20. April 2026
Die internationale Presseschau

Heute mit Kommentaren zum Ringen um die Straße von Hormus, dem Krieg in der Ukraine und ersten Stimmen zur Parlamentswahl in Bulgarien.

Blick auf das Display in Landkarten-Optik. Die Schiffe sind als längliche Dreiecke in verschiedenen Farben dargestellt.
Die Lage um die Straße von Hormus ist ein Thema der internationalen Presseschau (Archivbild) (dpa / M.i.S. / Bernd Feil)
Das erste Thema fasst die belgische Zeitung DE TIJD wie folgt zusammen: "Die Lage rund um die Straße von Hormus nimmt geradezu absurde Wendungen. Am Freitag herrschte Erleichterung, als der iranische Außenminister Abbas Araghtschi die vollständige Aufhebung der Blockade ankündigte. Sofort wiesen ihn die Revolutionsgarden zurecht: Schiffe dürften nur eingeschränkt passieren, erst nach Genehmigung und Zahlung einer Gebühr. Wenig später sperrte der Iran die Meerenge wieder vollständig, weil Trump sich weigerte, seine Barrikade aufzuheben. Diese Episode verdeutlicht einige Faktoren, die großen Einfluss auf mögliche Verhandlungen haben. Indem sie Araghtschi unverzüglich in die Schranken wiesen, machten die Revolutionsgarden klar, dass sie das Sagen haben und nicht die Politiker", warnt DE TIJD aus Brüssel.
Der britische GUARDIAN analysiert: "Nur 24 Stunden nachdem der Iran die Straße von Hormus erneut geschlossen hat, will US-Präsident Trump Verhandler zu weiteren Gesprächen mit dem Iran nach Islamabad schicken. Das signalisiert Teheran, dass die strategisch wichtige Wasserstraße ein bedeutendes Verhandlungsgut bleibt. Das chaotische Vorgehen des US-Präsidenten verdeutlicht dem Iran aber auch, wie wichtig es ist, ruhig und strategisch zu handeln." Soweit der GUARDIAN aus London.
Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG bemerkt: "Beide Länder erhöhen offenbar den Druck, um eine bessere Verhandlungsposition zu erreichen. Unter dieser Kanonenbootdiplomatie leidet die ganze Welt: Die Nachwehen dürften die globalen Lieferketten monatelang belasten. Derzeit stauen sich rund 400 bis 500 Schiffe im Persischen Golf. Selbst wenn sich Iran und die USA am Dienstag auf die Öffnung der Straße von Hormus einigen würden, dürfte es Monate dauern, bis der Tanker-Stau gelöst ist." Das war die NZZ.
Die chinesische Zeitung JIEFANG RIBAO wirft ein: "Man darf auch nicht vergessen: Die Straße von Hormus ist nicht der wirkliche Streitpunkt. Es geht vor allem um das Atomprogramm und um die Freigabe des eingefrorenen Kapitals des Iran, um Lockerung der Sanktionen, auf die man sich bisher nicht einigen konnte. Es ist nicht auszuschließen, dass Teheran mit der Wiederschließung eventuell mehr Gewicht für künftige Verhandlungen gewinnen wollte", ist in JIEFANG RIBAO aus Shanghai zu lesen.
Der britische INDEPENDENT betont: "Wenn es so ist, wie die USA mehrfach erklärt haben, dass die Straße von Hormus für ihre Interessen eigentlich nicht von vitaler Bedeutung ist, dann haben sie auch nichts zu verlieren, wenn sie die iranischen Häfen nicht weiter blockieren – im Gegenzug dafür, dass der Iran den normalen Schiffsverkehr durch die Meerenge zulässt. Die USA, Israel und der Iran könnten dann daran gehen, ihre erheblichen Differenzen beizulegen, ohne dem Rest der Welt weiteren Schaden zuzufügen", ist sich der INDEPENDENT aus London sicher.
Der österreichische DER STANDARD führt aus: "Die Kriegsdiplomatie via X zeigt ihr höchst schädliches Gesicht und droht die Verhandlungen endgültig in die Luft zu sprengen. Trump und Teheran haben sich rund um die Straße von Hormus, das iranische Atomprogramm und das Raketenarsenal in einen Strudel widersprüchlicher Meldungen, Lügen und roter Linien hineingepostet, aus denen nur schwer wieder herauszufinden ist. Helfen würde nur Zurückhaltung der Beteiligten – doch die ist kaum zu erwarten", meint DER STANDARD aus Wien.
Die panarabische Tageszeitung SHARQ AL-AWSAT befasst sich mit der Vermittlerrolle Pakistans: "Der pakistanische Chefunterhändler Asim Munir ist sich seiner Verantwortung bewusst. Sein Land hat kein Interesse an einem in Chaos und Zerfall versinkenden Iran. Ebenso wenig Interesse hat Munir daran, dass der Iran die Stabilität der Golfregion bedroht. Ebenso weiß Munir um die Jahrzehnte dauernde Feindschaft zwischen Teheran und Washington. So ist ihm klar, vor welch schwieriger Aufgabe er steht", hält SHARQ AL-AWSAT, die in London erscheint, fest.
