21. April 2026
Die internationale Presseschau

Neben den jüngsten Entwicklungen im Iran-Krieg geht es vor allem um die Wahl in Bulgarien, die das Mitte-Links-Bündnis unter dem ehemaligen Präsidenten Radew gewonnen hat.

Der bulgarische Wahlsieger Rumen Radew im Porträt
Rumen Radew hat die Parlamentswahl in Bulgarien gewonnen - das Thema greifen viele Zeitungen aus dem Ausland auf. (picture alliance / Sipa USA / Jaap Arriens)
Die bulgarische Zeitung SEGA notiert dazu: "Rumen Radew und sein Bündnis 'Progressives Bulgarien' haben eine überdeutliche absolute Mehrheit erhalten. Damit hat Radew freie Hand: Er braucht ein neues Gesetz? Dann kann er am nächsten Tag darüber abstimmen lassen. Im Grunde war das keine Parlamentswahl, sondern eine Direktwahl des Regierungschefs - und die hat Radew gewonnen, indem er konsequent auf die Strategie setzte 'Nie gegen Russland'. Nun mag das in Bulgarien funktionieren, aber in Europa gilt Radew damit jetzt als überzeugter Putin-Anhänger und EU-Skeptiker - und das ist ein riskantes Manöver. Radew hat aber auch gewonnen, weil die Wähler nach jemandem gesucht haben, der das bisherige System aufbricht; diese ungeheuerliche Fusion aus Staat und organisiertem Verbrechen. Radew hat damit einen enormen Vertrauensvorschuss erhalten, und es liegt jetzt allein an ihm, ob er die Erwartungen erfüllen kann", konstatiert SEGA aus Sofia.
Die chinesische Zeitung JIEFANG RIBAO wertet das Wahlergebnis so: "Bulgarien bekommt mit Radew einen prorussischen Ministerpräsidenten, der die EU-Sanktionen gegen den Kreml offen ablehnt und sich gegen militärische Hilfe für die Ukraine ausgesprochen hat. Russlands Präsident Putin behält also trotz der Abwahl von Orbán in Ungarn einen Brückenkopf in der Europäischen Union", ist JIEFANG RIBAO aus Schanghai überzeugt.
"Selbst wenn Radew tatsächlich auf eine Annäherung an Moskau aus ist, könnte ihm die politische Lage im Land diese Möglichkeit schlichtweg verwehren", hält die russische Zeitung NESAWISSIMAJA GASETA dagegen: "Umfragen zufolge sind die Bulgaren derzeit nicht auf einen Konflikt mit der EU-Führung ausgerichtet, sondern im Gegenteil auf die Stärkung der Beziehungen innerhalb der EU. Radew präsentiert sich als Politiker, der vor allem die nationalen Interessen seines Landes verteidigt. Wenn ein konstruktiver Dialog mit Moskau für diese Interessen förderlich ist, dann müsste seiner Ansicht nach genau dieser Dialog betrieben werden. Diese Position wird von einem bedeutenden Teil der bulgarischen Bevölkerung unterstützt", beobachtet die NESAWISSIMAJA GASETA aus Moskau.
Die niederländische Zeitung DE TELEGRAAF hält mit Blick auf Waffenlieferungen an die Ukraine fest: "Bulgarische Analysten rechnen bislang damit, dass Radew eher einen pragmatischen Kurs fahren wird, auch aufgrund der großen Bedeutung der nationalen Rüstungsindustrie. Der Krieg in der Ukraine hat diesem Wirtschaftszweig, der nach dem Ende der Sowjetära in eine schwierige Lage geraten war, einen kräftigen Schub verliehen. Bulgarien ist mittlerweile ein wichtiger Lieferant von Munition und Sprengstoff an die Ukraine über Drittländer. Auch wenn Radew Lieferungen aus Bulgariens altem Sowjetarsenal stoppen könnte, wird nicht erwartet, dass er sich der Waffenproduktion für die Ukraine durch private Unternehmen widersetzt", vermerkt DE TELEGRAAF aus Amsterdam.
Die dänische Zeitung POLITIKEN findet, bei Radews Pragmatismus handele es sich eher um – Zitat – "Rückgratlosigkeit". Zudem biete seine Haltung gegenüber Russland durchaus Anlass zur Sorge: "Radew ist gegen Waffenlieferungen an die Ukraine, er akzeptiert die russische Annexion der Krim, und er spricht sich für billiges russisches Öl aus. Die Wahl in Bulgarien sollte deshalb auch ein Warnsignal sein, denn die EU ist noch kein geschlossenes Bollwerk gegen die russische Aggression. Nötig wären Mechanismen, die der Europäischen Union mehr geopolitische Durchschlagskraft verschaffen. Es müssen mehr Entscheidungen auf Mehrheitsbasis getroffen werden können. Wir können uns keine weiteren geopolitischen Geiseldramen mehr leisten wie die Erpressungen durch Viktor Orbán oder die Blockade dringend benötigter Ukraine-Hilfen. Das würde die Glaubwürdigkeit der EU unterminieren", betont POLITIKEN aus Kopenhagen.
Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG zieht eine Parallele zum Wahlsieg des pro-europäischen Kandidaten Péter Magyar in Ungarn: "Sowohl Rumen Radew als auch Péter Magyar haben den Kampf gegen Korruption zu ihrem Hauptanliegen gemacht. Magyars und Radews Thema war also die Veruntreuung ihrer Länder durch die herrschende Elite, nicht eine Zuwendung zur EU. Sie haben ihre Wahl nicht wegen einer internationalistischen Agenda gewonnen, sondern indem sie ihren Wahlkampf stark auf die Wahrung der nationalen Interessen ausgerichtet haben. Der sogenannte Rechtspopulismus verschwindet nicht durch ein Wunder, sondern indem die Probleme beseitigt werden, die ihn stark machen", unterstreicht die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG aus der Schweiz.
Nun zum Iran-Krieg. Die norwegische Zeitung VERDENS GANG aus Oslo kommentiert die ungewisse Fortsetzung der Verhandlungen, einen Tag vor dem Auslaufen der Waffenruhe zwischen dem Iran und den USA. "Der Krieg ist anstrengend, aber nicht unbedingt aus den Gründen, an die man sofort denken würde. Es sind nicht nur die Bomben, die Seeblockade oder die Sorge um die Zukunft - es sind die Verwirrung, die widersprüchlichen Meldungen und das fehlende Vertrauen. Statt einem diplomatischen Durchbruch gab es während der Waffenruhe ein Katz-und-Maus-Spiel und gegenseitige Anschuldigungen. In Teheran wächst der Eindruck, dass weitere Gespräche nur ein diplomatisches Ablenkungsmanöver vor einem neuen Angriff sind. Trumps Verhalten ist nicht gerade eine vertrauensbildende Maßnahme. Drohungen oder Behauptungen über angebliche iranische Zugeständnisse führen nicht zu einem nachhaltigen Abkommen. Vielmehr erscheinen Trumps fehlende Impulskontrolle und seine Äußerungen als die größten Hindernisse für einen Frieden. Am besten wäre es, wenn die USA nicht die Straße von Hormus blockieren würden, sondern den Truth-Social-Account ihres Präsidenten", heißt es in VERDENS GANG aus Oslo.
Die panarabische Zeitung AL ARABY AL-HADEED ergänzt: "Im Vorfeld der geplanten Gespräche haben beide Seiten den Fokus darauf gelegt, sich auf eine neue Runde gewalttätiger Auseinandersetzungen vorzubereiten und die Liste ihrer Angriffsziele zu aktualisieren. Die Attacken dürften sich verstärkt gegen Energieanlagen, strategische Standorte und die wirtschaftliche Infrastruktur richten, im Iran ebenso wie in den Golfstaaten. Wenn es jetzt zu keiner umfassenden politischen Lösung kommt, wird die gesamte Region von einem Flächenbrand erfasst. Gerade die Golfstaaten sehen sich größten Gefahren gegenüber. Sie sind gefangen in einer Sackgasse, aus der es kaum einen Ausweg gibt", stellt AL ARABY AL-HADEED mit Sitz in London fest.
In ASAHI SHIMBUN aus Japan ist zu lesen: "Allein die Tatsache, dass Washington Bereitschaft zu direkten Verhandlungen mit Teheran zeigt, ist für die iranische Revolutionsgarden ein Erfolg. US-Präsident Trump stellt die Lage dagegen seit Tagen so dar, als hätte der Iran bereits verloren. Das zeigt, wie sehr Trump den Revolutionsgarden ihren Erfolg streitig machen will. Ein solcher Schlagabtausch bedeutet wohl, dass das Ringen um eine vorteilhafte Position bei den nächsten Verhandlungen bereits begonnen hat", vermutet ASAHI SHIMBUN aus Tokio.
Die türkische Zeitung SABAH gibt zu bedenken: "Zwischen den beiden Ländern herrscht seit fast einem halben Jahrhundert Feindseligkeit und Misstrauen. Dies zu überwinden, wird Zeit brauchen. Andererseits sind die Bedingungen, die der Iran und die USA stellen, nicht so unvereinbar, wie es scheint. Dokumente belegen, dass ein Kompromiss sehr einfach zu erreichen wären. So stimmen beide Seiten darin überein, dass es kein Atomwaffenprogramm geben wird. Was die Straße von Hormus betrifft, stehen der Iran und die USA wahrscheinlich ebenfalls kurz vor einer Einigung. Sollte es dazu kommen, würden sowohl der Iran als auch die USA profitieren. Sollte keine Einigung erzielt werden, wäre das ein herber Rückschlag für beide Seiten. Die Gewinner wären China und Russland", stellt SABAH aus Istanbul klar, und damit endet die Internationale Presseschau.