
Die libanesische Zeitung AN NAHAR ist skeptisch: "Die gesamte Vereinbarung zielt vor allem darauf ab, Israel zu beschwichtigen, das den Krieg am liebsten fortsetzen würde. Umso größer ist nun der Druck, der auf der Regierung des Libanon lastet, die die Hisbollah entwaffnen soll. Offen ist derzeit, was die Vereinigten Staaten leisten können, um das jetzige Abkommen in ein umfassendes Friedensabkommen zu verwandeln. Dass das gelingt, ist alles andere als ausgemacht. Die Erfahrungen aus der Vergangenheit haben gezeigt, dass sich die Lage nach einem Waffenstillstand oft wieder verschlechtert", erinnert AN NAHAR aus Beirut.
Auch die polnische RZECZPOSPOLITA erwartet keine langfristige Lösung: "Zum einen, weil Beirut die vollständige Umsetzung des Abkommens von 2024 zur Bedingung macht, wonach sich Israel aus dem libanesischen Hoheitsgebiet zurückziehen müsste. Israel erwartet hingegen, dass der Libanon alle nichtstaatlichen terroristischen Gruppierungen entwaffnet und die gesamte terroristische Infrastruktur einschließlich der Hisbollah zerschlägt. Nur ist die Kontrolle der libanesischen Zivilbehörden über die Hisbollah verschwindend gering. Einen wesentlich größeren Einfluss auf die Hisbollah-Führung hat Teheran", betont die RZECZPOSPOLITA aus Warschau.
"Die Frage ist, ob Israel es mit dem Frieden wirklich ernst meint", heißt es in der chinesischen Zeitung WENHUI BAO aus Schanghai: "Netanjahu ist diesen Schritt gegangen, um seinen Freund Donald Trump nicht zu enttäuschen. Denn der brauchte dringend einen Erfolg. Israel wird sich das Recht vorbehalten, militärisch jederzeit im Libanon so zu agieren, wie es dies für nötig hält. Längst handelt die Netanjahu-Regierung nach dem Prinzip, politische Ziele durch militärische Aktionen zu erreichen."
Der britische GUARDIAN betont: "US-Präsident Trump hält den israelischen Premier Netanjahu zwar nun im Zaum. Aber nur bis zu einem gewissen Grad. Zudem hat der Libanon keine Kontrolle über die Hisbollah, die den Krieg führt. Im Libanon herrscht echte Wut auf die Hisbollah: Ihre Raketenangriffe auf Israel als Vergeltung für die Tötung des obersten Führers des Iran haben diesen Krieg ausgelöst. Doch Israels verheerende Angriffe haben auch die libanesische Regierung und Armee machtlos erscheinen lassen und die Bürger in eine verzweifelte Lage gebracht, in der sie Hilfe benötigen, die der Staat nicht leisten kann – was sie wiederum in die Arme der militanten Gruppe treibt. In Ländern, die Israel seit langem unterstützen, wächst das Unbehagen über das Vorgehen des Landes. Das muss sich in echtem Druck niederschlagen", fordert THE GUARDIAN aus London.
"Die internationale Unterstützung für Israel nimmt immer weiter ab", beobachtet auch der niederländische TELEGRAAF: "Selbst traditionell treue europäische Verbündete wie Italien und Deutschland liegen nun überkreuz mit dem jüdischen Staat, während in den USA mittlerweile eine Mehrheit der Bevölkerung ein negatives Bild von dem Land hat. Dennoch läuten in Israel kaum Alarmglocken. Im Gegenteil: Ministerpräsident Netanjahu hat diese Woche anlässlich des Holocaust-Gedenktages scharf gegen Europa gewettert, das nicht mehr zwischen Gut und Böse unterscheiden könne. Die extrem rechten Regierungsparteien Israels sorgen dafür, dass das Land auf der internationalen Bühne immer weiter isoliert wird", beobachtet DE TELEGRAAF aus Amsterdam.