"Der Krieg im Iran löst aus unterschiedlichen Gründen Besorgnis aus, und einer davon ist das reelle Risiko, dass der Luftfahrt in den nächsten Wochen der Treibstoff ausgeht", unterstreicht die spanische Zeitung LA VANGUARDIA: "Das Problem ließe sich nur durch eine Öffnung der Straße von Hormus lösen, und selbst dann würde sich die Lage nicht sofort ändern. Die Raffinerien am Persischen Golf sind durch iranische Angriffe beschädigt worden und brauchen Zeit, um wieder hochgefahren zu werden. Solange die Kampfhandlungen nicht beendet sind, wird es für die Anlagen keine absolute Sicherheit geben. Die Internationale Energieagentur hat vor möglichen Versorgungsengpässen in mehreren europäischen Ländern gewarnt, denn Europa ist gerade bei seinem Kerosinverbrauch stark auf die Golfstaaten angewiesen", bemerkt LA VANGUARDIA aus Barcelona.
Themenwechsel. Bei der Parlamentswahl in Bulgarien hat gestern das Mitte-Links-Bündnis des früheren Präsidenten Radew gewonnen. Zwei Medien aus Polen greifen dies bereits auf. Das Nachrichtenmagazin POLITYKA aus Warschau erläutert: "Im Wahlkampf baute Radew das Image eines Mannes auf, der gegen die Eliten und die Korruption kämpft und die Interessen der weniger wohlhabenden Wähler vertritt. Kommentatoren warfen ihm wiederholt Heuchelei vor. Sie erinnerten daran, dass er aus einer politischen Klasse stammt, die jahrzehntelang Korruption geduldet hat. Besorgnis, insbesondere in Brüssel, weckt die zweideutige Haltung, die Radew in vielen Fragen der Außenpolitik einnimmt. Was seine Aktivität und Ausrichtung auf der internationalen Bühne angeht, erinnert er eher an den slowakischen Regierungschef Robert Fico, den in Europa bekannten Kritiker der EU-Vorschriften, dem der Aufbau einer Energieallianz mit Putins Russland am Herzen liegt." Das war der Kommentar des Magazins POLITYKA aus Warschau.
"Welche Rolle wird Radev als bulgarischer Ministerpräsident für die Europäische Union spielen?", fragt die polnische RZECZPOSPOLITA und schreibt: "Nach Einschätzung der meisten europäischen Beobachter könnte er ein neuer Viktor Orbán werden. Vor allem deshalb, weil er in seinen Äußerungen Brüssel scharf kritisiert und mit den Russen flirtet. Interessanterweise präsentiert sich Rumen Radev selbst, wenn er danach gefragt wird, als bulgarischer Péter Magyar. Allerdings ist nicht ganz klar, ob dies nicht lediglich ein PR-Versuch ist, sich von Orbán abzugrenzen, der zuletzt zum Synonym für politische Niederlagen geworden ist.", notiert die RZECZPOSPOLITA aus Warschau.
Zuletzt blicken wir auf den Ukraine-Krieg. Die aserbaidschanische Zeitung MÜSAVAT befasst sich mit der Rolle von Belarus: "Laut ukrainischen Geheimdiensten haben die militärischen Aktivitäten auf belarussischem Territorium deutlich zugenommen. Die militärische Aufrüstung von Belarus stellt eine indirekte Warnung nicht nur an die Ukraine, sondern auch an die NATO und den Westen insgesamt dar. Der Kreml und Minsk versuchen somit, die Integrationsmöglichkeiten der Ukraine in die Europäische Union zu schwächen. Gelingt es Kiew hingegen, die Beziehungen zu Ungarn zu verbessern, wäre dies ein bedeutender Schritt auf dem Weg zur Integration der Ukraine in die Europäische Union", ist MÜSAVAT aus Baku überzeugt.
Der Gastkommentator der schwedische Zeitung SVENSKA DAGBLADET schätzt die aktuelle Lage wie folgt ein: "Die russische Frühjahrsoffensive ist zum Stillstand gekommen, bevor sie überhaupt begonnen hat, und die Ukraine führt währenddessen Schläge gegen wichtige Logistik- und Kommunikationspunkte durch. Es ist zu früh für eine endgültige Bewertung, aber für Putin läuft es immer schlechter. Es ist unklar, wie lange es Moskau durchhält, 40 Prozent des Staatshaushalts für den Krieg aufzuwenden. Die Armee ist schlecht ausgerüstet, die Verbände sind unzureichend trainiert. Der Krieg geht in die richtige Richtung, aber die Unterstützung für die Ukraine muss erhöht werden, um Russland in die Knie zu zwingen", fordert SVENSKA DAGBLADET aus Stockholm. Und damit endet die internationale Presseschau.