18. April 2026
Die internationale Presseschau

Neben der Waffenruhe im Libanon sind die möglichen weiteren Verhandlungen im Iran-Krieg ein Thema. Doch zunächst zur Ankündigung von Teheran, die Straße von Hormus vorübergehend wieder zu öffnen.

Eine Karte zeigt die Straße von Hormus.
Der Ian hat zunächst die Öffnung der Straße von Hormus angekündigt, dies dann aber wieder rückgängig gemacht (Archivbild). (picture alliance / Andre M. Chang)
Die chinesische Zeitung XINJING BAO aus Peking stellt fest: "Finanzmärkte und der Ölhandel konnten kurz aufatmen. Doch die betroffenen Reedereien reagieren lieber mit Vorsicht. Wie Washington antwortet, bleibt abzuwarten. Für US-Präsident Trump dürfte es nicht einfach sein, aus dem Schlamassel herauszukommen ohne sein Gesicht zu verlieren." Inzwischen hat der Iran erneut Beschränkungen für die Schifffahrt angekündigt. Begründet wird dies mit der andauernden US-Blockade iranischer Häfen.
Der Schweizer TAGES-ANZEIGER vermutet, Trump dürfte dem Iran "zugesichert haben, dass in nicht allzu ferner Zukunft auch die amerikanische Blockade der iranischen Häfen aufgehoben wird. Trump teilte zwar mit, dass dies vorerst nicht geschehen soll. Dabei dürfte es kaum bleiben, zumal der US-Präsident selbst ein Interesse daran hat, dass das iranische Öl auf den Markt kommt und den Preis weiter sinken lässt. Ein Ende der US-Blockade liegt auch im Interesse der iranischen Führung. Sie braucht die Einnahmen aus dem Ölverkauf, um die wirtschaftliche Not zu lindern, die sich nach den zahlreichen Bombenangriffen und jahrelangen Sanktionen noch mehr verschärft hat", vermerkt der TAGES-ANZEIGER aus Zürich.
Die estnische Zeitung POSTIMEES ist überzeugt, erst wenn "die Tanker problemlos die Meeresenge passieren können, besteht die Aussicht, dass sich die Kraftstoffpreise wieder auf einem erträglichen Niveau einpendeln. Unsere Arbeitgeber sorgen sich wegen gestiegener Kosten für Energie und Düngemittel, wodurch Unternehmen in den Ruin getrieben werden könnten. Es mag sein, dass uns das Schlimmste erspart geblieben ist, aber unsere Regierung muss auf die Krise reagieren. Wir dürfen nicht einfach hoffen, dass die geopolitischen Spannungen nachlassen, die Kraftstoffpreise wieder sinken und damit alle Probleme gelöst sind", mahnt POSTIMEES aus Tallinn.
Die dänische Zeitung POLITIKEN blickt zurück: "Als die Straße von Hormus geschlossen wurde und die Kraftstoffpreise stiegen, begannen dänische Politiker umgehend, eine Entlastung der Pendler zu fordern. Grüner Wandel? Egal. Es sollte etwas getan werden, und es konnte gar nicht schnell genug gehen. Doch Anfang dieser Woche kam der Zugverkehr komplett zum Erliegen. Tausende Passagiere strandeten, und es dauerte Tage, bis wieder Normalbetrieb herrschte. Die unmittelbare Ursache waren zwei herabgefallene Fahrleitungen, aber die tiefer liegende Erklärung ist die jahrzehntelange Vernachlässigung des Schienennetzes durch die Politik. Wo blieb da die Forderung nach einer sofortigen Einberufung des Parlaments? Wo blieb der politische Wettlauf, möglichst viele Milliarden über den armen Zugreisenden auszuschütten, die geduldig das Gedränge in stark verspäteten überfüllten Bahnen und die ständigen Zugausfälle hinnehmen", fragt POLITIKEN aus Kopenhagen.
Die russische Zeitung KOMMERSANT beobachtet: "In der internationalen Politik begrüßte der französische Präsident Emmanuel Macron als einer der Ersten die iranische Ankündigung zur Meerenge von Hormus. Macron traf sich in Paris mit Keir Starmer, Giorgia Meloni, Friedrich Merz sowie – online zugeschaltet – Staats- und Regierungschefs von über 30 weiteren Ländern, um über die Frage zu beraten, was die nicht am Nahostkrieg beteiligten Parteien zur Sicherung dieser wichtigen Schifffahrtsroute beitragen könnten. Einen klaren Aktionsplan konnten sie offenbar nicht entwickeln", so der KOMMERSANT aus Moskau.