Themenwechsel. Wegen der ausbleibenden Öllieferungen über die Straße von Hormus hat Japan nun einen milliardenschweren Hilfsfonds für südostasiatische Länder aufgesetzt. Die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN begrüßt das: "Auch wird der Aufbau der Reserven unterstützt, was zur einer besseren Energiesicherheit des asiatischen Raums führen soll. Die Beziehungen zur Region sind für die japanische Wirtschaft lebenswichtig und diese Zusammenarbeit sollte deshalb rasch erweitert werden. Durch die Blockade der Straße von Hormus ist die Öl-Lieferung aus den Golfstaaten massiv gesunken. 80 Prozent davon gehen nach Asien. Japan selbst kann zwar auf seine großen Ölreserven für 220 Tage zurückgreifen, aber andere asiatische Länder haben kaum Reserven und leiden derzeit stark. Es ist von großer Bedeutung für die Zusammenarbeit in Asien, dass Japan nun Geld und Fachwissen zur Verfügung stellt", findet NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
Im Öl-Exportland Norwegen wird das Thema ganz anders diskutiert. Die Zeitung VERDENS GANG merkt an: "US-Präsident Trump schrieb kürzlich, die Norweger verdienten ein Vermögen. Sein Punkt ist, dass Norwegen - und auch Großbritannien - nach mehr Öl und Gas bohren sollten. Schon im Sommer könnte als Folge des Iran-Kriegs das Flugbenzin knapp werden, und dann geht es um weit mehr als um gefährdete Urlaubsreisen in den Süden. Die aktuelle Krise gilt manchen Beobachtern als ernster als die Ölkrise in den 1970er Jahren, als die Autos stehen bleiben mussten. Es stimmt, dass unsere Einnahmen steigen, wenn die Welt gefährlicher wird. Auch würde es sich für Norwegen und für Europa lohnen, mehr Öl und Gas zu fördern. Aber Finanzminister Jens Stoltenberg versucht auch, allzu hohe Erwartungen zu dämpfen. Die Öleinnahmen sind das eine, aber die Verluste durch weltweit fallende Börsenkurse können noch höher ausfallen. Verbrauchen wir außerdem zu viel Geld, steigt die Inflation und dann schießen die Zinsen in die Höhe. In einem Punkt hat Stoltenberg definitiv recht: Frieden ist immer am besten." So weit VERDENS GANG aus Oslo.
Nun nach Ungarn, wo Wahlsieger Magyar Reformen angekündigt hat. Die finnische Zeitung ILTA-SANOMAT schreibt: "Der künftige Premierminister bläst zum Sturm. Kaum waren die Wahlpartys vorbei, forderte er unmissverständlich den Rücktritt von Staatspräsident Sulyok, einem Fidesz-Anhänger. Magyar will ein neues Ungarn aufbauen, und zu seinen ersten Zielen gehört ein Umbau der staatlichen Medien. Der designierte Premierminister versprach, die Fidesz-Propaganda aus den steuerfinanzierten Medien zu verbannen. Die Ära Orbán, in der Ungarn autokratisch und prorussisch regiert wurde und Beschlüsse auf EU-Ebene ausgebremst wurden, ist vorbei. Eine Medienreform ist für die Demokratie in Ungarn von entscheidender Bedeutung. Aber dafür werden neue Gesetze und eine neue Aufsichtsbehörde benötigt, und das dauert. Auch die Wirtschaftsreformen werden Zeit in Anspruch nehmen. Orbán war 16 Jahre lang Premierminister, und es ist unklar, wie weit seine Anhänger gehen werden, um die Reformen der neuen Regierung zu verzögern. Kein Zweifel: Durch den Wechsel an der Spitze wird sich Ungarn nicht über Nacht verändern", prognostiziert ILTA-SANOMAT aus Helsinki.
Die kolumbianische Zeitung EL ESPECTADOR erklärt: "Wahlsieger Magyar vertritt eine proeuropäische Linie, und manerhofft sich von ihm unter anderem, dass er die unter Orbán blockiertenEU-Hilfsgelder für die Ukraine freigibt. Aber man darf nicht vergessen,dass Magyar eine ebenso einwanderungsfeindliche Position einnimmt wieOrbán, und er schweigt beharrlich zu der verheerenden Lage beiLGBTQ-Rechten. Wird es unter Magyar nun tatsächlich zu einerWiederherstellung der Rechtsstaatlichkeit kommen?", fragt EL ESPECTADOR aus Bogotá.
Und die slowakische PRAVDA fügt hinzu: "In erster Linie ist er ein langjähriges Ex-Mitglied der Fidesz. Er hat die Partei nicht verlassen, als sie sich immer mehr in eine autoritäre Rechtspartei verwandelte, sondern erst nach persönlichen Konflikten mit Orbán. Tisza wurde bisher als Ein-Mann-Partei aufgebaut, mit einer großen Zahl von Unterstützern, aber einer geringen Zahl an Mitgliedern, die ihre Politik mitgestalten können. Den verbrauchten Populisten Orbán hat somit ein jüngerer Populist besiegt. Tisza war als Instrument zur Entmachtung Orbáns erfolgreich. Das reicht noch nicht, um auch erfolgreich regieren zu können", resümiert PRAVDA aus Bratislava.
