ausland zeigen, wie gut er mit den USA und Präsident Trump umgehen kann", heißt es in NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
Die Zeitung LIANHE BAO aus Taiwan kritisiert das Vorgehen der USA, im Golf von Oman und im Arabischen Meer Schiffe abzufangen, die durch die Straße von Hormus fahren wollen. "Dieses Vorgehen setzt die wirtschaftliche Lebensader Irans unter Druck, darüber hinaus gefährdet es die globale Energieversorgung. Das Wesen des Krieges verändert sich augenblicklich. Wer Zugang zu Häfen hat, Schifffahrtsrouten sichert und den Energiefluss garantiert, erlangt die neue strategische Vorherrschaft. Es geht nicht mehr nur um einen Konflikt im Nahen Osten, sondern um eine umfassende Neuordnung von Energieversorgung, maritimer Ordnung und globaler Machtstruktur. Das Weiße Haus eskaliert den Krieg in einer Form ohne Schlachtfeld, die jedoch weit leichter außer Kontrolle gerät", warnt LIANHE BAO aus Taipeh.
Der Gastkommentator der brasilianischen Zeitung ESTADO DE SÃO PAULO überlegt: "Ein Ende der Blockade der Straße von Hormus würde den Druck auf den Welthandel lindern. Aber wichtig ist auch, dass beide Seiten den Verhandlungstisch mit einem Erfolg verlassen, den sie innenpolitisch verkaufen können. Dieser Aspekt wird oft unterschätzt. Das iranische Atomprogramm mag die politische Elite in Washington beschäftigen, nicht aber zwangsläufig die breite Öffentlichkeit in den USA angesichts der Zwischenwahlen im November. Gleichzeitig sind die iranischen Forderungen nach Reparationen nicht völlig unbegründet. Die Angriffe auf iranisches Territorium könnten als Verstoß gegen das Völkerrecht gewertet werden, was solche Ansprüche bestätigen würde", ist in ESTADO DE SÃO PAULO zu lesen.
Hören Sie abschließend noch einen Kommentar aus der russischen Zeitung NESAWISSIMAJA GASETA zur Politik von Bundeskanzler Merz: "Eine Reihe hochrangiger CDU-Politiker kritisiert Bundeskanzler Merz im Hinblick auf die Bekämpfung der steigenden Energiepreise. Vor allem der amtierende Berliner Bürgermeister Wegner und der Chef des CDU-Sozialflügels Radtke werfen Merz vor, bei der Bewältigung der Energiekrise hilflos zu sein. Merz erklärte, es könne keine radikalen Reformen im Energiebereich geben, und die Regierung könne die Ereignisse im Nahen Osten nicht beeinflussen. Die zu Beginn der Woche vorgeschlagenen halbherzigen Maßnahmen – wie eine geringfügige Senkung des steuerlichen Anteils am Kraftstoffpreis – werden das Problem natürlich nicht lösen. Im Gegenteil: Sie könnten die allgemeine Haushaltslage der Regierung noch weiter verschlechtern", unterstreicht die Moskauer NESAWISSIMAJA GASETA.