Die aserbaidschanische Zeitung MÜSAVAT verweist auf einen Strategiewechsel einiger Staaten. Diese versuchten, neue "Handelsrouten zu schaffen, ohne sich in militärische Konflikte zu verwickeln. Ein Beispiel ist die Türkei. Denn solche Wirtschafts- und Handelskorridore könnten in naher Zukunft eine Alternative zu den globalen Logistikadern darstellen, die von den Weltmächten militärisch kontrolliert werden. Die Türkei misst Wirtschafts- und Handelsrouten seit einigen Jahren eine besondere Bedeutung bei. So erweitert das strategische Bündnis mit Aserbaidschan die Handelsmöglichkeiten Richtung Zentralasien für Ankara. Laut neuesten Informationen arbeitet die Türkei intensiv an der Schaffung eines neuen Handelskorridors. In dieser Angelegenheit kooperiert Ankara eng mit Syrien. Sollte die Türkei diesen neuen Handelskorridor gemeinsam mit Syrien realisieren, könnte dies die wirtschaftliche Landkarte des Nahen Ostens grundlegend verändern", lautet die Einschätzung von MÜSAVAT aus Baku.
Nun Stimmen zu möglichen weiteren Gesprächen zwischen den USA und dem Iran. Die libanesische Zeitung ELAPH erläutert: "Verhandlungen sind für das iranische Regime lediglich eine Gelegenheit, kurz durchzuatmen und seine Position zu festigen, nicht aber Anlass, sein Verhalten zu ändern. Vor allem innenpolitisch radikalisiert sich das Regime. Unter dem Deckmantel des Krieges versucht es neue Wellen wütender Jugendlicher daran zu hindern, gegen die bestehenden Machtverhältnisse aufzubegehren. Dies geschieht durch die Eskalation von Hinrichtungen, Inhaftierungen und Einschüchterungen. Das Regime ist sich bewusst, dass die größte Bedrohung aus dem Widerstand im Inneren ausgeht. Dies ist die eigentliche Herausforderung", hält ELAPH aus Beirut fest.
Die japanische Zeitung ASAHI SHIMBUN wendet ein: "Noch vor den womöglich bald beginnenden nächsten Verhandlungen postete Donald Trump auf seiner Plattform einseitige Behauptungen - etwa, dass Teheran bereits Zugeständnisse gemacht habe. Das zeigt, dass der US-Präsident den von ihm selbst ausgelösten Krieg so schnell wie möglich beenden will. Bei einer Rede vor seinen Unterstützern sagte Trump am Freitag, er habe schon zehn Kriege beendet. Früher waren es nur acht." Das war ASAHI SHIMBUN aus Tokio.
Die britische Zeitung THE TIMES geht auf die Waffenruhe im Libanon ein: "Zwar ist vorgesehen, dass die militärischen Aktivitäten 'nicht-staatlicher Akteure' eingeschränkt werden müssen – mit anderen Worten, dass nur der libanesische Staat und nicht die Hisbollah über Streitkräfte verfügen darf –, doch ist dies nicht an die Bedingung geknüpft, dass die Regierung die Miliz gewaltsam entwaffnet. Dass die Hisbollah aus den politischen Zielen des Abkommens ausgeklammert wird, ist riskant genug. Es erlaubt Israel faktisch, wenn auch nicht ausdrücklich, den militärischen Druck auf die Miliz aufrechtzuerhalten, und verlangt keinen sofortigen Rückzug seiner Truppen aus dem Süden des Libanon. Irgendwann wird die Hisbollah ihren Machtverlust wieder wettmachen und den Kampf gegen diese Besatzung fortsetzen wollen", erwartet THE TIMES aus London.
Aus Sicht der brasilianischen Zeitung ESTADO DE SÃO PAULO sorgt die Waffenruhe erst einmal für "Erleichterung in einer Region, die wochenlang unter einem brutalen, immer weiter eskalierenden Konflikt gelitten hat. Aber die Vereinbarung kam nur durch Druck von außen zustande, und die Bedingungen sind nicht eindeutig, sondern lassen unterschiedliche Interpretationen zu. Damit ist diese Waffenruhe weit davon entfernt, den Konflikt zu beenden, sondern sie ist nur eine operative Pause und kein politisches Abkommen. Die Regierung in Beirut hat sich auf direkte Verhandlungen mit Israel eingelassen, was bis vor Kurzem noch undenkbar gewesen wäre", schreibt ESTADO DE SÃO PAULO.
Die niederländische Zeitung DE VOLKSKRANT aus Amsterdam ist skeptisch: "Wie brüchig die Waffenruhe ist, zeigte sich bereits wenige Stunden nach der Verkündigung, als Israel Dörfer im Süden des Libanon beschoss, wo die Hisbollah ihre Hochburg hat. Dort weiß man nur zu gut, was eine Vereinbarung mit Israel über einen Waffenstillstand wert ist, nämlich nichts. Der vorherige Waffenstillstand aus dem Jahr 2024 wurde laut UNO-Beobachtern mehr als zweitausendmal von Israel gebrochen", betont DE VOLKSKRANT zum Ende dieser internationalen Presseschau.